Archiv der Kategorie: gedankliches

In der Menge verliert sich das Genie

sagte schon Balzac (in Pierre Grassou).

Es gibt eine unüberschaubare Anzahl an Blogs und Geschreibsel im Netz. Jeder möchte seine Schreibe bekannt machen, möchte sich aus der durchschnittlichen Masse hervorheben. Dazu bedarfs es Klicks (früher: Leser). Deshalb ist es unter Profi-Bloggern üblich, Themen aufzuwerfen, die bewusst Kontroversen auslösen, aber selber bleiben sie im Hintergrund. Wer Stellung bezieht, verliert Klicks!

die Geschichte von Balzac über die mittelmäßige Kunst ist unbedingt zu lesen: Link zur Gutenberg-Site

Kommentar zum Eintrag von Liz

Post-dadaistische Urinalität

Man stelle sich vor, du kennst einen Künstler, der Klopapierrollen in den Urin bekannter Persönlichkeiten taucht („Die ist von Robbie Williams!“). Ein Kurator erfährt zufällig davon (der Bekannte eines Freundes eines Bekannten hat ihn darauf angesprochen), findet es anders („Sehr gut! Das ist provokante post-dadaistische Urinalität!“) und bringt es als Gastauftritt im Museum der Modernen Kunst unter.

Ein Medienrummel setzt ein (weil das Museum natürlich davon profitiert und es in Gang bringt – „Das gab’s bis jetzt noch nie!“) und ab dem Zeitpunkt klatschen jene guten Bekannten, die den Künstler vorher belächelt haben, anerkennend in die Hände („Hast du ihn im TV gesehen, in der Zeitung den Bericht gelesen? Das MoMA in New York soll sich bereits für ihn interessieren!“). Mehr noch, sie schmücken sich mit seinem Namen und ihrer Freundschaft („Bevor er noch bekannt war, hab ich ihm den Kaffee gezahlt, weil er so pleite war!“). Das geht so lange gut, bis der Hype, der Medienrummel nachlässt. Dann verschwinden wieder die guten Bekannten („Ich hab’s ja gleich g’sagt, dass das keine Kunst ist!“).

Warum?

Weil die Kunst nicht ihr Inneres anspricht – es geht vielmehr um die erzielte Wirkung (Medien, Geld), nicht um den künstlerischen Inhalt.