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Ein merkwürdiges Gefühl: Die Umzugsdepression in der mütterlichen Welt

Alles Gute kommt von oben.
Alles Gute kommt von oben. Es kommt nur auf den Spin an.

Vielleicht kennen Sie auch dieses merkwürdige Gefühl, seine nähere Umgebung nicht mehr verstehen zu können. Beispielsweise fahren Sie mit dem Autobus von A nach B und dann mit der U-Bahn von C nach D und meinen, ausgeschlossen, ja förmlich ausgegrenzt, zu sein. Das Fremdartige der Szenerien löst ein Gefühl der Unsicherheit aus – gleichzeitig jedoch versuchen Sie dieses unangenehme Gefühl mit vernünftigen Argumenten zu vertreiben. Gewiss, an Argumenten fehlt es nicht, aber am Ende der Reise ist man trotzdem ein Zerrissener. Hin- und hergeworfen zwischen dem inneren Erlebnis und einer äußeren Erkenntnis, die aufgezwungen wirkt.

Wäre mir nicht durch Zufall das Buch des Psychoanalytikers Horst-Eberhard Richter (1923-2011) in die Hände gefallen, ich wäre noch heute ein Zerrissener, verzweifelt nach einer Antwort suchend, warum mein Inneres sich dem Diktat der Vernunft nicht unterwerfen möchte. Und sollten Sie vielleicht ähnlich mit sich ringen, könnte ich mir vorstellen, dass Sie nun endlich zur Ruhe kommen werden. An­ti­de­pres­si­vum kann ich Ihnen aber keines verschreiben.

Die Psychiatrie kennt eine Form von Depression, die durch einen banalen Umzug ausgelöst wird und spricht in diesem Fall von einer „Umzugsdespression“. Hierbei handelt es sich um eine Verunsicherung durch ein Isolierungserlebnis, die bei manchen Personen eben das extreme Ausmaß einer regelrechten depressiven Verstimmung annimmt: Jemand verzieht in eine ihm bis dahin völlig unbekannte Gegegend, in der alles anders ist als in seiner bisherigen Wohnwelt. Die Häuser sind anders, die Menschen sprechen möglicherweise einen fremden Dialekt und benehmen sich in ungewohnter Weise. Man vermißt plötzlich eine Fülle von bekannten Leuten, Gegenständen, Geräuschen, Gerüchen, von denen man bisher umgeben war. […] Alle Einzelheiten der ehemaligen Umgebung hatten zusammen so etwas wie eine mütterliche Welt gebildet, in der man sich geschützt gewußt hatte. Das Gefühl der Sicherheit war einer Art Dialog entsprungen, den man kontinuierlich mit den belebten und unbelebten Objekten der heimatlichen Szenerie geführt hatte. Diese Verläßlichkeit und Berechenbarkeit der äußeren Welt hatte geholfen, daß man sich auch selbst stabil und verläßlich fühlen konnte. […] und gleitet in eine längere Periode von Niedergeschlagenheit und Lethargie hinein, ehe man sich am neuen Platz zurechtfinden kann. Andeutungsweise zeigen nicht wenige Menschen ähnliche scheinbar paradoxe Reaktionen im Verlauf einer Urlaubsreise in ein ihnen bislang unvertrautes Feriengebiet.

Flüchten oder Standhalten
Prof. Dr. med. Dr. phil. Horst E. Richter
damaliger Direktor des Zentrums für
Psychosomatische Medizin an der Uni Gießen
Rowohlt TB Verlag 1985, S. 45f.
Originalausgabe 1978

(1) Akif Pirinccis Deutschland von Sinnen – Eine erste Auseinandersetzung

DvS_Cover

Es ist ein Skandal, die indigene Bevölkerung als einen Haufen von Reaktionären, Nazis, ja, verhinderten Mördern zu verunglimpfen, sobald sie mitbestimmen möchte, mit welcher Sorte von Menschen sie in ihrem eigenen Land zusammenzuleben wünscht und mit welcher nicht.

Deutschland von Sinnen
Klappentext
Akif Pirinçci
[Zitierung mit freundl. Genehmigung des Verlages]

 

Wenn unter Leuten, die zusammen in demselben Hause wohnen oder sonst täglich miteinander leben müssen, Verstimmungen oder Mißverständnisse entstehen, so tut man wohl, die Erläuterung zu beschleunigen; denn nichts ist peinlicher, als mit Personen unter einem Dache zu leben, gegen die man einen Widerwillen hegt.

Über den Umgang mit Menschen
Adolph Franz Friedrich Freiherr von Knigge
link / 1788

 

Das Buch des türkischen Gastarbeiterkindes der 1. Generation und Bestsellerautors (Felidae) Akif Pirinçci ist bei mir verspätet aber doch auf dem Lesetisch gelandet: Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer. Ich habe das Buch in den letzten Tagen gelesen und möchte gleich vorweg eine Empfehlung dafür aussprechen. Einfach deshalb, weil solche Pamphlete und (im wahrsten Sinne des Wortes) politisch unkorrekte Wutreden, so gut wie gar nicht mehr das Licht der Verlagswelt erblicken. Das hat Gründe. Natürlich. Vor allem sind es die Gatekeepers, also die Sittenwächter und Moralapostel, die mit aller Macht jeden Versuch, Meinungsvielfalt und Diskurs zu leben, verhindern wollen. Auch wenn der eine oder andere Leser angewidert bzw. entsetzt ist, von Inhalt und – vor allem –  der vulgären Sprache des Buches, so muss es trotz allem möglich sein, in unserer aufgeklärten demokratischen Gesellschaft, solch einen Text zuzulassen. Jene, die dieses Buch am liebsten gar nicht gedruckt gesehen haben wollten (beispielsweise ein Robert Misik in der taz), verstehen nichts von einer gesunden Diskussionskultur, aber viel von Zensur und Gleichschaltung. Tja. Wie soll die junge Generation auf das Leben da draußen vorbereitet werden, wenn es nur noch eine Meinung, eine Linie, eine Anschauung, eine Marschrichtung gibt?

They have accepted the principle that a book should be published or suppressed, praised or damned, not on its merits but according to political expediency. And others who do not actually hold this view assent to it from sheer cowardice. […] If liberty means anything at all it means the right to tell people what they do not want to hear. — Die Intellektuellen akzeptierten das Grundprinzip, dass ein Buch publiziert oder unterdrückt, gepriesen oder verdammt werden sollte, nicht wegen seines Inhalts, sondern aufgrund seiner politischen Zweckdienlichkeit. Und andere, die diese Ansicht nicht teilen, stimmen dieser aus reiner Feigheit zu. […] Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann ist es das Recht, Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen.

George Orwell
The Freedom of the Press
Vorschlag für ein Vorwort zu Die Farm der Tiere/Animal Farm

 

Es gäbe viel, sehr viel zu schreiben. Aber wollen wir an dieser Stelle nicht gleich alles Öl ins Feuer gießen. Die nächsten Tage werde ich mich mit dem Inhalt des Buches genauer auseinandersetzen. In der Zwischenzeit suchen Sie die Buchhandlung Ihres Vertrauens – sei diese real oder virtuell – oder eine Städtische Bücherei auf und werfen Sie einen (verstohlenen) Blick ins Buch. Sie werden Augen machen.

Eine (fast) autofreie Mariahilferstraße und die Frage nach der humanen Stadt

Erich Lessing vor seinem Ladenlokal in der Weihburggasse 22

Heute, wie es der Zufall so bestimmt, die Mariahilferstraße aufgesucht, DIE Einkaufsstraße Wiens, wenn man so will. Das Novum, das jetzt zu bestaunen und zu begehen ist, ist die autofreie Zone, vulgo Fußgängerzone. Sie beginnt in der Höhe der Kirchengasse und endet in der Höhe der Andreasgasse, also ein kleines Stück humane Zone, die unsereins zu Fuß zurücklegen darf. Fein.

Dass ich den Autofetisch für so gut wie alles Böse und Teuflische in der Welt verantwortlich mache, hat sicherlich mit dem reifen Alter zu tun und der Nikolaus Laudaischen Einsicht, dass es wichtigere Dinge im Leben gäbe, als immer nur im Kreis zu fahren. Im Übrigen kommt die gegenwärtige politische Impotenz sicherlich auch daher, dass sich die Herrn Politiker niemals getrauen, ein Stück zu Fuß zurückzulegen oder – Gott bewahre – mit dem Pöbel in einem öffentlichen Transportmittel (Bim? Viel zu vulgär!) zu reisen. Für gewöhnlich fahren sie mit dem Lift in die Garage, steigen ins Auto, fahren durch „ihre“ Stadt, parken in der Tiefgarage, fahren mit dem Lift zu ihrem parlamentarischen „Arbeitsplatz“, schlagen eine Zeitung auf und stellen erstaunt fest, dass der Pöbel mit den Busverbindungen unzufrieden ist und eine kleine Gruppe Weltverbesserer um autofreie Zonen kämpft.

Wer sich ein Bild von einer humanen Stadt machen möchte, der muss sich nur an Sonn- und Feiertagen zum Franziskanerplatz, Judenplatz oder Museumsquartier begeben. Dort sollte einem hoffentlich bewusst werden, wie eine städtische Gemeinschaft aussehen könnte, die dem Mensch, nicht einem tonnenschweren Blechhaufen, Priorität einräumt.

Und weil ich heute auch die Hauptbücherei aufgesucht habe, kann ich die Ausstellung über den sozialen Wohnbau des roten Wien der Zwischenkriegszeit (1920 – 1935) sehr empfehlen. Irgendwie dünkt einem, dass sich damals die Herrn Politiker grundlegende Gedanken über das gemeinschaftliche Zusammenleben gemacht haben. Die Mietkosten („Zins“) der Wohnung entsprach etwa 5 bis 8 Prozent eines durchschnittlichen Arbeiterlohns (21 m² für den Singlehaushalt; Mehrpersonenhaushalte zwischen 35 m² und 47 m²), von Doppelverdienern wusste man damals freilich noch nichts.

Schlendere ich durch meine Stadt, bemerke ich die Zwei- vielleicht sogar Dreiklassengesellschaft. Ich denke, in anderen Städten verhält es sich nicht anders. Langsam, aber stetig vollzieht sich der Verfall. Es ist ein Verfall der Werte, der Kultur, der Sprache, der Geistesbildung. Gut zu sehen an der zunehmenden Verschmutzung. Als ich vor bald 40 Jahren das Fahrradfahren lernte, da wäre es einem revolutionären Akt gleichgekommen, hätte man ein kleines Papierstück fallen gelassen. Heutzutage bekümmert es niemanden, ob eine Gruppe Kinder mit voller Absicht die Straßen vermüllen oder Wände beschmieren. Irgendwann in den 1970ern dürfte die Mehrheit entschieden haben, dass Hygiene, Sauberkeit, Ästhetik, Höflichkeit, Respekt und so weiter als Relikt einer totalitären Epoche zu gelten hätte und mit sofortiger Wirkung aus der Erziehung zu verbannen sei.

Durch Zufall letzten Sonntag in der Weihburggasse das hübsche Lokal von Fotograf Erich Lessing bewundert, einem Doyen der althergebrachten Fotografie und mit seinen 90 Jahren sicherlich einer der letzten. Seine Bilder erzählen in beeindruckender Weise von einem Wien, das es so freilich nicht mehr gibt, vermutlich nicht mehr geben wird und – sehr wahrscheinlich – auch nie gegeben hat (ist’s ja doch nur Illusion, mein Kind). Wie dem auch sei, wenn man seine Fotos länger betrachtet – im Schaufenster zeigt ein Bildschirm die besten Schwarzweiß-Illusionen einer vergangenen Epoche – dann kann einem schon recht sentimental ums Herz werden. Ach so, Sentimentalität ist verdächtig, also streichen wir das Wort besser. Ja, eine seltsame Zeit, in der wir leben, nicht wahr?

Meine Stadt? Deine Stadt? Unsere Stadt?

Bald ist es ein Monat her, seit ich von der Donau in den inneren Gürtel Wiens gezogen bin. Die Wohnung liegt zwischen dem elitär gutbürgerlichen Bezirksteilen (4. Bezirk, 5.Bezirk bis zum Margaretenplatz) und den proletarischen Arbeitervierteln (5. Bezirk ab Reinprechtsdorfferstraße zum Gürtel und dann in den 12. Bezirk). Man könnte also sagen, die Wohnung liegt noch nicht rechts, noch nicht links – somit im bezahlbaren Mittelfeld. Aber was heißt heutzutage schon „Mittelfeld“ und – vor allem – „bezahlbar“?

Heute wieder eine kleine Ahnung davon abbekommen, was es einmal geheißen haben muss, in einer gemeinschaftlich funktionierenden Stadt zu leben. Betonung liegt auf „leben“, nicht auf „wohnen“ oder „arbeiten“ oder „Freizeitgestaltung“. In (relativer) Gehweite einen gemütlich unspektakulären Bio-Laden gefunden, in der die Besitzerin nicht verleugnen kann, dass sie nicht aus Wien stammt, sondern aus den ländlichen Gebieten. So half ich ihr, eine Kiste Äpfel über die Türschwelle zu wuchten (okay, das ist die gewohnt schriftstellerische Übertreibung) und erntete dafür ein erdiges „Dank’schön“. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, im Laden Qualität angeboten zu bekommen, ohne dass es den Preis durch die Decke treibt. Freilich, günstig ist anders. Aber wollen wir nicht raunzen, immerhin stand ich nicht unweit des Sterbehauses von Franz Schubert.

Überhaupt, diese kleinen Lokale, diese altehrwürdigen Bürgerhäuser, da kommen schon sentimentale Gefühle hoch. Als die Stadt noch nicht vom Autoverkehr überrannt wurde (zugegeben, Pferdemist ist auch kein Wohlgeruch), musste das Leben langsamer von statten gehen. Egal wo ich mich hinbewege, überall folgt mir ein stinkend lautes Blechungeheuer – nicht nur, dass es die städtische Geräuschkulisse ruiniert (Franz Schubert würde es uns sicherlich sagen!), nein, es nimmt jeder Straße, jeder Gasse alle Würde und Schönheit. Ein Blick in die Zeinlhofergasse – vermutlich eine der schönsten Wohngassen von Wien (erst heute durch Zufall entdeckt) – verrät, dass der moderne Mensch nicht kapieren möchte, dass weniger oft mehr ist. Was nutzt mir der Samstag-Nachmittags-Einkauf in einem Einkaufscenter, wenn man es dort nicht mit lebendigen Menschen, sondern mit Un-Toten zu tun hat. Eine gräuliche Erfahrung. Gewiss, es mag effektiv und kosteneffizient sein, aber der seelischen Gesundheit ist es abträglich. Definitiv.

Und die Spitze des Ärgernisses und der Verkommenheit ist wohl, dass am Margaretenhof (sicherlich einer der schönsten Wohnhöfe Wiens), gegenüber des Margaretenplatzes, sich die Autos vorbeischieben. Dass in den verglasten Arkaden und im Untergeschoss eine Werbeagentur untergebracht ist und kein gemütliches Kaffeehaus (das fehlt in diesem Bezirksteil!), kann einen schon die Zornesröte ins Gesicht treiben. Weil deren Werbeslogans und Marketing-Schmähs all jene Bürger dazu verleiten, tote Sachen zu kaufen, im Glauben, dass sie diese lebendiger machen. Tja. Wo soll das nur hinführen? Darüber wird noch zu schreiben sein.

Ein Geburtstagsständchen für Arthur Schnitzler

»Ich werde 8 – 1/2 9 im Griensteidl sein, eventuell vorher bei Richard anläuten.
Bitte verständigen Sie ihn, ich habe keine Zeit dazu.«
Hugo
2. Juni 1896
[Nachricht von Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler]

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»Griensteidl ist nun einmal der Sammelpunkt von Leuten, die ihre Fähigkeiten zersplittern wollen, und man darf sich über die Unfruchtbarkeit von Talenten nicht wundern, welche so dicht an einem Kaffeehaustisch beisammen sitzen, dass sie einander gegenseitig an der Entfaltung hindern.«
Die demolirte Literatur
Karl Kraus
[Wien: A. Bauer, 1899, Seite 285. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource]

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Da sitze ich also im »altehrwürdigen« Café Griensteidl (link) und begehe im ehemaligen Stammcafé Arthur Schnitzlers seinen 150. Geburtstag. Ich stoße also mit einem vortrefflichen Verlängerten und einer letscherten Kaisersemmel auf das Geburtstagskind an. Ja, das sind die Momente, wo man zufrieden mit sich und seiner brotlosen Dichterei ist – weil es einem die Möglichkeit bietet, schon am Vormittag eine Geburtstagsfeier auszurichten. Freilich, Gäste erwarte ich keine. Das ist recht angenehm. Und für ein kleines Frühstück reichen die Münzen in der Tasche noch allemal.

Das ehemalige Stammcafé von Schnitzler und dem Kreis Jung-Wien, das Griensteidl, ist bereits im Jahre 1897 »demoliert« worden, wie damals der Abbruch eines Hauses hieß. Der Verlust des altehrwürdigen Cafés wurde zwar von den Stammgästen beweint, aber an Alternativen von Kaffeehäusern mangelte es im damaligen Wien freilich nicht – und so versammelte sich kurzerhand die Literatenschar im Café Central. Mehrere Jahrzehnte später sollte das Griensteidl wieder ins moderne Leben gerufen werden, natürlich mit der obligaten Alt-Wiener-Kaffeehaus-Inneneinrichtung: dunkles Holz, roter Samt.

Das Kaffeehaus war in Wien schon immer eine Institution, in der gearbeitet, gelebt, geschmachtet und geohrfeigt wurde. Heutzutage, wie man weiß, ist das traditionelle Kaffeehaus in Gefahr auszusterben. Die äußere Hülle bleibt zwar bestehen, aber innerlich verwandelt sich der gemütliche Schlendrian zu einer unternehmerischen Kleingeistigkeit. Gut zu sehen im Café Museum, das den Gast mit dunklem Holz und rotem Samt empfängt, aber die Preise jeden Künstler und Dichter in die Flucht schlägt, es sei denn, er weiß eine Mäzenatin oder einen Mäzen an seiner Seite. Ein Bestseller würde auch gute Dienste leisten. Freilich, in der guten alten Zeit – wann immer diese auch gewesen sein mag – da hatten die brotlosen Dichter wirklichen Hunger, wirkliche Sorgen. Dank des Wirtschaftswunders und der Sozialpartnerschaft muss heutzutage niemand mehr hungern. Die Sorgen hingegen, die sind auch nicht weniger geworden, wenn man so will. Ein hypochondrisch veranlagter und verdrießlicher Mensch, wie es Arthur Schnitzler war, hätte vermutlich heutzutage auch keine rechte Freude am Leben. Na, vielleicht freut er sich ja, wenn wir ihn ein weiteres Mal kurz hochleben lassen und ein Glaserl auf ihn trinken. Aber dann ist Schluss. Dann wird wieder gearbeitet. Am neuen Stück, am alten Text.