Alle Beiträge von Richard K. Breuer

Schriftsteller & Verleger

Ein Abschluss wurde gefunden #literatur #leben

Es war eine recht aufregende Woche. Mehr für E., der eigentlich R. ist, aber in gewisser Weise auch für A., die eigentlich P. ist. Es gab eine kleine Katharsis, irgendwo in der Mitte der Stadt, als E. gerade dabei war, einen bitteren Gang anzutreten, der einen Abschied vom alltäglichen Leben ankündigt. A. hat ihn ordentlich aufgeschreckt. Ein schönes Leben, wünschte sie ihm. Warum? Weil er sich Zeit ließ, auf ihre Nachricht zu antworten. Rund 18 Stunden waren vergangen. A. ahnte, dass E. mit Absicht, und damit auf eine böswillige Art und Weise, nicht antwortete. Dafür brauchte es freilich kein detektivisches Gespür, hatte sich E. sonst alsbaldig, um nicht zu sagen, sofort, gemeldet. Das darf jetzt nicht weiter verwundern, empfindet E. noch immer viel – zu viel – für A.

Tatsächlich verbat es sich E. auf die Nachricht zu antworten. Schwer ist es ihm gefallen. Sehr schwer. Auf die Couch ist er des Abends gefallen und musste sich mit trockenen Lippen und feuchten Augen beinahe mit Gewalt zwingen, nicht zu antworten. Für ihn war es kein Spiel, vielmehr war es der Versuch, eine komplizierte Operation am leidenden Herzen vorzunehmen. A. durchschaute das Spiel, wusste aber nichts von einer Operation – und verhinderte jeden Erfolg durch ihr frühzeitiges Eingreifen

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Das Begraben einer Illusion #literatur #leben

Der gute E., der eigentlich R. ist, hatte es die letzte Woche längst geahnt, dass sich da etwas in ihm zusammenbraut. Natürlich handelt es sich um eine zwischenmenschliche Befindlichkeit, die durch A., die eigentlich P. ist, ausgelöst wurde. Wobei, so einfach mag es nicht sein. Sagen wir, es ist kompliziert. Besser noch: Einer macht aus dem Einerlei zweier Menschen eine dialoglastige Tragikomödie, die sich zu einer veritablen Farce auswächst, während die andere gar nicht bemerkt, dass sie in einem Theaterstück mitspielt. Sie tut, was sie immer getan hat, nämlich ihrer Laune freies Geleit geben, gerade wenn es um E. geht. Der nimmt sich zu viel heraus. Denkt sie. Sagt sie. Und gibt E. zu verstehen, dass es nun mal enge Grenzen in einer Freundschaft gibt. Da liegt auch schon der Hase im biologisch angebauten Pfeffer.

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Vor 233 Jahren wurde die Bastille gestürmt und das Geld auf den Thron gesetzt #1789 #revolution #frankreich #globalisierung #zukunft

Gestern jährte sich der Sturm auf die Bastille zum 233. Male. In meiner Romanserie Tiret setze ich mich mit dem Vorabend der Französischen Revolution von 1789 auseinander. Die Probleme der Untertanen, damals wie heute, unterscheiden sich nicht großartig. Immer geht es darum, dass der Mensch seine Würde wahren und genug Münzen in der Taschen haben möchte, um ein geordnetes Leben leben zu können. Der königliche Rat Ludwig XVI. merkte die Gärung in der Bevölkerung und ließ seinerzeit die erste landesweite Umfrage seit Menschengedenken durchführen. In diesen Beschwerdeheften, so sie noch vorhanden sind, können wir es schwarz auf weiß lesen, wie unzufrieden die Bauern mit den viel zu hohen Abgaben und dem Frondienst oder die Hafenarbeiter in Marseille mit den fremdländischen Zuwanderern, die als Konkurrenz auftraten, waren. König Ludwig XVI. war bereit, mit sich reden zu lassen – aber eingebunden in einem starren und überholten Regierungs- und Wirtschaftssystem, waren ihm die Hände gebunden. Das Fass musste unweigerlich überlaufen.

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Ein erster Eindruck der Frauenfußball-EM in England anno 2022

Die Fußballeuropameisterschaft der Frauen ist noch in der Gruppenphase. Es gibt Licht. Es gibt Schatten. Bald kommt es zu den entscheidenden Spielen, die über Aufstieg oder Koffer packen entscheiden werden. Dann ist es diese spannende Dramaturgie, die uns neutrale Zuschauer in den Bann ziehen wird. Sportliche Großereignisse leben von der Emotion. Sieg und Niederlage, Höhenflüge und Abstürze, sie liegen nah beieinander. Wie im Leben selbst.

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Das große Zurückrudern: Impfpflicht ade in Österreich #gesundheit #gesellschaft

Vor wenigen Tagen hat der österreichische Gesundheitsminister Rauch der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass die Impfpflicht der Vergangenheit angehört und aufgehoben wird. Diese Aufhebung kam recht überraschend. Die Gründe dafür sind vielfältig, wir können davon ausgehen, dass die beiden in letzter Woche abgehaltenen Volksbegehren – zum einen über die Impfpflicht, zum anderen über den Rücktritt der Regierung – den verantwortlichen Parteien unangenehm säuerlich vor Augen stand. Überhaupt hängt die österreichische Regierung angezählt in den Seilen. Der Konflikt in der Ukraine, der dank Washington und Brüssel in ein europäisches Sanktions- und Solidaritätsdrama ausgeartet ist, das die „Weltwirtschaft im Westen“ an die Wand fährt, wird in den nächsten Monaten für viel politischen Sprengstoff sorgen. Deshalb mag es nicht weiter verwundern, wenn Minister Rauch mit brüchiger Stimme davon spricht, dass die aufgerissenen Gräben in der Gesellschaft zugeschüttet werden müssen.

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