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Bald zwei Bücher mehr im Stall oder der Vorteil von E-Books für Kleinverleger

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Gestern mit Chrys Punzengruber im Café Eiles zusammengesessen. Geplaudert. Über Gott und die Welt. Angenehm. Weil Chrys ein kluger Kopf ist, der sich mit vielen Themen beschäftigt (Zen, Descartes, Philosophie, Psychologie) und dabei mit beiden Beinen am Boden steht und hin und wieder in seiner Band race of the bees durch die Bass-Seiten pflügt. Ein Konzert habe ich im Chelsea besucht – meinen Eindruck natürlich gebloggt.

Chrys hat zwei Bücher geschrieben. Intime Innenansichten eines Suchenden, der sich nach Los Angeles aufmacht. Autobiographisch gefärbt. Nahe an der Wahrheit und ein Stück darüber. Dem ersten Band Suppe in L.A. folgte der zweite, den ich übrigens in ein hübsches Layout kleidete: Die Suppe danach. Das dritte Buch lässt auf sich warten, weil sich Chrys nun wieder verstärkt der Musik zuwenden möchte und die Schreiberei sein lässt. Sagt er. Ich denke, irgendwann wird er wieder zum Stift greifen. Wenn einem das Verlangen zwickt, kann man den Worten im Kopf nicht entkommen.

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Die Höhen und Tiefen eines Autors und Verlegers oder Am Busen der Leserin

Es wird wieder einmal Zeit, die Höhen und Tiefen der Selbstverlegerei auszuloten. Bereit?

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Die viel gelesene Wiener Literatur-Bloggerin Evi T. hat heute ihre köstlich fabulierte Rezension zu »Die Liebesnacht des Dichters Tiret« online gestellt. Die sehr positive Besprechung freut den Autor natürlich ungemein. Noch mehr, wenn man weiß, dass Evi T. sich kein Blatt vor den Mund nimmt und schon mal kritische Worte für schlechte Texte, genauso wie für mäßig interessante Bücherblogs findet. Kostprobe gefällig? Im letzten Drittel dieses Beitrages komme ich darauf zurück. So nebenbei sind ihre Buchbesprechungen, die sich  überwiegend um Romances und erotische Fiction drehen, gute Beispiele, wie man sich mit Büchern auseinandersetzen soll. Mag der Inhalt vielleicht explizit oder romantisch oder (für manch einen) schlüpfrig sein, so kann man sich trotzdem ernsthaft damit beschäftigen. Nach dem Evi T. auch meine Wiener Krimicomedy Schwarzkopf empfiehlt, kann ich sagen, dass sie nicht nur einen guten, sondern auch breit gefächerten Geschmack hat 🙂

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Tiret Brouillé in der Buchhandlung Mila BeckerMila Becker führt eine hübsche Buchhandlung in Friedrichsfeld. Durch Zufall sind wir uns in Facebook über den Weg gelaufen. Freundlicherweise hat sie ihre Präsens-Allergie für den Wiener Autor hinuntergeschluckt und mit meinem historischen Kriminalstück  Brouillé begonnen. Als sie damit fertig war, kam Tiret an die Reihe. Ja, Mila Becker streut(e) mir Lob und viele Rosen und machte meine historischen Romane zu den bestverkauften Bücher ihrer Buchhandlung. Kein Wunder, wenn die Inhaberin und studierte Germanistin ihren Kunden »den Breuer« empfiehlt. Ja, so einfach kann es gehen, dass man als Autor in einem Städtchen namens Friedrichsfeld am Rhein (Napoleon soll  ist schon dort gewesen sein) für kurze Zeit im Gespräch ist. Mila Becker gibt mir hin und wieder zu verstehen, dass Kunden bereits auf Madeleine, also Band III, warten, aber mit dem E-Book nichts anfangen wollen. Tja. Papier ist Trumpf. Jedenfalls kann man an diesem Beispiel gut ersehen, dass meine Bücher sich durchaus verkaufen, wenn man sie verkaufen möchte. Falls der geneigte Leser nun die leise Absicht hegt, eines meiner Bücher im Internetz zu bestellen, nun, dann würde ich vorschlagen, die Bestellung über Mila Becker zu machen. Auf Facebook ist die Buchhandlung natürlich auch vertreten.

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Christoph Kaufmann, Gründer der E-Book-Plattform beam, war so freundlich, meine Wiener Krimicomedy Schwarzkopf in die »Auslage« zu stellen. Für die nächsten Tage wird das E-Book auf der Startseite des Shops zu sehen sein. Nun wird sich zeigen, ob sich diese Aktion in den Verkaufszahlen niederschlägt. Ich gehe natürlich davon aus, aber vielleicht überschätze ich auch das Schaufenster. Vielleicht ist es auch hier so, wie bei allen anderen Marketing-Aktionen: ein einzelne Aktion bringt so gut wie nichts. Was es braucht sind vielerlei Ausrufezeichen, die der potenzielle Kunde wahrnimmt. Hier ein Artikel, da ein Plakat, dort ein Interview. Aber solche Ausrufezeichen zu setzen und zu koordinieren ist nur den großen Verlagshäusern mit entsprechendem Budget möglich. Machen wir uns da besser nichts vor.

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Ich sagte es schon mal, dass das Literatur-Magazin hörBÜCHER meine Wiener Krimicomdedy Schwarzkopf GRANDIOS fand. Ei, solch eine Lobeshymne (PDF) ist das Brot auf der Butter. Wirklich. Weil es den kritischen Leutchen da draußen anzeigt, dass auch ein Indie-Autorenverleger durchaus Brauchbares zu Papier bringt. Generell herrscht die Meinung vor, auch hier wiederhole ich mich – weil sich die anderen wiederholen – dass Eigenverleger deshalb ihre Bücher selber veröffentlichen, weil ihre Texte von Verlagen abgelehnt wurden. Tja. Meine Bücher, die ich bis jetzt veröffentlicht habe, hat kein Verlagslektor gesehen, also kann ich nicht sagen, ob ein Verlag meine Texte genommen oder abgelehnt hätte. Am besten entscheidet jeder für sich, ob das Buch eines Indie-Autorenverlegers etwas taugt oder nicht – Publikumsverlag hin oder her.

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Gestern 3 Exemplare Schwarzkopf an einen deutschen Barsortimenter abgeschickt. Gnädigerweise wurde die Bestellung von 1 Exemplar auf 3 erhöht, weil ich auf die wirtschaftlichen Umstände aufmerksam machte. Nun, hätte ich nicht diesen günstigen Postversand nach Deutschland über ein Wiener Antiquariat, ich würde mit diesen 3 Exemplaren nicht mal diesen 1 Euro (ja, Sie haben sich nicht verlesen) Gewinn machen. Tja. So sieht es aus, wenn ein Indie-Autorenverleger glaubt, im Konzert der Großen mitspielen zu müssen. Prekär. [update: am 21.07. flattert die Bestellung über 15 Stück ins Haus. Kein weiterer Kommentar. Danke.]

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So! Zurück zu Evi T. und ihren Gedanken zum Thema Bücherblogs. Bitte sehr, hier eine Kostprobe:

In meinem Feed-Reader befinden sich derzeit ca. 340 370 deutschsprachige Bücherblogs. Davon sind 20 die sogenannten „Lieblingsblogs“, die ich immer lese und bei denen ich oft kommentiere. 20 Blogs, die ich sehr oft lese und wo ich manchmal kommentiere. Der Rest – also ca. 330 (!) deutschsprachige Bücherblogs – ist die große schwammige Masse. Ok, da sind vielleicht nochmal 20 „gute“ dabei, die allerdings Bücher besprechen, die mich nicht interessieren. Macht noch immer eine Anzahl von über 300 Blogs, von denen viele kaum unterscheidbar sind, und zwar sowohl optisch als auch inhaltlich.

Mit ihren beiden Blog-Beiträgen How (not) to blog: Einheitsbrei sucks und How (not) to blog: Einmal geht’s noch hat sie die sonst so Wir-sind-alle-so-lieb-Lit.Blog-Szene ordentlich wachgerüttelt. Da ich die Szene nicht kenne, maße ich mir hier kein Urteil an und denke, dass Evi T. den Kern der Sache gut herausgearbeitet hat. Kurz gesagt: die Möglichkeit, öffentlich zu schreiben und gelesen zu werden, lässt viele Blogger (und Autoren und Journalisten und solche, die es werden wollen) korrumpieren. Für ein Rezensions-Exemplar vom Verlag wird schon mal eine gefälligere Benotung für ein schlechtes Buch gemacht. Warum? Es geht jetzt nicht unbedingt darum, gratis Bücher abzustauben, viel mehr ist es dieses Gefühl, ausgewählt worden zu sein und somit zu einer kleinen Gruppe zu gehören. Ja, man wird prominent. Tja. Das ist die eine Seite. Die andere ist aber, dass man zu einem willfährigen Handlanger der Publikumsverlage wird und nebenbei die breite Massenliteratur befördert. Freilich, ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Wer wissen möchte, welche bittersüßen Blüten so eine Einstellung bereit hält, nun, den verweise ich auf zwei hässliche Verrisse, die wohl im Besonderen dem Umstand geschuldet sind, dass ich mich getraue, meine Bücher in Eigenregie zu verlegen und nicht durch einen Verlag (»da könnte ja jeder kommen«). Hier geht man mit Rotkäppchen 2069 hart ins Gericht (»männlich-postpubertäres Stammtisch-Geschwätz«) und auf der Krimicouch scheißt man auf Schwarzkopf – sprichwörtlich.

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In Zeiten der Krisen tut es gut, wenn man kleine BuchhändlerInnen unterstützt. Also, die richtigen BuchhändlerInnen. Meine bisher gemachte Erfahrung zeigt mir, dass es in dieser Zunft solche gibt, die sich wenig Arbeit antun möchten, kaum lesen, einem Indie-Autorenverleger von oben herab behandeln und es nicht einmal der Mühe wert finden, eines meiner Bücher aufzublättern. Auf diese eingebildete Sippe, pardon, kann ich getrost verzichten und es würde mich nicht wundern, wenn diese alsbald vom Markt verschwinden. Buchhändler, die nur die bestverkäuflichen Schnelldreher promoten und bewerben, dürfen sich am Ende nicht wundern, wenn die Shopping-Tour ihrer Kunden in einer Buchhandelskette oder im Internetz endet. Bestseller verkaufen sich zwar hübsch ordentlich, aber auf der anderen Seite werden sie auch von allen anderen Shops angeboten. Wichtiger wäre es, den literarischen Spreu vom Weizen zu trennen und auch mal Perlen im literarischen Sauhaufen zu finden und anzupreisen. Ohne meinem Verlagsvertreter würde ich wohl heute noch Buchhandels-Klinken putzen (»das ist noch nicht sauber genug!«).

Und wenn man sich so umsieht, im sozialen Netzwerk, dann merkt man, dass es zwar viele Buchhandlungen gibt, die sich darin breit machen, aber deren Kommunikation äußerst bescheiden abläuft. Gewiss, das hat wohl auch damit zu tun, dass Zeit ein knappes Gut ist. Aber ich wage zu behaupten, würden sich die Buchhandlungen verstärkt mit all diese kleinen Autoren, Indie-Autorenverleger und Kleinverlagen auseinandersetzen, es würde auf fruchtbaren Boden fallen. Der süße Einheitsbrei, den Konzerne so lieben, muss jeder Einzelne mit kritischen Augen betrachten, sonst haben wir am Ende keine Literatur mehr, sondern nur noch Lesestoff.

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So. Und jetzt noch schnell die Losung des Tages in die weite Welt posaunt: ich bin auf Google+ zu finden. Wer möchte, kann mich gerne einzirkeln. Meine Facebook-Aktivitäten werde ich in den kommenden Wochen sicherlich reduzieren. Ich bin nämlich auf eine eklatante Einsicht gestoßen: das private Facebook-Profil sollte tatsächlich nur für private persönliche Kontakte herhalten, nicht für potenzielle Buchleser. Für zweitere gibt es nämlich die FAN-Pages auf Facebook, wo man mit dem Autor interagieren kann – im Moment habe ich eine Fan-Page für Schwarzkopf und eine für Erik. Ich schätze, es wird nun eine dritte, hochoffizielle Autoren-Fanpage hinzukommen. Nebenbei treibe ich mich auf Twitter, Diaspora* und XING herum und neuerdings, wie eingangs erwähnt, auf Google+. Sollte ich Sie also aus meiner Facebook-Freundesliste entfernen, bitte nehmen Sie es nicht persönlich, aber Entschlackungskuren im Social Media Bereich sind manchmal nötig. Wie gesagt, ich mache ja den Laden noch nicht dicht. Und, um ehrlich zu sein, Sie werden es vermutlich gar nicht bemerken, wenn ich nicht mehr da bin, weil Sie gar nicht gewusst haben, dass ich überhaupt da war. Ja, so funktioniert Social Media anno 2011.

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P.S.: Wer sich jetzt fragt, was das alles mit dem Busen der Leserin zu tun hat, tja, der hat wohl die Rezi nicht gelesen.

Buch- und Verlagsbranche, anno 2011 oder Der Teufel holt sich seine Seelen

Weine oder traure nicht, mein vortrefflicher Vogel, denn ich sterbe einen Tod wie sich wohl wenige Sterbliche erfreuen können, gestorben zu sein, da ich von der innigsten Liebe begleitet, die irdische Glückseligkeit mit der ewigen vertausche.
Henriette Vogel
Abschiedsbrief

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Gestern war es, als ich auf das Interview von Markus Conrad im deutschen Börsenblatt aufmerksam gemacht wurde. Social Media sei Dank. Der ehemalige LIBRI-Manager hat bei  Tchibo (!) angeheuert – zur Info: Libri ist vor allem ein Barsortimenter, der Bücher von Verlagen auf eigenes Risiko ankauft, lagert und bei Bestellung an den Buchhandel liefert. Conrad spricht im Interview Klartext und liest der Buchbranche, diesem »konservativ-traditionellen Familienkreis« ordentlich die Leviten.  Als Selbstverleger, der Mühe hat, in den Familienkreis überhaupt eingelassen zu werden (von aufgenommen kann nicht mal im Ansatz gesprochen werden), liest man so eine scharfzüngige Polemik natürlich mit großer Schadenfreude und der Genugtuung, es immer schon gewusst zu haben. Gut. Wollen wir die Kirche im Dorf lassen und die Bücher im Schrank. Ich übertreibe natürlich. Als Dichterling darf man das. Ja, ja.

Gestern war es auch, später am Abend, als ich erfuhr, dass es der österreichischen Buchbranche nicht besonders gut ginge. Tja. Umsatzeinbußen hier, Umsatzeinbußen dort. Die Branche jammert. Und die ersten Opfer sind zu beklagen. Jene sympathische Buchhandlung, in der es den kleinen, aber feinen Wiener Autorenstammtisch gab, schließt ihre Pforten. Manche Filiale einer Kette wird ebenfalls aus dem Rennen genommen – oder mit Non-Books zugestellt. Das ist freilich traurig. Aber wer ein neoliberales Wirtschaftsmodell gewählt hat (wir haben es uns ausgesucht, ja!), der wird damit leben müssen, dass es zu einer Konzentration (Monopolisierung) kommt, wenn nicht durch Auflagen und Regelungen gegengesteuert wird. Aber viel wichtiger ist wohl die Erkenntnis, dass der Niedergang der Buch- und Verlagsbranche damit zu tun hat, dass diese beiden Branchen sich von ihren literarisch-verlegerischen Wurzeln lösten, um Profite ordentlich zu steigern und Umsätze zu verzigfachen. Sie machten aus dem intelligenten Kulturgut Buch eine Ware und behandelten sie wie jedes andere Produkt. Manager kamen und gingen. Für sie war und ist es einerlei, ob ihr Unternehmen Literaturnobelpreisträger druckt oder Anleitungen für Waschmaschinen. Am Ende müssen die Zahlen stimmen. Punkt.

Ja, alles beginnt damit, dass Wirtschaftsleute zu folgendem Schluss kamen: Zahlen lügen nicht UND die Mehrheit hat immer recht. Mit dieser Prämisse bewaffnet, machten sie sich auf, den freien Markt zu revolutionieren. Während es früher die Kritiker im Feuilleton waren, die großen Einfluss auf die Leserschaft hatten (was gab es da nicht für Hass- und Schimpftiraden, zwischen Kritiker und Autor) oder das Kaffeehaus und ihre Lesezirkel oder eben die Buchhändler, die durchaus als Institution angesehen werden konnten. Den Verlagen war das natürlich ein Dorn im Auge. Sie konnten weder die eitlen Feuilletonisten, noch die unabhängigen Buchhändler zu ihren Gunsten beeinflussen. Und Lesezirkel in Kaffeehäuser waren sowieso eine eigene Welt für sich. Somit war die Literatur lange Zeit auf die inneren Werte festgelegt. Das soll jetzt nicht heißen, dass es nicht auch damals Schund und Schrott gegeben hätte. Aber es wurde darüber öffentlich diskutiert und befunden. Ohne, dass sich die Beteiligten über exorbitante Verkaufszahlen oder hypertolle Marketing-Aktionen Gedanken machen mussten. By the way, man sehe sich mal die Artikel in Magazinen und Zeitschriften und Zeitungen an, die sich mit Literatur auseinandersetzen. Zumeist wird über Verkaufszahlen palavert, die dem Leser den Eindruck vermitteln sollen, dass es sich hier um ein gutes Buch oder um einen bemerkenswerten Autor handelt.

Vermutlich mit der Einführung des Taschenbuchs, nach 1945, muss eine neue Zeitrechnung im Verlagswesen eingesetzt haben. Mit einmal war es möglich, hohe Auflagen zu einem kostengünstigen Preis herzustellen. Dadurch musste auch die Absatzpolitik neu durchdacht werden. Wer hohe Auflagen produziert, diese auf Lager hat, muss danach trachten, diese auch loszuwerden. Sei es durch eine akzeptable Preispolitik (wir dürfen nicht vergessen, dass gebundene Bücher viel Geld kosteten; die ersten großen öffentlichen Bibliotheken für das niedere Volk entstanden durch die Arbeiterbewegungen, die sich mit Sicherheit kein eigenes Buch leisten konnten), sei es durch Marketing- und Werbeaktionen, die immer subtiler und ausgefuchster wurden.

Die Publikumsverlage wurden größer und größer. Kleinere oder mittlere Verlage verschwanden, schlossen sich zusammen oder wurden aufgekauft. Der Markt konsolidierte sich. Übrig blieben nur eine Hand voll Unternehmen, die nun alle Macht auf sich vereinen. Gewiss, es gibt kleinere und mittlere Verlage. Aber sie spielen kaum eine Rolle und werden de facto nur geduldet oder am Leben erhalten, um den Anschein zu erwecken, es gäbe eine Verlagsvielfalt. Und in Österreich ist es wohl nur noch die Verlagsförderung und diverse staatliche Leistungen, die kleineren und mittleren Verlagen das Auskommen sichern.

Mit der Einführung des Taschenbuchs, mit der Entdeckung des Marketings, kamen die Verlage zum Schluss, dass sie Einfluss auf das Lesepublikum nehmen mussten. Wie gesagt, die eitlen Kritiker und die selbständigen Buchhändler waren so gut wie unbeeinflussbar. Also ersann ein guter Marketing-Geist die Bestseller-Liste. Wer auch immer auf die Idee kam, mich würde interessieren, wie damals die Idee aufgenommen wurde. Hat man darüber gelacht? Den Kopf geschüttelt und gemeint, dass die Leute nicht so blöd seien, zu kaufen, was da auf einer Liste steht? Tja. Es hat vermutlich viele, viele Jahre gebraucht, bis es soweit war. Zwischenzeitlich nahm der Einfluss des Feuilletons ab. Das TV, mit seiner banalen Zerstreuung, lockte die Leute. Den Verlagen war das nicht unrecht. Damit war der eitle Kritiker wieder aus dem Rennen und man konnte in späterer Folge mit Werbung über neue Bücher und Info-Artikel über bekannte Autoren, die potenziellen Käufer und Leser gut erreichen. Und die Institution des Buchhändlers wurde Stück für Stück untergraben. Schlussendlich entstand in den 1970ern die Supermarkt-Ideologie, die dermaßen beliebt wurde, dass sie in allen Bereichen angewendet werden musste. Die Buchhandelskette ist der Schlusspunkt dieser Ideologie. Denn wenn einmal ein Kulturgut nach Preis und Gewicht bewertet wird, dann sprechen wir nur noch von Gut, nicht mehr von Kultur.

Die gegenwärtigen Buchhändler zerfallen in zwei Kategorien: die einen, die das Buch noch immer ernst nehmen und für ihre Kunden die Perlen aus dem überquellenden Bücherangebot herausfiltern; die anderen hingegen nehmen das Buch nicht mehr als Buch, sondern nur noch als Produkt wahr, das verkauft werden muss.

Wenn wir also heute von einer Krise im Buchmarkt sprechen, dann ist es auf die Gier von Managern zurückzuführen, die in den 1960ern begonnen haben, den Zahlen zu vertrauen. Sie haben einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, wenn man so will. Aber wären sie belesen, wüssten sie, dass der Teufel nicht mit sich spaßen lässt und Mittel und Wege findet, die geforderten Seelen zu bekommen. Nun, mit Einführung des Internets und mit dem Aufkommen der E-Books ist der Teufel nicht mehr weit davon entfernt, die Seelen der Verlagshäuser einzusammeln. Keinem sollte das sonderlich überraschen.

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Und in der nächsten Folge erzähle ich dann, wie nun eine ausgehungerte Meute von der Kette gelassen wird, über den Buchmarkt herfällt und das Kulturgut Buch in Stücke zerreißt, und wie kleine, unerschrockene Überlebenskünstler dem Wahnsinn Paroli bieten wollen.
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update:
Die Buchbranche sucht ihre Nische
heise.de

Napoleon, Brouillé und ein literarischer Brückenkopf in Friedrichsfelde

Mila Becker Buchhandlung

Eigentlich kann es ja nicht besser gehen. Freilich, würde mein rechtes Äuglein nicht entzunden sein und hätte ich mehr Münzen am Konto (wobei: wird man am Ende seines Lebens auf seine Kontostände zurückblicken?), ich würde mich äußerst zufrieden zurücklehnen. Kurz. Es gibt ja viel zu tun. Immer. Für heute werde ich ein Paket für Mila Becker und ihre Buchhandlung in Friedrichsfeld(e) schnüren. Dort soll auch schon Napoleon zugegen gewesen sein. Nicht in der Buchhandlung, aber in der Stadt, die am Rhein liegt. Und zu Napoleon passt es natürlich hervorragend, dass Mila sich in einen Marquis verliebt hat. Der Marquis ist meiner Feder entsprungen und entstammt der Tiret-Saga. Ja, Brouillé hat es ihr angetan. Dermaßen, dass sie nun meinen literarischen Brückenkopf in Deutschland bildet und dafür sorgt, dass die Leser der Stadt und der Umlande von der Qualität eines Breuers erfahren. Hach.

Derweil hätte es ja ganz anders kommen können. Weil Mila Becker eine Präsens-Hasserin ist. Sie kann es partout nicht leiden, wenn Romane und Geschichten in der Zeitform des Präsens abgehandelt werden. Aber – und jetzt kommt natürlich der springende Punkt! – weil sie mich in facebook kennen lernte, machte sie eine Ausnahme und las in das Buch um es dann lange nicht mehr wegzulegen. Wir sehen: Social Media hat seine Vorzüge. Ohne der virtuellen Verknüpfung würde ich weder im Literaturmagazin hörBÜCHER mit Schwarzkopf vertreten sein, noch in einer schmucken Buchhandlung in Friedrichsfeld aufliegen und von der Inhaberin wärmstens empfohlen werden.

Und wenn die belesene Inhaberin einer Buchhandlung, nebenbei noch interkulturelle Germanistin, meine Schreibe in den höchsten Tönen lobt, was will ich mehr erreichen wollen, in diesem einen Schriftsteller-Leben? Eben.

Und weil die wenigstens Leser die Muße und die Zeit haben, bis hierher zu lesen, nun die kritisch ärgerliche Anmerkung, dass die Barsortimenter mich dann doch enttäuschen. Natürlich, sie sind Unternehmen, die nach Gewinnmaximierung und Konstenminimierung streben. Da ist kein Platz für persönliche Überlegungen und Ausnahmeregelungen. Es verhält sich wohl wie der alte Greißler ums Eck (Tante Emma Laden) und einem riesigen Billig-Diskonter am Stadtrand. Während man dich beim Greißler mit Namen erkannte und man hin und wieder die Zeit für ein Schwätzchen hatte, bist du im Diskonter nur ein Konsument, ein Käufer. Punkt. Und wenn du es nicht bist, sind es tausend andere. Heute weiß ich, dass der Greißler, genauso wie das Kaffeehaus, eine wichtige soziale Komponente in der Gesellschaft inne hatte. Gewiss, das ist alles Schnee von Gestern. Und um wieder den Bogen zurück zu machen, nun, die Buchhändler mit ihren kleinen Läden sind die Greißler von heute. Oder sagen wir: sie sollten es sein. Mila Becker, wenn ich es richtig beobachte, ist noch eine Buchhändlerin, die den Kontakt zu ihren Kunden sucht, die wiederum den Kontakt zu einer versierten Buchleserin suchen. In Zeiten übervoller Bücherregale braucht es jemanden, der einen auf die Perlen aufmerksam macht. Voilà, in diesem Falle bin ich – respektive Brouillé, Tiret, Schwarzkopf (und sogar Erik, aber davon später einmal mehr) – die Perle in dem großen Schweinehaufen genannt Buchmarkt.