Gedanken: 2.Spieltag der Gruppe C und der Gruppe D #WM2022

C: Polen : Saudi-Arabien 2:0 / Argentinien : Mexiko 2:0
D: Tunesien : Australien 0:1 / Frankreich : Dänemark 2:1

26.11.2022 Gruppe C
Polen : Saud-Arabien 2:0
Die Saudis sind also von der polnischen Altherrentruppe auf den Rasen der Tatsachen zurückgeholt worden. Und Superstar Lewandowski erzielte dank Mithilfe eines saudischen Abwehrspielers sein erstes Tor bei einer Weltmeisterschaftsendrunde. Kudos. Das Spiel war lange Zeit zerfahren, durch viele Zweikämpfe unterbrochen. Kurz und gut: Die Saudis spielten, die Polen rackerten. Erst mit dem Führungstreffer im Rücken kamen die Polen auf Betriebstemperatur – auch wenn sie sich mit Offensivläufen zurückhielten. Hilfreich bei alledem war ein von Szczesny – Torhüter bei Juventus Turin – gehaltener Elfmeter. Überhaupt hatte er viel zu tun und musste von einer Ecke in die andere fliegen. Die Polen verwalteten und schalteten dann und wann in die Offensive – im Konterspiel blieben sie brandgefährlich. Die Saudis berannten verzweifelt das gegnerische Tor, aber es wollte einfach nicht sein. Wie bereits gegen Argentinien zeigten die saudischen Spieler eine hohe Spielkultur und erinnerten in ihrem dunkelgrünen Fußballdress an ein Nigeria, das einst ebenfalls der Welt zeigte, dass man nicht nur in Südamerika mit dem Ball tanzen kann. Will man sich die unterschiedliche Spielkultur der beiden Mannschaften vor Augen führen, reicht ein Blick auf die Trainer. Da der ins Alter gekommene Beamte, der mit schlichten Gesten ein einstudiertes Programm gestikuliert, dort der französische Charismatiker, mehr Dandy denn Fußballer, der mit emotionalen Ausbrüchen seine Spieler antreibt. Polen und Lewandowski haben wieder zu ihrem Selbstbewusstsein gefunden, während die Saudis um eine Erfahrung reicher geworden sind: verlieren tut weh.

26.11.2022 Gruppe C
Argentinien – Mexiko 2:0
Die erste Halbzeit war eine zerfahrene Angelegenheit. Fußball wurde nicht wirklich gespielt. Viele hässliche Fouls. Krampfhafte argentinische Offensivbemühungen. Die Mexikaner stehen wie eine Mauer und machen das Zentrum dicht. Es brauchte zwei Einzelaktionen, um die Entscheidung herbeizuzwingen: einmal ist es Messi, der vor der Strafraumgrenze abzieht und platziert flach ins rechte Eck schießt, das andere Mal der junge Fernandez, der den Ball von links in die rechte Kreuzecke zirkelt. Mexiko musste die Handbremse lösen, aber nach einer guten Stunde Beton anrühren, war es für die Amerikaner kaum noch möglich, in einen offensiven Gang zu wechseln – obwohl man nach dem Saudi-Arabien-Spiel wusste, dass die Argentinier in der Defensive nicht gerade sattelfest sind. Noch immer ist es für mich rätselhaft, dass Argentinien die beiden Gruppenspiele ohne gefährliche Flügelspieler bestritten hat. Scheinbar such man das Heil im Zentrum. Die Gegnerschaft weiß das natürlich und stellt das Zentrum zu. Außerdem habe ich keine Defensivordnung bei den Argentiniern erkennen können. Es scheint, als würde Jeder Spieler den ballführenden Anlaufen dürfen, wenn er Lust dazu hat. So bewahrheitet sich eins ums andere Mal, dass Unterschiedsspieler den Unterschied ausmachen können – wer braucht da schon Taktik und Disziplin? Wie lange dieses „Konzept“ funktioniert, sei mal dahingestellt. Aber weltmeisterlich sieht anders aus.

26.11.2022 Gruppe D
Tunesien : Australien 0:1
Die letzten Minuten lieferten die Aussies eine Abwehrschlacht sondergleichen. Aber die beherzten Tunesier zumeist zahnlos, fehlt ihnen nicht nur ein Top-Stürmer, sondern auch ein begnadeter Ideengeber und Einfädler. Deshalb wurde eine Flanke nach der anderen in den Strafraum geschlagen, wurde der Ball eins ums andere Mal von den australischen Abwehrrecken wieder hinausbefördert. Nach dem recht frühen Führungstreffer machten die Australier recht wenig fürs Spiel. Und mit jeder Minute, die auf der Uhr verstrich, begnügten sie sich damit, den Ball vom eigenen Strafraum fernzuhalten, aber an einem Konterspiel waren sie nur selten interessiert, vergaben sogar zwei Riesenmöglichkeiten fahrlässig. Tunesien hatte Pech beim Gegentreffer, Australien das Glück des Tüchtigen. Beide Mannschaften werden wir im Achtelfinale wohl nicht mehr sehen. Es sei denn, wir spekulieren auf eine Sensation. Ist es wirklich vorstellbar, dass die Australier gegen Dänemark oder die Tunesier gegen die Franzosen die alte Rehhagel-Griechenland-Taktik auspacken: hinten alles dicht machen und vorne irgendwie den Ball reinhauen? Mit einem sehenswerten Fußballspiel hat das freilich nichts zu tun, aber das defensive Mittel heiligt bekanntlich den Aufstieg.

26.11.2022 Gruppe D
Frankreich : Dänemark 2:1
Da haben wir also den ersten Achtelfinalteilnehmer ermittelt. Weltmeister Frankreich setzte sich mit einem Sieg über Dänemark an die Spitze der Gruppe D und ist nicht mehr einzuholen. Platz 1. Voilà. Dabei haben sich die Dänen bemüht, dagegenzuhalten. Aber ein Mbappe auf Hochtouren ist nun mal nicht zu stoppen und am Tore schießen zu hindern. Er machte zwei Tore, strahlte immer Gefahr aus und war ein steter Unruheherd. Den Blick für den freien Mitspieler, den hat er im Sprint freilich nicht. Ansonsten hätten die Franzosen das Spiel frühzeitig entscheiden können. Sei’s drum, die Franzosen haben gezeigt, dass sie sich nach Belieben Chancen erarbeiten, ist deren Offensivabteilung eine Klasse für sich. Es bleibt zu hoffen, dass Mbappe im Turnier verletzungsfrei und die Harmonie im Team gewahrt bleibt. Die Dänen werden sich hoffentlich gegen spielschwache, aber siegeshungrige Australier durchsetzen, weil, Hand aufs Herz, wer möchte die Australier im Achtelfinale Beton anrühren sehen? Eben.

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