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Brouillé et Tiret2: Voilà!

Der 2. Band ist hiermit zu einem Ende gekommen!

Das Erwachen des Bürgers BROUILLÉ (TIRET²)
352.815 Zeichen – 110 Seiten – v0.10
Band 2 – Réveillon – 1789

Über die Gier! Und was sie bewirkt.
Über die Wahl zu den Generalständen und die Beschwerdehefte.
[da fällt mir ein, ich müsste noch ein Kapitel schreiben *schlapperlot*]

MADELEINE (TIRET³) – v1.51 – 100%;
PENLY (TIRET4) – v0.10 – 100%;

Das neue Projekt des Christoph Grissemann …

ist freilich noch ein großes, dickes Fragezeichen. Aber – immerhin, immerhin – hat er verlauten lassen, dass er bei jener satirischen TV-Komödie, die ich mit SP. aus der Taufe gehoben habe, die Hauptrolle übernehmen möchte. Nun hat SP. das Konzept, das Exposé zum Pilot, sowie das Script zu einer Folge dem ORF vorgelegt. Jetzt heißt es also abwarten, was daraus wird. Die Mühlen des Fernsehens mahlen bekanntlich langsam. Aber ich musste jetzt diesen „Teaser“, diese Vorankündigung an dieser Stelle platzieren, so dass sich so manch einer nervös den Kopf kratzt und sich sagt, dass es dieser Breuer vielleicht doch noch zu etwas bringt – und demzufolge sich abwartend in meinen Windschatten festsetzt.

Die Überarbeitung zu MADELEINE (TIRET²) und BROUILLÉ (TIRET³) gehen einigermaßen gut voran. Die historisch überlieferten (Brief-)Passagen soweit ausgesucht (Gouverneur Morris; Réveillon; Robespierre; der Brief eines Bauern an seinen Indentanten; die Ankündigung zur Erfassung der Beschwerdehefte von König Ludwig XVI.) und eingearbeitet. Dem Wissenshungrigen wird also auch wieder etwas geboten.

Tiret²: Finalement (1)

Tiret² [v0.35 – 29.09.2008 – 98 % – 201 Seiten – 598.793 Zeichen]

Finalement! Der „letzte“ Punkt ist gesetzt. Mit feuchten Augen. Schön. Aber die Auflösung der Geschichte und das Öffnen einer neuen Türe muss noch ge- schrieben werden, so dass man (vor allem ich) weiß, wie es weitergehen wird. Ein Epilog wird’s wohl werden, weil das Ende der Geschichte herrlich ins Weite blickt, und weil jene, die Hinausblicken noch nicht alles wissen. Sie sehen hinaus mit einer Hoffnung. Und das ist schön. Zufrieden kann ihnen der Erzähler dabei zusehen, wie sie Pläne schmieden, sich Scherze erzählen und einfach nur die Seele baumeln lassen. Nach all dem blutigen und tödlichen Schrecken. Ich bin angetan. Aber wer ist es nicht, von seiner eigenen Erzählkunst? Und Tage später, ich weiß es hier und heute, werden mich die Zweifel und die Mühen der Überarbeitung plagen. So muss es wohl sein. So, und nicht anders.

[Die Liebesnacht des Dichters Tiret:] Endlich komme ich dazu, die „Liebesnacht“ zu lesen. Noch knapp fünfzig Seiten – und ich bin sehr angetan. Ein schönes, kluges und erfreulich ruhiges Buch. Kriegt ein grosses Lob auf meiner Seite. [JS. – 28.09.2008]

Tiret²: Musenküsse und das Fließen der Worte

WORK in PROGRESS:
“Das Erwachen des Bürgers Brouillé” (Tiret²)
[v0.35 – 25.09.2008 – 80 % – 125 Seiten – 362.000 Zeichen]

Über sechs Jahre widme ich dem Schreiben. Es kam einiges dabei heraus. „Azadeh“, diese Fin-de-Siècle-Theaternovelle, mit der alles begann (und an der immer noch mein Herz daran hängt), dann, gleichzeitig zwei Versuche gestartet: einerseits wollte ich etwas Neues „erschaffen“, nämlich einen Tagebuchroman, realistisch, konsequent, aber auch ermüdend, mit einem E-Mail-Verkehr zwischen Mann und Frau (was heute ja nichts mehr Neues darstellt, aber vor fünf Jahren …) und diese absurde Sience-Fiction-Komödie, die zuerst Fingerübung, als ernstgemeintes Buch war, und drei Jahre später als „Probeballon“ mir den Kosmos der selbstverlegenden Schriftstellerei auftat (und mich sukzessive ins literarische Abseits manövrierte – weil ich nun die geschäftlichen und verlegerischen Maßnahmen selbst in die Hand nehmen musste/durfte).

Dann, vor zwei Jahren, die Idee zu Tiret. Lange, beinah ein Jahr, habe ich nach dem richtigen Weg gesucht. Reise nach Paris. Inspiration wohin man trat. Ideen sprudelten. Musenküsse fehlten. Trotzdem setzte ich mich zum Schreibtisch, trotzdem handwerkte ich am ersten Band, der sich anfänglich nur schleppte, aber mit der Zeit, machte es Freude, seltene Dialogkunststücke und (wenige) Erzählpassagen aufs Papier zu bringen. Es war nicht der große Wurf, aber es gelang eine, für mich, zufriedenstellende Weite. Dann die Frage nach dem zweiten Band. Die Idee, im Vorhinein bereits einen Titel anzukündigen, ohne zu wissen, ob er passte oder nicht, sollte den notwendigen Funken schlagen, der die Inspirationskette zündete.

Wie lange arbeite ich nun an Tiret² (Brouillé)? Die Zeit vergeht wie im Fluge, denke ich mir, muss mich aber daran erinnern, dass es nicht immer so war und ist. Der Anfang, die ersten Seiten sind eine Qual. Jede Zeile muss ich mir abringen. Ich verzettle mich an Kleinigkeiten, weil ich nicht weiß, wohin ich zielen soll. Kein Konzept. Nur eine vage Ahnung. Hilfskonstrukte werden eingeflochten, um daraus Handlung zu weben („Goldtransport“), aber zumeist verlaufen diese im Sand und sind dann mehr Bein am Klotz als hilfreich. Die Dialoge! Über diesen Anker rette ich mich die ersten vierzig Seiten (entspricht etwa 80 Taschenbuchseiten) hinweg. Da wird viel geplaudert und geredet. Zumeist bin ich bestürzt, über den geringen Inhalt und die Banalitäten (tatsächlich wäre dies näher an der Wahrheit, als die ausgefeilten, hingetricksten Gespräche, die dann zu einem Punkt hinführen), aber sie helfen mir, den Faden nicht zu verlieren. Immer die Angst, es könnte plötzlich aufhören. So geschah es ja auch mit dem ersten Tiret, da waren die ersten zwanzig Seiten so gut wie ohne Dialoge ausgekommen, versuchte ich mich am Erzählen und scheiterte kläglich. Erst als ich (unbeabsichtigt) zwei Anregungen aufnahm, konnte es mit Tiret losgehen: das eine waren die Namen der Guillotinierten, die ich mir in der Conciergerie auf kleine Zetteln und Tickets notierte und mir dachte, dass man ihnen einen Erwähnung schulde – und wenn mein Buch (das damals ja noch nicht geschrieben war) der größte Schrott werden würde, so könnte ich wenigstens sagen, dass ich Gutes getan habe; die andere Anregung war das Buddy-Thema aus dem Kino, als ich dem gelehrten und steifen Mickiewicz, eigentlich ein Anti-Held, einen smarten, ironisch-zynischen, aber älteren Glamour-Held entgegen setzte, die sich gegenseitig kommentierten. Daraus entwickelte sich der von Peter Bosch zitierte (sehr schmeichelhaft) „Screwball-Comedy“-Stil.

Ich mühte mich also mit Tiret² über die ersten vierzig Seiten. Jede weitere Seite wurde nicht weniger leicht erkämpft. Aber mit jeder Seite, kam ich einem möglichen roten Faden näher. Ich definierte nun konkrete Zielvorgaben, wusste schon, wohin ein Kapitel hinsteuern soll (aber nicht, was sich darin tut). Das ist Balsam, wenn ich am Morgen, nach Frühstück und Kaffee, das „Blatt Papier einspanne“ (ich nutze übrigens ein kleines Programm, das die Tastaturanschläge als Schreibmaschine wiedergibt) und fortsetzen oder neu beginnen kann, mit einem Kapitel, ohne, dass ich auf eine Eingebung warten muss. Wonne!, wenn sich dann das eine Kapitel in das andere fügt. Bei „Azadeh“ wurde es freilich auf die Spitze getrieben, bei Tiret im Ansatz verwendet, und nun, bei Tiret² kann ich auf Bestehendem aufbauen, kann auf bereits existierende und geschriebene (und gelesene) Passagen und Charaktere verweisen (bei genauerer Betrachtung, gibt es gar nicht so viele Charaktere, die weitererzählbar sind) und, ganz wichtig, habe ich mich von der Mickiewicz-Kamera gelöst und wechsle nun Einstellungen und Schauplätze wie es mir passt. Dadurch kann ich natürlich Spannung erzeugen und weide es köstlich aus. Ich bin damit näher am Thriller, als an einem historischen Roman, wobei es natürlich nicht alle Kapitel betrifft, betreffen kann (zu viel des Guten, tötet jedes Interesse); ich changiere, ich montiere, ich jongliere. Ich bin nun wieder mehr Regisseur, denn Romancier, obwohl ich auch daran die letzten Tage Gefallen gefunden habe (hierzu ist mir erst die letzten Tage der Knopf aufgegangen und während ich anfänglich keine Ahnung hatte, worüber der Erzähler erzählen soll, fließt es jetzt wie von selbst). Freilich, ich sagte es schon mal, hat es damit zu tun, dass ich nun dem Finale zusteuere (und noch immer relativ weit davon entfernt bin, was so viel heißt, wie: die Bühne ist mal da, die Charaktere auch, jetzt heißt, sich zu fragen, wer wann wie wo zu Schaden kommt und wer nicht; zwischenzeitlich, das ist ja das tolle, an einer sogenannten Inspirationskette, ist mir natürlich wieder eine Geschichte in der Geschichte eingefallen, die ihren Platz braucht – und damit ist natürlich wiederum Inspiration für weitere Einfälle gegeben usw. und so fort). Je näher es dem Ende kommt, umso mehr kann ich mit Theatralik und Dramatik würzen. Doch der Witz, der Humor, er will mir nicht abhanden kommen. Das Lachen vermischt sich mit dem Frosch im Hals. Weil das Sterben auch lustig sein kann, irgendwie. Drei Charaktere sind mir ans Herz gewachsen, die zuvor nur am Rande geduldet wurden. Und nun? Nun rühren sie mich, weil sie hilflos in jene Grube fallen, die sie selbst gegraben haben. Vermutlich, ich kann es schon erahnen, sind diese drei Kerles, näher am Leben, als alle anderen: sie erzählen davon, dass es vielleicht etwas Böses geben kann, aber immer kommt es auch mit etwas Gutem daher. Und wenn es nur das ist, dass sie uns zum Lachen bringen. Und kann man jemanden ernstlich grollen, der einen zum Lachen bringt? Ich jedenfalls nicht.

Eigentlich wollte ich mit diesem Eintrag nur sagen, dass ein Schriftsteller, der die Sache ernst nimmt, ein armer sozialer Tropf ist. Ich sehe es an mir. Wenn ich im Schreiben bin, dann versuche ich, jede Ablenkung zu vermeiden (die Mailbox, die man vor zwei Tagen besprochen hat, habe ich immer noch nicht abgehört), ich blende, so weit es überhaupt möglich ist, alle störenden Geräusche aus. Das tut gut, birgt natürlich die Gefahr, seltsam zu werden. Man meidet das persönliche Gespräch, wenn zu befürchten ist, dass es zu anstrengend wird oder unangenehme Nachwirkungen hat. Das Schreiben geht vor. Oder besser: das Nicht-Abgelenkt-Werden.

Ich schreibe diese Zeilen auch deshalb, damit ich mich später, wenn ich nüchtern und sachlich im „Überarbeitungsmodus“ bin und manche Zeilen schon hundert Mal gelesen und korrigiert habe (und sie gefällt mir noch immer nicht und ich bin säuerlich und ärgerlich und unzufrieden), wenn ich im hoffnungsfrohen „Feedback-Einholungs-Zirkus“ bin und zerknirscht feststellen muss, dass vieles weder verstanden noch als amüsant empfunden wird, wo ich mich halb krumm lachte oder diese Wendung genial fand, wenn die Tage und Wochen vergehen, und noch immer keine Rückmeldung kommt, und wenn ich im „Typo-Layout-Modus“ bin, und mich mit Fuß- und Endnoten herumplage, und wenn ich im „Verleger-Modus“ bin, wo ich mir anhören muss, warum ich das mache und wovon ich lebe und wann ich wieder arbeiten gehe und dass mir keiner das Buch abnehmen möchte, nicht mal geschenkt, und dass gute Freunde nicht mal wissen, was ich die ganze Zeit über mache und dass all die Sorgen und Ängste und Wünsche zentnerschwer auf meinen Schultern lasten, dann,

ja, dann werde ich diesen Eintrag hier lesen und mich zurück erinnern, an diese Tage, als Piotr in der Feste von Penly, dem Fährmann ein Kupferstück aushändigte. Beinah hätte ich es ihm nicht gestattet, beinah hätte ich es ihm wieder einstecken lassen, aber jetzt, wo er diese Kupferstück (keinen Wert, keinen Glanz) dem Fährmann gegeben hat, wird er, vielleicht, das Glück (oder ist’s ein Unglück?) haben, weiter, im Tiretschen Universum herumzugeistern. Aber das Schicksal ist noch nicht geschrieben. Bald wird es geschrieben werden. Für ihn und für alle anderen. Deshalb bin ich, was ich sein möchte.: Ein Schriftsteller, der zu Beethovens 9. das Finale schreibt und dabei mitdirigiert. Und wenn der Schlusspunkt gesetzt, ich mich endlich (und leider) zurücklehne, dann weiß ich, dass alles so sein muss. Und nicht anders. Viele Jahre, für ein paar Wochen tiefster Schaffenskraft.

Ich trinke auf dich, meine kleine Azadeh!