richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Kategorie-Archiv: about eine Bewegung

Wie Propaganda funktioniert am Beispiel von jetzt.de

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Im News-Portal jetzt.de, das für junge Leute gedacht ist, gibt es ein lehrreiches Propaganda-Stück unter folgendem Titel zu lesen: Tausch: American Dream gegen München-Neuperlach Der Cop, der vor Trump nach München fliehen will [link]

Es gilt, gerade nach dem US-Wahlkampf, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden und Fake-News im Mainstream zu entlarven. Nach dem überraschenden Sieg von Donald Trump versuchen die westlichen Mainstream-Medien Öl ins Feuer zu gießen und die Anti-Trump-Stimmung vor allem bei jungen und noch unerfahrenen Menschen weiter zu entfachen und diese zum Protest aufzurufen. Der vorliegende Artikel in jetzt.de ist als klassisches Propaganda-Werk einzustufen. Hier geht es nur um das Bauchgefühl eines einzelnen Bürgers und trotzdem wird es auf die Stimmung in ganz Nordamerika umgelegt. Würde man das auch mit dem Bauchgefühl eines Trump-Wählers machen? Wäre es nicht an der Zeit, endlich einmal jene Amerikaner vor die Kamera zu holen, die deshalb Trump wählten, weil sie mit dem politischen und wirtschaftlichen Status Quo unzufrieden sind? In diesem Artikel erzählt eine junge Schwarze, warum sie ihre Stimme Trump gab. Und bedenken Sie, dass 2008 eine Vielzahl der Trump-Wähler Barack Obama das Vertrauen aussprach. Übrigens, wenn richtig gezählt wurde, dann gewann Trump von 3137 Counties (Wahlsprengel) mehr als 2700.

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Welcome, Mr. President Donald J. Trump

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Michigan und New Hampshire zählen noch immer. Gesehen in der New York Times.

Für den eiligen Leser: Der Wahlausgang ist das Beste, was der Welt passieren konnte. Period!

Das war eine Wahlnacht, am 8. November. So schnell wird sie wohl keiner vergessen, der sie durchlebt hat. Höhen und Tiefen. Hoffnung und Bangen. Auf der einen, auf der anderen Seite. Aber je länger die Nacht wurde, um so stiller und nachdenklicher wurden all die Experten in ihren teuren TV-Studios. Am Ende, als klar ersichtlich wurde, dass Donald Trump der neu gewählte Präsident der USA werden würde, brachen alle Dämme. Es war ein Anblick, den kein Skeptiker jemals vergessen wird können. All die „objektiven“ Medienleute – hüben wie drüben – waren im Schockzustand. Manch eine, manch einer der Profis rang mit Worten und Tränen. Man kann es nicht glauben, man kann es nicht fassen. Diese Wahl hat die politische genauso wie die kulturelle und mediale Welt auf den Kopf gestellt. Niemand kann im Moment ermessen, welche Schockwellen durch die USA, durch die ganze Welt gehen.

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Hüten Sie sich, den Teufel beim Namen zu nennen

Redewendungen-2016

Durch Zufall bin ich über einen Artikel gestolpert, der eine gewisse Frau Festerling der „öffentlichen Aufforderung zu Gewalttaten“ bezichtigt. Da ich mich für Sprache aus beruflichen Gründen interessiere, wollte ich natürlich wissen, mit welchen Worten die gute Frau die Menge aufgepeitscht hat. Heutzutage würde es bekanntlich an ein Wunder grenzen, könnte man gewöhnliche Bürger aus ihrem gemütlichen Schlaf aufwecken. Die Aussage, die nun die Staatsanwaltschaft beschäftigt, lautet wie folgt:

Wenn die Mehrheit der Bürger noch klar bei Verstand wäre, dann würden sie zu Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten aus den Parlamenten, aus den Gerichten, aus den Kirchen und aus den Pressehäusern prügeln.

Die Rede, in der dieser Satz gesprochen wurde, fand in Leipzig statt. Im Jahr 2016. So weit ich weiß, gehören Mistgabeln nicht mehr zum Inventar städtischer facebook-Revolutionäre der Neuzeit. Freilich, in den historischen Museen Deutschlands und Österreichs kann man die eindrucksvollen Waffen der Bauernaufstände bewundern. Dreschflegel und Sensen standen hoch im Kurs und ambitionierte Landwirte konnten damals so manchen Fürsten zum Einlenken bewegen. Heinrich von Kleist hat ja eine Novelle über solch ein (wahres) Ereignis geschrieben – und ich gehe davon aus, dass eine Schrift wie Michael Kohlhaas heutzutage auf den Index landen würde, weil, wo kämen wir hin, wenn die Bauern und Bürger anfangen würden, von den Eliten Recht einzufordern. Bereits der Philosoph Spinoza (1632-1677) wusste zu seiner Zeit, dass jeder nur so viel Recht hat wie er Macht hat. Heute ist das natürlich nicht anders.

Sehen Sie, wer sich ein wenig mit den gegenwärtigen Zuständen abseits der Lügenpresse Wahrheitspresse auseinandersetzt, der erkennt, dass die Elite und deren Handlanger in Behörden und Medien mit zweierlei Maß messen. Es gilt, die linke gegen die rechte Seite und die rechte Seite gegen die linke auszuspielen. So lange die Masse der Bürger unschlüssig bleibt, haben die Fürsten in Berlin Washington und Brüssel leichtes Spiel. Da kann es schon vorkommen, dass die Behörden zwielichtige Gestalten (auf Staatskosten) anheuern, um eine angemeldete bürgerliche Demonstration in Misskredit zu bringen – so der langjährige Präsident (1994-2000) des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz Helmut Roewer, der in einem Interview aus dem Nähkästchen plaudert.

Für mich liegt klar auf der Hand, dass LEGIDA und PEGIDA und wie sie alle auch heißen mögen, zur kontrollierten Opposition der Eliten gehören. Woher ich das weiß? Nein, wissen kann ich es nicht, aber die Vergangenheit zeigt, dass jede größere (revolutionäre) Bürgerbewegung früher oder später von den Eliten vereinnahmt und mit deren loyalen Handlangern besetzt wurden. Denn, schalten wir kurz mal das Gehirn ein, es geht doch nicht um die „Islamisierung des Abendlandes“. Nope. Es geht darum, dass die Bürger ihr Recht auf Selbstbestimmung einfordern und all die korrupten Fürsten sowie deren Handlanger zur Verantwortung ziehen. Dazu braucht es keine Heugabeln, keine Dreschflegel – nur einen gemeinsamen Willen – und Eier in der Hose.

Die Macht, Inhalte legal zu verbreiten oder: Creative Commons rulez!

Cary Doctorow fotografiert von Jonathan Worth

Ein Statement von Cory Doctorow für Creativ Commons! CC as stated by Jonathan Worth http://www.jonathanworth.com/

Die Macht des frei Zugänglichen und Inhalte legal zu verbreiten. Die Creative Commons Idee hat weite Kreise gezogen. Die Idee ist simpel: mache Inhalte frei verfügbar und lege fest, was der andere damit tun und lassen darf. Ist dein Foto, dein Musik-Stück, dein Video-Clip, dein Text, dein Bild, dein Dingsbumsirgendwas kommerziell für andere nutzbar oder möchtest du es nur für nicht-kommerzielle Verbreitung vorsehen? Darf der andere es bearbeiten? Verändern? Und wenn er es gemacht hat, darf er es dann kommerziell verwenden oder auch nur für nicht-kommerzielle Verbreitung vorsehen? Und wichtig: ist Namensnennung des Urhebers notwendig oder nicht. Alle Details hierzu findet sich auf der Seite

http://creativecommons.org

Dass nicht nur Vollbärtetragende Marxisten-Schlurfs die Idee der legalen Verbreitung gut finden, soll der Profi-Fotograf Jonathan Worth oder die TED-Organisation oder das Isabella Stewart Gardener Museum in Boston, die über 100 klassische Musikstücke eingespielt und für nicht-kommerzielle Nutzung freigegeben haben, unterstreichen. Wer also das nächste Mal einen Podcast einspricht, voilà, hier gibt’s die dazupassende Musik. Übrigens, im Jahr 2010 gab es bereits 400 Millionen CC lizenzierte Werke. Auch nicht schlecht, oder? Und wo habe ich den Link für all das bekommen? DIASPORA* 🙂

Jonathan Worth – MA Photography Course Director at Coventry University hat übrigens einen interessanten Artikel zu diesem Thema im Telegraph geschrieben: How the Power of Open can benefit photographers – und wer sich einen Überblick verschaffen möchte, mit den herausragendsten Beispielen der CC-Gemeinde, dem ist das Buch der CC Organisatoren natürlich ans Herz zu legen – gibt es als hübsches 47seitiges PDF. Natürlich unter einer CC-Lizenz. Also ruhig in die weite Welt verschicken. Du darfst es.

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cover cartoon dschunibert von richard k. breuerÜbrigens, der dschunibert-Cartoon, von mir und dem Dresdner Zeichner Gunther Ecki Eckert, wurde vor vielen Jahren ebenfalls unter einer CC-Lizenz veröffentlicht und erzählt die Mühen der Eigenverlegerei. Der klingende Titel »das dschunibert prinzip – Alles, was Sie schon immer über die Schriftstellerei im Eigenverlag wissen wollten (sich aber nicht getrauten zu Fragen)« ist Programm. An einer Fortsetzung schreibe ich zwar noch nicht, aber ich lebe sie. Wirklich. Demnächst in diesem Theater zu bestaunen. Vielleicht.