Archiv der Kategorie: EM2008

EM: Viertelfinale 4

Sonntag, 22. Juni 2008

Viertelfinale 4: Angsthasenfußball

VF 4, in Wien (20:45): Spanien : Italien 0:0 n.V. 4:2 i.E.

Gottlob ist der Kelch an uns vorüber gegangen. Nicht auszudenken, wenn Italien ins Halbfinale eingezogen wären. Denn Fußball haben sie eigentlich nicht gespielt. Trainer Donadoni dürfte sich die EM 2004 in Erinnerung gerufen und dabei festgestellt haben, dass Griechenland den unansehnlichsten Defensiv-Fußball der Geschichte spielte, aber dafür den Pokal gewann.

Das Spiel war wohl eines der schlechtesten Partien dieser EM. Gurkenkick auf höchstem Niveau. Entsetzlich. Die Spanier wollten, aber trauten sich nicht so richtig. Die Italiener wollten, aber trauten sich nicht so richtig. Angsthasenfußball, also. Am besten merkte man das bei den Spaniern, die mehr für die Offensive taten, denen sich auch Räume boten, die aber nicht erlaufen wurden – weil die Defensivabteilung vermutlich die Order hatte, hinten zu bleiben. Deshalb ging das meiste nur durch die Mitte. Aber wie soll man sich durch Hunderte von italienischen Beinen durchdribbeln? Genau. Zumeist war beim dritten Abwehrspieler Schluss. Dabei zeigte sich ein erschreckendes Bild bei den Spaniern. Sie haben zwar ein wunderbares Mittelfeld, aber die Spieler sind zentral ausgerichtet. Es gibt kaum Flügelspieler. Deshalb muss ein Torres oder Villa auf die Seiten ausweichen, wenn es im Strafraum zu voll wird. Aber was macht ein Mittelstürmer an der Seite? Hier zeigen uns die Russen, wie es geht. In dem sie ein Überzahlspiel an den Flanken erzeugen, aber nicht nur in den Strafraum flanken, sondern auch mal den Weg zum Tor suchen. Das geht natürlich nur dann, wenn man Defensivkräfte nach vorne beordert. Das Risiko, in einen Konter zu laufen steigt natürlich – aber wenn die Mitspieler durch Laufarbeit die Lücken schließen, so es einen Ballverlust gibt, minimieren sie die Gefahr.

Dass Spanien das Elfmeterschießen für sich behauptet, grenzt eigentlich an ein Wunder (zugegeben, das Wort „Wunder“ wird bei dieser EM ziemlich strapaziert – sagt auch Kris). Ja, alles hat gegen Spanien gesprochen – und trotzdem haben sie es gebogen. Rätselhaft, dass bei den Italienern weder ein Luca Toni noch ein Del Piero sich getrauten, einen Elfmeter zu schießen. Sei’s wie’s sei, die Italiener sind verdient draußen. Mehr durfte man sich wohl nicht erwarten.

Jetzt hoffen wir mal, dass sich die Russen für das 1:4 revanchieren werden. Ei, das wird ein Fußballfest.

How to: PDF-Diashow erstellen

Wer eine Diashow präsentieren möchte, der sollte es als PDF machen. MS Powerpoint ist ja nicht auf jedem PC installiert, im Gegensatz zum Acrobat Reader.

Wie geht’s? Dokument gestalten (sollte in einem hübschen Format sein, A4 ist vermutlich zu groß!), als PDF abspeichern (hierzu müsste man einen PDF-Drucker installieren bzw. in Open Office 2.0 ist dieser schon integriert). Dann das Dokument im Acrobat Reader aufrufen (ich verwende die Professional-Variante, weiß jetzt nicht, ob es im Reader genauso aussieht, gehe davon aus), die folgenede Einstellung vornehmen und abspeichern. Voilà, c’est ca.

DATEI -> DOKUMENTENEIGENSCHAFTEN -> ANSICHT BEIM ÖFFNEN

Am Ende sollte das Ergebnis dann so aussehen:

Teaser zu Rotkäppchen2069

EM: Viertelfinale 3

Samstag, 21. Juni 2008

Viertelfinale 3: russisches Fußballspektakel

VF 3, in Basel (20:45): Niederlande : Russland 1:3 n.V.
Sieger Gruppe C – Zweiter Gruppe D

Ich war hin und weg. Von den Russen. Fantastisch gespielt. Fantastisch gespielt. Fantastisch gespielt. Nicht gegen Unterstinkenbrunn. Nein! Gegen die Niederlande, die sich in der „Todesgruppe“ souverän an die Spitze setzten, dabei Italien, Frankreich und Rumänien vorführten. Viele, sehr viele, hatten deshalb die Oranjes auf der Rechnung für den EM-Titel. Alles sprach für sie. Und waren sie nicht ausgeruhter als die Russen? Weil sie (genauso wie die anderen Gruppensieger) das letzte Spiel mit der „B-Mannschaft“ spielten, während die Russen gegen Schweden alles aus sich herausholen mussten.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als van Basten denkt. Natürlich hat man sich eine aggressive russische Mannschaft erwartet, die viel Laufarbeit verrichten wird. Aber die holländischen Spieler waren vermutlich von dem ganzen Hype um sie eingelullt. Vermutlich waren diese deutlichen Siege gegen den Welt- und Vizeweltmeister der Anfang vom Ende. Wer drei Spiele mit links gewinnt, muss keine Angst vor dem vierten Spiel haben. Sollte man denken.

Jetzt ist es nur eine Frage der russischen Kondition, ob sie das Halbfinale schaffen. Denn spielerisch und von ihrer Einstellung sind sie eine Wundertruppe. Arshavin sprintet nach 110 Minuten einem holländischen Verteidiger auf und davon. Wirbelt. Lässt nicht locker. Rechts und links immer wieder Sprints in den freien Raum (so, wie man es in den vorangegangenen Spiele von den Holländer sah), blitzschnelle Kombinationen und Schüsse aus allen Lagen und Distanzen. Während Snejder gegen Italien und Frankreich alles gelingt, er aus der Drehung ins Kreuzeck schießt, gelingt ihm in diesem Spiel nicht viel, vielleicht müsste man sogar sagen: rein gar nichts. Keines seiner Schüsse wirkt auch nur annähernd gefährlich. Auf der anderen Seite feuern die Russen eine Salve nach der anderen auf van der Sar ab, der alle Hände voll zu tun hat und gehörig ins Schwitzen kommt.

Ach, es ist herrlich, so einer Mannschaft auf die bodenständigen Füße schauen zu können. Wahrlich, ich bin begeistert – und das kommt selten genug vor. Aber wollen wir sie nicht über den Klee loben. Nicht, dass sie den Kopf verlieren und beim nächsten Spiel unkonzentriert sind. Das darf nicht passieren. Schließlich will ich sie am 29. Juni in Wien spielen sehen.

EM: Viertelfinale 2

Freitag, 20. Juni 2008

Viertelfinale 2: das Glück ist ein türkisches Vogerl

VF 2, in Wien (20:45): Kroatien : Türkei 1:1 n.V. 1:3 i.E.

Hat man das schon einmal gesehen? Es gibt Dinge, die dürfte es gar nicht geben. Hätte ich vor drei Wochen ein Buch geschrieben, in dem es um eine Fußballmannschaft geht, die in drei Spielen am letzten Abdruck, doch noch das Match drehen und gewinnen würde, man hätte ich mich in die „Schule der Dichtung“ strafversetzt. Unrealistisch. Unplausibel. Lächerlich. Abgeschmackt. Hollywood.

Derweil hat das gestrige Spiel alles andere als nach Hollywood ausgesehen. Zaghafter, nervöser Beginn beider Mannschaften. Anfänglich dachte ich ja, die ausgeruhten Kroaten würden am Dampfrad drehen und das türkische Lazarett unter Beschuss nehmen. Denkste. Weit gefehlt. In der ersten Viertelstunde machten die Türken das Spiel. Seltsam. Jene Türken, die ich nach dem ersten Spiel gegen die Portugiesen als „völlig harmlos“ abgehakt hatte, die nach dem „Wunder von Genf“ eigentlich über keine fitten Spieler mehr verfügen dürften, waren und sind nicht aufzuhalten („we break for nothing“). Sie sind ein Paradebeispiel für das fußballerische Stehaufmännchen. Und vielleicht werden sie das geflügelte Zitat am Donnerstag abändern:

„Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Türken!“

Zurück zum Spiel. Nach einer Viertelstunde kamen aber dann doch die Kroaten. Und was wäre gewesen, hätte Olic (in Gomes-Manier) den Ball aus gerade mal 4 Metern ins Tor und nicht an die Latte geknallt? Freilich, den Abpraller köpfelte dann ein Kranjcar auch nicht ins, sondern übers leere Tor. Als wollten sie kein Tor machen, die Kroaten, gestern.

Der Schock musste tief sitzen. Bei den Kroaten. Herzinfarktgefährdet die Fans und Trainer Bilic. Deshalb gab es dann nicht mehr viel zu sehen. Die Kroaten tapfer, aber man hätte meinen können, sie würden mit der angezogenen Handbremse spielen. Irgendwie dachten sie vermutlich an die letzte Viertelstunde und daran, dass die Türken schon zwei Mal ein Spiel gedreht hatten.

Nach 90 Minuten noch immer 0:0. Flaue Partie. Kaum Höhepunkte. Die Verlängerung nur merklich besser. Die Türken, wundersam, mobilisieren mehr Kräfte als die Kroaten. Trotzdem geschieht das erste Wunder: die Kroaten schießen den Führungstreffer (nein, zu diesem Zeitpunkt war jeder im Stadtion sicher, es war der entscheidende Siegestreffer), als keiner mehr daran glaubte. Grenzenloser Jubel. Grenzenlose Enttäuschung. Sekunden später. Nach der Auflage. Nach einem weiten Abschlag von Rüstü, dem türkischen Tormann, kommt der Ball an den kroatischen Strafraum. Nur noch wenige Sekunden Spielzeit. Drei Kroaten wollen den Ball weghauen. Ein Türke springt irgendwie dazwischen. Irritiert damit die gegnerische Verteidigung. Der Ball springt vor Sentürk auf, der hält einfach darauf und knallt zwischen zwei Kroaten ins Kreuzeck. Grenzenlose Enttäuschung. Grenzenloser Jubel. Hmm?!

Dass im Elfmeterschießen die bereits an den sicheren Sieg geglaubten Kroaten die Nerven weghauen, war irgendwie spürbar. Die Türken hatten das Unmögliche möglich gemacht. Da ist ein Elfmeterkrimi noch das Geringste. Und so kommt, wie es kommt: zwei Kroaten verschießen kläglich, einer wird von Rüstü gehalten, während die Türken alle ihre Elfmeter sicher verwandeln (nur einmal, da war es knapp, da rutschte der Ball unter Pletikosa durch). Und jetzt muss man (nein, nur die Österreicher bitteschön) sich fragen, was wäre gewesen, hätte Modric im ersten Spiel den Elfmeter genauso wie gestern neben die (äußere) Stange gesetzt? Ich wette, die Österreicher hätten heute gegen die Türken gespielt. Aber ich glaube, der liebe Fußballgott musste sich vor der EM für eine Mannschaft entscheiden. Und hat sich entschieden. Eindeutig. Für die Türken. Natürlich für die Türken.

Am Donnerstag geht es also im Halbfinale gegen die Deutschen. Ojemine. Die Türken spielen dann am besten, wenn sie nichts mehr zu verlieren haben. Aber wenn ihnen die Ehrfurcht in Mark und Bein fährt, dann sind sie so gefährlich wie FC Unterstinkenbrunn nach ihrem Vereinsbesäufnis. Deshalb hoffe ich, dass sie gegen Deutschland wieder von Beginn an kämpfen, laufen, kämpfen, laufen, kämpfen, laufen und so weiter und so fort.

Und vielleicht, ja, vielleicht getraue ich mich ins Brunnenviertel. Eine kollektive Jubel-Hysterie in Klein-Izmir mitzuerleben, das hätte schon was. Deutschland, wir kommen (wenn nicht die Österreicher, dann eben die Türken).

EM: Viertelfinale 1

Donnerstag, 19. Juni 2008

Viertelfinale 1: Münchhausens Zopf

VF 1, in Basel (20:45): Portugal : Deutschland 2:3
Sieger Gruppe A – Zweiter Gruppe B

Was soll man dazu noch sagen? Die Deutschen, die zuvor nicht überzeugen konnten (Polen war eindeutig zu schwach, um sich mit einem klaren Sieg zu brüsten), die von den Österreichern sogar nach Hause geschickt hätten werden können, sich „nur“ durch einen Freistoß ins Viertelfinale retteten (freilich, ein Unentschieden hätte ihnen auch gereicht), schlagen die als EM-Favorit geltenden Portugiesen souverän. Souverän? Zähneknirschend muss ich es schreiben. Weil es stimmt. Die Portugiesen konnten die Deutschen nie unter Druck setzen. Ja, man hatte nie wirklich das Gefühl, dass die Portugiesen gewinnen wollten. Zu zaghaft in ihren Bemühungen. Obwohl sie ausgeruhter hätten sein müssen, liefen ihnen die Deutschen davon – weil sie wussten, wohin sie zu laufen hatten.

Wie schon letztens gesagt: wenn die Deutschen (oder Italiener) in Führung gehen, dann wird es für jede Mannschaft schwierig, dagegen zu halten. Und wenn wir die Spiele der Portugiesen rückblickend betrachten, dann muss man sagen, dass ihr erster Sieg gegen völlig apathische Türken, die sich dachten, wenn sie nicht aufs Tor schießen, würden es die Portugiesen auch nicht machen, keine Herausforderung darstellte. Gegen Tschechien war es schwieriger. Schwieriger? Gegen eine schwächelnde Altherrentruppe, die gegen die Türken dankend 3 Tore in 15 Minuten (!) hingenommen haben? Eben. Also: Die Gegner der Portugiesen waren eindeutig keine ernstzunehmenden. Tja. Mit Deutschland kam nun ein angeschlagener Münchhausen, der schon bis zum Hals in der „Medien-Scheiße“ steckte. Natürlich unterschätzten die Portugiesen die deutsche Elf. Geblendet vom Hype um sie und Ronaldo, konnten sie nur ein müdes Lächeln übrig haben, für die öde Ballack-Truppe.

Jetzt ärgere ich mich nicht über die Deutschen, nein, ich ärgere mich über die Portugiesen. Weil sie nicht bissig genug waren. Haben sie sich nicht das Kroatienspiel angesehen? Die Kroaten kämpften, als würde es um ihr Leben gehen. Nur so kann man gegen die Deutschen einigermaßen erfolgreich sein. Alles andere ist sinnlos und lächerlich.

Der Alptraum: Deutschland kommt ins Finale und trifft dort auf Italien. Ich denke, das hätte sich der europäische Fußball nicht verdient.

Sodala.
Ich werd mir jetzt einen Tango kochen. Wie lange es wohl dauert, bis der weich wird?