Archiv der Kategorie: 9to5

Ein erstes Missverständnis & Steal this film & Spreeblick

Den Gag von 9to5 habe ich, ehrlich gesagt, nicht geschnallt. Was wohl daran liegt, dass ich „am“ und „pm“ ständig verwechsle. Die Veranstalter wollten die Arbeitszeit auf den Kopf stellen und meinten: von 21 Uhr bis 5 Uhr früh. Merkwürdig fand ich’s, zugegeben, dass manche der Veranstaltungen erst nach Mitternacht losgehen. Ich dachte: „Hey, das sind alles junge Leute, die werden erst des Nächtens aktiv.“ Muss ich jetzt vorschlafen?

Ich hätt’s wohl besser tun sollen. Bis 3 Uhr früh aufgewesen. Am Deck (=Terrasse) den Film „Steal this film“ bis zum Ende angesehen. Der Dokumentar-Film über Video-Piraterie, in dem auch der historische Abriss über die Weitergabe von Wissen gezeigt wurde, war wider erwarten, ausgezeichnet gemacht. Dass auch die französische Revolution zu Wort kommt, hat mich gefreut. Ja, man muss die historischen Zusammenhänge verstehen lernen, um zu wissen, wie die Systematik des Nehmens und Gebens funktioniert und funktioniert hat.

spreeblick

Schließlich im Schlafraum – 5. Stock mit Ausblick auf die Spree – zu „Bett“ gegangen, will heißen: ISO-Matte und Schlafsack. Kein Luxus. Dafür gratis! Um 8 Uhr, bei blauem Himmel und Sonnenschein aufgestanden, geduscht (brrr … wo ist das Warmwasser hin?), geputzt und als erster zum Kaffee an die Bar.

[update: 14:13 – es blitzet und donnert und regnet in Strömen]

das Meedchen Kheira und ein ruhiges Eckerl in Berlin

Gestern. Um etwa 15 Uhr komm ich wieder zum Festivalgelände, treffe dort Kheira, jene welche das Cover für mein neues Buch machen soll. Wir quatschen uns ein, sie zeigt mir ihre neuesten Kreationen, die mir auf Anhieb gefallen und machen schließlich (erste) Nägel mit Köpfen (Kheira: „Ich sag gleich, umsonst mach ich es nicht.“) und werden uns handelseins. Ihre gute Freundin M. aus Leipzig gesellt sich zu uns. Auch sie ist Grafikerin. Ich geb ihr mein Kärtchen, weil es ja noch viele Bände, viele Covers zu gestalten gibt, wenn es nach mir geht. Erfreulich, wenn die kreative Chemie stimmt. Jetzt heißt es, meine Lektorin in Jena zu überzeugen, dass der gute TIRET ein brauchbares Stück Literatur ist, die (nicht nur von mir) lesbar ist. Ansonsten müsste ich mir eine andere Lektorin suchen oder von vorne anfangen. Keine schönen Aussichten, oder? Mein Zeitplan, im Moment, sagt mir, dass ich Ende Dezember, vor Weihnachten, den ersten Band veröffentlichen möchte. Ist das realistisch? Das steht wohl in den Sternen von Jena. Wie auch immer, Kheira ist jedenfalls eine ganz eine nette, die unverblümt feststellt, dass Berlin einen ganz schön stresst (im Vergleich zu Skandinavien).

Meine erster Eindruck von Berlin? Aus irgendwelchen Gründen fühl ich mich nicht wohl. Aber wer weiß, vielleicht ist es nur eine momen- tane Stimmung. Geben wir Berlin mal eine Chance.

nikolai

Ach ja, ein kleines Eckerl um die Nikolaikirche hat’s mir angetan. Weil es eine angenehme Rückzugsmöglichkeit bot. Der Autoverkehr ist (wie in allen Großstädten) nicht zum Aushalten. Schrecklich!

Chaos de Luxe

Gestern. Früher Vormittag. Ich finde das Gebäude, in der das Festival über die Bühne gehen wird, für die nächsten Tage. Merkwürdig unaufgeräumt, überall arbeitende Hände, die Dinge hervorholen oder verräumen oder aufputzen oder abputzen. Ich wundere mich, wie so oft, in meinem Leben, und spreche mal jemanden an. Dieser jener zuckt mit der Schulter, da er Job A zu machen hat. Mehr weiß er nicht. Was er weiß ist, dass es erst um 21 Uhr losgeht. Ich werde misstrauisch – wie so oft in meinem Leben – und suche jemand anders. Ein Mädel kommt in mein Blickfeld, ich halte sie an, stelle meine Frage. Rätselraten („Bist du einer der Helfer? Gast? Ach so, ein Teilnehmer.“) Sie schickt mich guten Gewissens in den zweiten Stock, wo ich mich aber nicht zugehörig fühle, weshalb ich zwei Stockwerke höher steige, wo ich aber bemerke, dass ich dort schon gar nicht hingehöre. Also doch in den zweiten, in eines der kleinen Zimmer.

 

helferin„WLAN“ bringt mich nicht weiter, vielleicht die „ich-lege-die-T-Shirts-zusammen“-Helferin, die äußerst hilfreich ist, aber auch nicht weiß, was sie mit mir anfangen soll. Eigentlich will ich ja nur meinen Trolley deponieren und deponiere ihn. Sie sieht vertrauenswürdig aus. Liegt’s vielleicht daran, dass sie schon mal in Wien gelebt hat? Ja, das schweißt zusammen. Irgendwie.

the wall

Ich mache mich also auf den Weg – immer der Mauer entlang – und erkunde Berlin, obwohl ich es gar nicht will. Ab und zu muss ich an Kafka denken, als dieser einen gewissen Herrn K durch das juristische System hetzte, in dem sich keiner zuständig fühlte, aber jeder wusste, dass ihm der Prozess gemacht wird. Oder der Landvermesser, der nur aufs Schloss wollte, aber im Kreis zu laufen hat bis er (wir können davon ausgehen) Tod umfällt. Ist das unsere Zukunft? Ein System, in dem niemand zuständig, niemand verantwortlich ist, und doch steht das Urteil fest oder ist im Begriff über dich gefällt zu werden. Im Kleinen bemerken wir es ja oft und oft. Etwa, wenn du im Café sitzt und einen Wunsch hast, der so nicht auf der Speisekarte ist. „Ich würde es Ihnen ja gerne zubereiten lassen, aber ich kann es nicht verrechnen. Tut mir Leid. Wollen Sie vielleicht etwas anderes?“

Ja, im Besonderen sind es die Software-Programme, die von den Wenigsten durchschaut (ich weiß wovon ich rede), deren Ergebnisse aber von aller Welt hingenommen werden. Die Komplexität der IT-Systeme wird uns noch einmal teuer zu stehen kommen. Weiß einer, warum ich nicht ins WLAN komme? update 24.August 2007: Weiß einer, warum ich nicht meine E-Mails abrufen kann?

then we take berlin

Morgen ist es also soweit. Der Flieger wird mich nach Berlin fliegen. Die erste Nacht wird auf der Spree verbracht. Ja, auf der Spree. In einem Hostel-Schiff. Ich teile die Kajüte mit 5 anderen MatrosInnen. Zwar sagte ich mir in Zürich, nie wieder ein Mehrbettzimmer mit fremd(artig)en Menschen, aber weil’s ja doch nur für eine Nacht ist, mache ich eine Ausnahme. Zudem ist es auch noch spottbillig. Nächtigen in Berlin ist, so scheint’s, nicht gerade ein Schnäppchen. Aber vielleicht muss ich ja nur anständig „gucken“. Schau ma mal.

Wer mit dem Titel nichts anfangen kann, bitte sehr, hier geht’s zur Info.

Danach kommt 9to5, Lisa

ticket 9to5 9to5

Da soll mal einer sagen, die virtuelle Bloggerei führt zu nix Realem. Immerhin habe ich jetzt Geld mit vollen Händen ausgegeben (besser: die Daten zur Kreditkarte ganz schmerzlos in einem Fensterl eingetippt … ja, der bargeldlose Verkehr verleitet und verführt), was die Lena durchaus befürworten und Lisa mit Sicherheit freuen wird – die 428 Cents (lt. Monsieur Tim: 4280 Cents) sind nämlich für das 9to5-Festival in Berlin, wo von Donnerstag bis Sonntag, also 4 Tage lange (eigenartigerweise heißt es aber überall 3 Tage) an der Spree gearbeitet wird, auf dass die Notebooks rauchen (uups – brauche möchte ich nicht ein neues Notebook? … aber das ist eine andere Geschichte). Was ich dort machen werde? Hm?! Zum einen Kontaktungen knüpfen und pflegen, ein paar Exemplare von „Rotkäppchen“ mitnehmen („Hei, guck ma da, du hast ja ne Gutenacht-Geschichte dabei?“), sie verschenken oder vertauschen und zum anderen einfach mal die Spree bewundern und die schreibende Seele baumeln lassen („Alter Schwede, was hängt denn da vom Baum runter?“)

Günstige Flüge gibt’s bei AirBerlin – um schlappe 570 Cents (lt. Monsieur Tim: 5700 Cents). Die Nächte werden ohne Aufpreis am Festivalgelände verbracht – Schlafsack ist mitzubringen! Vorher oder nachher gilt es, ein paar Tage Berlin zu beschnuppern – ist’s doch das erste Mal, dass der Habsburger Schreiberling den Hohenzollern seine Aufwartung macht (und Königgrätz geflissentlich unter den geschichtsträchtigen Tisch kehrt). Lisa hat mir die faszinierende Adresse einer WebSite zukommen lassen, in der private Couchplätze vermittelt werden: http://www.couchsurfing.com

Nach dem ich ja in Zürich bereits auf engstem Raume mit 3 mir fremden Bürschleins die Nacht verbrachte – Jugendherberge sei Dank – dachte ich mir, als Bohèmian sollte ich das wieder mal ausprobieren. Ein bisserl ein mulmiges Gefühl beschleicht mich ja doch, irgendwie, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt eine Schlafplatz in Berlin. Oder so ähnlich.

Übrigens bin ich bis Freitag Abend offline. Der Dichter zu Wien fährt in die Provinz und versucht dort an seinem neuen Werk zu arbeiten – weil ja gar nix weitergeht, in der schwülen und schwitzenden Hauptstadt. Warum knurrt mir jetzt plötzlich der Magen?

[ich hoffe, ich krieg keine Schwierigkeiten, weil ich mein Ticket hier (abgeschnitten) veröffentliche … net, dass jemand auf die abstruse Idee kommt, eine Raubkopie davon anzufertigen, gell! …. update … 100 Cents entsprechen tatsächlich 1 Euro? Hätte ich nicht gedacht.]