Archiv der Kategorie: about paris

Glattauer, Cruz, Glavinic und andere Augenauswischerein

Die Kurzfassung für alle, die es eilig haben: Wäre ich bekannter, berühmter und erfolgreicher, würde ich keine laaangen Blog-Beiträge verfassen, sondern mir in Havanna die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, einen Cocktail schlürfen und auf Hemingways Schreibmaschine ein breuereskes Werk verfassen. Und wenn ich gerade dabei bin, tät ich sicherlich ne Zigarre paffen. Ich denke, damit haben Sie den Kern dieses (und aller zukünftigen Beiträge) erkannt. Sie sehen, ich habe Ihnen viel Zeit erspart. Schließen Sie mich also in Ihrem nächsten Gebet um Steuersenkungen, Armenausspeisungen und Medienkontakte mit ein.

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Eigentlich hätte ich ja längst den längeren Eintrag zum Museum Liechtenstein schreiben sollen, aber ich warte noch auf die eine oder andere Antwort und so lange ich diese nicht habe, will ich nicht aus dem Nähkästchen plaudern. Gut. Gut. Deshalb – sehr unüblich um diese recht späte Uhrzeit – kurz ein paar Zeilen über Vergangenes und Zukünftiges. Es soll ja Leser geben, die sich hin und wieder für die leisen Zwischentöne meines Tuns interessieren. Angeblich.

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Title : MA VILLE Ean : 9782951645547
MA VILLE Ean: 9782951645547 prix: 11 euros Edition Populaire

Vermutlich ist das kleine Päckchen – besser: luftgepolstertes Kuvert – schon ein paar Tage im Postkasten gelegen, bis ich es endlich entdeckte – besser: ich mal die Post holte. Das Kuvert hatte eine längere Reise hinter sich. Ich gehe davon aus, dass sie strapaziös war – auch wenn man es ihm nicht ansah. Der Absender ist ein glühender Fan meiner Schreibe. Das klingt natürlich ein wenig überzeichnet – und ist doch untertrieben! Wir halten fest: Gunar kommt aus Maastricht. Er stolperte in XING über einen meiner Einträge. Er bestellte kurzerhand Tiret. Später dann Brouillé. Und ich glaube, er hat auch Rotkäppchen 2069 genommen. Und Schwarzkopf? Vermutlich. Müsste ich nachsehen, aber gehen wir mal davon aus, dass er alle meine (noch erhältlichen) Bücher hat. Mehr noch, er war der erste, der beim Club der 99 sofort mit den 25 Münzen bei der Hand war und sie mir nach Wien schickte. Seine Rezension zu den Tiret-Bänden im XING-Bücher, Bücher, Bücher – Forum quellen über vor Begeisterung – und ich kann dazu nur freundlich nicken, weil es sich als Autor nicht ziemt, dem Rezensenten überschwänglich zu danken. Man muss schon die Distanz wahren. Mehr oder weniger. Jedenfalls hat mir Gunar ein kleines, quadratisches Büchlein ins gepolsterte Kuvert gesteckt – und dazu einen von Hand geschriebenen Brief. Sehr persönlich gehalten. Ich war und bin zutiefst gerührt. Weil es nicht selbstverständlich ist, dass man mir ein Geschenk macht, weil meine Bücher „so viel Spaß gebracht haben“. Ja, ja. Das Büchlein Ma Ville,  je l’aime ist eine bitterbös schwarzhumorige, beinahe zynische Liebeserklärung an Paris in dunklen Strichen skizziert, mit wenigen (bis gar keinen) Worten auskommend. Gezeichnet ist es famos. Mir gefällt der Stil. Und der Humor bricht schon mal die politische Korrektheit mit einer brachialen Härte entzwei. Respekt. Und so bleibt mir wohl nur, mich bei Gunar auf diese Weise zu bedanken, mit diesen Zeilen. Und wenn er dann mal Madeleine in Händen hält, wird er sich sagen können: ich habe großen Anteil daran. Oui, das hat er 🙂

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.frisch gespielt – das Spielemagazin 3/2010 ist vorgestern in Druck gegangen. Diesmal bin ich sehr zufrieden mit mir. Auch wenn ich das Endresultat noch nicht in Händen halte, so gehe ich davon aus, dass uns ein großer Wurf gelungen ist. Auf der Buchmesse werde ich alle Ausgaben, die ich designt habe, wohlfeil bieten. Wir werden hübsche  und supergünstige Pakete schnüren, mit guten Brett- oder Kartenspielen oder meinen Büchern, vorrangig natürlich Schwarzkopf. Wer also mal das 52seitige Magazin aus nächster Nähe anschauen und durchblättern möchte: BUCH WIEN Stand 732, direkt gegenüber der Messe-Buchhandlung. Das groooße Schwarzkopf-Plakat sollte den Weg leuchten.

So nebenbei sei angemerkt, dass mir die liebe Autorenkollegin Helene Köppel (link) im Spiele-Magazin über den Weg gelaufen ist. Sie hat nämlich zum Brettspiel Carcassonne – Das Schicksalsrad (link) den zugehörigen historischen Roman geschrieben, der nun gemeinsam im Paket mit dem Spiel verkauft wird. Es ist schon merkwürdig, wie die Fäden der Begegnungen so verlaufen. Die gute Helene war die erste Autorin aus einem Publikums-Verlag, die sich mit mir ernsthaft befasst hat, mehr noch, sie hat mich von Beginn an unterstützt, sei es, dass sie meine Bücher gegen viele Münzen gekauft (während sie mir z.B. Die Affäre Calais (amazon) einfach so nach Hause schickte, natürlich reizend signiert), sei es, dass sie ihr Lob über die Tiret-Bände (Schwarzkopf gefiel ihr auch, bitteschön!) nicht verheimlichte, sondern in Rezensionen bekannt machte. Wer auf die Umschlag-Rückseite von Brouillé guckt, wird die Helene dort finden. Hier gibt’s die Seite mit der Spiele-Rezension als PDF: link

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Christoph, Gründer des ebook-stores beam-shop, hat mir einen Flyer zu Der Fetisch des Erik van der Rohe gesponsert. 2500 Stück werde ich nächste Woche bekommen. Ich habe sie heute gestern in die Druckerei geschickt. Die Zeit drängte, da ich sie ja während der Buchmesse verteilen möchte. Es gilt auf das ebook LYDIA hinzuweisen, das für schlappe 99 Cent zu haben ist. Für über 40 Seiten sollte es ein angemessener Preis sein, nicht? Gut, über den Inhalt kann man vermutlich streiten. „Glattauer für den reifen Leser“, ist dahingehend mein Werbe-Slogan. A., die bereits einige Kapiteln lesen durfte, bestätigte es mir offiziell auf meiner facebook Fan-Seite zu Erik. Ach ja, wer noch immer kein Fan ist, der sollte sich aber mal sputen. www.facebook.com/erikvanderrohe Dort findet man dann auch die Bilder zum Flyer und all die hübschen Damen, zehn an der Zahl, die jede ein Kapitel bekommt. Deshalb wurde das Konvolut auf zwei Bände aufgeteilt. Wer das Buch in gedruckter Ausführung haben möchte, muss auf euryclia.de eine verbindliche Vorbestellung abgeben. Kommen rund 1000 Vorbesteller zusammen, geht das Buch in Druck. Ohne Hilfe von Seiten der Leser passiert natürlich nichts. Aber man kann somit schon zu aller Anfang erkennen, ob überhaupt ein generelles Interesse an einer recht expliziten autobiographischen Fiktion besteht. Man wird sehen.

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Buchtrailer zu TiretVorgestern wieder ein paar Buch-Trailers in der Gegend herumverschickt. Teil 2 – eine Art von Weiterführung des bisherigen Trailers. Kürzer. Vielleicht sogar spannender – wenn man den Prelude noch nicht kennt. Matthias Brömmelhaus, ein Schreibtäter aus Überzeugung, hat ja über Tiret und Brouillé sehr lobend zu berichten gewusst. Mein kleines virales Buchtrailer-Experiment hat ihn zu einem Blog-Eintrag inspiriert, das mich natürlich sehr freut: „Virales Marketing“  – jedenfalls, nur wenn es mir gelingt, die Kreise, in denen ich mich im Moment virtuell bewege, zu durchbrechen, kann so eine virale Aktion Erfolg haben. Auf facebook habe ich heute ebenfalls den Buchtrailer (1)  gestellt. Und siehe da, schon gab es ein paar alte neue Gesichter – wie zum Beispiel die Spanierin Nunu (die mich an Penelope Cruz erinnert), die den Umschlag von Schwarzkopf für mich ins Spanische übersetzte und sich dafür ein Exemplar „erkaufte“: una absurda comedia criminal vienesa sobre hollywood y otras truculencias de richard k. breuer. Man möchte es nicht glauben, aber Nunu hatte Spaß mit Schwarzkopf – die Wiener Mundart, die hin und wieder im Text aufblitzt, dürfte dem Verständnis nicht im Wege gestanden sein. Jedenfalls, auch Nunu hat sich den Trailer angeguckt und mit „mag ich“ gekennzeichnet. Schön. Aber die große virale Wellenbewegung konnte ich (noch) nicht ausmachen. Dafür ist der Trailer wohl zu spezifisch, zu „literarisch“ und wenig breitenwirksam (ein tanzender Affe, der Whiskey süffelt, ist viral um Vieles wirksamer und effektiver zu verbreiten).

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Sonst? Die reizende Gabriele aus Salzburg hat nicht nur eine wohlwollend Buchbesprechung über Brouillé in ihrem Literaturblog der bluecher blog gemacht, sondern ist auch so freundlich, einen meinen Werbebanner auf der Startseite zu präsentieren. Das freut mich sehr. Überhaupt hat der bluecher blog alle bisher erschienen Bücher rezensiert. Ich glaube, damit schießt er den Vogel ab und bekommt von mir die Goldene Unterstützungsmedaille. Nebenbei ist Gabriele seit heute offizielles Mitglied im Club der 99. Wenn die Mozartstadt schon keine ordentliche Fußballtruppe hat, so kann sie mit einem tollen Literaturblog aufwarten. Ja, ja. Und das hübscheste Foto von Brouillé hat sie auch gemacht. Dafür gibt’s ein Extra-Lob.

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Am Montag Abend lud die VIENNA FILM COMMISSION (link) zu einem Stelldichein zwischen Film- und Verlagswirtschaft. Nun, der Abend hat mir wieder deutlich vor Augen geführt, woran es in Österreich – respektive Wien – mangelt: an frischem Wind. Man muss vielleicht wissen, dass es in Wien gerade einmal eine Hand voll Produktionsfirmen gibt, die in der Lage sind, einen ansprechenden Kinofilm mit mittlerem Budget zu stemmen (aber ohne Förderungen geht gar nix!). That’s all, folks! Diese Firmen sind schon lange im Filmgeschäft, haben allesamt Projekte und Ideen in der Lade liegen. Warum sollten sie nun das Buch eines kleinen, mittleren Verlages verfilmen? Eben! Macht keinen Sinn. Deshalb stufen wir mal den Abend unter „Augenauswischerei“ ein. Freilich, es bot die Möglichkeit, sich zu kontakten. Leider konnte ich mit der Dame, „die viel Geld hat“, nur kurz plaudern. Aber es reichte hoffentlich aus, um einen kleinen Eindruck zu hinterlassen. Die Dame ist weder reich, noch sonst wie begütert, sondern sitzt einfach nur in der Film-Förderstelle des Bundes und hilft mit, Projekte zu finanzieren (natürlich entscheidet ein Kremium, was gefördert wird und was nicht). Das Highlight des Abends war sicherlich Thomas Glavinic, der in einer recht lockeren, jovialen Art den Bestseller-Autor heraushängen ließ und sich deshalb kein Blatt vor den Mund zu nehmen brauchte. Seine negativen Erfahrungen mit der Filmwirtschaft  – als Drehbuchschreiber bzw. als Rechte-Inhaber seiner Bücher – verschwieg er natürlich nicht. Ich denke, er hat den wesentlichen Kern getroffen, wenn er meinte, dass es im Film-Biz Leute gibt, die sich kreativ einmischen, obwohl man ihnen jegliche Kreativität absprechen müsste. Ich habe nur mal Vorzimmer-Film-Luft geschnuppert und kann bereits diese Feststellung bestätigen. Und wer sich für die Filmwirtschaft generell interessiert, der weiß auch aus Anekdoten und Erzählungen von Filmleuten, was da so abgeht. Kein Zuckerschlecken für kreative Genies. Wahrlich nicht. Die Fotos des Abends sind übrigens sehr gelungen. Von mir und meiner Agentin SP. gibt es übrigens ein hübsches Foto. Leider blieb meine Anfrage, ob man auf einzelne Fotos verlinken dürfe, unbeantwortet. Hier ist der Link zu allen Fotos. Viel Vergnügen beim Durchklicken. Spannend wird es um die Nummer 160 😉

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Die Ausleihe von digitalen Büchern und Magazinen in der virtuellen Wiener Bücherei ist bereits möglich. Wer hätte das gedacht? Ist ja eine interessante Sache. Gestern, in facebook auf der Seite der Wiener Bücherein, davon erfahren, gleich eine Anfrage gestellt („ich will auch meine eBooks von euch verleihen lassen“), eine Antwort bekommen und mich an das zuständige Unternehmen DiVBib gewandt, das diese digitale Ausleihe technisch möglich macht. Ich denke, dass man mich alsbald kontaktieren wird und wenn alles rund läuft, dann sollte man meine eBooks in naher Zukunft offiziell ausleihen können. Zu kaufen gibt es diese übrigens auch. Für ein paar Münzen. Will ich nur deponiert haben. Während die Verlage ja horrende Preise festsetzen (okay, sie müssen auch ordentlich Geld verdienen), sehe ich die eBooks im Moment nur als Auflagenbringer. So wurde Rotkäppchen 2069 innerhalb eines Monats rund 1000 Mal, Tiret (da waren es schon zwei Monate) sogar 3000 Mal herunter geladen. Das hätte ich mit einer Papierauflage nie erzielen können. Vielleicht sollte ich nun sagen, dass ich sie gratis anbot. Als Marketing-Aufmerksamkeits-Aktion. Würde ich das aber nicht dazu sagen, ich wette, Sie wären erstaunt gewesen. Und hätten sich vielleicht auch ein eBook heruntergeladen (freilich erst nach Einwurf von ein paar Münzen), nur um zu schauen, ob es wirklich das Geld wert ist. Ja, so funktioniert der Bestseller-Lemming-Effekt. Der Inhalt tut dann (fast) nichts zur Sache. Glauben Sie mir das!

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Und zu guter Letzt nur ein kleiner, feiner Hinweis auf das Crowdfunding-Projekt AZADEH (link) – meinem Erstlingswerk, eine Wiener Fin-de-Siècle-Liebesgeschichte (1899) auf startnext.de. Ein einführendes Video gibt es auch zu begucken. M.D. aus A. gefällt dieses besser als der Tiret-Trailer. Vermutlich, weil es mehr von Wien zu sehen gibt. Richtig bewerben werde ich das Projekt wohl erst nach der Buchmesse. Sonst glauben die Leutchen ja, ich würde Ihnen nur noch Geld aus der Tasche ziehen wollen. Richtig. Damit schließt sich wieder der Kreis. Wäre ich bekannter, berühmter und erfolgreicher hätte ich das nicht nötig. So! Jetzt mixe ich mir einen Cocktail und paffe eine Zigarre. Glauben Sie nicht?

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huit (8): Paris, je t’aime (en fin de compte)

laterne

 

 

 

Zu guter Letzt, um das Kapitel Frankreich und Paris abzuschließen, ein rührender, romantischer und sentimentaler Trailer. Von einem Film über Paris. 18 Regisseure zeigen, was sie an Paris lieben und mögen. So soll’s sein. Weil am Ende, wir wissen es, wird vieles verklärt, wird vieles unter den realen Teppich gekehrt. Was bleibt, das sind kurze Erinnerungsfragmente. Magisch schöne Lichtblitze in einem gewöhnlichen Alltag. Pour le moment. Pour l’éternité.

TRAILER

six (6): Zwei Tage Paris

defenseVon der Bretagne wieder nach Paris – 4 Stunden im TGV, der alle technischen Stückerln spielt, und 4 Stunden mit einer jungen russischen Reisegruppe. Als einer von ihnen sich mit seinem Mobiltelefon lautstark Gehör verschaffen möchte, kommt eine ältere Französin und fragt ihn auf Französisch, ob er nicht Kopfhörer habe. Als sie bemerkt, dass er nichts versteht, deutet sie auf die Ohren und wiederholt écouteur einige Male. Immerhin hat es gereicht, das mobiltelefonische Gequake abzustellen.

Am Bahnhof von Montparnasse werde ich in ein unglaublich schwüles Paris ausgespuckt. Mit Trolley und Rucksack schleppe ich mich zu einer Telefonzelle und versuche ein günstiges Hotelzimmer für zwei Nächte aufzutreiben. Was aber nicht gelingen will. Also zur Touristen-Information, die ich aber auf Anhieb nicht finde – irre wie verblödet im Untergeschoss des Louvre herum. Endlich schleppe ich mich zum Info-Point, um dort zu hören, dass sie keine Unterkünfte vermitteln – ich müsse zu einer anderen Informationsstelle gehen. Grmpfl!?!

Eine Viertelstunde vor dem Zusperren falle ich in die Info-Stelle, trage meine Bitte vor. Die Dame am Schalter lächelt freundlich und meint, dass es im Moment sehr schwierig sei, mit einer Unterkunft (mehrere Kongresse und die French Open). Schließlich findet sie eine Bleibe im 10me Arrondissement – beim Gare de l’Est um schlappe € 35,- Dusche und Toilette freilich am Gang. Ich nicke. Sie fragt mich verwundert ein zweites Mal.

Es dauert nicht lange, dann steige ich am Gare de l’Est aus, gehe hinauf, zur Rue de Lafayette und muss bemerken, dass das Hotel nicht dort ist, wo es mir gesagt wurde. Nein, ich muss die Straße noch ein ganzes Stück hinaufmarschieren. Schließlich komme ich zum Hotel, checke ein, krieche in den ersten Stock, öffne das Zimmer und falle erschöpft aufs Bett und in ein französisches Wachkoma – aus dem ich bald aufwachte, der stark befahrenen Straße vor meinem Fenster und dem Wärmestau im Zimmer sei Dank.

Nachdem ich das klassische Touristenprogramm absolviert habe (Eifel-Turm und Sacre Coeur haben mir noch gefehlt; im Übrigen bin ich von der Sacre Coeur zu Fuß bis zum Palais Royal marschiert), durfte ich am späteren Abend Lisa treffen – Literatur- wissenschaftlerin aus Wien, die eine Arbeit über Karl Kraus schreibt. Der Treffpunkt ist die Metro-Station St.Paul. Ja, das hat Stil. So stellt man sich einen Treffpunkt in Paris vor. Lisa geht mit mir ins Le Bistrot du Peintre, einem schmalen Gasthaus, deren Einrichtung vermutlich noch aus der Jahrhundertwende (1900) stammt. Formidable. Dort essen wir Käse, trinken Wein dazu und plaudern über die alten Künstler, die einen Paris-Bezug hatten.

Dass ich dann die letzte Metro verpasse, ist den Städtischen Verkehrsbetrieben zu danken, die per Lautsprecherdurchsagen darauf hinweisen, dass es keine Metro mehr für heute gäbe (nein, verstanden hab ich nix, aber den Unmutsäußerungen der am Bahnsteig stehenden Franzosen nach zu urteilen). Ich schau mir am Plan an, wie weit es vom Place de la Bastille bis zu meinem Hotel ist. Ojemine. Überlege ein Taxi zu nehmen, aber die Sparsamkeit (vulgo Geiz) lässt mich ein paar Schritte in Richtung Hotel machen. Am Ende finde ich einen Nachtautobus, muss mit dem Fahrer kurz diskutieren, weil ich zu meinem Ticket keinen Ausweis habe, fahre aber trotzdem bis zum Ostbahnhof.

Gegen 2 Uhr früh falle ich in das besagte französische Wachkoma – und während sich vor meinem Fenster irgendwelcher Raufhandel abspielt – neben den kreischenden Motorrädern – denke ich, dass es jetzt wirklich an der Zeit ist, Paris zu verlassen und mich ins ruhigere, gemütlichere Zürich zu begeben.

Quintessenz: wer Paris besehen und bestaunen will, sollte auf die Adresse seiner Unterkunft achten und rechtzeitig buchen …

trois (3): übers Brasserieren

Bistro Es ist schier nicht zu fassen, wie viele Cafés, Bistros, Brasserien, Restaurants, Buffets und sonstige Lokalitäten es in Paris gibt, die Essen und Getränke feil bieten. Und überall sitzt zumindest ein Gast. So elendig, trostlos, hässlich kann es gar nicht sein. Jede Lokalität hat ihre Stammgäste, so scheint’s.

Das Grätzel (vulgo Viertel oder Quartier) funktioniert hier noch. Billige Diskontläden findet man in den besseren Gegenden überhaupt nicht und wenn, dann sind sie bescheiden klein (und bieten noch immer ausgesuchte Waren an). Der Bäcker, der Fleischhauer (vulgo Metzger), der Konditor, der Obsthändler, der Gemischtwaren- ladenbesitzer, der Fischhändler, sie alle gibt es noch und beleben das Viertel. Auch für die Dörfer der Bretagne gilt es (noch), wiewohl ein Liedl schon Fuß gefasst hat und mit Lockangeboten lockt. Vermutlich wird auch die Bretagne früher oder später verlideln. Hingegen verdient der Markt, der einmal in der Woche in jedem bretonischen Dorf, in jeder kleineren Gemeinde abgehalten wird, noch seinen Namen. Die Bewohner goutieren, wägen ab und kaufen, dabei darf das Schwätzchen natürlich nicht fehlen. Das Gesehen und Gesehen werden ist ihnen angenehm.

Die Pariser Lokalitäten haben, im Großen und Ganzen, Stil. Man möchte nicht glauben, wie viele seelen- und stillose Cafés und Beisln es in Wien gibt. Erschreckend! Haben die Franzosen mehr Klasse? Definitiv! Die Pariser bestehen auf Qualität, ihnen ist es nicht egal, was ihnen wo vorgesetzt wird. Und die Quantität ist für die Pariser vermutlich kein ernstliches Kriterium – im Gegensatz zum Wiener, der scheinbar als erstes die Menge des Gereichten benennt („Das Schnitzel is soo groß g’wesen … und a Riesenportion Salat dazua. Mei Frau hat’s gar net essen kennen. Na, i hab’s einpacken lassen. Is ja a was gurd’s, so a kalts Schnitzel.“).

deux (2): Tagebuchschreiberei

Zwei Pariser Plätze haben sich schlussendlich hervorgetan, haben mir zugesagt, wo ich mich gerne aufhielt und die ich jedermann und jederfrau ans Herz legen kann – nicht nur zum Schreiben:

LuxembourgDie Gartenanlage samt Palais, der Jardin du Luxembourg, ist Südlich vom Stadtkern zu finden und eine wahre Oase, wenn es um Ruhe und Schattenplätze geht. Überall gibt es Bäume, Bänke und Stühle (!), die einen einladen, zu verweilen oder sein mitgebrachtes Essen zu verzehren, was der Pariser genüsslich tut und dabei die Touristen belächelt, die in der Mittagshitze den Park ablaufen und sich keine Verschnaufpause gönnen. Mitten im Park ist auch ein Buffet, mit Allerlei Snacks und Getränken zu finden. Der Eintritt zum WC, im Untergeschoss, kostet 50 Cent und ist den Preis allemal wert – es hat mich immerhin zwei Mal in allerletzter Not gerettet!

CorrazzaDas Palais Royal befindet sich gegenüber dem Louvre und ist umgeben von Arkaden, in denen viele Lokalitäten und sogar ein Theater untergebracht sind. Das Café Corrazza, das ich einige Male aufsuchte, dürfte schon seit 1787 (auf der Rechnung steht 1782, am Sessel 1787) existieren. Das Palais samt Garten gehörte einst dem Bruder des Königs Ludwig XVI, der es der Öffentlichkeit zugänglich machte – freilich nicht aus Edelmut, sondern aus pekuniären Gründen. Das gesamte Gelände (und damit natürlich auch die vielen Cafés) war für die Polizei Sperrgebiet, da sie ein königliches Anwesen nicht betreten durfte. Kein Wunder also, dass hier gegen den Absolutismus gewettert wurde (warum sollte der Bruder etwas dagegen gehabt haben? Schließlich war es ja nicht sein Thron!) und (unter anderem) Monsieur Desmoulins zum Sturm auf die Bastille (1789) aufgerufen hat. Ach ja, nebenbei bemerkt, kostete der kleine Espresso die Lächerlichkeit von 2,70 Livres, pardon, Euros. Gemessen an der Geschichtsträchtigkeit und der Ruhe dieses Ortes ein koffeeinhältiges Schnäppchen. Nach der Speisekarte hat sich der Dichter aber dann doch nicht zu fragen getraut.