Archiv der Kategorie: gedankliches

Denkverbote #7: Die feministische Utopie

Es gehört für einen Mann wohl zum gefährlichsten gedanklichen Minenfeld, will er sich mit der feministischen Utopie ernsthaft auseinandersetzen. Es war vor vielen Jahren, als mir – nennen wir sie Alphine – als mir Alphine bei einem Spaziergang ins Gesicht schrie, dass sie mir am liebsten „meine Eier ausreißen“ würde. Was hatte ich verwerfliches getan? Ich plauderte zuvor recht ungezwungen über meine Teamleiter-Entscheidung, die Kollegin XYZ. nicht für die ausgeschriebene Stelle in meinem Team zu berücksichtigen. Ich brachte die Argumente vor, die gegen XYZ. sprachen und dachte nicht, dass meine vorgebrachten Gründe in den Gehörgängen der sonst recht vernünftig wirkenden Alphine diskriminierend und frauenverächtlich klängen. Damals wurde mir mit einem Schlag bewusst, dass unsere Gesellschaft am besten Wege war, jegliches gesunde Maß zu verlieren.

Die Revolution von 1789 macht den Frustrierten eine unerhörte Versprechung: die erlittene oder eingebildete Verachtung rächen zu können. Kritisches Wörterbuch der Französischen Revolution I, S. 445

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Der rosarote Panther sieht schwarz

Stellen Sie sich vor, ein brotloser amerikanischer Autorenverleger, der irgendwo in Brooklyn lebt, erinnert sich dieser Tage an seine Kindheit. Damals, lange mag es her sein, sah er mit seinen Eltern im Kino The Pink Panther Strikes Again (1976) mit Peter Sellers. Und ohne viel darüber nachzudenken, sinniert er in facebook über diesen damaligen Kinobesuch. So malt er seine sentimentale Gefühlsstimmung seufzend aufs virutelle facebook-Papier und blickt für eine Weile aus dem Fenster und auf die Division Avenue. Als er sich wieder seinem Posting widmet, bemerkt er, dass es bereits eine Reihe von Kommentaren gibt. Schau mal einer an, denkt er sich und liest.

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Der Untergang der sächsischen Barockresidenz Dresden, 13. Februar 1945

Heute jährt sich zum 73. Mal die Einäscherung der deutschen Stadt Dresden durch alliierte Bomberverbände. Ich habe mir darüber immer wieder den einen oder anderen – zuweilen verbotenen – Gedanken gemacht. Beispielsweise Dresden im Feuersturm oder Kurt Vonnegut und The Firebombing of Dresden oder So it goes: Hiroshima & Dresden 1945 Übrigens betitelte die damalige Britische Wochenschau ihren Bericht großspurig mit Dresden bombed to Atoms. Der süffisant menschenverachtende Ton des Kommentators ist natürlich der Propaganda geschuldet.

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Was facebook mit der Psyche macht

Zugegeben, in den letzten fünf oder sechs Jahren habe ich facebook recht stiefmütterlich behandelt, mich im virtuellen Freundschaftsverband nur kurz aufgehalten und zumeist nach wenigen Minuten schnell das Weite gesucht. Das wird sich wohl so schnell nicht ändern, weil mir bewusst ist, dass facebook und all die anderen interaktiv-sozialen Medienkanäle mit der Psyche der Nutzer jonglieren. So kommen Studien zum (vorläufigen) Schluss, dass eine erhöhte Nutzung von facebook depressive Symptome verstärken. Aber wie mit allen abhängig machenden Substanzen – seien sie stofflich oder virtuell – so sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass die stärkste Wirkung jene erfahren, die – einfach gesagt – psychisch/seelisch am instabilsten und damit am empfänglichsten sind.

Wussten Sie eigentlich, dass in der griechischen Mythologie die gute Psyche so liebreizend war, dass man sie für die Göttin Venus hielt? Weshalb Venus – recht eifersüchtig, die Schöne – ihren Sohn Cupido (Eros/Amor) beauftragte, die Psyche zu einer unanständigen Liebe zu verleiten. Doch Cupido verliebte sich in Psyche und von da an ging es drunter und drüber. Aber am Ende wurde Psyche in die Gesellschaft der Götter aufgenommen und gebar dem Cupido eine Tochter, die Wolllust hieß. Sollten Sie also in Zukunft mal wolllüstige Gedanken hegen, schieben sie es einfach auf die Psyche.

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Der Traum eines Gottesleugners

Vor wenigen Tagen war es, als mir X. von einem sonderbaren Traum erzählte, den er hatte und der ihm in gewisser Weise unterschwellig bewusst machte, dass er starke Zweifel gegenüber dem vorherrschenden Glauben hegt. Tja. Da saß er also im Bett, grübelte und sinnierte, suchte einen Ausweg aus diesem gedanklichen Irrgarten und fand ihn einfach nicht. Wie oft er auch die vielen Argumente der klugen Leute gegen sein Innerstes warf, der Zweifel ließ sich weder klein reden noch davonjagen. Dieser Kampf zwischen innerer Überzeugung und äußerer Gewalt ist freilich so alt wie die Zivilisation selbst. Die Atheisten, die seinerzeit Gottesleugner genannt wurden, hatten einen schweren Stand gegenüber der gläubigen Masse. Im Geheimen mussten sie ihre Gespräche führen, ihre Tagebücher schreiben, immer der Gefahr ausgesetzt, verraten und denunziert zu werden. Die Strafe, damals wie heute, ist im günstigsten Falle die Verbannung aus der Gemeinschaft, im schlimmsten Falle der Scheiterhaufen, der die Existenz in Flammen aufgehen lässt. Ich habe X. gut zugeredet, ihm gesagt, dass es sich nur um eine Phase handeln und er vielleicht schon in ein paar Tagen wieder in der gewohnten Spur sein würde. Ich klopfte ihm schließlich bei der Verabschiedung auf die Schulter und meinte, er solle sich keine Sorgen machen, schließlich würden wir ja nicht mehr im finsteren Mittelalter leben. Mit hängendem Kopf ging er davon. Ich sah ihm eine Weile nach – bis sein Schatten im Dunkel der Nacht verschwand. Wenn er Glück hat, sagte ich zu mir, wird er sich nicht verraten und im Stillen die ketzerischen Gedanken aussprechen. Aber die Angst, so viel ist mir klar, würde von nun an sein ständiger Begleiter sein.

 

Atheïsmus

(auch) Zweifel u. Unglaube an die Volksreligion in einer geordneten Form; so hatten mehrere griechische Philosophen den Beinamen Atheos, weil sie an die Wahrheit u. Richtigkeit des populären Gottesglaubens nicht glaubten, so Diagoras Melios, Theodoros Kyrenios, Euemeros, Bion u. A.;

Pierer’s Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857