Alle Beiträge von Richard K. Breuer

Schriftsteller & Verleger

Ein Viertel Wald, ein Viertel Wein?

Mit T. geplaudert, dabei bemerkt, dass ich ihm und anderen von meinem „Erfolg“ im Theater Westliches Waldviertel erzählte. Dabei ist das TWW nicht im Wald- sondern im Weinviertel. Aha! Für einen überheblichen Wiener (Vorsicht, Wasserkopf!) beginnt das Ausland bereits an der Stadtgrenze (für manch einen an der Bezirksgrenze).

Ja, der typische Ur-Wiener ist auf sein Grätzel fixiert, in dem er aufgewachsen ist. Warum? Vermutlich ist’s die Verklärung der Vergangenheit. „Weißt, damals, da war alles no besser …“ Der Autor dieser Zeilen lebt auch schon eine halbe Ewigkeit im selben Bezirk. Glasscherbeninsel. 20.Bezirk, die Brigittenau. Die Donau hat es ihm angetan. Von seinem Fenster blickt er auf den reißenden Strom ruhig dahinkriechenden Fluss (Kraftwerk Freudenau!) und labt sich am Horizont.

wienbeinacht01a.jpg

Er erinnert sich an seine Kindheit, an das Überschwemmungsgebiet (heute: Donauinsel), an die alte Floridsdorfer Brücke (abgerissen und neu gebaut!), deren Grundstein im Sommer des Jahres 1913 gelegt wurde. Und ein Jahr später beginnt der 1.Weltkrieg und kein Grundstein blieb auf dem anderen.

a blogging good way

Ein eigenes Blog zu haben, das ist so ähnlich, als würdest du alleine auf den Straßen unterwegs sein können. Keine Freunde, die du bedienen musst, deren Einträge du weder zu lesen, noch zu kommentieren hast. Virtuelle Dorf-Bekanntschaften können eine Bereicherung sein, keine Frage, aber sie sind, was sie nun mal sind: unwirklich.

Eine Blog-Community ist mit einer Dorfstruktur vergleichbar. Da gibt es die Außenseiter (die absichtlich ignoriert werden), die Dorftrotteln, die respektablen Bürger (immer ordentlich, immer nett), die dubiosen Nachbarn (sind die ganze Zeit zu Hause und keiner weiß, was sie tun, wovon sie leben), die Traumfrau von nebenan (sie flirtet und lädt dich ein – mehr ist aber nicht), die spießigen Bürger (immer zu ordentlich, immer zu nett), die angehenden Schriftsteller und Lyriker, die sich wundern, noch nicht entdeckt worden zu sein (sagen jene über andere), die Alleinstehenden, die ihre Einsamkeit mit Einladungen („schau bei mir vorbei“) verbergen wollen, die frustrierten Bürger („warum besucht mich keiner?“), die egozentrischen Bürger (sie verstehen nicht, warum sie nicht besucht werden), die Spaßvögel, die nachdenklichen Bürger („warum besucht mich keiner?“) , die depressiven Bürger („warum besucht mich keiner?“) und so weiter und so fort.

Apropos. Jeder Blogger versammelt die o.a. Eigenschaften in sich! Der eine mehr, der andere weniger. Jetzt stellt sich für mich nur noch eine Frage. Warum besucht mich keiner?

In der Menge verliert sich das Genie

sagte schon Balzac (in Pierre Grassou).

Es gibt eine unüberschaubare Anzahl an Blogs und Geschreibsel im Netz. Jeder möchte seine Schreibe bekannt machen, möchte sich aus der durchschnittlichen Masse hervorheben. Dazu bedarfs es Klicks (früher: Leser). Deshalb ist es unter Profi-Bloggern üblich, Themen aufzuwerfen, die bewusst Kontroversen auslösen, aber selber bleiben sie im Hintergrund. Wer Stellung bezieht, verliert Klicks!

die Geschichte von Balzac über die mittelmäßige Kunst ist unbedingt zu lesen: Link zur Gutenberg-Site

Kommentar zum Eintrag von Liz

Post-dadaistische Urinalität

Man stelle sich vor, du kennst einen Künstler, der Klopapierrollen in den Urin bekannter Persönlichkeiten taucht („Die ist von Robbie Williams!“). Ein Kurator erfährt zufällig davon (der Bekannte eines Freundes eines Bekannten hat ihn darauf angesprochen), findet es anders („Sehr gut! Das ist provokante post-dadaistische Urinalität!“) und bringt es als Gastauftritt im Museum der Modernen Kunst unter.

Ein Medienrummel setzt ein (weil das Museum natürlich davon profitiert und es in Gang bringt – „Das gab’s bis jetzt noch nie!“) und ab dem Zeitpunkt klatschen jene guten Bekannten, die den Künstler vorher belächelt haben, anerkennend in die Hände („Hast du ihn im TV gesehen, in der Zeitung den Bericht gelesen? Das MoMA in New York soll sich bereits für ihn interessieren!“). Mehr noch, sie schmücken sich mit seinem Namen und ihrer Freundschaft („Bevor er noch bekannt war, hab ich ihm den Kaffee gezahlt, weil er so pleite war!“). Das geht so lange gut, bis der Hype, der Medienrummel nachlässt. Dann verschwinden wieder die guten Bekannten („Ich hab’s ja gleich g’sagt, dass das keine Kunst ist!“).

Warum?

Weil die Kunst nicht ihr Inneres anspricht – es geht vielmehr um die erzielte Wirkung (Medien, Geld), nicht um den künstlerischen Inhalt.

Was für ein Theater!

Da hat der Autor dieser Zeilen also ein Theaterstückl geschrieben (Idee und Inspirationsquelle und Inszenierung Uli), förmlich aus dem dichtenden Ärmel geschüttelt. Die erste Version mit den SchauspielerInnen gelesen – und sogar gelacht ) Dann hat Uli den Text zusammengekürzt und inszeniert und gleich mal eine Rolle einstudieren müssen (weil eine Schauspielerin ausgefallen ist). Am Samstag, 28. April 07 dann die Premiere im TWW in Guntersdorf bei Hollabrunn.

Was ist die Liebe, Katarine?
eine musikalische Entdeckungsreise“

Ich habe keine Ahnung, was mich dort erwarten würde. Das Theater, mit gerade mal 5 Sitzreihen, ist schmal, aber heimelig. Glücklicherweise nicht so intim, wie es die Kleinkunstbühnen sind (wo du aufpassen musst, dem Schauspieler nicht ins Gesicht zu husten). Die Bühne ist geräumig und das Bühnenbild gefällt mir.

Dann geht es los (zuvor musste ich noch ein Achterl trinken). Nach den ersten Zeilen darf ich bemerken, dass an den Dialogen so gut wie nichts verändert wurde. Erfreulich. Dumm, dass ich nun ein wenig ins Publikum höre. Wann wird wo gelacht? Wo geschmunzelt? Überlege, ob es am Geschriebenen, Inszenierten oder Publikum liegt, wenn eine Pointe nicht wahrgenommen wird. Dafür wieder verblüffend feststellen müssen, dass man mit sehr wenig sehr viele Lacher erzielen kann. Hier ist der Uli zu gratulieren – weil sie es (mit ihrer Bühnenerfahrung) verstanden hat, das das Gesagte alleine nicht ausreicht. Es muss mit Gesten und einer Mimik begleitet werden, während die Kostüme, die Aufmachung es auf den Punkt bringen müssen. Während der Dichter seine Charaktere viele Tage und Nächte durchdenkt, muss der Zuschauer in kürzester Zeit eine Ahnung bekommen, wer sich hinter dem „Peterchen“ oder dem „Katrinchen“ verbirgt.

Die Songeinlagen („eine musikalische Entdeckungsreise“) können mich überzeugen (da war ich anfänglich skeptisch), das Kontrabass, das durch Zufall zu den restlichen Musikinstrumenten (Klavier, Gitarre) stieß, ist eine wundervolle Bereicherung. Im Besonderen (und wie zu erwarten war) singt sich Janne in die Erotik. Das gefällt natürlich.

Vor der letzten Szene gibt es eine Pause, was mich anfänglich verwirrt (warum erst jetzt?), bis ich bemerke, dass die Bühne ja umgebaut werden muss. Auch hier – die Fragestellung (ein Raum füllt sich mit Protagonisten – wo haben sie zu stehen, was zu tun?) ist keine einfache – kann ich nichts bemängeln.

Die Kürzungen und kleinen Veränderungen fallen nicht sonderlich ins Gewicht – ich kann es gut verkraften (was aber nicht heißt, dass ich sie vergessen habe – jetzt weiß ich wenigstens, wie sich ein Dramatiker fühlen muss, wenn der Dramaturg oder Regisseur den Stift nimmt und zu streichen beginnt ;)

Zu guter Letzt darf geklatscht und gejubelt werden!
Ich werde auf die Bühne gerufen [aha, so schaut es also von da oben aus] und verneige mich, als hätte ich einen Besen geschluckt, weiß nicht, wo ich meine Hände hingeben soll. Ich glaube, ich sollte Schauspielunterricht nehmen („Monsieur, Sie bewegen sich ja wie ein Stück Holz. Mehr Grazie, mehr Leichtigkeit, wenn ich bitten darf. Also, von vorne!“).

Jetzt bin ich natürlich gespannt wie ein Pfitschipfeil, auf die nächsten Vorstellungen und wie sie ausfallen werden. [sagt man nicht, dass eine Premiere generell die schlechteste Vorstellung ist, weil es seine Zeit braucht, bis es sich eingespielt hat?]. Freilich geh ich noch mal hin! Das hab ich mir verdient, oder?

TWW ProgrammzeitungSchön war’s!
*klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch * (c) Foto: Scan der Programmzeitschrift des TWWs No 1 2007