Gedanken: 2.Spieltag der Gruppe G und der Gruppe H #WM2022

G: Kamerun : Serbien 3:3 / Brasilien : Schweiz 1:0
H: Südkorea : Ghana 2:3 / Portugal : Uruguay 2:0

Gruppe G
Kamerun – Serbien 3:3
Kurzfristig musste man bereits befürchten, sein Haus verwettet zu haben, führten die Afrikaner knapp bis vor dem Ende der 1. Halbzeit mit 1:0 – aber dann kam die serbische Schlussoffensive. Ausgleichstreffer erzielt. Führung gemacht. Kamerun unachtsam und in der Defensive nicht konsequent genug. Die Serben gingen beruhigt mit 2:1 in die Kabinen. Man war sich einig, dass die Sache gegessen sei. Spätestens nach dem 3:1. Wäre da nicht die kuriose Situation gewesen, dass die Afrikaner in der zweiten Hälfte innerhalb von drei Minuten zwei „Abseitstore“ schossen, die laut VAR-Kontrolle regulär waren. Die Weltmeisterschaft wird vermutlich am Ende durch eine Millimeter-Entscheidung entschieden werden – ob zu Recht oder zu Unrecht, das sei mal dahingestellt. Wirklich überraschend, dass die Serben nicht mehr in ihr selbstbewusstes Spiel zurückfanden und sich von den spielfreudigen Kameruner die Schneid abkaufen ließen. Da beide Mannschaften mit einem Unentschieden leben konnten, fehlte dem Spiel das Erzwingen einer Entscheidung und damit die Dramatik, die wir so gerne sehen wollen. Kamerun verabschiedet sich nach einer brühwarmen Partie gegen die einschläfernden Schweizer mit einer guten Leistung von der Weltmeisterschaft. Im letzten Spiel gegen Brasilien werden sie wohl Lehrgeld zahlen müssen, während die Serben mit den Schweizern – wieder einmal – um alles oder nichts spielen werden. Ach ja, das Tor der Afrikaners Aboubakar zum 2:3 war ein Gustostückerl der Sonderklasse: alleine auf das serbische Tor zulaufend, ließ er einen serbischen Verteidiger ins Leere grätschen und überlupfte lässig den aus dem Tor eilenden Milinkovic-Savic. In einem hohen Bogen senkte sich der Ball und sprang schließlich vom Boden ins Tor. Jubel kam vorerst keiner auf, da der Schiedsrichter auf Abseits entschied. Erst die VAR-Kontrolle machte die Fehlentscheidung rückgängig. Muss man gesehen haben.


28.11.2022 Gruppe G
Brasilien – Schweiz 1:0
Bis zur 64. Minute musste man sich Sorgen machen, um die Brasilianer, die ohne ihr Superstar-Maskottchen Neymar antreten mussten. Sie wirkten beinahe eingeschüchtert, ließen das sonst so überschäumende Selbstbewusstsein vermissen und machten es den Schweizer im Mittelfeld oftmals zu leicht. In der 64. Minute tauchte Vinicius Jr. alleine vor Torhüter Sommer auf und rollte den Ball lässig ins lange Eck. Alle sind sie erleichtert, Fußballer wie Fans. Wäre da nicht wieder einmal die VAR-Kontrolle, die den Passgeber im Abseits festmachte. Tor aberkannt. Die Schweizer schöpften Hoffnung, glaubten an einen Lucky Punch. Beinahe 20 Minuten dauerte diese brasilianische „Angststörung“, dann kommt ausgerechnet der Defensivmann Casemiro im Strafraum zum Ball und zieht ohne mit der Wimper zu zucken ab. Müßig darüber zu diskutieren, ob Sommer den Schuss gehalten hätte, wäre er nicht leicht abgefälscht worden. Der Ball krachte jedenfalls ins Tor. Die brasilianische Fiesta konnte beginnen. Mit einem Male wurden die Brasilianer selbstsicher, versuchten sie Gustostückerl vorzutragen und kamen auch zu weiteren Chancen. Auf der anderen Seite bäumten sich die Schweizer noch einmal auf, aber umsonst. Mit dem knappen Sieg hat Brasilien die erste Hürde Gruppenphase genommen. Die Schweizer waren in der Defensive sehr sattelfest, in der Offensive fehlte ihnen die Durchschlagskraft und da vor allem Shaqiri. Vermutlich schnaubt er schon in der Kabine, wenn er an das nächste Match gegen Serbien denkt. Eine lange Geschichte. Keine schöne. Der Ausfall von Neymar wiegt schwerer als angenommen. Es braucht einen Ideen- und Taktgeber, ansonsten sind die Brasilianer vorwiegend auf Einzelaktionen oder Zufallsprodukte angewiesen. Das kann auf lange Sicht nicht gut gehen. Interessant, dass Trainer Bacchi gegen die Eidgenossen eine defensive Mannschaftsaufstellung wählte und die Flügelverteidiger zurückzog. Frei nach dem Motto: die Offensive gewinnt ein Fußballspiel, die Defensive den Weltmeistertitel. Da Brasilien im Achtelfinale steht, hat er alles richtig gemacht. Die Schweizer Bürokratentruppe wiederum kann durchaus stolz sein, hätte sie beinahe den Südamerikanern ein Unentschieden abgerungen, obwohl mich das Spiel der Serben trotz klarer Niederlage mehr beeindruckt hat. Das Eidgenössische Rasenschach von Trainer Yakin ist nicht nach meinem Gusto.


28.11.2022 Gruppe H
Südkorea – Ghana 2:3
Das war mal ein verrücktes Spiel. Ghana führte bereits mit 2:0, will das Match afrikanisch locker über die Runden bringen, gleichen die Südkoreaner wie aus dem Nichts innerhalb weniger Minuten mit einem Doppelschlag aus. Die Ghanaer wie vor den Kopf gestoßen, die Südkoreaner wittern ihre Chance, doch wiederum sind es die „Black Stars“, die etwa 20 Minuten vor dem Ende erneut in Führung gehen. Wiederum wollen sie die Führung nur verteidigen, geben sogar das Konterspiel auf. Südkorea wirft alles nach vor, Ghana alles nach hinten. Es folgt eine Abwehrschlacht sondergleichen. Die Bälle fliegen von rechts und links in den afrikanischen Strafraum, Schüsse werden geblockt, Bälle zur Ecke abgewehrt, Eckball um Eckball ausgeführt. Zehn Minuten Nachspielzeit. Die Spieler aus Ghana stehend Ko, die Koreaner lassen nicht locker, drängen und versuchen, das Tor zu erzwingen. Schlussendlich pfeift der Schiedsrichter nach einer 11-minütigen Nachspielzeit ab. Sehr zum Ärger des koreanischen Trainers, der den anstehenden Eckball noch ausgeführt sehen wollte. Die Folge: Eine Rote Karte für Trainer Bento. Ghana hat in den beiden Spielen eine großartige Leistung gezeigt und sind sicherlich in der Lage, den Großen einen Nadelstich zu versetzen, aber ernsthaft gefährden?, davon sind sie doch noch zu weit entfernt, fehlt es ihnen an vielen Positionen an Qualität – vor allem der Torhüter scheint mir nur zweite Wahl zu sein. Bei Südkorea sieht es nicht anders aus, mit dem Unterschied, dass die Spieler bis zum Schlusspfiff alles, wirklich alles gegeben haben. Mental sind sie einfach ein starkes Kollektiv. Aber wie man gesehen hat, schießen Laufbereitschaft und mentale Stärke keine Tore – aber packend ist es für uns Zuschauer allemal.


28.11.2022 Gruppe H
Portugal – Uruguay 2:0
Portugal hat sich also durchgesetzt und steht im Achtelfinale. Dabei hat Uruguay über 50 Minuten lang dagegen gehalten, versucht, mit viel Einsatz und Aggressivität das Spiel der Portugiesen zu unterbinden. Das Pressing der Uruguayer war die beeindruckende Vorstellung, wie man eine spielstarke Mannschaft aus dem Konzept und den Gefahrenbereich nimmt. Aber nach dem portugiesischen Führungstreffer in der 54. Minute wechselten die Südamerikaner von ihrem destruktiven Spiel zu einem offensiven System und versuchten den Ausgleich zu erzwingen. Seltsamerweise ließen sich das die Portugiesen gefallen, weshalb Uruguay zu hochkarätigen Chancen kam. Einmal klatschte sogar ein Schuss an die Stange. Schade, dass man nicht gleich von Anfang an druckvoll nach vor spielte, aber die Angst, damit Portugal die Räume zu geben, die sie brauchen, um gefährlich zu werden, schreckte wohl den Trainer ab. So wurde es in der Schlussphase noch einmal hektisch und erst in der Nachspielzeit war es ein fragwürdiger Elfmeter für Portugal, der das Match entschied. Hat Portugal Anspruch auf den Titel? Es geht jedenfalls in die richtige Richtung, entscheiden sie jetzt endlich Spiele für sich. Die Qualität der Mannschaft ist unbestritten sehr hoch, aber noch fügt sich nicht alles zu einem Ganzen. Ronaldo hat viele Freiräume und ist überall und nirgends (im Strafraum) zu finden, Joao Felix verkümmert zumeist am Flügel und gehört als Hängende Spitze hinter Ronaldo, der zwar am Papier Mittelstürmer ist, aber gleichzeitig auch Einfädler sein möchte. Gäb’s da noch Jungstar Leao, für den in der gegenwärtigen Aufstellung kein Platz zu finden ist. Es braucht noch viel Justierungsarbeit, bis Portugal endlich dort ist, wo es hingehört. Uruguay hat seltsamerweise Angst vor der eigenen Courage und spielt auf Sicherheit und kompromissloses Beton anrühren. Schade. Sie hätten hervorragendes Spielermaterial für einen offensiveren Fußball. Im nächsten Spiel – ausgerechnet gegen Ghana – werden sie wohl von Anfang an zeigen, was in ihnen steckt. Würde man die älteren Herren mal pausieren lassen, dafür die hungrigen Jungs von der Leine lassen, Uruguay könnte zur Höchstform auflaufen.

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