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Kokain

Gestern also mit Rentsnik ins Schikaneder. Vom Karlplatz würde man etwa 5 Minuten zu Fuß brauchen. Wenn man sich rechts hält. Haben wir (nein, ich) aber nicht. Also irren wir wie verblödet eine halbe Stunde herum, bis wir schlussendlich zur hippen und versifften/verrauchten Location kommen. Rentsnik sei Dank, die sich nicht zu Schade war, die Leute nach dem Weg zu fragen. Frauen tun sich da leichter. Männer haben einerseits eine genetische Hemmschwelle, wenn es um das Ansprechen wildfremder Menschen geht (die könnten gefährlich sein), andererseits würden sie sich damit eingestehen, völlig orientierungslos zu sein. Welcher Mann möchte gesagt bekommen, er wisse nicht, wo’s lang geht?

Eigentlich hab ich mir vom gestrigen Abend nicht viel erwartet. Eine Buch- präsentation stand auf dem Programm. Michael Grimm (Herausgeber) und Klaus Tatto (Verleger) versuchten sich an der Neuauflage eines längst vergriffenen schmalen Büchleins mit dem (politisch nicht ganz korrekten) Titel „Kokain“ von Walter Rheiner. Dieser Walter Rheiner war Dichter und Schriftsteller. Er lebte mit seiner Drogenabhängigkeit im Berlin der 20er Jahre, hatte mehrere Kinder, die er seines Berufes (besser: Berufung) wegen, kaum ernähren konnte. Man könnte sagen, er ist der Archetypus des gescheiterten Künstlers. Wen wundert es da, dass er gerade mal 30 Jahre „alt“ wurde?

Die Präsentation im Kinosaal (ich durfte mit Rentsnik auf der für uns reservierten Ledercouch Platz nehmen!) war eine ambitionierte szenische Vorstellung des Buches. Sogar mit einer lokalen Berühmtheit konnte aufgewartet werden: Georg Friedrich (der Freund vom „Vickerl“ aus „Hundstage“, sagt der Fröhlich), der (so sagte man es mir) gehypte Shooting-Star der österreichischen Filmszene [über seine Lese- performance will ich hier nicht sprechen. Nur so viel: sollte mir einer meiner Schauspieler so lasch daherkommen, dann gibt’s Saures!].

Die Entdeckung (des Jahres?) war aber für mich eindeutig LM. Schlank, langes schwarzes Haar, knallroter Lippenstift, eine wunderbare Rhetorik, tiefes Timbre. Mir blieb (mit vielen anderen) der Mund offen. Was soll man dazu noch sagen? Natürlich musste ich sie haben, in Bezug auf eine meine nächsten Lesungen. Und wäre sie nicht die perfekte „Perse„?

Also sagte ich zu Rentsnik, dass man sie mir doch bitteschön vorstellen möchte. Rentnsik ist wiederum mit Erich Knoth zusammen (er hat den „Kosciuszko“ im MQ gegeben und wieder eine tolle Performance abgeliefert; kein Wunder also, dass ich ihn für meine nächsten Lesung engagiert habe), der wiederum einer der Mitwirkenden dieser Lesung war. Und so kam eines zum anderen und LM. zu mir. Und was musste ich da hören? Dass sie keine Schauspielerin sei. Dass sie Gesang und Rhetorik studiert habe, ein Jahr lang, und dann die Angewandte im Bereich Keramik absolvierte. Es sei ihre erste Lesung gewesen, sagte sie mir unverblümt. Hat man Töne? Will ich’s glauben? Ich sag ja immer wieder, das Gold liegt auf der Straße. Dummerweise glänzt es nicht. Oder ruft nach einem.

Jetzt hoffen wir mal, dass sie von meinem literarischen Oeuvre nicht abgeschreckt wird. Dann kann einer szenischen Rotkäppchen-Lesung nichts mehr im Wege stehen. Yeah!

Zum Buch „Kokain“ gilt zu sagen, dass es für eine Kleinstauflage (im mehr oder minder Eigenverlag) gut gemacht ist; nicht nur die Novelle „Kokain“, sondern auch Briefe, Tagebucheinträge, Notizen und vieles mehr wurden aufgenommen; das Cover gestaltete übrigens der Wiener Maler Tomak; ich habe gestern noch kurz reingelesen und der Brief des berufenen Künstlers Rheiner an den (sich berufen fühlenden) Heinar Schilling hat mich direkt in die schriftstellernde Seele getroffen. Er, dieser alles der Kunst unterordnende Rheiner, der „den Sprung aus der Welt, aus seiner Haut“ gewagt hat, bemerkt, dass es Schilling an diesem Wagemut fehlt. Schilling ist zu sehr Bourgeois, dem „der Mut zum Opfer“ fehlt.

Ich fürchte, der größte Teil der heutigen Künstlerschaft ist ein Heinar Schilling. Mich eingeschlossen!

Die beiden Nichten des Herausgebers (bei mir war es die Nichte und eine ihrer Freundinnen) übernahmen den Verkauf. Und die beiden waren sich nicht zu Schade, den Gästen dieses Buch auf eine angenehm unaufdringliche Art zu „empfehlen“ (Frauen tun sich da leichter, aber das hatten wir heute schon). Trotzdem ging der Verkauf nur schleppend voran. Schade eigentlich. Hätte es Walter Rheiner nicht verdient gehabt, dass man „an seinem Grab seine gedruckten Gedanken und gelebten Ideen bejubeln und beklatschen“ wird?

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Walter Rheiner: KOKAIN

Novellen, Briefe und Biografisches. Mit bisher unveröffentlichtem Material aus dem Walter Rheiner-Archiv Berlin, Fotos, Zeichnungen von Conrad Felixmüller und Tomak.

Tatto Verlag / TAIPAN CLASSIC, Herausgeber Michael Grimm
ISBN 978-3-9502549-0-7, Taschenbuch, 150 Seiten, € 12,50

Das Buch ist erhältlich bei booklooker.de und bei taipanclassic@gamma-berlin.com

a long film about conspiracy and zeitgeist

I think you should see this 2 hour film about religion, 9/11 and more interesting theories. It’s far better than any fictional Hollywood-Movie. Enjoy 🙂

update: ist ja schräg. Mit welchen Worten endet der Film? The Revolution is now!

man kann sagen, was man will – aber die Leutchen, die den Film gemacht haben, stellen die richtigen Fragen. Über die Antworten kann man lang und breit streiten (oder auch nicht). Vielleicht ist das Leben sowieso nur eine Achterbahnfahrt. It’s not real, it’s just a ride!

Götterdämmerung by Slotderdijk

Komme gerade von der zweiten Vorlesung, gehalten von einem wunderbar schwadronierenden Sloterdijk, der vermutlich die Verkörperung des wandelnden Zitaten- und Anekdotenlexikon darstellt. Man könnte ihn stundenlang zuhören (wenn der Lichthof A net so zugig und kalt wär). Wer Zeit hat, sollte sich diesen Philosophen zum Angreifen nicht entgehen lassen.

aus dem „Programmheft“:

Vorlesungen von Prof. Dr. Peter Sloterdijk

MO 10.3.2008
DI 11.3.2008
MI 12.3.2008
DO 13.3.2008 [entfällt]

im März: Universität für angewandte Kunst Wien, Altbau, Lichthof A

MO 7.4.2008
DI 8.4.2008
MI 9.4.2008
DO 10.4.2008

im April: Universität für angewandte Kunst Wien, Seminarraum B,
Ferstel-Trakt, DG
Oskar Kokoschka-Platz 2, 1010 Wien

*Götterdämmerungen*
*Anschläge – Rückzüge – Anonyme*

Im § 125 aus Friedrich Nietzsches „Fröhlicher Wissenschaft´“ findet sich das Zeugnis eines der maßgeblichen Gottesattentate, ein weiterer Versuch, die Vorstellung eines Gottes, der auf jedes Sterben mit Auferstehungsaktionen reagieren könnte, zu überwinden. Damit kontrastieren Vorstellungen der griechischen, indischen und germanischen Mythologien, wo Götter und Göttinnen begriffen wurden als die, die ebenfalls den Schicksalsmächten der „moira“ und des „fatums“ unterworfen bleiben – ein Gedanke, den Richard Wagner dramatisch entfaltet hat.

Wiederum anders verhält es sich in der Mystik, wo ein „Gott ohne Eigenschaften“ sich nur im Entzug manifestiert und die Frage offen lässt, ob und inwiefern seine Existenz überhaupt bemerkt werden kann oder ins Gewicht fällt, oder im Deismus, wo ein Gott im Rückzug konzipiert wurde.

Moderne Autoren wie Heinrich Heine oder Franz Kafka prozessieren in ihren Werken verschiedene Figuren von göttlichen Anonymen. Die Vorlesung versucht, vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Diskurses über die „Rückkehr der Religion“ zu zeigen, wie das europäische Denken seit mehr als 2000 Jahren durch Gerüchte vom „Tode“ Gottes die Voraussetzungen für seine `verwandelte´ Rückkehr schafft.

Charter für ein neues Europa!

http://www.europe4all.org/english/englisch/index.php

Durch Zufall gestern davon erfahren. Noch nicht zum Lesen gekommen – werde ich aber. Um mir die Wichtigkeit dieser Idee vor Augen zu führen, stell ich den Link in mein wordpress.blog. Auf dass ich dann nicht vergesse, mir die Charter anzuschauen. Aber was ich bis dato gesehen habe, klingt gut.

Und wie hieß es gestern:

„Die Politik ist zu wichtig, um sie den Politikern zu überlassen.“

Sprachzerstörung aus Konzilianz – die Umkehr ist fällig

schreibt Dr. Arthur Brühlmeier aus dem Kanton Aargau in der Schweiz im folgenden Artikel:

http://www.bruehlmeier.info/sprachfeminismus.htm

Er spricht mir wahrlich aus dem Herzen, der Dr. Brühlmeier. Dieses hässliche Binnen-I oder die montonen Wortwiederholungen gehen mir gehörig auf den schriftstellernden Senkel. Jawohl! Das muss einmal ein Ende haben. Den Link hab ich übrigens über das Profil einer Studentin auf studivz bekommen 🙂

Kris: „Im Deutschen ist das Maskulinum der unmarkierte Fall. Soll heißen: Im Schneider sind die Schneiderinnen bereits inbegriffen (und andersherum höchstens orthographisch, jawohl).“