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Gedankensprünge zum Thema Flüchtlingskrise: Von Majestätsbeleidigung über kontrollierte Opposition bis hin zur Ketzerei

Orwell_Liberty_QuoteVor ein paar Jahren war es, als mich X. als Doomster bezeichnete, weil ich die Zukunft recht dunkel einfärbte. Gegenwärtig sehe ich weder einen Regenbogen noch einen Silberstreifen am Horizont heraufdämmern. Rosarote Brillen, gewiss, werden genauso zahlreich verteilt wie all diese blauen Pillen, die einen die Realität vergessen lassen. Darin liegt ja die Crux aller Krisen, nämlich dass der gewöhnliche Bürger von der überschäumenden Propaganda-Flut hinweggespült und von der political correctness Tollwut zerfleischt wird. Zur Erinnerung sei hier angemerkt, dass es ein gewisser Immanuel Kant war, der im September 1784 in seinem Aufsatz schrieb:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. […] Sapere aude! ›Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‹

Tja. 231 Jahre später kehren wir wieder zum Ausgangspunkt zurück. Die regierenden Fürsten teilen ihren Untertanen mit, was sie zu denken, woran sie zu glauben und was sie zu tun haben. Verfehlungen werden rigoros bestraft. Damals hieß der Verbrecher Ketzer, heutzutage Hetzer. Die Majestätsbeleidigung, die einen in den Kerker bringen konnte, gibt es noch heute – einzig, dass die (imaginäre) Majestät je nach welt- und gesellschaftspolitischer Lage wechselt. Toleranz, das Ergebnis einer humanistischen Gesinnung in Europa, wird zu einem totalitären „Entweder-oder“ entstellt. Wer Art und Ausmaß „humanitärer Hilfe“ besprechen und Grenzen ziehen möchte, ist bereits verdächtig, den rechten Teufel in sich zu tragen. Haupt- genauso wie nebenberufliche Exorzisten sorgen mittels Zuckerbrot und Peitsche dafür, dass all die Schafe, die vom linken Wege abgekommen sind, zur Herde zurückkehren. Man könnte meinen, im dunklen Mittelalter (das in Wirklichkeit so dunkel nicht war) aufgewacht zu sein.

Hier ein paar Gedankensprünge zum Thema.

Ist Ihnen bereits aufgefallen, dass es mehr Arbeitslose in Griechenland (25 %) und Spanien (21 %) gibt, als im Irak (16 %)? Sie können sich gerne den Kopf darüber zerbrechen, wie es sein kann, dass in einem von blutigen Anschlägen verwüsteten Land, die Wirtschaft nicht völlig am Boden liegt. Wie dem auch sei, es ist nun mal so, dass eine Bevölkerung alles unternimmt, um ihr Fortbestehen zu sichern, egal wie trostlos, wie hoffnungslos die Situation auch scheinen mag – siehe Deutschland im Herbst 1945 – vorausgesetzt, die Bewohner geben ihr Land nicht auf.

[7] All German cities above 50,000 population and many smaller ones were from 50 to 80 per cent destroyed. Dresden, as large as Pittsburgh, was wiped out and nearly all of its 620,000 inhabitants buried under the ruins.

[8] Cologne, with a population of 750,000, was turned into a gigantic wasteland. Hamburg, with its 1,150,000 people, was blasted by huge attacks, in one of which the flames rolled a mile into the sky and roasted alive hundreds of thousands of civilians in street temperatures of a thousand degrees. Frankfurt-on-Main, a city of 500,000, was reduced to a mass of rubble. All cities and industrial areas, such as the Ruhr and Saar regions, were laid waste.

[7] United Press, London, Feb. 14, 1945 and Associated Press, London, March 5, 1945
[8] Associated Press, London, March 24, 1945
Quellen wurde von meiner Seite nicht verifziert

Kennen Sie den Begriff „kontrollierte Opposition“? Interessanterweise konnte ich kein Definition im Deutschen finden. Im Englischen findet sich die folgende:

[meine Übersetzung:] Eine kontrollierte Opposition ist eine Protestbewegung, die in Wirklichkeit von einem Regierungsagenten geführt wird. So gut wie alle Regierungen haben in der Vergangenheit diese Technik angewendet, um ihre politischen Gegner auszutricksen und sie zu bändigen. Lenin hat einmal gesagt: „Der beste Weg, die Opposition zu kontrollieren ist, sie selbst anzuführen.“ A controlled opposition is a protest movement that is actually being led by government agents. Nearly all governments in history have employed this technique to trick and subdue their adversaries. Notably Vladimir Lenin who said „The best way to control the opposition is to lead it ourselves.“ Urban Dictionary

Ich erwähne diesen Sachverhalt deshalb, weil der gewöhnliche Bürger davon ausgeht, dass die Dinge so sind, wie sie in den Medien bzw. in der Schule dargestellt werden. Die Einflussnahme, die da draußen, in der Realität geschieht und von der die Medien nur flüsternd berichten, ist eine Tatsache (schlag nach bei COINTELPRO) und ich gehe davon aus, dass alle Protest- bzw. Bürgerbewegungen, die „Fahrt aufgenommen haben“, unterwandert sind. Ich bin sogar versucht zu sagen, dass die eine oder andere größere Bewegung durch (geheime) behördliche Initiativen entstanden ist. Dass auch und gerade populäre „Rädelsführer“ den Behörden zuarbeiten, sollte nach dem Mauerfall und der Öffnung der Stasi-Archive jedem Deutschen klar sein.

[meine Übersetzung:] Bürgerbewegungen, die während dieser Periode [der 1960er] aufkamen und die fundamentale Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft herbeiführen wollten, durften sich nicht frei entwickeln; statt dessen lösten sie sich vorzeitig auf oder wurden von Infiltratoren und Provokateuren unterwandert, deren korrupter Einfluss schließlich dazu führte, dass die Bewegungen für die Öffentlichkeit unglaubwürdig gemacht wurden. Somit ist es unmöglich festzustellen, in welche Richtung diese Bewegungen gegangen wären oder was sie hätten erreichen können, wenn es keine geheimen behördlichen Interventionen gegeben hätte.

Donna A. Demac, Liberty denied: the current rise of censorship in America
Rutgers University Press 1990, S. 78

Bezüglich der Presse, kann ich nur sagen: Seien Sie ja auf der Hut! Generell gilt: Wenn Artikel und (vor allem Fotos) versuchen, Ihre Emotionen anzusprechen, dann möchte man Sie manipulieren. Die Aufgabe der Qualitäts-Presse sollte in erster Linie die Sichtung und Aufbereitung von Fakten sein bzw., wenn Fakten und Daten fehlen, diese von Behörden oder Institutionen einfordern. Plumpe Stimmungsmache hat noch keine Krise gelöst, im Gegenteil, sie verschärft nur die Gegensätze innerhalb der Bevölkerung und verhindert den sachlichen Diskurs. So sind es gerade die jungen Leute, seien sie Internationalisten, seien sie Nationalisten, die gegenüber der Stimmungsmache am anfälligsten sind und deren Hemmschwelle noch am geringsten ausgebildet ist.

Wenn die tatkräftigsten und am besten ausgebildeten Staatsbürger vor den Kriegswirren aus ihrer Heimat flüchten und sich in ihrem Asylland eine neue Existenz aufbauen dürfen, dann ist die Frage, ob das nicht gegenüber den im Krieg zurückgebliebenen Bürgern eine Ungerechtigkeit darstellt. Schließlich, wer soll das Land, wenn der Friede wieder einkehrt, aufbauen? Wer soll für Ruhe und Sicherheit sorgen? Ein Arzt oder Bautechniker, der nicht mehr zurückkehrt, lässt sein Land, sein Volk im Stich. Kurz und gut: Jeder funktionierende Staat benötigt eine gebildete Mittelschicht, die als Puffer zwischen unten und oben dient und somit für zivilisatorische Ordnung sorgt. Ist dies nicht der Fall, verkommt der Staat zu einer regionalen Arena, in der Familien und Stämme und Parteien um den „Thron“ kämpfen und erneut blutige Wirren auslösen, die wiederum erneut für Fluchtwellen sorgen. Ist es das, was wir uns für die Zukunft wünschen?

Sollten Sie ein skeptisch-kritischer Geist sein, so seien Sie vorsichtig, Ihre Gedanken in aller Öffentlichkeit zu formulieren. Gegen den Geschrei des Pöbels, der von Berufsdemonstranten und professionellen Propagandisten eingepeitscht wird, kommt der Einzelne nicht an. Weiters würde ich an der Teilnahme von „groß angekündigten“ Demonstrationen bekannter als „rechtspopulistisch klassifizierte Organisationen“ (O-Ton Wikipedia) abraten, da jeder Teilnehmer zu einem Spielball medialer und politischer Handlanger wird. Achten Sie auf die Wortwahl! Demonstrieren Sie nicht, versammeln Sie sich! Es geht nicht um eine Protest-, sondern um eine Bürgerbewegung. Verlegen Sie Versammlungen auf einen Sonntag Vormittag. Mit Kind und Kegel. Mit Ihren Eltern und Großeltern. Gehen Sie in die Kirche – vielleicht können Sie dort Ihre Sorgen und Ängste zum Ausdruck bringen. Versuchen Sie sich von unerwünschten „Zaungästen“ zu lösen. Seien Sie sich im Klaren, dass es draußen eine Schar an Agent Provocateurs gibt, deren einzige Aufgabe es ist, auf ein Foto oder in die Nachrichten zu kommen – sei es mit verunglimpfenden Plakaten, sei es mit brutalen Gesten, sei es mit hasserfüllten Sprechchören.

Generell gilt die Losung, dass jeder Mensch, der das Gesetz achtet – sei es in der Tradition, sei es in der Kultur verankert -, der sich an die goldene Regel hält und der mithelfen möchte, diese Welt mit friedlichen Mitteln in die Zukunft zu führen, dieser kann kein böser Mensch sein und darf nicht abgewiesen werden. Jeder Mensch, der das Gesetz missachtet, die Ordnung willentlich stört und mit verbrecherischen und gewalttätigen Mitteln seine Existenz auf Kosten anderer bestreiten möchte, sollte nicht in die Gemeinschaft aufgenommen werden.

Was Sie schon immer über das Geld und Griechenland wissen wollten

Die Pyramide hat man in Frankfurt auf die Spitze getrieben
Die Pyramide hat man in Frankfurt auf die Spitze getrieben

update: die Dokumentation Gier bietet gute Hintergrundinfos zum Thema Geld und kann auf Servus-TV angesehen werden: http://www.servustv.com/at/Medien/Servus-Reportage13

Ich versuche es Ihnen so schonend wie nur möglich beizubringen, dass alles, was Sie über das Geld und das Finanzsystem wissen, falsch ist. Natürlich werden Sie mir nicht glauben. Ich verstehe das. Niemand möchte sein (festgefahrenes) Glaubenssystem ins Wanken bringen. Es ist ein Fundament, auf dem all Ihre Überlegungen aufbauen. Nimmt man Ihnen dieses Fundament, tja, was dann?

Also, Fakt ist, dass im heutigen Finanzsystem Geld nur durch eine Schuldverstrickung in den Wirtschaftskreislauf gebracht werden kann. Wenn Sie also hören, dass die amerikanische oder europäische Zentralbank „Geld druckt“, dann heißt es nichts anderes, dass Kredite vergeben und Schulden gemacht werden. Mit anderen Worten, im gegenwärtigen Finanz- und Geldsystem können Schulden niemals zur Gänze zurückgezahlt werden. Würden von heute auf morgen alle Schulden zurückgezahlt (was nicht mal theoretisch möglich ist, da es die Zinseszinsfunktion gibt), würde es de facto kein Geld mehr im Wirtschaftskreislauf geben. Ergo: Das bestehende Finanz- und Geldsystem ist darauf angewiesen, dass der Einzelne wie die Gesamtheit Schulden über Schulden über Schulden über Schulden usw. macht.

Die finanzielle Malaise in Griechenland ist deshalb nichts Außergewöhnliches. Über kurz oder lang werden alle Institutionen und alle Staaten bankrott machen. Es ist demnach nicht die Frage, ob, sondern die Frage wann. Diese Tabelle zeigt das Verhältnis von Staatsschulden zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Japan und Irland und Portugal und Singapur und Belgien und die Niederlande, sie alle haben ein höheres Schulden/BIP-Verhältnis als Griechenland. Warum ist Griechenland trotzdem ins Kreuzfeuer der Politiker und Medien geraten? Darüber können wir nur spekulieren. Ich gehe davon aus, dass mit der „Akte Griechenland“ ein Präzedenzfall geschaffen werden soll – schließlich, wie wir nun wissen, wird ja ein Staatsbankrott dem anderen folgen. Die skrupellosen Geldwechsler (niemand kennt sie) versuchen alles, um die Schuldner zu zwingen, das Familiensilber zu veräußern. Natürlich zu einem „vernünftigen“ Preis. Am Ende, wenn alles, was Wert hat, dem Bankrotteur abgepresst worden ist, erlässt man ihm gnädigerweise die Schulden und es geht wieder von vorne los. Unser Geld- und Finanzsystem ist ein Perpetuum Mobile der Vermögensanhäufung. Freilich nur für jene elitäre Gruppe, die das System am Laufen hält und den Rest für Dumm verkauft.

Hin und wieder gibt es mutige Querdenker, die dieses legale Pyramidenspiel anprangern und öffentlich zur Diskussion stellen. Einer von diesen war ein gewisser Ezra Pound, der – wie kann es anders sein – nach allen Regeln der Kunst in den Schmutz gezogen und ins Gefängnis gesteckt wurde. Machen wir uns nichts vor, werte Leser, wenn wir am bestehenden Geld- und Finanzsystem nichts ändern, werden wir oder unsere Kinder oder deren Kinder auf die Galeeren geschickt. So sah es das römische Recht in der Antike vor: Wer seine Schulden nicht bezahlen konnte, wurde selbst zur Ware, die der Geldgeber veräußern konnte. Mit anderen Worten: Der Zahlungsunfähige wurde Sklave. Shit happens, ich weiß.

Was wir also die letzten Jahre und Jahrzehnte gesehen haben, ist nichts anderes als eine imposante Vermögensanhäufung skrupelloser Geldwechsler (niemand kennt sie). Aber es ist nicht nur die Vermögensanhäufung, nein, nein, es ist vielmehr das mindset, die Geisteshaltung, die Denkart, die uns und damit die ganze Welt ins Verderben stürzen wird. Die Mehrheit akzeptiert nicht nur dieses betrügerische Pyramidenspiel, eines Charles Ponzi mehr als würdig, sondern tut alles, um es aufrechtzuerhalten und durchzusetzen.

Okay, und was will ich damit sagen? Ich schätze, unsere einzige Überlebenschance besteht darin, dass wir eine Führerfigur erwählen, die den Tempel von all den Händlern und Geldwechslern säubert und sie mit einer Geißel aus Stricken davonjagt. Yep, ist noch nicht wirklich lange her, das letzte Mal.

Das Musterbuch Con$piracy oder Ein Ziegel von einem Schmöker

612 Seiten – 1115 Fußnoten – 0,9 kg. Manche Wahrheiten sind nun mal gewichtig!

Das Musterbuch zu Con$piracy: Eine andere Wahrheit ist gerade von meiner Druckerei eingelangt. Hui. Sehr hübsch geworden. Ich bin äußerst zufrieden. Wenn ich so ins Buch blättere, dann ist es kaum vorstellbar, dass ein einzelner Mensch in 31 Monaten so viele Daten gesammelt, aufbereitet und lesbar gemacht hat. Ich bin immer wieder beeindruckt, zu welchen Leistungen so ein menschliches Gehirn fähig ist. Nebenbei bemerkt, habe ich in der Entstehungsphase des Sachbuches noch an meinem Tagebuchroman Der Fetisch des Erik van der Rohe gearbeitet und Tiret-Band 3 Madeleine veröffentlicht. Man kann also nicht sagen, dass ich geschlafen hätte. Wobei, es gab letztes Jahr zwei oder drei Monate, wo ich pausieren und zu Atem kommen musste und mich in die Rolle eines Fürsten der Neuzeit versetzte (will heißen: ich spielte Europa Universalis III und da ging mir das eine oder andere Licht auf, in  Bezug auf historische Zusammenhänge). Ja, gehirnakrobatische (Meister)leistungen brauchen Sauerstoff und Visionen. Nicht zu viel von einem, nicht zu wenig vom anderen.

Nächste Woche erfolgt voraussichtlich die Lieferung der Bücher. Vorbestellungen und Neugier/Interesse gibt es. Ob es reicht, eine ›neue Aufklärung‹ in die Wege zu leiten, bleibt fraglich. Gewiss, fürs Erste müssen die Bücher nicht nur gekauft, sondern auch gelesen und der Inhalt, oder wenigstens Teile davon, als eine andere Wahrheit verstanden werden. Eine Wahrheit, die im Gegensatz zur offiziellen steht. Es obliegt dem Leser, die (folgerichtigen) Schlüsse zu ziehen. Nun, wie auch immer die Sache ausgehen mag, ich werde guten Gewissens sagen können, es wenigstens versucht zu haben; in Anlehnung an Konfuzius, habe ich nicht die verworrene Dunkelheit verflucht, sondern ein kleines aufklärendes Lichtlein entzündet.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Schreibens im subtropischen Klima Wiens, anno 2012

Der Kaffee steht am Herd. Italienisches Espresso-Kännchen. Ein Klassiker, wenn man so will. Die Espresso-Kaffeemaschine, ein „Erbstück“, vulgo „du kannst es vielleicht brauchen“-Geschenk meiner Eltern, stand zwar hübsch auf der Küchenanrichte, aber war nie im Gebrauch. Der logische und notwendige Schritt musste getan werden. Und wurde getan. Jetzt dürfte die Maschine irgendwo da draußen hoffentlich jemand anders zufrieden machen.

Die Europameisterschaft vorbei. Der Stress, beinahe täglich am Abend zu Freunden, dort mit allerlei Leckereien verköstigt zu werden („Eis zur Pause!“) und mit gefülltem Magen die Heimreise anzutreten, ja, dieser Stress kann einen brotarmen Dichter schon einigermaßen zu schaffen machen. Dass es gerade so kam, dass besagte Freunde zum Finaltag bereits im wohlverdienten Urlaub weilten, war natürlich ein unglücklicher Zeitpunkt. Deshalb ließ ich mich von F. breitschlagen, am Donaukanal das Finale  zu gucken, sprich: „Public Viewing“. Als ich die mitgebrachte Bierdose von X. – wie hieß er doch noch gleich? – ablehnte und statt dessen zum Mineralwasser griff, erntete ich einen misstrauischen Blick. Ich wiederum säte einen misstrauischen Blick, als ich F. und X. sagen hörte, dass sie sich aus Fußball nicht viel machen. Aha! Deshalb störte sie es auch nicht, dass der Trubel minütlich zunahm und ich meine anti-sozialen Ressentiments bestätigt fühlte. Fürs Bad in der Menge bin ich nicht geboren – noch dazu bei kreislaufschwächendem Schwülstwetter. Wie dem auch sei, obwohl ich einen einigermaßen guten Blick auf die „Videowall“ (Leinwand klingt vermutlich old school, nicht?) hatte, nur hin und wieder gestört von Leutchen, die vor mir ihre sozialen Begrüßungstänze aufführten, entschloss ich mich – spät, aber doch – für die Heimreise fliehenden Schrittes. Übrigens, die U2 Station Schottenring – der Ausgang Donaukanal führt unter diesem vorbei – ist ein famos langgestrecktes Kühlschränkchen. Da könnte man sicherlich so manche Hitzewelle aussitzen.

Zurück zur hitzig heißen Normalität, die einen schon schwer zu schaffen machen kann. Besser, man verlässt erst gar nicht das Haus. Privates Swimmingpool kann sich jedermann für ein paar Münzen ins Wohnzimmer und unter den Tisch stellen. So ein Kunststoff-Pottich, gefüllt mit kalt-klarem Wiener Wasser, in dem die Füße schiwmmen gehen können, ist schon eine Wohltat für Körper und Geist. Mehr Abkühlung geht vermutlich nicht. Kneipp hatte bei seinen Kaltwasserkuren natürlich anderes im Sinne, aber wer weiß, wer weiß …

Am Dienstag die EM-Blog-Beiträge in ein kindle-E-Book gepackt – trotz einer übellaunigen Hitze-Kopfweh-Attacke – und wieder einmal festgestellt, wie mühsam es ist, solch ein elektronisches Buch zu fabrizieren, vorausgesetzt, man hat gewisse qualitative Ansprüche (ich hasse zum Beispiel diese amerikanisierten Absatzeinzüge, die einen Text so unruhig werden lassen – vor allem bei Dialogen -, das einem das geplagte Auge schwirrt!).

Ein Geständnis ist natürlich noch anzubringen und nachzuholen, habe ich doch die letzten Wochen – immer wieder – mit großem Vergnügen DIABLO II gespielt. Das Game hat zwar schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, aber es ist wohl noch immer als Meilenstein der kurzen Game-Historie zu betrachten. Ausgelöst wurde mein Fieber durch den Nachfolger mit der Nummer III, den es im Mai endlich zu kaufen gab. Ich kaufte natürlich nichts. Natürlich nicht. Erstens ist meine Hardware (die meines PCs, bitteschön) dermaßen veraltert (das war sie schon damals beim Neukauf), dass ich mich noch jetzt wundere, wie gut ich mit ihm auskomme. Nicht einmal das subtropische Klima im Arbeits- und Wohnzimmer macht ihm zu schaffen. Sein Ventilator schnurrt brummig vor sich hin. Respekt. Jedenfalls sind nicht nur die technischen Anforderungsvoraussetzungen ein Hemmschuh, mir das neue Game zu gönnen, sondern auch die sicherheitsrelevante Voraussetzung, die da lautet, dass man zum Spielen eine ständige Internet-Verbindung  benötigt. Aha. Auch wenn ich nicht mit anderen realen Getreuen durch die virtuellen Dungeons ziehe (auch im Virtuellen hege und pflege ich meine anti-sozialen Ressentiments), verlangt der Hersteller Blizzard (gab’s da nicht mal eine österreichische Skimarke? Und hätte man den Namen geschützt, könnte man jetzt das amerikanische Multi-Milliarden-Unternehmen verklagen? Ich bitte um juristische Einwürfe!), also verlangt der Hersteller, dass man ständig mit dem Web verbunden sein muss. Also, jetzt mal ehrlich: Soll man (also Sie und ich und all jene, die so in der westlichen Welt herumschlurfen) es wirklich gut heißen, solch einen auferlegten Zwang? Nope. So gut kann dieses Game gar nicht sein (und scheint es auch nicht zu sein – in der Community wird lang und breit und heftig diskutiert, ob der Vorgänger nicht besser ist). Aber noch ein weiterer, nicht uninteressanter Aspekt gilt es kurz zu erwähnen: das leibhaftig echte Auktionshaus in der Diablo-Virtuality. Dort können Leute wie du und ich (also Schlurfs) virtuelle Gegenstände, die sie im Game finden/gefunden haben (Fantasy, you know – da wimmelt es selbstjafreilich von verzauberten Schwertern, Helmen, Zauberstäben und dergleichen mehr und dergleichen weniger) verhökern. Entweder gegen virtuelles Geld (Goldmünzen, nicht?) oder gegen echtes! Aha! Da haben wir also den Salat. Nun geht es also endgültig los, mit dem Schröpfen des Plebs (pardon, ich habe gerade Joachim Fernaus joviale Erzählkunst über die Geschichte Roms verschlungen) – wie genial diese Idee ist, zeigte eigentlich schon „Second Life“. Erinnert sich noch jemand an diesen Versuchsballon (merke: heiße Luft ist nötig, damit er in die Höhe schwebt!), der eine erstaunliche Zahl an Glücksrittern und Goldgräbern anlockte. Zur Blütezeit gaben die Erfolgreichen Seminare („Wie werde ich reich …“) und der Plebs (pardon) hörte gespannt zu. Man hoffte, aus dem binären Nichts echtes Geld zu schöpfen. Ach so, echtes Geld wird ja de facto aus dem Nichts geschöpft. Wussten Sie das? Sollten Sie aber. Immerhin macht Geld aus freien Menschen Sklaven. Entweder, weil man keines hat (im alten Rom wurden die Bankrotteure – mitsamt der Familie – versklavt; heutzutage dürfen sie Bestseller-Bücher schreiben) oder weil man zu viel hat. Wie man es auch dreht und wendet, Geld ist der unerschöpfliche Motor, der unsere hochstehende (ach?) Zivilisation antreibt. Die Fehlzündungen, die sie hören, haben nichts zu bedeuten. Sagen die Autobauer und Mechaniker – und die müssen es ja, angeblich, wissen, nicht?

Sie sehen, Abschweifung ist meine Spezialität. Das ist ja das schöne, dass man zufrieden und wohlig motiviert schreiben kann, wohin einen die Gedanken führen, wenn man frei ist (oder es wenigstens glaubt, zu sein). Jedenfalls, zum Thema „Geld“ und „System“ sollte ich ja endlich mit meinem Manuskript weitermachen, diese neuerliche Überarbeitung meines populären Sachbuchs über konspirative Machenschaften in unserer hochstehenden (ach?) Zivilisation. Zwar wurde gegen Ende Mai damit begonnen, mit der Überarbeitung, aber die EM kam dann dummerweise dazwischen – und damit war auch für mich ein Ausnahmezustand an- und ausgebrochen. Jetzt ist die EM vorbei – aber die Wiederaufnahme des Schriftsteller-Alltags will nicht so recht gelingen. Was natürlicht mit dieser Hitzewelle zu tun hat, die einen nur träge werden lässt. Aber hier, am schattigen Küchentisch, hält man es bestens aus. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mein Sommerdomizil aufschlagen. Analog den Königen und Kaisern mit ihren Sommerresidenzen. Der Schlosspark Schönbrunn – keine vier U-Bahnstationen von hier entfernt – erinnert ein wenig an einen Glutofen. Nur die leichte Bewaldung an den Park-Rändern bietet einigermaßen Kühle. Und der Neptun-Brunnen – beeindruckende Ausmaße – bietet einen einzigen Schattenplatz von rund 1 m². Ein wenig dürftig, nicht? Die Touristen sind nicht zu beneiden, die den Weg zur Gloriette – bei grellstem Sonnenschein und abartigster Hitze – in Angriff nehmen. Dem Nilpferd im nur wenige Schritte entfernten Tiergarten sind die heißen Temperaturen sowieso schnurz – es verharrt regungslos im Schlammwasser und wartet. Vermutlich hat so ein Koloss mehr Zen in sich als jeder Dauerläufer, der seine Runden im Schlosspark dreht. Apropos Koloss. Die Eichkätzchen in Schönbrunn sind wahrlich süße Geschöpfe. In meiner Kindheit waren Sichtungen dieser flinken und schwanzbebuschten Kätzchen eine Sensation. Der gewohnte Dialog verliefe zumeist wie folgt:

„Dort! Ein Eichkätzchen!“
„Wo?“
„Dort! Beim großen Baum!“
„Welcher Baum?“
„Na, der große dort!“
„Der da?“
„Nein, der da hinten!“
„Seh keins!“
„Na, jetzt ist es weg. Du bist auch ein blindes Hendel!“

Vor wenigen Tagen verlief dieser Dialog ganz anders. Es gab keinen. Weil ein Eichkätzchen geradewegs aus den Gebüschen auf den Schotterweg kam und uns den Weg versperrte. Auf uns hinaufsehend, mit großen Äuglein, bettelte es um Essbares. Da wir nichts hatten, zuckten wir nur mit der Schulter. Aber der kleine Bengel ließ sich nicht so einfach abschütteln und folgte uns auf Schritt und Tritt. Ja, die Zeiten haben sich geändert. Wahrlich.

Wo war ich stehen geblieben? Sie merken, ich schweife nicht nur ab, ich verliere auch leicht den roten Faden, was wiederum ein roter Faden in meinen Blog-Beiträgen darstellt. Das ist natürlich paradox – ein roter Paradox-Faden, sozusagen. Ach ja. Vor wenigen Tagen schrieb mir C., dass sie für mich gerne eine Lesung in einem hübschen Lokal organisieren würde. Der Haken bei der Sache ist, dass dieses Lokal und C. viele hunderte Kilometer entfernt von hier sind. Und Reisepass habe ich mir auch noch keinen neuen ausstellen lassen. Jedenfalls meinte C., ich könnte in einer trauten Freundesrunde etwas aus 88/6 lesen. Vor einem Jahr  (oder vielleicht gar schon zwei?) schickte ich ihr das Manuskript, welches ihr ausnehmend gut gefiel und sie von all meinen schreibenden Ergüssen recht weit nach vor reihte (was mich wiederum nachdenklich stimmte, hatte ich doch das Büchlein innerhalb eines Wochenendes runtergetippt – mehr eine literarische Versuchsanordnung, denn ernsthafte Schreibe). Gut möglich, dass ich mir diese „Versuchsanordnung“ wieder zur Brust nehme. Es ist ja eigentlich leichte Kost (mit einer bitteren Note im Abgang) – jedenfalls nicht sonderlich schweißtreibend (im Gegensatz zum Sachbuch). Hm?!

Erik liegt beim Korrektorat. F. schrieb mir, dass es noch ein Weilchen dauern wird. Es liegt aber nicht an „Erik“, vielmehr am persönlichen Durcheinander. Ja, so ist das, im Leben. Da gibt es keinen Anfang und kein Ende (an beides kann sich der Mensch natürlich nicht erinnern!). Irgendwann beginnt es, irgendwann hört es auf. Nicht von ungefähr habe ich Rezzoris „Greisengemurmel“ neben mir am Lesetisch (= Esstisch und Schreibtisch an heißen Sommertagen) liegen. Überhaupt dürfte Rezzori (wie Ustinov) ein Kosmopolit, ein Welten- und Epochenbürger im besten Sinne gewesen sein. Epochenbürger? Ich nenne es mal so (Sie dürfen diese Wortkreation gerne verwenden). Ein Mensch, der im Kaiserreich aufgewachsen ist (Bukowina), dann zum Rumänen erklärt wurde – um wenig später festzustellen, dass die Gegend zum deutschen Reichsgebiet zugeschlagen und dann russisches Hoheitsgebiet wurde. Ukraine, sozusagen. Jedenfalls hatte der gute Rezzori ein Wechselbad an epochalen Umwälzungen zu ertragen (kalt – warm, nicht?). Während die gegenwärtigen jungen Generationen (dazu zähle ich mich natürlich auch, bitteschön!) allesamt in Watte „getaucht“, völlig den schönen Geist verlieren und tagtäglich nur noch Rechenoperationen ausführen, so stemm(t)en sich die schriftstellernden Alt-Gardisten gegen diese musische und ästhetische Versumpfung und Verstopfung. Dahingehend muss man nur mit ehrlichen Augen durch die Bezirke schlendern oder mit der U6 zur Stoßzeit den Gürtel entlang fahren (so manche der hübsch groß verglasten U-Bahn-Garnituren hat noch keine Klimaregulierung!). Ja, alte Kulturen hatten noch kein Internet, keine Nixpresso-Maschine oder DIABLO III, aber sie wussten Bauten zu errichten, die einen in den Bann ziehen (es sei denn, man sitzt wie blöde vor dem Internet oder spielt DIABLO II oder III). Sie wussten, was ästhetisch nötig und lebens-notwendig war (zum Beispiel schattige Arkaden-Gänge im Hochsommer!). Während wir, die Bürger dieser hochstehenden (ach?) Zivilisation, Billionen an Geld, das es eigentlich gar nicht gibt, einen Banken- und Finanzapparat überantworten, die damit wie besoffene Matrosen auf Landurlaub wirken, verlieren wir die Balance zwischen Notwendigem und Lebenswertem. Es scheint, als würden wir immer mehr in die Richtung lebens-unwerterem Notwendigen tendieren. Nein, nicht die Bürger, nicht der Plebs, sondern die Macht- und Schaltzentralen, irgendwo da draußen, in den gekühlten Büros. Würden diese gezwungen werden, zur Stoßzeit in einer überfüllten U6-Garnitur von Floridsdorf bis Westbahnhof zu fahren, sie würden nicht wieder Billionen ins Börsenspielcasino  tragen, sondern lebenswerterere Verbesserungen durchsetzen. Also! Um zu einem fröhlichen Abschluss zu kommen, würde ich vorschlagen, dass wir korrupte Politiker und lügende  Bankiers nicht am nächsten Laternenpfahl aufknüpfen (das ist zu französisch, non?), sondern sie lebenslänglich zwischen den „egalitären Außenrandbezirken“ hin- und herfahren  lassen. Erlaubt sind: Bus, Bim, U-Bahn und sonst nichts.

So. Meine Füße gehen jetzt eine Runde schwimmen.

9 Jahre Selbstständigkeit und ein bisschen Weise (2)

Als ich 2003 in die Selbstständigkeit zog, mit wehenden Fahnen, war die Welt da draußen noch in Ordnung. Nein, sie war auch damals schon nicht in Ordnung, aber keiner bemerkte es oder kümmerte sich darum. Im Herbst 1989, nach der Matura in der Handelsakademie Wien XXII, lernte ich das Bankwesen kennen. Dann die Wertpapierabwicklung. Börsenboom in Wien. Es ging drunter und drüber. Jeder konnte ein kleines oder großes Vermögen machen. Abgebrüht musste man schon sein. Es war der Wilde Westen des Kapitalismus in seiner faszinierendsten Form und die Grundlage hieß: Börsenboom. Ein Boom ist eigentlich blanke Hysterie in den Köpfen der Marktteilnehmer. Jeder will sich ein Stück vom Kuchen holen. Jeder meint, es gäbe nicht genug und er müsste schnell und hart zugreifen. Damit setzt eine Nachfrage-Spirale ein, die in den Zeitungen und Nachrichten ihren besonderen Nachhall erfährt: und wieder ist der Börsenkurs oder Index in luftige Höhen gestiegen. Damals glaubte ich, alles zu verstehen, was ich verstehen musste, um meinen Job zu machen, nämlich Wertpapiergeschäfte abzuwickeln. Ich bemerkte die zwei Klassen: dort jene, die Geld machen, aber sich nicht darum kümmern, dass das Geld auch zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Konto landet – dort jene, die kein Geld machen, aber sich darum kümmern, dass das Geld zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Konto landet. In den Vorstandsetagen wurden die »Geldmacher« natürlich hofiert – die »Geldvernichter« ignoriert oder später mit dem Sparstift zusammengestrichen. Die Ironie ist, dass es vor allem die »Geldmacher« waren, die manche Banken in späterer Folge in die Krise oder gar in den Bankrott dealten. Stichtwort: Barings Bank & Nick Leeson.

Entwurf einer Verschwörung

Die Wirtschaft und die Welt an sich stellte ich damals nicht sonderlich in Frage. Wozu auch? Sie funktionierte. Jedenfalls funktionierte sie für mich. Irgendwie. Du verrichtest deinen Job, plagst dich, mühst dich und erhältst am Ende deinen Lohn, den du nach Belieben verteilen kannst. Vorrangig am Samstag, wenn die Geschäfte länger offen halten. Hin und wieder dachte ich daran, in einer Tretmühle gelandet zu sein. Aber gab es Alternativen? Nope. Ich sah keine. Im Hinterkopf, freilich, diese irrwitzige Phantasie, ein Schriftstellerleben führen zu können. Unabhängig. Frei. Angenehm. Die übliche Träumerei eines zu lebenslanger Arbeit Verurteilten. Aber ohne Inspiration, diesem göttlichen Fingerzeig, gab es keine Haftentlassung.

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