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Der merkwürdige Anschlag auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin, ein Jahr später

Vor genau einem Jahr, am 19.12.2016, fand der vermeintliche Anschlag am Breitscheidplatz in Berlin statt. Ich habe mir keine zwei Wochen später Gedanken darüber gemacht und bemerkt – wie nach jedem dieser angeblichen islamistischen Anschläge – dass Vieles nicht zusammenpasst. Wer meinen Artikel noch nicht gelesen hat, ist herzlich eingeladen, es jetzt nachzuholen.

In der Print-Ausgabe der taz, die liegt freundlicherweise im Kaffeehaus meiner Wahl aus, habe ich nun den zweiseitigen Bericht Schaut auf diese Namen: Breitscheidplatz – ein Jahr nach dem Anschlag gelesen. Ich habe mir gleich mal die drei Fotos der Hinterbliebenen genauer angesehen. Was auffällt ist, dass als Quellen Agentur Focus, dpa und Der Spiegel angegeben wurden. Das bedeutet, dass diese Bilder von der taz zugekauft wurden. Mit den Bildern kommen für gewöhnlich auch die zugehörigen Texte. Vielleicht gab es ein Bild-Text-Package. Es ist demnach aus dem Artikel nicht ersichtlich, wie viel die beiden taz-Redakteure eigenständig recherchiert und wie viel sie abgeschrieben haben. Falls diese Packages in all den anderen Redaktionsstuben Deutschlands die Runde gemacht haben, dann mag es auf der Hand liegen, dass wir aus den daraus entstehenden Artikeln nichts Neues erfahren werden.

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Anatomie eines merkwürdigen Anschlags auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin, 2016

update: Ein Jahr später. Meine Gedanken dazu.

update: User WoodyBox macht sich in seinen Blog-Beiträgen komplexe Gedanken über allerlei Details zum (vermeintlichen) Anschlag. Ein wenig habe ich ja die Befürchtung, dass diese berufenen Forensiker gar nicht mehr in der Lage sind, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen, trotzdem sind die Analysen und Gedankengänge empfehlenswert.

update: Empfehlenswertes Video eines besorgten Berliner Bürgers, der einen Rundgang am Weihnachtsmarkt macht, Tage nach dem vermeintlichen Terroranschlag mit einem Lkw. Er weist dabei auf allerlei Merkwürdigkeiten hin.

pynchon_fragen

Der gewöhnliche Medienkonsument ist recht leicht an der Nase herumzuführen. Er hat keine Vorstellung, nicht die kleinste, wie oft er angelogen wird, von den Medien, von den Behörden, von den Politikern und von all den bezahlten Schaustellern auf der Straße oder im virtuellen Netz. Jeder, der sich mit der näheren Vergangenheit beschäftigt hat, ist sich im Klaren, dass nichts ist wie es uns in der Schule gelehrt wurde. Es ist nicht leicht, dem gewöhnlichen Bürger zu erklären, dass da draußen Leute am Werke sind, deren einzige Aufgabe es ist, die Geschichte eines Ereignisses in Echtzeit zu verändern. Der (vermeintliche) Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin macht da keine Ausnahme. Sieht man sich die Sache an, ohne dabei seinen Verstand einzuschalten, kann man mit der offiziellen Lesart der Medien, dem Sprachrohr der Behörden, ganz gut leben. Aber wehe, man schaltet sein Hirn ein und beginnt, in den Details zu stochern. Ehe man sich versieht, glaubt man sich im Film, im falschen Film.

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das Meedchen Kheira und ein ruhiges Eckerl in Berlin

Gestern. Um etwa 15 Uhr komm ich wieder zum Festivalgelände, treffe dort Kheira, jene welche das Cover für mein neues Buch machen soll. Wir quatschen uns ein, sie zeigt mir ihre neuesten Kreationen, die mir auf Anhieb gefallen und machen schließlich (erste) Nägel mit Köpfen (Kheira: „Ich sag gleich, umsonst mach ich es nicht.“) und werden uns handelseins. Ihre gute Freundin M. aus Leipzig gesellt sich zu uns. Auch sie ist Grafikerin. Ich geb ihr mein Kärtchen, weil es ja noch viele Bände, viele Covers zu gestalten gibt, wenn es nach mir geht. Erfreulich, wenn die kreative Chemie stimmt. Jetzt heißt es, meine Lektorin in Jena zu überzeugen, dass der gute TIRET ein brauchbares Stück Literatur ist, die (nicht nur von mir) lesbar ist. Ansonsten müsste ich mir eine andere Lektorin suchen oder von vorne anfangen. Keine schönen Aussichten, oder? Mein Zeitplan, im Moment, sagt mir, dass ich Ende Dezember, vor Weihnachten, den ersten Band veröffentlichen möchte. Ist das realistisch? Das steht wohl in den Sternen von Jena. Wie auch immer, Kheira ist jedenfalls eine ganz eine nette, die unverblümt feststellt, dass Berlin einen ganz schön stresst (im Vergleich zu Skandinavien).

Meine erster Eindruck von Berlin? Aus irgendwelchen Gründen fühl ich mich nicht wohl. Aber wer weiß, vielleicht ist es nur eine momen- tane Stimmung. Geben wir Berlin mal eine Chance.

nikolai

Ach ja, ein kleines Eckerl um die Nikolaikirche hat’s mir angetan. Weil es eine angenehme Rückzugsmöglichkeit bot. Der Autoverkehr ist (wie in allen Großstädten) nicht zum Aushalten. Schrecklich!

Chaos de Luxe

Gestern. Früher Vormittag. Ich finde das Gebäude, in der das Festival über die Bühne gehen wird, für die nächsten Tage. Merkwürdig unaufgeräumt, überall arbeitende Hände, die Dinge hervorholen oder verräumen oder aufputzen oder abputzen. Ich wundere mich, wie so oft, in meinem Leben, und spreche mal jemanden an. Dieser jener zuckt mit der Schulter, da er Job A zu machen hat. Mehr weiß er nicht. Was er weiß ist, dass es erst um 21 Uhr losgeht. Ich werde misstrauisch – wie so oft in meinem Leben – und suche jemand anders. Ein Mädel kommt in mein Blickfeld, ich halte sie an, stelle meine Frage. Rätselraten („Bist du einer der Helfer? Gast? Ach so, ein Teilnehmer.“) Sie schickt mich guten Gewissens in den zweiten Stock, wo ich mich aber nicht zugehörig fühle, weshalb ich zwei Stockwerke höher steige, wo ich aber bemerke, dass ich dort schon gar nicht hingehöre. Also doch in den zweiten, in eines der kleinen Zimmer.

 

helferin„WLAN“ bringt mich nicht weiter, vielleicht die „ich-lege-die-T-Shirts-zusammen“-Helferin, die äußerst hilfreich ist, aber auch nicht weiß, was sie mit mir anfangen soll. Eigentlich will ich ja nur meinen Trolley deponieren und deponiere ihn. Sie sieht vertrauenswürdig aus. Liegt’s vielleicht daran, dass sie schon mal in Wien gelebt hat? Ja, das schweißt zusammen. Irgendwie.

the wall

Ich mache mich also auf den Weg – immer der Mauer entlang – und erkunde Berlin, obwohl ich es gar nicht will. Ab und zu muss ich an Kafka denken, als dieser einen gewissen Herrn K durch das juristische System hetzte, in dem sich keiner zuständig fühlte, aber jeder wusste, dass ihm der Prozess gemacht wird. Oder der Landvermesser, der nur aufs Schloss wollte, aber im Kreis zu laufen hat bis er (wir können davon ausgehen) Tod umfällt. Ist das unsere Zukunft? Ein System, in dem niemand zuständig, niemand verantwortlich ist, und doch steht das Urteil fest oder ist im Begriff über dich gefällt zu werden. Im Kleinen bemerken wir es ja oft und oft. Etwa, wenn du im Café sitzt und einen Wunsch hast, der so nicht auf der Speisekarte ist. „Ich würde es Ihnen ja gerne zubereiten lassen, aber ich kann es nicht verrechnen. Tut mir Leid. Wollen Sie vielleicht etwas anderes?“

Ja, im Besonderen sind es die Software-Programme, die von den Wenigsten durchschaut (ich weiß wovon ich rede), deren Ergebnisse aber von aller Welt hingenommen werden. Die Komplexität der IT-Systeme wird uns noch einmal teuer zu stehen kommen. Weiß einer, warum ich nicht ins WLAN komme? update 24.August 2007: Weiß einer, warum ich nicht meine E-Mails abrufen kann?

Cyrilische Begegnung

Da soll mal einer sagen, Arbeiten am Laptop macht einsam und stellt keine realen Kontakte her (also mit Menschen wie du und ich). Da sitze ich also gestern unter Deck, lass das Schifflein schwanken wie es will und arbeite unangestrengt am Laptop, als ein junger Bursche fragend zu mir sieht. Ich seh fragend zurück, worauf er mich höflich bittet, seine mit Fotos volle Speicherkarte auf eine portable Harddisk zu kopieren. Na gut, sage ich, neues Notebook, neues Glück. Wir stöpseln also die Sachen an, lassen den Computer tun wie er will, während wir quatschen. Siril aus Aargau, Architekturstudent, im Moment auf Interrail, deshalb in Berlin. Ich höre, dass er sich den Luxus eines Einzelzimmers geleistet hat („aber da sind drei Betten drin“) und werde hellhörig. Minuten später packe ich meine sieben Sachen aus der beengenden Kajüte und schlepp sie unter Deck in das komfortable Zimmer Sirils. Purer Luxus, fürwahr! Sogar Dusche und WC sind inkludiert. Freilich, umsonst soll er seine Freiheit nicht aufgeben, also berappe ich ein schönes Sümmchen und lade ihn auf ein Bier ein. Das gehört sich so. Schließlich ist er es, der mich aus einer beengenden Lage gerettet hat. Die Plauderei nach dem Umzug gestaltet sich angenehm. Gegen 23 Uhr werden die Schoten dicht gemacht und die Kojen aufgesucht. Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, die Verabschiedung, mit Glückwünschen für die weitere Reise, die ihn nach Kopenhagen führen wird, mich keinen Kilometer die Spree entlang, zum Festivalgelände. Der Weg, er führt an einer Mauer vorbei. Moment. Es ist nicht irgendeine, nein, es ist DIE Mauer, die anno dazumal Ost und West trennte. So sieht also gelebte Historie aus. Zum Anfassen. Zum Vorbeigehen.