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Nägel mit Köpfen: bitte ein ebook


Wir sind nicht imstande 3 Dinge zugleich zu erfassen,
deshalb die Dreigruppenregel.

Jan Tschichold
Typograph
via @atn8

 

Gut. Nun machen wir mal Nägel mit Köpfen. Du hast nen Text in der Lade liegen. Oder ein Buch, das dein Verlag nicht mehr weiter verlegen wollte. Du hast alle Rechte. Schön. Dann fangen wir mal an. By the way: Längere Blogbeiträge mit Readability lesen. Die Augen danken!

 

  1. Was will ich überhaupt?
    Die erste Frage, die du dir stellen musst: wie ernsthaft willst du die Sache betreiben? Möchtest du es nur mal ausprobieren, sozusagen die kleine Zehe ins kalte, dunkle Wasser halten oder kopfüber hinein? Je nach dem sind dann die Zugangsmöglichkeiten andere. Nehmen wir mal an, du willst es nur ausprobieren, willst wissen, wie es sich anfühlt, ohne dabei viel Geld und Nerven zu verbraten. Später kannst du ja immer noch aufs Ganze gehen, nicht wahr?
  2. Ich hab nen Text, aber wie komme ich zu einem ebook?

    [PDF] Bevor ich dich mit Unmengen langweiligen Details förmlich erschlage, gibt es natürlich die einfachste Variante: man nehme das PDF seines Textes und voilà, schon hat man ein ebook. Wer jetzt meint, ein PDF sei kein richtiges ebook, der hat vermutlich recht. Andererseits kann jeder mit einem PC oder Mac oder sonstigem Gerät ein PDF lesen (vorausgesetzt der Adobe Reader ist installiert). Sogar dein Opa. Oder eine Erbtante. Das ist nicht zu verachten. Wirklich nicht. Somit kann niemand aus deinem Bekanntenkreis sagen: „Hey, ich habe keinen eReader!“ 

    [kindle/amazon] Am einfachsten gestaltet es sich wohl bei amazon.com, aus einem Text oder PDF oder HTML ein ebook zu machen. Am besten mit diesem amazon.kindle.tool – oder online.

    [epub] Wenn du technisch nicht sonderlich beschlagen bist, dir schon bei einer Warnmeldung deines Browsers die Nackenhaare zu Berge stehen und dann auch noch schlecht schläfst, dann, tja, dann empfehle ich, deinen Text von einem „Fachmann“ in das Standard-ebook-Format konvertieren zu lassen. Hm. Das Problem bei der Sache ist: jeder kann sich als Fachmann ausgeben und dir das Blaue vom Himmel erzählen. Blöd. Erfahrungen mit externen Profis habe ich bis dato noch keine gemacht. Auch kann ich nicht sagen, wie teuer so eine Erstellung ist. Die gute Petra van Cronenburg, die sich gerade ihrerseits mit dieser Publishing-Malaise auseinandersetzt, hat Preise zwischen € 80,- und € 250,-  recherchiert. Ich bin natürlich immer ein wenig vorsichtig, da manche Profis sehr kreativ sein können, wenn es um zusätzliche Kosten geht. Aber gehen wir davon aus, dass die Leute seriös sind und nur das Beste im Sinn haben. Die mindeste Voraussetzung sollte wohl sein, dass das fertige ebook im epub-Format den epubcheck besteht. Nur wenn diese Hürde genommen ist, darf das ebook im ibookstore von Apple verhökert werden. Theoretisch. Das Gute an der Sache ist, dass man diese Prüfung im Vertrag mit dem Dienstleister aufnehmen bzw., dass man die Prüfung selber durchführen kann. Einfach das ebook-File auf der genannten Seite hochladen und innerhalb von Sekunden weiß man, woran man ist. Meine ersten ebooks haben so viele Fehler- und Warnmeldungen gehabt, dass ich graue Haare bekam und in der Nacht schlecht schlief. Anzumerken ist, dass diese „fehlerhaften“ ebooks trotzdem im Adobe Digital Edition ordentlich angezeigt wurden. Und Adobe gilt dahingehend als erste Referenz (weil es keine anderen gibt – und dann gibt es noch dieses böse Wort DRM). Ja, ja.

    [soziales Netzwerk] Die beste Möglichkeit, um aus seinem Text ein ebook zu machen, ist wohl die, einfach in seinem sozialen Netzwerk (auch Zuckerberg-Universum genannt) herumzufragen. Vielleicht meldet sich ja tatsächlich jemand, der meint, er würde es gerne probieren oder bietet sich an oder macht es zum Freundschaftspreis. Im Moment ist die Social Media Welt (und dazu gehören auch irgendwie die ebooks) der Wilde Westen unserer Generation. Man kann davon ausgehen, dass alsbald ein strengeres Regiment einziehen wird – schließlich wollen sich Politiker nicht auf dem Kopf herumtanzen lassen und Multi-Unternehmen nicht auf Einnahmen verzichten. Outlaws wird es natürlich immer geben. Und Robin Hoods sowieso.

    [was ich bis jetzt weiß] Ich habe mich mal umgehört und dabei wurde mir die ebook-manufaktur als Empfehlung genannt. Das Unternehmen Blackbetty zähle ich auch mal auf – schon deshalb, weil mir der Gründer im Verlegerseminar übern Weg gelaufen ist. Viele Jahre her. Petra van Cronenburg meinte noch, dass viele PoD-Dienstleister (Print-on-Demand) diesen Konvertierungsdienst anbieten. Jener, mit dem sie zusammen arbeiten wird, stellt hier seine Dienstleistungen samt Preise vor: ruckzuckbuch

    Nehmen wir also an, du hast nun dein ebook (in einem späteren Blog-Beitrag werde ich gerne die Entstehungsgeschichte eines ebooks nachzeichnen und erzählen, wie man sich eines selber machen kann). Wie geht es weiter?

  3. Verkaufen! Verschenken! Verteilen! Oder was?

    [verschenken] Jetzt können wir daran gehen, das hübsche ebook im Format PDF oder epub oder mobipocket (andere Formate lassen wir mal außen vor) zu verteilen. Willst du keine Münzen für deinen Text, dann kannst du die Verteilung natürlich im Privaten machen – in dem du jedermann und jederfrau das gewünschte ebook per E-Mail schickst. Oder du stellst es auf deine Webseite zum Download – und bietest es in Foren und Gruppen an. Nicht glauben, dass du deshalb bestürmt wirst, weil du ein ebook verschenkst. Da draußen gibt es viele, die das machen. Wirklich. Du kannst natürlich für dein ebook auch gleich einen eigenen Blog eröffnen. Ist ja auch gratis und kostet nur deine Zeit. Nur so als Tipp.
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    [Literatur-Community] Wer vorerst mal kein Geld sehen will, kann seine Texte in Literatur-Autoren-Ansammlungen einstellen, die die besten Texte als ebook oder sogar als gedrucktes Buch veröffentlichen. Meine (lange und breite) Ausführung gibt es hier nachzulesen. Wer es kürzer haben will, bitte sehr: neobooks, epidu, bookrix, euryclia (yep – bei euryclia bin ich auch mit einem Manuskript/Text dabei) und sicherlich noch mehr.
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    [verkaufen] Willst du Münzen für dein Werk, wird die Sache schon ein wenig aufwändiger. Natürlich kannst du noch immer die ebooks per E-Mail verschicken und der Käufer überweist dir das Geld. Nicht anders, wie bei einem pBook, also einem gedruckten Buch (ja, mit Seiten und Umschlag). Möchtest du aber dein ebook gegen Münzen ordentlich verteilen, dann kommen die virtuellen Distributionskanäle zum Einsatz. Also Portale, Webseiten (vulgo ebook Shops), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ebooks zu verkaufen. Natürlich wollen sie dafür eine Entschädigung, eine Provision.
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    [Shops] Dahingehend gibt es natürlich schon eine ganze Reihe. Generell können die Preise individuell festgesetzt werden. Die Buchpreisbindung gilt auch für ebooks, wobei man sich natürlich die Frage stellen muss, ob sie auch gilt, wenn das ebook keine ISBN hat. Aber wollen wir mal keine Spielverderber sein und bei jedem Shop die gleichen Verkaufspreise festsetzen. Wer nur einen Shop bedient, kann natürlich über die Zeit mit verschiedenen Preisen operieren. Sogar mal für eine kurze Zeit das ebook gratis anbieten, auch das sollte gehen.
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    [beam] Ich bin seit einem Jahr bei beam und kann es getrost empfehlen. Vor ein paar Tagen habe ich meine (erste) Abrechnung auf das Konto überwiesen bekommen. Und das Handling auf der Webseite ist vorbildlich. Wichtig ist, dass der Shop keine ISBN für das ebook verlangt, denn die haben wir ja nicht (noch sind wir in der „ich steck meine Zehe ins kalte Wasser“-Phase). Ich würde vorschlagen, man versucht es mal mit einem Shop, oder jedenfalls mal mit einer überschaubaren Anzahl, bevor einem das Ganze überfordert. Schließlich ist mit jedem Shop ein Vertrag abzuschließen. Man hat auch gewisse Verpflichtungen zu erfüllen, zum Beispiel, dass das ebook funktioniert.
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    [Apples iBookstore] Haha. Selten so gelacht. Da gibt es noch viele Hürden zu überwinden. Davon später mal mehr. Eventuell könnte man natürlich sein Buch in eine App verzaubern. Aber dahingehend habe ich (noch) keine Erfahrung. Aber reizvoll wäre das natürlich. Ein bisserl interaktives Herumklicken, ein bisserl lesen und voilà, schon hat man einen veritablen Volltreffer gelandet. Eigentor inklusive.
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    [kindle/amazon.com] Die Jungs wissen, wie man’s macht. Völlig unkompliziert klickt man sich durch den Vertrag und akzeptiert ihn, ohne jemals eine Unterschrift geleistet zu haben. Vorbildlich (ob es rechtlich hält, so ein virtueller Vertrag, kann ich freilich nicht sagen). Amazon verlangt keine ISBN, jeder ist also eingeladen, Opas Tagebuch hochzuladen, einen Preis festzusetzen und schon rollt der Rubel. Naja. Der Nachteil ist, dass das Ganze nur für die USA und UK wirklich Sinn macht. Deutschsprachige ebooks sind Mangelware. Wer sich meine angucken möchte, bitte sehr – hier in UK und hier in USA (warum Brouillé in Authors Central unter den Teppich gekehrt wird? Hm. Keine Ahnung. By the way: amazon ist so ziemlich die unübersichtlichst strukturierte Webseite auf diesen Planeten! Period!) Sollte, wie gesagt, amazon.de mit dem Verkauf von ebooks beginnen, könnte die Sache sicherlich interessant werden. Vorausgesetzt, die kindle-Nutzer legen zu. Übrigens: einen US-Wohnsitz braucht man nicht. Einzig, die böse US-Steuerbehörde, die würde gerne bestätigt haben, dass man kein US-Citizen ist. Und ausgezahlt wird erst, wenn man USD 100,- an Royalities, also an Einnahmen erwirtschaftet hat. Bei einem Rabatt von 75 % (für Nicht-US-Verleger), kann man sich vorstellen, wie lange es braucht, bis der Scheck (ist wirklich einer) ins Haus flattert. Bei mir flattert derweil nichts.
  4. Ich gehe jetzt essen! Vom virtuellen Geschreibsel wird man bekanntlich nicht satt. Diese Weisheit sollte man nicht vergessen. Nicht, wenn man über ebooks und texte und blogs und dem web schwadroniert. Habe ich schon erwähnt, dass der Wiener P.E.N. Club insolvent ist?
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Glattauer, Cruz, Glavinic und andere Augenauswischerein

Die Kurzfassung für alle, die es eilig haben: Wäre ich bekannter, berühmter und erfolgreicher, würde ich keine laaangen Blog-Beiträge verfassen, sondern mir in Havanna die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, einen Cocktail schlürfen und auf Hemingways Schreibmaschine ein breuereskes Werk verfassen. Und wenn ich gerade dabei bin, tät ich sicherlich ne Zigarre paffen. Ich denke, damit haben Sie den Kern dieses (und aller zukünftigen Beiträge) erkannt. Sie sehen, ich habe Ihnen viel Zeit erspart. Schließen Sie mich also in Ihrem nächsten Gebet um Steuersenkungen, Armenausspeisungen und Medienkontakte mit ein.

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Eigentlich hätte ich ja längst den längeren Eintrag zum Museum Liechtenstein schreiben sollen, aber ich warte noch auf die eine oder andere Antwort und so lange ich diese nicht habe, will ich nicht aus dem Nähkästchen plaudern. Gut. Gut. Deshalb – sehr unüblich um diese recht späte Uhrzeit – kurz ein paar Zeilen über Vergangenes und Zukünftiges. Es soll ja Leser geben, die sich hin und wieder für die leisen Zwischentöne meines Tuns interessieren. Angeblich.

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Title : MA VILLE Ean : 9782951645547
MA VILLE Ean: 9782951645547 prix: 11 euros Edition Populaire

Vermutlich ist das kleine Päckchen – besser: luftgepolstertes Kuvert – schon ein paar Tage im Postkasten gelegen, bis ich es endlich entdeckte – besser: ich mal die Post holte. Das Kuvert hatte eine längere Reise hinter sich. Ich gehe davon aus, dass sie strapaziös war – auch wenn man es ihm nicht ansah. Der Absender ist ein glühender Fan meiner Schreibe. Das klingt natürlich ein wenig überzeichnet – und ist doch untertrieben! Wir halten fest: Gunar kommt aus Maastricht. Er stolperte in XING über einen meiner Einträge. Er bestellte kurzerhand Tiret. Später dann Brouillé. Und ich glaube, er hat auch Rotkäppchen 2069 genommen. Und Schwarzkopf? Vermutlich. Müsste ich nachsehen, aber gehen wir mal davon aus, dass er alle meine (noch erhältlichen) Bücher hat. Mehr noch, er war der erste, der beim Club der 99 sofort mit den 25 Münzen bei der Hand war und sie mir nach Wien schickte. Seine Rezension zu den Tiret-Bänden im XING-Bücher, Bücher, Bücher – Forum quellen über vor Begeisterung – und ich kann dazu nur freundlich nicken, weil es sich als Autor nicht ziemt, dem Rezensenten überschwänglich zu danken. Man muss schon die Distanz wahren. Mehr oder weniger. Jedenfalls hat mir Gunar ein kleines, quadratisches Büchlein ins gepolsterte Kuvert gesteckt – und dazu einen von Hand geschriebenen Brief. Sehr persönlich gehalten. Ich war und bin zutiefst gerührt. Weil es nicht selbstverständlich ist, dass man mir ein Geschenk macht, weil meine Bücher „so viel Spaß gebracht haben“. Ja, ja. Das Büchlein Ma Ville,  je l’aime ist eine bitterbös schwarzhumorige, beinahe zynische Liebeserklärung an Paris in dunklen Strichen skizziert, mit wenigen (bis gar keinen) Worten auskommend. Gezeichnet ist es famos. Mir gefällt der Stil. Und der Humor bricht schon mal die politische Korrektheit mit einer brachialen Härte entzwei. Respekt. Und so bleibt mir wohl nur, mich bei Gunar auf diese Weise zu bedanken, mit diesen Zeilen. Und wenn er dann mal Madeleine in Händen hält, wird er sich sagen können: ich habe großen Anteil daran. Oui, das hat er 🙂

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.frisch gespielt – das Spielemagazin 3/2010 ist vorgestern in Druck gegangen. Diesmal bin ich sehr zufrieden mit mir. Auch wenn ich das Endresultat noch nicht in Händen halte, so gehe ich davon aus, dass uns ein großer Wurf gelungen ist. Auf der Buchmesse werde ich alle Ausgaben, die ich designt habe, wohlfeil bieten. Wir werden hübsche  und supergünstige Pakete schnüren, mit guten Brett- oder Kartenspielen oder meinen Büchern, vorrangig natürlich Schwarzkopf. Wer also mal das 52seitige Magazin aus nächster Nähe anschauen und durchblättern möchte: BUCH WIEN Stand 732, direkt gegenüber der Messe-Buchhandlung. Das groooße Schwarzkopf-Plakat sollte den Weg leuchten.

So nebenbei sei angemerkt, dass mir die liebe Autorenkollegin Helene Köppel (link) im Spiele-Magazin über den Weg gelaufen ist. Sie hat nämlich zum Brettspiel Carcassonne – Das Schicksalsrad (link) den zugehörigen historischen Roman geschrieben, der nun gemeinsam im Paket mit dem Spiel verkauft wird. Es ist schon merkwürdig, wie die Fäden der Begegnungen so verlaufen. Die gute Helene war die erste Autorin aus einem Publikums-Verlag, die sich mit mir ernsthaft befasst hat, mehr noch, sie hat mich von Beginn an unterstützt, sei es, dass sie meine Bücher gegen viele Münzen gekauft (während sie mir z.B. Die Affäre Calais (amazon) einfach so nach Hause schickte, natürlich reizend signiert), sei es, dass sie ihr Lob über die Tiret-Bände (Schwarzkopf gefiel ihr auch, bitteschön!) nicht verheimlichte, sondern in Rezensionen bekannt machte. Wer auf die Umschlag-Rückseite von Brouillé guckt, wird die Helene dort finden. Hier gibt’s die Seite mit der Spiele-Rezension als PDF: link

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Christoph, Gründer des ebook-stores beam-shop, hat mir einen Flyer zu Der Fetisch des Erik van der Rohe gesponsert. 2500 Stück werde ich nächste Woche bekommen. Ich habe sie heute gestern in die Druckerei geschickt. Die Zeit drängte, da ich sie ja während der Buchmesse verteilen möchte. Es gilt auf das ebook LYDIA hinzuweisen, das für schlappe 99 Cent zu haben ist. Für über 40 Seiten sollte es ein angemessener Preis sein, nicht? Gut, über den Inhalt kann man vermutlich streiten. „Glattauer für den reifen Leser“, ist dahingehend mein Werbe-Slogan. A., die bereits einige Kapiteln lesen durfte, bestätigte es mir offiziell auf meiner facebook Fan-Seite zu Erik. Ach ja, wer noch immer kein Fan ist, der sollte sich aber mal sputen. www.facebook.com/erikvanderrohe Dort findet man dann auch die Bilder zum Flyer und all die hübschen Damen, zehn an der Zahl, die jede ein Kapitel bekommt. Deshalb wurde das Konvolut auf zwei Bände aufgeteilt. Wer das Buch in gedruckter Ausführung haben möchte, muss auf euryclia.de eine verbindliche Vorbestellung abgeben. Kommen rund 1000 Vorbesteller zusammen, geht das Buch in Druck. Ohne Hilfe von Seiten der Leser passiert natürlich nichts. Aber man kann somit schon zu aller Anfang erkennen, ob überhaupt ein generelles Interesse an einer recht expliziten autobiographischen Fiktion besteht. Man wird sehen.

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Buchtrailer zu TiretVorgestern wieder ein paar Buch-Trailers in der Gegend herumverschickt. Teil 2 – eine Art von Weiterführung des bisherigen Trailers. Kürzer. Vielleicht sogar spannender – wenn man den Prelude noch nicht kennt. Matthias Brömmelhaus, ein Schreibtäter aus Überzeugung, hat ja über Tiret und Brouillé sehr lobend zu berichten gewusst. Mein kleines virales Buchtrailer-Experiment hat ihn zu einem Blog-Eintrag inspiriert, das mich natürlich sehr freut: „Virales Marketing“  – jedenfalls, nur wenn es mir gelingt, die Kreise, in denen ich mich im Moment virtuell bewege, zu durchbrechen, kann so eine virale Aktion Erfolg haben. Auf facebook habe ich heute ebenfalls den Buchtrailer (1)  gestellt. Und siehe da, schon gab es ein paar alte neue Gesichter – wie zum Beispiel die Spanierin Nunu (die mich an Penelope Cruz erinnert), die den Umschlag von Schwarzkopf für mich ins Spanische übersetzte und sich dafür ein Exemplar „erkaufte“: una absurda comedia criminal vienesa sobre hollywood y otras truculencias de richard k. breuer. Man möchte es nicht glauben, aber Nunu hatte Spaß mit Schwarzkopf – die Wiener Mundart, die hin und wieder im Text aufblitzt, dürfte dem Verständnis nicht im Wege gestanden sein. Jedenfalls, auch Nunu hat sich den Trailer angeguckt und mit „mag ich“ gekennzeichnet. Schön. Aber die große virale Wellenbewegung konnte ich (noch) nicht ausmachen. Dafür ist der Trailer wohl zu spezifisch, zu „literarisch“ und wenig breitenwirksam (ein tanzender Affe, der Whiskey süffelt, ist viral um Vieles wirksamer und effektiver zu verbreiten).

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Sonst? Die reizende Gabriele aus Salzburg hat nicht nur eine wohlwollend Buchbesprechung über Brouillé in ihrem Literaturblog der bluecher blog gemacht, sondern ist auch so freundlich, einen meinen Werbebanner auf der Startseite zu präsentieren. Das freut mich sehr. Überhaupt hat der bluecher blog alle bisher erschienen Bücher rezensiert. Ich glaube, damit schießt er den Vogel ab und bekommt von mir die Goldene Unterstützungsmedaille. Nebenbei ist Gabriele seit heute offizielles Mitglied im Club der 99. Wenn die Mozartstadt schon keine ordentliche Fußballtruppe hat, so kann sie mit einem tollen Literaturblog aufwarten. Ja, ja. Und das hübscheste Foto von Brouillé hat sie auch gemacht. Dafür gibt’s ein Extra-Lob.

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Am Montag Abend lud die VIENNA FILM COMMISSION (link) zu einem Stelldichein zwischen Film- und Verlagswirtschaft. Nun, der Abend hat mir wieder deutlich vor Augen geführt, woran es in Österreich – respektive Wien – mangelt: an frischem Wind. Man muss vielleicht wissen, dass es in Wien gerade einmal eine Hand voll Produktionsfirmen gibt, die in der Lage sind, einen ansprechenden Kinofilm mit mittlerem Budget zu stemmen (aber ohne Förderungen geht gar nix!). That’s all, folks! Diese Firmen sind schon lange im Filmgeschäft, haben allesamt Projekte und Ideen in der Lade liegen. Warum sollten sie nun das Buch eines kleinen, mittleren Verlages verfilmen? Eben! Macht keinen Sinn. Deshalb stufen wir mal den Abend unter „Augenauswischerei“ ein. Freilich, es bot die Möglichkeit, sich zu kontakten. Leider konnte ich mit der Dame, „die viel Geld hat“, nur kurz plaudern. Aber es reichte hoffentlich aus, um einen kleinen Eindruck zu hinterlassen. Die Dame ist weder reich, noch sonst wie begütert, sondern sitzt einfach nur in der Film-Förderstelle des Bundes und hilft mit, Projekte zu finanzieren (natürlich entscheidet ein Kremium, was gefördert wird und was nicht). Das Highlight des Abends war sicherlich Thomas Glavinic, der in einer recht lockeren, jovialen Art den Bestseller-Autor heraushängen ließ und sich deshalb kein Blatt vor den Mund zu nehmen brauchte. Seine negativen Erfahrungen mit der Filmwirtschaft  – als Drehbuchschreiber bzw. als Rechte-Inhaber seiner Bücher – verschwieg er natürlich nicht. Ich denke, er hat den wesentlichen Kern getroffen, wenn er meinte, dass es im Film-Biz Leute gibt, die sich kreativ einmischen, obwohl man ihnen jegliche Kreativität absprechen müsste. Ich habe nur mal Vorzimmer-Film-Luft geschnuppert und kann bereits diese Feststellung bestätigen. Und wer sich für die Filmwirtschaft generell interessiert, der weiß auch aus Anekdoten und Erzählungen von Filmleuten, was da so abgeht. Kein Zuckerschlecken für kreative Genies. Wahrlich nicht. Die Fotos des Abends sind übrigens sehr gelungen. Von mir und meiner Agentin SP. gibt es übrigens ein hübsches Foto. Leider blieb meine Anfrage, ob man auf einzelne Fotos verlinken dürfe, unbeantwortet. Hier ist der Link zu allen Fotos. Viel Vergnügen beim Durchklicken. Spannend wird es um die Nummer 160 😉

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Die Ausleihe von digitalen Büchern und Magazinen in der virtuellen Wiener Bücherei ist bereits möglich. Wer hätte das gedacht? Ist ja eine interessante Sache. Gestern, in facebook auf der Seite der Wiener Bücherein, davon erfahren, gleich eine Anfrage gestellt („ich will auch meine eBooks von euch verleihen lassen“), eine Antwort bekommen und mich an das zuständige Unternehmen DiVBib gewandt, das diese digitale Ausleihe technisch möglich macht. Ich denke, dass man mich alsbald kontaktieren wird und wenn alles rund läuft, dann sollte man meine eBooks in naher Zukunft offiziell ausleihen können. Zu kaufen gibt es diese übrigens auch. Für ein paar Münzen. Will ich nur deponiert haben. Während die Verlage ja horrende Preise festsetzen (okay, sie müssen auch ordentlich Geld verdienen), sehe ich die eBooks im Moment nur als Auflagenbringer. So wurde Rotkäppchen 2069 innerhalb eines Monats rund 1000 Mal, Tiret (da waren es schon zwei Monate) sogar 3000 Mal herunter geladen. Das hätte ich mit einer Papierauflage nie erzielen können. Vielleicht sollte ich nun sagen, dass ich sie gratis anbot. Als Marketing-Aufmerksamkeits-Aktion. Würde ich das aber nicht dazu sagen, ich wette, Sie wären erstaunt gewesen. Und hätten sich vielleicht auch ein eBook heruntergeladen (freilich erst nach Einwurf von ein paar Münzen), nur um zu schauen, ob es wirklich das Geld wert ist. Ja, so funktioniert der Bestseller-Lemming-Effekt. Der Inhalt tut dann (fast) nichts zur Sache. Glauben Sie mir das!

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Und zu guter Letzt nur ein kleiner, feiner Hinweis auf das Crowdfunding-Projekt AZADEH (link) – meinem Erstlingswerk, eine Wiener Fin-de-Siècle-Liebesgeschichte (1899) auf startnext.de. Ein einführendes Video gibt es auch zu begucken. M.D. aus A. gefällt dieses besser als der Tiret-Trailer. Vermutlich, weil es mehr von Wien zu sehen gibt. Richtig bewerben werde ich das Projekt wohl erst nach der Buchmesse. Sonst glauben die Leutchen ja, ich würde Ihnen nur noch Geld aus der Tasche ziehen wollen. Richtig. Damit schließt sich wieder der Kreis. Wäre ich bekannter, berühmter und erfolgreicher hätte ich das nicht nötig. So! Jetzt mixe ich mir einen Cocktail und paffe eine Zigarre. Glauben Sie nicht?

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ERIK: 10 Frauen, 1 Fetisch, viele Probleme!

 

Cover-Entwurf
Cover-Entwurf

 

So! Jetzt ist schon wieder was passiert. Marion Schwehr von euryclia.de hat nun am Freitag das Manuskript Der Fetisch des Erik van der Rohe – eine autobiographische Fiktion freigeschalten. Wir haben nun zwei Bände aus dem Tagebuch-E-Mail-Gesprächs-Konvolut zwischen Erik und den 10 Frauen gemacht. In jedem der Bände finden sich dann 5 Kapiteln. Leseproben gibt es natürlich zu begucken. Wer sich für das Thema „Mann-Frau-Beziehung am Beginn des 21. Jahrhundert“ interessiert, der ist natürlich herzlich eingeladen, die beiden Bände (oder wenigstens ein Band) vorzubestellen. Sollten sich 1000 Leutchen finden, die gewillt sind, dem Manuskript eine Chance zu geben, dann wird das Buch (nach ausführlichem Lektorat/Korrektorat) gedruckt und veröffentlicht. Das Gute an der Sache: bezahlt wird erst, wenn tatsächlich 1000 Vorbestellungen innerhalb eines halben Jahres zusammenkommen. Wer meint, dass es unwahrscheinlich ist, hat demzufolge kein Risiko, wenn er sich in die Liste der Vorbesteller einträgt. Als Gustostückerl würden die Vorbesteller im Buch genannt werden (so sie es wollen).

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Informationen gibt es hier: www.erik.1668.cc
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Lydia als eBook (PDF)

 

Wer nicht so lange warten möchte, der hat schon jetzt die Möglichkeit, das erste Kapitel  LYDIA von rund 44 Seiten als eBook im PDF-Format über den beam-shop für schlappe € 0,99 zu beziehen. Das ist nicht viel, reicht aber aus, um herauszufinden, ob es ein ernsthaftes Interesse am Stoff gibt. Darin liegt ja die Krux an all diesen neuen Community-Plattformen, wo über Texte und Manuskripte bewertet und abgestimmt wird. Ich denke, die beste Abstimmung erfolgt über klingende Münzen. Hier geht es nicht um Gier oder Profitstreben – bei  einem Verkaufspreis von 99 Cent – mir würden dann etwa 50 Cent bleiben – können wir davon ausgehen, dass am Ende nicht einmal die Lizenz-Preise für die Fotos der hübschen Damen auf den Covers gedeckt sind. Aber hier geht es darum, festzustellen, ob der vermeintlich interessierte Leser auch bereit ist, in die Tasche zu greifen. Man glaubt gar nicht, welchen Unterschied das macht. Ein Klick auf den Like-Button von facebook ist mal schnell gemacht, aber Geld für etwas zu bezahlen, egal wie klein die Summe, löst in uns ein „Antwort-Frage-Spiel“ aus, das in etwa so klingt: „Warum muss ich dafür etwas bezahlen?“ oder „Häh? Für ein Kapitel will er Geld?“ oder „Da könnte er es ja gleich gratis hergeben!“ oder „Also, ich weiß nicht …“ oder „Sorry, aber ich hab noch nie im Web etwas gekauft!“ oder „Für so einen Schrott will er auch noch Kohle?“ oder „Naja …“ oder „Hmmm …“ oder „Ich hab keine Kreditkarte!“ oder „Bei Geld hört sich die Freundschaft auf!“ oder „Ich würd ja gerne etwas bezahlen, aber nicht für ein paar Seiten!“ oder „Was? Nur ein Kapitel gibt’s für das Geld? Und was kommt dann? Muss ich bald für jeden Absatz löhnen?“ oder „No, thanx!“ oder „Ist ja nett, aber …“ oder „Ich hab jetzt keinen Kopf dafür.“ und so weiter und so fort. Gerne möchte mich der geneigte Leser auf weitere „No, thank you“-Litaneien hinweisen. Ich gebe zu, ich bin ja nicht anders. Auch ich überlege drei Mal, bevor ich ein paar Münzen springen lasse.

Deshalb machen wir uns nichts vor. Bezahlt wird nur, wenn man auch der Meinung ist, etwas fürs Geld zu bekommen, das einen befriedigt. Und jetzt stelle man und frau sich vor, du berappst ein paar Münzen und bleibst unbefriedigt. Huh. Das kommt nicht gut. Gar nicht gut.

Und weil wir gerade so hübsch beisammensitzen, ich hier, du da, mache ich folgendes Angebot: wer den ersten Band bei euryclia vorbestellt, erhält von mir das Kapitel Lydia geschenkt. Dieses großzügige Angebot ist natürlich für all jene Pessimisten interessant, die nicht davon ausgehen, dass 1000 Vorbesteller zusammenkommen. Damit erhalten diese ein eBook im Wert von € 0,99 geschenkt. Hmm. Eigentlich müsste ich jetzt das eBook teurer machen, sonst gibt es ja keinen sonderlichen Anreiz, das Angebot anzunehmen. Hmm. Wie man es auch dreht und wendet, jede Marketingmaßnahme zieht eine Reihe von Fragen nach sich, die man so einfach nicht beantworten kann. Eine „Fan“-Page auf facebook habe ich für den guten ERIK auch schon eingerichtet. Was das bringt? Keine Ahnung. Aber der Vorteil: ein Klick kostet nix. Damit könnte man ja mal beginnen. Klick, klick, klick …

 

Ein belgischer Krimi mit österreichischer Beteiligung

Gestern. Fußball-EM-Qualifikationsspiel Belgien : Österreich. Am Ende hieß es 4 : 4. Unentschieden. Aber wie diese 8 Tore zustande kamen, das war schon hitchkockesk und an Dramatik kaum mehr zu überbieten. Nur vergleichbar mit der EM 2008 und der Türkischen Nationalelf, die das Kunststück zuwege brachte, ihre Spiele in allerletzter Minute zu gewinnen. Gestern wurde die Dramatik auf die Spitze getrieben. In der 87. Minute gleichen die Belgier aus. In der 9o. Minute gehen sie in Führung. Und zwei Minuten später, weit in der Nachspielzeit, gelingt den Österreichern der Ausgleich. Schlapperlot. Wann hat man so etwas schon mal erlebt? Noch dazu mit der östereichischen Nationalelf? Zumeist spielten sie einen müden Kick, der nur zum Wegschauen einlud. Ja, man war peinlich berührt. Gestern hingegen, da spielten sie groß auf und hatten das Glück auf ihrer Seite (das sollte man nicht vergessen). Immerhin. Das wollte ich jetzt nur schnell gesagt haben. Weil ich weiß, dass man später einmal darüber grübeln wird, wie es denn gewesen sei, dieses so unglaubliche Match.

Als ich heute zu Mittag über diesen Blog-Beitrag sinnierte, da fiel mir wieder das Gespräch zwischen meiner jungen Lektorin und mir ein. Es ging um Fakt und Fiktion, um wahre, um erfundene Begebenheiten. Ich meine ja, dass reale Erlebnisse einen stärkeren Eindruck vermitteln, als erdachte. Nun, eine Sportveranstaltung scheint es jedenfalls zu bestätigen. Niemand würde sich ernsthaft für ein Fußballspiel interessieren, das so tut, als wäre es echt. Würde jemand das gestrige Match genauso inszenieren, man würde als Zuseher natürlich auch mitfiebern, aber am Ende weiß man, dass es nur Fiktion und dem Kopf eines Drehbuchautors entsprungen ist. Das Spiel hätte auch anders ausgehen können, wenn der Kreative es so wollte. Aber in der Wirklichkeit des Spiels gibt es keinen Drehbuchautor (lassen wir mal Gott beiseite, ja?), die Geschichte schreibt sich demnach von selbst. Deshalb mein Versuch einer autobiographischen Fiktion. In den nächsten Tagen wird man eine Kostprobe davon auf euryclia.de „anlesen“ können. Be prepared!