richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Kategorie-Archiv: schwarzkopf

Eine restaurierte Fassung: Der dritte Mann

Denk daran, was Mussolini gesagt hat: In den 30 Jahren unter den Borgias hat es nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut, aber dafür gab es Michaelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe. 500 Jahre Demokratie und Frieden. Was haben wir davon? Die Kuckucksuhr.

[Deutsche Synchronfassung]: You know what the fellow said: in Italy for thirty years under the Borgias they had warfare, terror, murder, bloodshed — and they produced Michelangelo, Leonardo da Vinci and the Renaissance. In Switzerland they had brotherly love, five hundred years of democracy and peace. And what did that produce? The cuckoo clock.
Harry Lime
Text von Orson Welles

Falls Sie den Filmklassiker noch nicht gesehen haben, voilà, es gibt nun eine restaurierte Fassung von RealtoPictures im 4K-Format. Wann diese Fassung, die im Moment auf US-Tour ist, auf eine Scheibe gepresst wird, steht in den Sternen. Freilich, Sie können bis dahin stilgerecht ins Wiener Burgkino gehen, um Orson Welles im Abwasserkanal plantschen zu sehen. Und danach müssen Sie sich natürlich meine im Taschenbuchformat gehaltene humoristische Hommage Schwarzkopf zu Gemüte führen. Sie werden viel zu lachen und das eine oder andere Aha-Erlebnis haben. Garantiert.

Übrigens, im Sommer 1948 dürfte das ausgebombte Wien wieder zur Normalität zurückgefunden haben. Beeindruckende Leistung, nicht wahr?

Greene returned to Vienna with Reed in July 1948 to begin scouting locations, and was disappointed to learn that much of the city’s rubble had been cleaned away and that life was gradually returning to normal.
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Eine absurde Krimikomödie geht in die dritte Runde: Schwarzkopf

++HOLLYWOOD KOMMT NACH WIEN++RETTE SICH, WER KANN++

Gerade die Bücher der 3. Kleinauflage von der Druckerei erhalten. Die absurde Wiener Krimicomedy Schwarzkopf im Drehbuchstil erfreut sich – vor allem in Deutschland – eines stetigen Zuspruchs. Was sicherlich damit zu tun hat, dass Carsten Tergast, Autor und Journalist, im Sommer eine kurze Besprechung im Literaturmagazin HörBÜCHER machte und dabei dem Buch die Auszeichnung GRANDIOS verpasste. Diese Gütesiegel, wenn man so will, habe ich natürlich – nicht ohne Stolz, versteht sich – auf die Frontseite aufgemalt, wie man hoffentlich gut am linken Bild erkennen kann. Wer also ein Weihnachtsgeschenk sucht, bitte sehr, da ist es. Sie müssen sich auch nicht mehr rechtfertigen, warum Sie gerade das Buch eines Eigenverlegers verschenken, wo man doch wissen muss, dass es diesen Büchern ja generell an Qualität mangelt, nicht? Nein, nein, Sie können jetzt getrost auf das GRANDIOSe Gütesiegel verweisen und sagen: »Aber schau, denen hat es gefallen!«

Rotkäppchen 2069 goes Roman. Vielleicht.

Gestern, auf der Galapremiere zu einem Film, den ich am liebsten aus dem Kopf haben möchte, die gute SP. getroffen und natürlich über unser Projekt Schwarzkopf befunden. Dann ist auch LB. dazugestoßen und SP. meinte, ob er es nicht einer ihm gut bekannten Germanischen Filmproduktion vorstellen möchte. Es gab als Antwort ein „Ja, kann ich machen.“ – immerhin. Im Übrigen, im Filmbiz sind Zusagen oder Versprechungen ohne Unterschrift, nun ja, so viel wert wie ein Kilo Computerschrott. Wobei in Zeiten der Ressourcen-Knappheit der Schrott wohl an Wert zulegen wird.

Jedenfalls, um eine lange Geschichte nicht noch länger zu machen, kam die Idee auf, aus dem Drehbuch einen Roman zu machen. Da ich ja noch Penly-Gestählt bin, zuckte ich nur brummend mit der Schulter und meinte, das sollte kein Problem sein. Aha. Wie dem auch sei, ich dachte mir, wenn ich Rotkäppchen 2069 – diese abgedrehte SF-Burleske für Nerds und Geeks – schon für eine weitere Auflage überarbeite, könnte ich doch gleich mal das „Romanisieren“ ausprobieren. Die damalige Lektorin meinte ja, bei Kaffee und Kuchen, das Buch könnte dadurch gewinnen. Ich nickte und lehnte natürlich ab. Ich wollte das Hauptaugenmerk auf die Dialoge geben. Jetzt, Jahre später, denke ich noch immer, dass die Dialoge der wesentliche Part des Buches sind, aber wenn die Leutchen da draußen die Nase rümpfen („Das ist ja kein Buch! Das ist  ’n Theaterstück?“) und die Hände zusammenschlagen, so kann ich das auch. Freilich. Vermutlich noch besser. Aber gut, wollen wir da nicht trotzig die beleidigte Leberwurst spielen. Versuchen wir das Ganze als Feldforschung zu sehen. Und wenn ich dann tatsächlich einen Roman daraus gemacht habe, werden die zwei Script-Auflagen nur um so wertvoller, nicht?

Sollte also diese formale Änderung vom Publikum – die eine undankbare Geliebte ist, sagte Graf Mirabeau – angenommen werden, könnte in späterer Folge Schwarzkopf folgen. Wobei ich bei der Wiener Krimicomedy wohl beide Versionen anbieten würde wollen. Puh. Als hätte man nicht schon genug zu tun. Aber so ist das. Als OneManShow muss man sich immer eine neue Show überlegen. Tröööt.

Wien im Wahnsinn – Die LVZ über die Krimikomödie SCHWARZKOPF

Dank Google+ und der Einzirkelung von Janina Fleischer, Kulturredakteurin der Leipziger Volkszeitung (LVZ), konnte ich nun endlich die kurze Besprechung zu Schwarzkopf erhalten, die bereits am 12. März 2010 veröffentlicht wurde. Im Übrigen, weil es mir gerade einfällt, hat die gute Janina damals aus freien Stücken ein Rezensions-Exemplar bei mir angefordert, ich musste sie diesbezüglich weder erpressen noch bestechen. Ja, das kommt schon mal vor. Aus Selbstbeweihräucherungsgründen möchte ich dem geneigten Leser die Zeilen nicht vorenthalten. Ein Blurb kommt natürlich auf die Rückseite der 3. Auflage. Coolio!

Schwarzkopf
Wien im Wahnsinn

Ganz Wien steht Kopf in Erwartung des berühmten Hollywood-Autors Harald Schwarzkopf. Begleitet wird der von Regie-Wunderkind Ernesto, einem Junkie, der die ganze Welt „coolio“ findet, was nur eingeschränkt auf Gegenseitigkeit beruht. Die Verwirrungen beginnen bereits bei der Ankunft auf dem Flughafen, von wo aus der Weg direkt in die Prominenten-Zelle einer Haftanstalt führt. Hier werden Schwarzkopf und Ernesto nun jede Nacht ihres Ver- und Zerstörung bringenden Wien-Aufenthalts verbringen – immer aus einem anderen Grund, allerdings nie wegen des mysteriösen Todes ihres Freundes Otto Sittich. Da stehen ganz andere unter Verdacht, die jedoch bald darauf im eignen Blute liegen. Ferner treten auf: die Frühstücks-TV-Moderatoren Bernhard & Bianca, Theater-Diva Laura Hinz-Sittich, Bundeskanzler, Innenminister, Staatssekretär, Polizeipräsident, drei Investoren, ein Psychiater, der deutsche Kulturminister nebst Gattin und eine Handvoll Polizisten. Sie alle müssen mit ansehen, wie Schwarzkopf und Ernesto trotz schlussendlich schärfster Bewachung und im übrigen ohne jede Absicht einen Star-Dirigenten in den Wahnsinn treiben, das Theater in Brand stecken, die Innenstadt fluten. Der Wiener Autor Richard K. Breuer schreibt das alles in einer Art Drehbuch, das gekonnt mit Klischees jongliert und in witzigen Dialogen Filmbranche und Staatsapparatur auf die Schippe nimmt. Mit Gespür für Situationskomik und sicherer dramaturgischer Hand sorgt er so für ein herzliches Lesevergnügen. Vom Schmäh typischer Dialekt-Wörter ganz zu schweigen. Erschienen ist die Krimi-Comedy im Selbstverlag, auch als ebook. [jaf / Janina Fleischer]

[Datum=12.03.2010;  Quelle=LVZ/Leipziger_Volkszeitung; Ressort=Buecher; Sektion=L/Leipziger_Volkszeitung-Stadtausgabe/Stadtausgabe; Seite=4;]

Napoleon, Brouillé und ein literarischer Brückenkopf in Friedrichsfelde

Mila Becker Buchhandlung

Eigentlich kann es ja nicht besser gehen. Freilich, würde mein rechtes Äuglein nicht entzunden sein und hätte ich mehr Münzen am Konto (wobei: wird man am Ende seines Lebens auf seine Kontostände zurückblicken?), ich würde mich äußerst zufrieden zurücklehnen. Kurz. Es gibt ja viel zu tun. Immer. Für heute werde ich ein Paket für Mila Becker und ihre Buchhandlung in Friedrichsfeld(e) schnüren. Dort soll auch schon Napoleon zugegen gewesen sein. Nicht in der Buchhandlung, aber in der Stadt, die am Rhein liegt. Und zu Napoleon passt es natürlich hervorragend, dass Mila sich in einen Marquis verliebt hat. Der Marquis ist meiner Feder entsprungen und entstammt der Tiret-Saga. Ja, Brouillé hat es ihr angetan. Dermaßen, dass sie nun meinen literarischen Brückenkopf in Deutschland bildet und dafür sorgt, dass die Leser der Stadt und der Umlande von der Qualität eines Breuers erfahren. Hach.

Derweil hätte es ja ganz anders kommen können. Weil Mila Becker eine Präsens-Hasserin ist. Sie kann es partout nicht leiden, wenn Romane und Geschichten in der Zeitform des Präsens abgehandelt werden. Aber – und jetzt kommt natürlich der springende Punkt! – weil sie mich in facebook kennen lernte, machte sie eine Ausnahme und las in das Buch um es dann lange nicht mehr wegzulegen. Wir sehen: Social Media hat seine Vorzüge. Ohne der virtuellen Verknüpfung würde ich weder im Literaturmagazin hörBÜCHER mit Schwarzkopf vertreten sein, noch in einer schmucken Buchhandlung in Friedrichsfeld aufliegen und von der Inhaberin wärmstens empfohlen werden.

Und wenn die belesene Inhaberin einer Buchhandlung, nebenbei noch interkulturelle Germanistin, meine Schreibe in den höchsten Tönen lobt, was will ich mehr erreichen wollen, in diesem einen Schriftsteller-Leben? Eben.

Und weil die wenigstens Leser die Muße und die Zeit haben, bis hierher zu lesen, nun die kritisch ärgerliche Anmerkung, dass die Barsortimenter mich dann doch enttäuschen. Natürlich, sie sind Unternehmen, die nach Gewinnmaximierung und Konstenminimierung streben. Da ist kein Platz für persönliche Überlegungen und Ausnahmeregelungen. Es verhält sich wohl wie der alte Greißler ums Eck (Tante Emma Laden) und einem riesigen Billig-Diskonter am Stadtrand. Während man dich beim Greißler mit Namen erkannte und man hin und wieder die Zeit für ein Schwätzchen hatte, bist du im Diskonter nur ein Konsument, ein Käufer. Punkt. Und wenn du es nicht bist, sind es tausend andere. Heute weiß ich, dass der Greißler, genauso wie das Kaffeehaus, eine wichtige soziale Komponente in der Gesellschaft inne hatte. Gewiss, das ist alles Schnee von Gestern. Und um wieder den Bogen zurück zu machen, nun, die Buchhändler mit ihren kleinen Läden sind die Greißler von heute. Oder sagen wir: sie sollten es sein. Mila Becker, wenn ich es richtig beobachte, ist noch eine Buchhändlerin, die den Kontakt zu ihren Kunden sucht, die wiederum den Kontakt zu einer versierten Buchleserin suchen. In Zeiten übervoller Bücherregale braucht es jemanden, der einen auf die Perlen aufmerksam macht. Voilà, in diesem Falle bin ich – respektive Brouillé, Tiret, Schwarzkopf (und sogar Erik, aber davon später einmal mehr) – die Perle in dem großen Schweinehaufen genannt Buchmarkt.