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Der Tag, an dem ich zwei Unterhosen trug – Die Story eines glatten Durchfalls

Ehrlich gesagt, es ist schon eine ganze Weile her, seit ich das letzte Mal die – man verzeihe mir das derbe Wort, aber so nennen wir das Ungemach in meiner Familie – „Scheißerei“ hatte. Um Mitternacht, kurz vor dem zu Bett gehen, gurgelte der Magen auf eine Weise, wie ich es sonst nicht kenne und zwang mich auf die porzellanene Leibschüssel (merkwürdig, dass der Duden das Wort nicht auflistet). Eine explosionsartige Darmentleerung war die Folge. Schlapperlot, das ist nicht gut, dachte ich mir, während mir der Gestank den Atem raubte. Dabei hatte ich die letzten Wochen einen ziemlich guten Stuhlgang-Rhythmus entwickelt, der mir anzeigte, dass ich am besten Wege bin, meine Darmträgheit, die ich seit jeher mit mir herumgeschleppt habe, zu verlieren.

Seit meiner Ernährungsumstellung – auch schon fünf Monate her – hat sich meine Darmentleerung in allen Punkten verbessert. Keine industriell hergestellten Nahrungsmittel (processed food), wenig Kohlehydrate (da vor allem weiße Mehlprodukte und Zuckerhältiges), ausreichend tierische Produkte von guter Qualität, so gut wie keine Ballaststoffe und viel (tierisches) Fett hatten dahingehend einen vollen Erfolg erzielt. In „Fachkreisen“ nennt man diese Form der Ernährung low carb, high fat bzw., wenn man es sehr genau nimmt, ketogenic diet (ketogene Ernährung). Ich habe darüber bereits ausführlich geplaudert (siehe hier) und möchte mich an dieser Stelle nicht wiederholen, kommen wir also zurück zum Punkt.

Die morgendliche Vorstellung am nächsten Tag war ebenfalls ein glatter Durchfall, was mich ziemlich nervös machte. Weil ich mich nicht krank fühlte. Mein Kopf war sonderbar klar und auch sonst war kein Unwohlsein zu bemerken. Generell spüre ich eine Krankheit bzw. ein Unwohlsein zuallererst im Kopf, der sich dumpf und schwer anfühlt und für gewöhnlich schmerzt. Doch diesmal musste ich bei vollem Bewusstsein diese Magen-Darm-Tragödie (vier Akte) miterleben.

Tja. Da saß ich nun und dachte nach. Es galt, das Leck zu stopfen und meine sonst so freundlichen Gastarbeiterbakterien im Darm zu besänftigen. Ein wenig hatte ich ja das Gefühl, dass diese die Arbeit vollständig eingestellt hätten – vielleicht hat es diese auch dahingerafft. Zack. Prack. Vorbei.

Und so besorgte ich mir Zwieback, kochte mir eine kümmelige Einbrennsuppe (eine Einbrenn nennt sich in Germania Mehlschwitze – was ziemlich ekelhaft klingt), trank Kamillen- und später Fencheltee und aß dazu Beinschinkenbrote. Machte mir Ei im Glas (gar nicht einfach, so ein weiches Ei in ein Glas zu bugsieren) und versuchte, den Organismus zu entspannen.

Gottlob hat sich nach drei Tagen Besserung eingestellt. Aber in dieser Zeitspanne musste ich am eigenen Leib feststellen, wie sich ein nicht funktionierender Darm anfühlt. Die Befürchtung, Nahrung zu sich zu nehmen und diese recht schnell wieder zu verlieren, nagte bedenklich am Selbstbewusstsein. Die Angst, nur noch „stopfende“ Nahrung zu sich nehmen zu können, ließ mich verwelken. Als ich am Samstag Morgen den Bauernmarkt am Naschmarkt aufsuchte, wie jede Woche, und vor der Fleischvitrine stand, streiften meine wehmütigen Augen all die sonst so von mir so hoch geschätzten Stücke, wie Kalbsleber, Lungenbraten, Rinds- und Lammfaschiertes usw. Statt dessen nahm ich einen mageren Kochschinken, Eier (Huhn und Ente!) und – man höre und staune – eine halben Striezel, gebacken von der Oma der Landwirtsfamilie. Und, ich wage es gar nicht laut zu schreiben, aber dieser (süße) Striezel hat zusammen mit einem schwarzen Tee meine Laune in ungeahnte Höhen gezuckert. Der Zwieback ging mir bereits gehörig auf die Nerven und – wie man hier bei uns in Wien sagt – „staubte mir aus den Ohren“.

Und über den Umweg des Striezels fand ich bei meiner türkischen Bäckerei die ungesüßte Variante mit Namen Acma. Blöd. Jetzt hab ich gegoogelt, woraus dieses türkische Gebäck hergestellt wird. Sollte da tatsächlich Pflanzenöl und Margarine verwendet werden, wäre das nicht gut, gar nicht gut, überhaupt nicht gut.

Wie dem auch sei. Während ich mich also ernährungstechnisch einschränken musste, dachte ich über das eine, das andere nach. Vielleicht haben Kohlehydrate aus Weißmehl, seien sie süß, seien sie salzig, ihre (kurzfristige) Notwendigkeit. Sehen Sie, Kohlehydrate (Zucker) liefern für den Organismus am schnellsten Energie. Im Gegensatz zu Fett und Proteinen ist aber die Energie schnell verbraucht – weshalb schon nach kurzer Zeit wieder der Hunger einsetzt und man gezwungen ist, zu essen (oder zu hungern). In einem geschwächten Zustand kann es also von Vorteil sein, dass auf schnellstem und einfachstem Wege dem Organismus Energie zugeführt wird. Vorausgesetzt, man verabreicht in späterer Folge das notwendige „Reparaturmaterial“ in Form von Proteinen (z. B. Kochschinken, Eier). Fett ist bei alledem so eine Sache. In Omas Kochbuch aus den 1930er Jahren wird beispielsweise bei Durchfall davon abgeraten fette Speisen zu sich zu nehmen und Rohmilch zu verzehren – dafür können Einbrennsuppe, Zwieback (gebähtes Brot) und Teigwaren gereicht werden.

Übrigens, wenn Sie Dr. google fragen, was man bei Durchfall essen soll, so erfährt man das Folgende:

Zwieback, geriebene Äpfel, pürierte Bananen, Reis, Kartoffeln, Karottensuppe

Finden Sie das jetzt nicht merkwürdig? Die obigen Lebensmittel sind demnach stopfend. Falls Sie also an einem trägen Darm leiden und sich mit getoastetem Brot, Reis, Kartoffeln und Obst/Gemüse „gesund“ ernähren, sozusagen viele Ballaststoffe zu sich nehmen, dann mag einer der Gründe dafür schon gefunden sein.

Die letzten Tage haben mir jedenfalls vor Augen geführt, dass wir ohne unsere Gäste nur eine leere Hülle sind. Mikrobiom oder Darmflora, wie immer man auch das Ganze nennen mag, es sind all die Bakterien, Pilze, Parasiten und Viren, die bei der Verdauung den Ton angeben und entscheiden, wohin die Reise geht. Das Mitochondrium, das Kraftwerk in jeder Zelle, das Kohlehydrate bzw. Fett in Energie umwandelt, ist eine Mischung aus Bakterium und Virus und eines der (nur im Ansatz erforschten) Wunder unseres Körpers. Nebenbei bemerkt sind unsere Zellen mit einer Art von „Glasfaser“ verbunden und kommunizieren fröhlich vor sich hin. Wenn mir jemand sagt, Medizin und Wissenschaft hätten unseren Körper vollständig erforscht, kann ich nur leise seufzen. Geht es um offizielle Ernährungsempfehlungen, scheint mir hier eine Agenda am Werk, die nichts Gutes für die Menschheit im Sinne hat. Dazu muss man sich nur die gerade veröffentlichten Ernährungsrichtlinien der EAT-Lancet Commission anschauen, die momentan in den Medien die Runde macht und (wieder einmal) tierische Fette in die Ecke stellt – während sie kein Problem mit „pflanzlichen“ hat. Und rotes Fleisch ist scheinbar ein rotes Tuch für diese Leute. Es wird nicht lange dauern, so ist zu befürchten, dass die Regierungen diesen Report als Basis für neue „Gesundheitsempfehlungen“ und Gesetze heranziehen werden. Schlag nach bei Kanada.

Ich denke, ich habe fürs Erste genug gesagt. Jetzt werde ich mir mal etwas in die Pfanne hauen. Huh. Ich hoffe, es mundet meinen Gästen und die Vorstellung endet mit tosendem Applaus.


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Wenn Neue Erkenntnisse in der Krebsforschung ignoriert werden

Wir leben in einer zivilisierten Welt, die in erster Linie von steigenden Verkaufszahlen und einer immer größer werdenden Gewinnspanne angetrieben wird. Shareholder-Value nennt sich das im Fachjargon und ist de facto Carte blanche für das Management großer internationaler Konzerne. In der Krebsforschung ist es nicht anders. Milliarden und noch mehr Milliarden werden jährlich von Unternehmen genauso wie von Bürgern (!) bereitgestellt, um endlich einen Durchbruch im Kampf gegen die tödlichste aller Zivilisationskrankheiten zu erzielen. Ein wenig erinnert der War on Cancer an War on Terror – in beiden Fällen ist keine Ende in Sichtweite und die Kosten steigen mit jedem Jahr exorbitant an. Perfekte Rahmenbedingungen für eine skrupellose Geschäftemacherei. Der Mensch als Individuum bleibt dabei freilich auf der Strecke. Kollateralschaden, nennt sich das. So ist es eben, im Leben, anno 2018.

Unsere kurze Reise in die Welt der Krebsforschung beginnt mit dem im Jahr 1883 geborenen deutschen Wissenschaftler Otto Warburg, der im 1. Weltkrieg für Tapferkeit das Eiserne Kreuz und im Jahr 1931 den Nobelpreis erhielt. Sein Lebenslauf ist beeindruckend und würde mit Sicherheit Grundlage eines guten Buches sein. Warburg fand seinerzeit heraus, dass die Zellatmung von Krebszellen defekt ist. Anstelle von Sauerstoff würde in dem beschädigten Mitochondrion – dem Kraftwerk jeder Zelle – Zucker (Glucose) fermentiert.

Mit anderen Worten, die Ursache für Krebs ist nicht die genetische Veränderung der Zelle bzw. des Zellkerns (Somatic Mutation Theory), sondern die „Rückbesinnung“ des Mitochondrion zu einer urzeitlichen Zellatmung – als es noch keinen Sauerstoff in der Atmosphäre gab, mussten die Zellen fermentieren, um Energie zu gewinnen.

Prof. Thomas N. Seyfried vom Boston College (USA) hat die Forschungsergebnisse von Otto Warburg zum Anlass genommen, die bestehende Ansicht über die Krebsursache (Genetik) zu hinterfragen. Seyfrieds Studien bestätigen Warburgs Theorie,  erweitern sie (Fermentierung auch von Glutamin) und widerlegen die Somatic Mutation Theory. Doch die gut geölte Krebsforschung will von einer „Stoffwechselkrankheit“ (Cancer as metabolic disease) nichts wissen und ignoriert seine Studien. In einem empfehlenswerten Vortrag, gehalten im Silicon Valley Health Institute (2018), skizziert er seine Erkenntnisse und lässt dabei kein gutes Haar an jene Wissenschaftler und Mediziner, die mit Scheuklappen eine Krebszellen-DNA nach der anderen zu entschlüsseln versuchen – im festen und engstirnigen Glauben, dadurch den Stein der Weisen zu finden.  Währenddessen wird Patienten mit mittelalterlich anmutenden „Heilungsmethoden“ großes Leid zugefügt.

Ist Krebs tatsächlich eine Stoffwechselkrankheit, dann würde es bedeuten, dass der Patient großen Einfluss auf Genesung bzw. Verlängerung seiner Lebenszeit hat. Wäre das nicht erfreulich? Darüber möchte ich das nächste Mal im Detail befinden.


Der perfekte Stuhlgang

Seit meiner Ernährungsumstellung (low carb high fat) sind jetzt 90 Tage vergangen und ich bin noch immer guter Dinge. In der Serie Mythen der Ernährung habe ich ausführlich berichtet und vor einem Monat ein (vorläufiges) Resümee gezogen. Dahingehend gibt es nichts Wesentliches zu ergänzen. Nur eine Sache lohnt, ins Detail zu gehen – auch wenn manch einer die Nase darüber rümpft. Zarte und sensible Gemüter mögen bitte ein parfümiertes Taschentuch bereithalten. 

Disclaimer: Vorweg sei gesagt, dass ich keine medizinische Ausbildung genossen habe und deshalb auch keinen medizinischen Rat geben möchte. Ich bin ein gewöhnlicher Bürger, der sich seines eigenen Verstandes bedient und die Frage stellt: „Was ist wahr, was ist falsch?“ Ich denke, das ist ganz im Sinne des guten Kant.

Zurück zum Punkt. Letztens, es war an einem dieser grauen Montage, aß ich zu Mittag eineinhalb lauwarme Burger einer bekannten Fastfoodkette. Nicht, weil ich ein spezielles Verlangen für diese „Laberln“ gehabt hätte, ganz im Gegenteil, aber die soziale Verpflichtung und ein konditioniertes Verhalten („Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!“) ließen mir wohl keine Wahl. Wie dem auch sei, zwei Stunde später musste ich die Toilette aufsuchen, weil sich mein Magen bemerkbar machte. Es folgte eine Entleerungsexplosion, die mich nachdenklich stimmte. Auch der Geruch dieser Ausscheidung war „atemberaubend“, wenn man so will. Ich stellte also einen Zusammenhang zwischen der schnellen Nahrung und der „Abstoßung“ durch meinen Organismus und den Bewohnern der „Darmflora“ her. Könnten noch andere Faktoren bei dieser „Magen-Darm-Verwüstung“ eine Rolle gespielt haben? Möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Des Weiteren hat mein Darm seine Tätigkeit demonstrativ für fünf Tage eingestellt.

Diese heftige Entleerung sowie der folgende Darm-Streik gaben mir zu denken und so dachte ich eine Weile darüber nach. Der springende Punkt ist, dass ich seit meiner Ernährungsumstellung die faszinierende Erfahrung gemacht habe, dass eine perfekte Ausscheidung weder Spuren hinterlässt noch einen unangenehmen Geruch verbreitet. Mit einmal verstand ich, warum die alten Römer gemeinsam ihr Geschäft verrichten konnten – in öffentlichen Toilettanlagen, ohne Trennwände und parfümierten Duftstoffen. Das damalige Klosettpapier war übrigens ein Staberl, an dessen Ende ein Schwamm befestigt war, der in Wasser getaucht wurde. Sehen Sie, wenn der natürliche Ablauf im Organismus nicht gestört ist (bsp. durch Fehlernährung, Krankheit, Verletzung, Stress, usw.), dann ist die Ausscheidung eine entspannte Angelegenheit, die beiläufig, im Gespräch, erledigt werden kann.

Die Einflussfaktoren, die am Ende dafür verantwortlich sind, dass der (Ab)Gang des Stuhles entspannt, locker und (fast) geruchlos abläuft, sind sicherlich vielerlei und vielschichtig, aber die Ernährung spielt m.E. eine wesentliche Rolle. Garbage in, garbage out, nicht wahr?

Falls Sie unter Verstopfung leiden – oder jemanden kennen, der an einer leidet, dann möchte ich Ihnen zwei wissenschaftliche Studien präsentieren, die zum Ergebnis kommen, dass Ballaststoffe nicht nur keine Besserung erzielen, sondern vielmehr die Verstopfung bzw. die Symptome verschlechtern.

The American Journal of Gastroenterology
Study: „Myths and misconceptions about chronic constipation“ (link)

World Journal of Gastroenterology
Study: „Stopping or reducing dietary fiber intake reduces constipation and its associated symptoms“ (link)

Im Vortrag von Dr. Paul Mason erfahren wir, dass Probanden, die seit Längerem an Verstopfung bzw. Magen-Darm-Beschwerden litten, dadurch eine wesentliche Verbesserung erzielten, in dem Sie für eine Weile KEINE Ballaststoffe zu sich nahmen. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen angenehmen Stuhlgang.

Meine Quellen in Sachen Ernährung und Gesundheit

Falls Sie meine Beiträge zum Thema Ernährung durchgesehen haben und sich nun eingehender informieren möchten, habe ich hier meine verwendeten Quellen zusammengestellt. Beachten Sie, dass diese Quellen vorwiegend dem englischsprachigen Raum entnommen sind. Diese Auflistung wird ständig erweitert.

Broschüre mit zahlreichen Quellangaben des Credit Suisse Research Institutes Fett, das neue Gesundheitsleitbild (Manuel Hörl), publiziert September 2015, als PDF abrufbar; darin heißt es gleich zu Beginn: 

„Fett ist ein komplexes Thema und diese [behördlichen] Empfehlungen [Fett nur moderat zu konsumieren] wurden in den letzten 30 Jahren überprüft und infrage gestellt. Einige Experten glauben, dass diese Ernährungsempfehlungen – die von der US-Bevölkerung streng befolgt wurden – der Hauptgrund für die hohe Zahl adipöser Menschen und die steigende Zahl an Personen mit metabolischem Syndrom sind.“

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die PURE Studie [Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study]: Eine erhöhte Kohlehydrateinnahme wurde mit einem erhöhten Sterberrisiko assoziiert (in Verbindung gebracht) ; die Einnahme von Fett wurde mit einem geringeren Sterberisiko assoziiert; eine erhöhte Einnahme von gesättigten Fetten [bsp. Butter, Ei, Fleisch, Käse, Joghurt, …] wurde mit einem geringeren Herzinfarktrisiko assoziiert.  // „Higher carbohydrate intake was associated with an increased risk of total mortality — Intake of total fat and each type of fat was associated with lower risk of total mortality — Higher saturated fat intake was associated with lower risk of stroke.“

Siehe Beitrag auf youtube The Truth of Fat (Credit Suisse Research Institute)

Die größte Ernährungsstudie in Europa, die European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), die zeigen sollte, dass der Verzehr von Obst und Gemüse 5 Mal am Tag gegen Krebs schützt, konnte dies nicht beweisen. Der zynische Kommentar im Deutschlandfunk:

„Die Fünf-am-Tag-Kapagne war also nicht eine Gesundheitsmaßnahme, sondern eine Marketingidee mit ungewissem Ausgang.“

Eine recht ausgewogene, aber nicht völlig repräsentative Studie des Humane Research Council in den USA mit über 11.000 Teilnehmern zeigt, dass etwa 2 % kein Fleisch essen (0,5% bezeichnen sich als Veganer, der Rest Vegetarier). Von diesen Nicht-Fleisch-Essern kehren 84 % im Laufe der Zeit wieder zum Konsum von tierischen Produkten zurück – bei Veganer sind es 70 %.
Ich gehe davon aus, dass die Zahlen in der restlichen westlichen Welt ähnlich sind, weshalb man sich fragen muss, warum das Thema „Vegan“ in den Medien oftmals im Mittelpunkt steht. Womöglich, weil die Zielgruppe relativ jung und aktiv ist und aus einem guten sozialen Umfeld stammt – mit anderen Worten: bestes Marketing-Futter für Konzerne.

Dr. Annette Bosworth ist eine sympathische Ärztin, die mit einer ketogenen, d.h. kohlehydratarmen Ernährung ihre krebskranke,  rund 70-jährige Mutter heilen konnte. Die Geschichte dieses langwierigen Heilungsprozesses hat sie in ihrem im Eigenverlag erschienen Buch Anyway you can festgehalten. Sie ist eine Befürworterin von zwischenzeitlichem Fasten (intermitten fasting) und erklärt in kurz gehaltenen Vorträgen (youtube) die Vorteile dieses Ernährungsmodells und dazugehörigen Lebensstils. In ihrer Praxis ermuntert sie Patienten, die an chronischen Krankheiten leiden, zu einer Umstellung, um damit die Heilungsschancen zu verbessern.

Mit Dr. Shawn Baker hat meine Reise in die Welt der Ernährung begonnen. Durch Zufall hörte ich in einem Interview, dass sich der orthopädische Chirurg seit über einem Jahr ausschließlich von Fleisch ernährt haben soll. Da ich dies nicht für möglich hielt – sollte es nicht nach medizinischen Gesichtspunkten in relativ kurzer Zeit zu Mangelerscheinungen kommen? – forschte ich nach und musste recht bald feststellen, dass die Mainstream-Meinung über eine ausgewogene Ernährung – Gemüse, Obst, Kohlehydrate, mäßig Fleisch – sprichwörtlich aus der Luft gegriffen ist und es diesbezüglich keine ausreichend dokumentierten Studien gab. Der 52-jährige Chirurg konnte in seiner Klinik eine Reihe von Patienten von ihren Gelenkschmerzen befreien, in dem er ihnen empfahl, auf Kohlehydrate zu verzichten und mehr tierische Produkte zu sich zu nehmen. Diese profitschmälernde Vorgehensweise löste einen Konflikt mit dem Management der Klinik aus. Dr. Baker wurde entlassen und verlor seine Zulassung . Ein Prozess ist anhängig. Er ist im Moment das „Vorzeigemodell“ für eine morderne Carnivore Diet, also einer rein fleischlichen Ernährung. Seit seiner Umstellung hat er eine Reihe persönlicher sportlicher Rekorde aufgestellt und fühlt sich so wohl wie schon lange nicht.

Der ehemalige Marathonläufer Dr. Tim Noakes aus Südafrika war einer der ersten Wissenschaftler, der zeigte, dass ein Extremsportler auch mit kohlehydratarmer, dafür fettreicher Ernährung sein Leistung abrufen kann. Bei Vorträgen entschuldigt er sich beim Publikum für seine in den 1970er Jahren publizierten Bücher, in denen er für Sportler carb loading, d.h. die reichliche Einnahme von Kohlehydraten vor einem sportlichen Event, empfahl. Seine Wandlung vom Saulus (high carb) zum Paulus (low carb) machte ihn zur Zielscheibe der südafrikanischen Ärzteschaft, die ihn kurzerhand vor Gericht stellte, weil er auf twitter einen „medizinischen Ratschlag“ erteilte (der Freispruch erfolgte dieses Jahr). In einer eidesstattlichen Darlegung (Deposition to the Health Professions Council of South Africa) erklärte er, warum die 1977 in den USA lancierte Ernährungspyramide auf keinerlei Fakten, sondern vielmehr auf wirtschaftlich-politischen Erwägungen beruht. Mit Einführung dieser Pyramide (high carb, low fat) stiegen über die Jahre die neuen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit, Depression, Krebs, chronische Entzündungen usw. rasant an. Bitte beachten Sie, dass in der selben Zeitspanne die Mobilfunktechnologie flächendeckend ausgebaut wurde, Pestizide (u.a. Glyphosat) verstärkt eingesetzt und immer mehr industriell hergestellte denaturierte Lebensmittel entwickelt wurden. Ein Zusammenspiel all dieser Faktoren für den steilen Anstieg von Zivilisationskrankheiten ist für mich sehr wahrscheinlich, aber nicht beweisbar.

Dr. Robert Lustig ist der medizinische Kreuzritter gegen Zucker in jeglicher Form und fordert politische Einflussnahme, um diese gesellschaftlich akzeptierte Droge, die krank und abhängig macht, einzudämmen. Er zeigt, dass Zucker und Alkohol ähnlich auf den Organismus wirken und gerade bei Heranwachsenden eine verheerende Folge haben können.

Dr. Zach Bush macht das chemische „Antibiotikum“ Glyphosat für die Explosion zivilisatorischer Krankheiten verantwortlich und zeigt, dass die Anwendung des „Pflanzenschutzmittels“, beginnend in den 1970er Jahren durch Round Up des US-Unternehmens Monsanto (jetzt eine Bayer-Filiale), extreme Folgen nicht nur für die menschlichen Zellen, sondern vor allem auf das Mikrobiom (veralternd: Darmflora) im gesamten Körper hat. Zur Erinnerung: während der menschliche Körper aus rund 10 Trillionen Zellen besteht, machen die „Fremdkörper“ in uns 100 Trillionen aus. Glyphosat soll laut Dr. Bush unter anderem die Zellmembrane, die dünner als ein Haar ist und unseren Magen vor der Außenwelt schützt, zerstören. Dadurch sind seiner Meinung nach die Autoimmunkrankheiten massiv angestiegen, da das Immunsystem des Körpers nicht mehr zwischen innen und außen unterscheiden kann. Dadurch das Glyphosat nicht nur im Wasser und in der Erde nachgewiesen werden kann, sondern auch in der Atmosphäre, ist es kaum noch möglich, diesem „Antibiotikum“ zu entgehen. Beachten Sie, dass genetisch veränderte Pflanzen so konzipiert wurden, dass sie gegenüber einem Pestizid (beispielsweise Glyphosat) resistent(er) sind. Die Chemieindustrie bestreitet, dass der Einsatz von Pestiziden („Antibiotikum“) negative Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen hat. Faites vos jeux.

Die Psychiaterin und Ernährungsberaterin Dr. Georgia Ede stellt das Ergebnis einer Studie der WHO in Frage, in der der Konsum von rotem Fleisch mit erhöhtem Krebsrisiko in Verbindung gebracht wurde. Das Resultat der Studie wurde 2015 in einem zweiseitigen Artikel zusammengefasst, die Beweisführung jedoch (noch) nicht veröffentlicht.

Der australische orthopädische Chirurg Dr. Gary Fettke erklärt in seinem Vortrag, dass Früchte für eine gesunde Ernährung nicht notwendig sind und eher als saisonales Konfekt angesehen werden sollten. Generell ist festzuhalten, dass Früchte (sowie Gemüse) Zucker (Fructose) enthalten und sich beispielsweise Krebszellen ausschließlich von umgewandelten Zucker (Glucose) ernähren können.

Der klinische Psychologe Dr. Jordan Peterson und seine Tochter Mikhaila Peterson haben ihre Ernährung auf eine rein fleischliche (bzw. zero carb) umgestellt, um ihre gesundheitlichen Probleme zu kurieren. Mikhaila beschreibt in ihrem Blog ihren Leidensweg, der bereits im Kindesalter begonnen und sich in ihrer Jugend fortsetzt hat. Mit 17 Jahren mussten bereits Gelenke ersetzt werden (Arthritis), sie litt an schwerer Depression, Schlafstörung und war anfällig für Infektionskrankheiten. Seit der Ernährungsumstellung hat sie eine ständige Verbesserung ihres Zustandes erfahren. Freilich, manches klingt ein wenig zu gut um wahr zu sein, aber es ist wie es ist.

Sv3rige ist wohl auf seine Art und Weise extrem, dafür sehr unterhaltsam. Der junge Lette, der in Deutschland lebt, hat eine bewegende Geschichte hinter sich, die von einer veganen Ernährung, einem langwierigen Genesungsprozess und einem „Ausbruch“ aus einer Klinik erzählt. Er macht keine Anstalten, seine youtube-Beiträge politisch korrekt zu halten; er lobt eine rein fleischliche Ernährung (roh!) in den höchsten Tönen und verachtet jene, die sich rein pflanzlich ernähren. Bemerkenswert sind seine zahlreichen langen Interviews mit ehemaligen Veganern, die von allerlei gesundheitlichen Problemen erzählen und erst mit einer Ernährungsumstellung und der (Wieder-)Aufnahme tierischer Produkte in ihrem Speiseplan ihre gesunde mentale und körperliche Verfassung (sowie Libido) herstellen konnten.

Der kürzlich verstorbene Aajonus Vonderplanitz hat aus seiner Leidensgeschichte eine Erfolgsstory gemacht. Trotz schwerer mentaler und körperlicher Krankheiten in jungen Jahren, die dazu führten, dass er sein Leben beenden wollte, schlug ihm das Schicksal in Form von einer Gruppe Indianern ein Schnippchen. Durch den (ausschließlichen) Konsum roher Tierprodukte konnte er den Heilungsprozess in Gang bringen. Mit der Genesung kam auch sein Lebenswille zurück und die Überzeugung, die westliche Welt müsse dahingehend aufgeklärt werden. Die Medienschar lächelte über ihn, was ihn aber nicht davon abhielt, seine kontroversiellen Ansichten zu äußern.

Dr. Weston A. Price, der in den 1930er Jahren seine ausgedehnten Reisen machte, um Naturvölker, die mit der damaligen westlichen Ernährung (Weißmehl, Zucker, Konserven, Marmelade, Schokolade, usw.) noch nicht in Berührung kamen, zu studieren, habe ich in meinen Beiträgen immer wieder erwähnt. Für mich ist sein Buch Nutrition and Physical Degeneration: A Comparison of Primitive and Modern Diets and Their Effects (1939) die Grundlage für meine gegenwärtige Recherchearbeit und bezeugt auf eindringliche Weise, welch gravierende Auswirkung die westliche Ernährung seinerzeit auf einen gesunden Organismus hatte: Karies, Zahnfehlstellungen und eine steigende Anfälligkeit für Zivilisationskrankheiten, wie Arthritis, Tuberkulose, Herzkrankheiten, usw. Dr. Price fand auf seinen Reisen kein Naturvolk, das sich ausschließlich rein pflanzlich ernährte und hielt solch eine Ernährung für ungesund, da zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe nur in fleischlichen Produkten in ausreichender Menge vorhanden sind. Dr. Price machte die damalige westliche Ernährung für die zivilisatorische Degenerierung in Körper und Geist verantwortlich.

Der Anthropologe und Nordpolforscher Vilhjalmur Stefansson lebte um 1910 mehrere Jahre mit den Inuits (Eskimos) im Norden Kanadas und in Alaska und ernährte sich in dieser Zeit beinahe ausschließlich von Fisch und Fleisch. Seine Publikationen darüber führten schließlich zu einer Studie, in dem er und einer seiner Kollegen in New York ein Jahr lang unter medizinischer Aufsicht ausschließlich Fleisch zu sich nahmen. Das Endergebnis dieser Studie – zum Leidwesen der damaligen Vegetarierfront – zeigte keinerlei gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Mangelerscheinungen. Die Blut-, Stuhl- und Urinwerte, die im Laufe der Studie ermittelt wurden, waren unauffällig. Beide Studienteilnehmer fühlten sich gesund und wohl. Sehr empfehlenswert ist sein Buch The fat of the land (1956). In diesem beschreibt er die Lebens- und Essgewohnheiten der Inuits und den Beginn der Verteufelung des Fleischkonsums in den USA.

„It is simply no longer possible to believe much of the clinical research that is published, or to rely on the judgment of trusted physicians or authoritative medical guidelines. I take no pleasure in this conclusion, which I reached slowly and reluctantly over my two decades as editor of The New England Journal of Medicine“
Dr. Marcia Angell, 2009 (Artikel)


Mythen der Ernährung (8): ein persönliches Resümee

Was bisher geschah // Ich komme gerade von Wiens traditionsreichstem Markt, dem Naschmarkt. Jeden Samstag schlagen dort Bauern ihre „Zelte“ respektive Verkaufsstände auf und bieten Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Brot, Rohmilch, Käse, Eier und dergleichen an. Während mich früher Märkte völlig überfordert haben, ist es jetzt freilich anders. Weil ich weiß, was ich will, weil ich weiß, was ich nicht will.

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