Archiv der Kategorie: social web

Steckerlfuchs und ein Schreibtisch

Die gute Uschi Fuchs, in den Weiten des virtuellen Webs auch als Foxy bekannt (klingt das nur für mich nach Sixties, Minirock und London?), warf mir ein  S t e c k e r l zu. Prinzipiell halte ich ja von diesen „Sag mir, was du gerade tust!“-Aktionen nicht viel. Aber weil ich sie erst kürzlich beim Webmontag kennen lernte und sie ein  ganz ein sympathischer Fuchs ist, dachte ich mir, man(n) will es sich nicht mit ihr verscherzen und tut, wie einem geheißen. Noch dazu, wo es um den Schreibtisch geht. Und der ist ja bei mir im Lebensmittelpunkt. Ich verbringe sicherlich mehr Zeit mit meinem Tisch als mit meinem Bett. Period! Und dass ich früher meine Blog-Einträge (damals waren es mehr virtuelle Essays) immer mit einem Foto meines Schreibtisches verhübschte, ist der Vollständigkeit halber erwähnt.


Ja, so sieht es bei mir aus. Mittig platziert ist das sogenannte Küchenbrett, die Layout-Vorlage für das Spielemagazin „frisch gespielt“, an dem ich die letzten Tage intensivst gearbeitet habe. Daneben, linker Hand, ein erfreuliches Stück Papier vom KNV: Die Bestellung einer Schippe Bücher. Meiner Bücher, selbstjafreilich. Brouillé leuchtet ein wenig hervor, sonst sind keine meiner Bücher zu sehen. Ein Jammer. Daran merkt man schon, ich bin kein guter Werbeheini. Beim nächsten Mal, da wird es besser. Versprochen.

Die bisherigen Stockerl-Werfer und Apportierer

Jetzt sollte ich natürlich das Steckerl weitergeben. Hm. Da tät mir gleich mal die gute Doris Christina einfallen. Mal schauen, was so eine Schnitzler-Liebhaberin auf ihrem Schreibtisch liegen hat. Jetzt weiß ich gar nicht, ob sie einen Blog hat, glaub fast nicht. Na, das soll ja nicht meine Sorge sein, nicht?

UPDATE: Weil die liebe Doris Christina noch keinen Blog hat und sich nach Miami aufmacht („Globetrotterin!“), wird das Steckerl anderwertig verwendet. Und weil wir doch ein bisserl ein internationales Flair in dieses Spiel bringen möchten, geb ich das Steckerl der Heike Koschyk, die im Norden Deutschlands, genauer in Hamburg, ihrer Schriftstellerei frönt. Einen Blog hat sie auch. Und einen Schreibtisch sowieso. Ich schätze, da kommt was Hübsches auf uns zu. Ich werd sie gleich mal anklingeln. Also virtuell, versteht sich.

einen Web-Montag in Ehren, kann …

Wenn wir wissen wollen, wie ich zu diesem Web-Montag-Treffen gekommen bin, müssen wir zurück blättern. Da war einmal ein Buchcamp, in Wien, das ich besuchte und wo ich mich gar alleine und vernachlässigt fühlte (wobei, heißt es nicht, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch zurück?) und deshalb meinen Unmut (Trotz?) in die weite virtuelle Welt schrieb. Tatsächlich zeigte dieser Artikel Wirkung. Zum einen entschuldigten sich jene, die mich „übersehen“ hatten, zum anderen meldeten sich „Newbies“ (@youfox, @webfeuerJonny), die sich in meinem Buchcamp-Alleinesein wiederfanden. Sie kommentierten munter meinen Eintrag, es entstand eine hübsche, Sinn stiftende Kommunikation, wie es an und für sich selten geworden ist, in diesem sich sekündlich veränderten Web-Universum. Jedenfalls meldete sich schlussendlich ein alter Hase in den Weiten des Internets @roblen zu Wort und machte den Vorschlag, dass wir uns beim nächsten Web-Montag einfinden und uns mal kennen lernen sollen. Nebenbei könnte man auch abklären, ob man für das nächste Barcamp im September ein „EinsteigerInnenservice“ anbieten will. Ich notierte mir den Web-Montag im Kalender. Und ließ Spanien : Honduras sausen. Manchmal muss man eben Opfer bringen.

In facebook lief mir übrigens Babsi Langwieser (O-Ton „Jössas, meinen Namen darfst ruhig verwenden. Ich bin nicht paranoid“) über den Weg, die sich in der Programmierung zu Hause fühlt, weshalb ich sie auch auf den Termin aufmerksam machte (anfänglich war die Location eine Hafenkneipe, die aber dann doch in ein seriöseres MQ-Café verlegt wurde; wer weiß, wie das Ganze sonst ausgegangen wäre). BL. erzählte mir später von http://www.metalab.at/, die immer wieder mal interessante Vorträge halten. Wir werden uns das mal gemeinsam ansehen. Der guten @DorisChristinaS, die ich im Twitter-Universum kennen lernte und mit der ich mich in facebook verbandelte, schrieb ich noch einen Kommentar in ihr „Tagebuch“ und machte sie auf das Treffen aufmerksam, worauf sie wiederum antwortete, keine Zeit zu haben, um dann später doch überraschend aufzutauchen.

Wie dem auch sei, man fand sich also im Café Milano ein. In der hinteren Ecke stand der lange Tisch. Man musste nicht lange suchen, um die Männer dominierende Web-Meute zu finden (als ich Platz nahm, war noch kein „Weibsvolk“ anwesend, wie es Monty Python so spaßig formulieren). Immer ist es ja dieses Ankommen, dieses Platzieren, das den Ausschlag gibt, ob ein Treffen einigermaßen rund läuft oder holprig. Das ist der große Nachteil von solchen „Tafeln“, die eine Kommunikation statisch machen. Natürlich kann man seinen Platz wechseln, aber das geht auch nur dann, wenn es dahingehend einen Konsens gibt, ansonsten ist es schlicht und ergreifend unhöflich. Shit. Jetzt fällt mir weder der reale Name, noch der Twitter-Nick meines Nebenmanns ein. Ist ja peinlich. Derweil habe ich sein Profil-Foto (ein Comic-Bild eines US-Künstlers auf grünem Hintergrund) noch gut im Kopf. Er trug übrigens das dazupassende T-Shirt. Sehr stylish. Muss ich sagen. So ein T-Shirt will ich auch. Aber zuerst muss ich ihn mal finden.

Nach und nach trudelten also weitere Web-Geeks ein. „Weibsvolk“ nahm beträchtlich zu. Wir lernen: Frauen lassen sich auch beim Web-Montag Zeit. Was dazu führte, dass die eine Ecke vor Weiblichkeit überquellte. Kein Wunder also, dass sich dort das Kommunikationszentrum bildete (man sagt es ja den Frauen nach, dass sie besser kommunizieren können, von ihren Erbanlagen her). Was vermutlich auch damit zusammenhängen könnte, dass sich @DorisChristinaS. und @kathaka persönlich kannten und schon mal einen drauf machten. Überhaupt, @kathaka, die das nächste Barcamp mitorganisieren wird, sprudelte vor Energie und mitreißender Laune. Als die Sprache in der weinseligen Stimmung (ich bittschön trank ein Soda Holler) auf 6camp kam („Ist die Domain noch frei?“), muss ich hier und  jetzt eine Lanze für sie brechen: sie hat damit nichts zu tun, hat sich sofort von dieser obszönen Idee distanziert und darf in keinen Fall dahingehend belangt werden, sollte es einmal ihrem Arbeitgeber zu Ohren kommen, was denn da so auf diesen Web-Montagen besprochen wird („Wie geht die Organisation des Barcamps voran, Frau @kathaka?“).

Eigentümlicherweise gab es auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls „Weibsvolk„. Da leistete ich mir gleich mal einen Fauxpas. @neelaa, die neben @electrobabe saß, sah zu mir herüber und machte unmissverständlich klar, dass sie mich kenne. Ich machte vermutlich ein „Häh?“-Gesicht, was attraktive – und vor allem selbstbewusste – Damen gar nicht leiden mögen. Ich habe lange in meiner Erinnerungskiste gegraben, aber ich konnte mir keinen Reim auf ihr Gesicht machen. Kam es mir schon mal unter? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Also ging ich zu ihr hin und versuchte, es nicht gänzlich peinlich aussehen zu lassen, dass ich keinen blassen Schimmer hatte. Im Gespräch (Tipp: selbstbewussten Damen, denen man auf die Füße steigt, teilen ordentliche Watschen aus, im Besonderen, wenn sie im Duett vor einem sitzen!) stellte sich heraus, dass ich @neela einen Antrag machte, pardon, in facebook „befreundete“. Sagen wir, ich schickte ihr einen Antrag, pardon, eine Anfrage. Weil sie mir bei „Freunden“ untergekommen ist und Kommentare geschrieben hat, dir mir gefallen haben. Dass sie sich Zeit ließ, mit meinem Antrag, fiel mir sogar noch Stunden vor diesem Web-Montag auf. Darin liegt jetzt das kleine Übel. Hätte sie mich längstens in ihren Kreis aufgenommen, ich hätte mir ihr Profil angesehen, hätte den einen oder anderen Eintrag gelesen, kommentiert und wir wären so ins Gespräch gekommen. Am Web-Montag hätte man sich freundlich begrüßt und das virtuelle Gespräch in realer Umgebung fortgesetzt. Tja. Aber dem war nicht so. Und deshalb musste ich eingestehen, sie nicht gleich erkannt zu haben, was zur Folge hatte, dass @electrobabe (vermutlich ist sie das ausführende Organ) meinen Facebook-Antrag auf dem iPhone von @neela abwies. Tja. Leider haben wir später nicht mehr geplaudert und ich weiß jetzt nicht so recht, wie ich das deuten soll? Hm. Im Übrigen, das ist mir erst jetzt aufgefallen, hat @neela eine interessante Seite, die ich vorher nicht kannte und die (O-Ton)“nicht für jedermann ist. Wenn du jünger als 18 bist, wird deine Mutter keine Freude mit mir haben.“ Da kann ich nur sagen: OHA!

Schlussendlich reduzierte sich der Webmontag auf einen „harten“ Kern, der sich eigentümlicherweise aus einer Vielzahl an Newbies zusammensetzte. Aber vielleicht mag gerade das der Grund sein, warum es bis auf Mitternacht zuging und man sich köstlichst unterhielt. @roblen ist ein sympathischer Leiter, wobei, zu leiten gab es ja nicht viel. Auf meine Frage, was ich denn über den Web-Montag bloggen dürfe antwortete er, ich „könne alles schreiben“. Worauf es die dezente Anmerkung von der Seite gab, ich solle nur Twitter-Nicks, keine realen Namen verwenden. Wobei, wer auch nur ein bisschen in den Weiten des Webs zu Hause ist, wird wohl mit dem Twitter-Nick irgendwann und irgendwie auf den echten Namen schließen können. Sei’s drum, ich entspreche natürlich der Bitte.

Ja, es war eine illustre Runde, die sich da bis zur Sperrstunde („Wann sperrt ihr zu?“ – „JETZT!“) köstlich miteinander unterhielt: @youfox (schmiss ihren Job vor zwei Tagen, machte mit ihrem Hintergrundbild auf ihrem iPhone unmissverständlich klar, dass sie in festen Händen ist, was mich wiederum zu der Frage führt, ob diese Bilder in Zukunft den Verlobungsring ersetzen), @brain_stormings (Rockabilly-Frisur und Hornbrille!), @DorisChristinaS. (Schnitzler-Fan, die für ein halbes Jahr in Indien studierte und blitzgescheit ist), @kathaka (weil Griechenland gegen Frankreich im Fußball gewann, während der EM 2004, ging sie zum Austauschstudium nach Thessaloniki (schreibt man das so?), nicht nach Siena; man möchte es nicht glauben, aber sie hält auch bei dieser WM zu der Betonmischmaschinen-Truppe, wobei, gegen Nigeria haben sie ja brav gespielt), @thomaskhom (alter Hase), @roblen (möchte ein „Flipcamp“ auf die Beine stellen, also ein Barcamp ohne Powerpoint-Präsentationen, nur mit Flip-Charts), @webfeuerJonny (der aus der Musikbranche kommt und dessen Freundin ein cooles Logo für seine Firma entworfen hat). Jetzt fehlt mir nur noch X. Sie hat etwas mit e-government oder so zu tun. @neuundkuehn (der gute Jonny hat mir ihren Nick geflüstert; ich habe @neuundkuehn fälschlicherweise für eine Germanin gehalten, derweil ist sie am Mexikoplatz aufgewachsen und dort ging es früher ordentlich rau zu). Mit ihr habe ich mich noch auf dem Weg zur U-Bahn nett unterhalten („Kann man vom Schreiben leben?“). Na, sie wird mir sicherlich wieder über den Weg laufen. Real oder virtuell, das ist ja heutzutage beinahe das gleiche.

Wer jetzt Details wissen möchte, über die Gespräche, nun, der muss sich nur die Einträge zum Hashtag #wmwien angucken. Ist besser, als jede stupide Auflistung und Zusammenfassung. Außerdem sieht der geneigte Voyeur auch gleich die Gesichter zu den Einträgen und kann diesen folgen. Ob der nächste Web-Montag so ein kommunikativer Erfolg wird? Man darf es sich wünschen.

Ach, da fällt mir ein, @DorisChristinaS. und @kathaka dürften eine Beziehung eingegangen sein. Freilich, nur virtuell, und vermutlich auch nur für kurze Zeit. Aber trotzdem eine hübsche Geschichte.

@youfox hat ebenfalls über den gestrigen Abend gebloggt. Hier geht’s lang: http://www.foxyline.net/?p=131

Ich hier, wer da? #meshed2

Bevor ich mich also mit Lektorin EJ. zusammen setze und wir über MADELEINE befinden, und ich später mit Freunden die Fußball-WM virtuell vorspiele („FIFA rulez, PES sux!“), noch schnell den gestrigen ereignislosen Abend Revue passieren lassen. Wofür hat man ein Blog? Eben.

Während des gestrigen Tages also mit Interesse die Twitteranten auf der #meshed2 verfolgt. Und weil dieses luxuriöse Barcamp (tatsächlich war es natürlich eine Soziale Medien Konferenz) die (kostenlosen) Pforte zur abendlichen Podiumsdiskussion öffnete, entschied ich mich, die Akademie der Wissenschaften in der Wollzeile einen Besuch abzustatten. Zuvor aber ins W3, Thalia-Buchhandlung, wo Claudia Toman in roter Pluderhose (passend zu ihrem virtuellen Alter Ego) aus ihrem neuen Roman Jagdzeit las und ich die gute Victoria Schlederer treffen durfte. Ei, was für eine herrliche Neckerei, ihr Buch Des Teufels Maskerade aus dem Bücherregal zu nehmen („Das einzige Buch im Fantasy-Genre, das ein weißes Cover hat“), es durchzublättern, während die Autorin betreten daneben steht und rötliche Gesichtsfarbe aufzieht („Ich bin schüchtern!“). Na, ich schätze, nach ihrem dritten Buch wird sie sich daran gewöhnen. Nebenbei fragt mich Vic, wie es denn mit Madeleine aussehe und wann der Ballon steige, da sie M. mit ins Boot holen möchte. Sehr schön.

Gegen 19h30, im leichten Nieselregen (apropos: Blade Runner, you know?), zur Aula der Akademie der Wissenschaften. Da ich ja die Konferenz durch die Twitter-Kommentare „live“ miterleben durfte, wurde mir alsbald eines schlagartig bewusst: ein Dutzend Twitteranten können nicht die Meinung, nicht die Stimmung von mehreren hunderten Besuchern wiedergeben. Ich unterschätzte die Konferenz und war erstaunt, ob der Größe. Dass ich die erste und wichtigste Regel außer Acht ließ („Immer mit Laptop oder Web-Phone, um ins Netz zu können“), rächte sich natürlich bitterlich. Jedenfalls lernte ich BM., einen Nicht-Twitterer kennen, der bei Albatros (Medien) tätig ist. Was sagt man dazu. Weil es ja auch zwei (!) Publikumsverlage mit gleichen Namen gibt (beim Wiener Ableger hat Peter Bosch sein Buch Der Spurenzeichner verlegt). Verwechslungen sind demnach nicht gänzlich ausgeschlossen. BM. leihte mir kurzerhand sein iPhone, so dass ich einen Twitter-Hilferuf absenden konnte. Der Titel dieses Postings ist jener welcher. Damit schaffte ich es tatsächlich auf die Twitterwall, während der Podiumsdiskussion. Überhaupt, diese Twitterwall, die sich im Rücken der Diskutanten befindet und lobende („der herr von der #voestalpine ist sehr nett und g’scheit“), ätzende ( „Feuerwehrkommandant bei PR-Schulung … cool … auch als Speaker für meshed#3?“) oder gänzlich off-topic-Twittermeldungen („#meshed2 goes germknödel! Juhu!“) abspult. Wer sich mal eine Kostprobe solch eines Twitter-Wirrwarrs gönnen möchte, der muss nur auf http://www.twitter.com und das Hashtag #meshed2 eintippen. Voilà, schon zeigt es penibelst alle Twittermeldungen dieses Abends auf. Hat durchaus Witz.

Irgendwie fühlte ich mich wieder in die Schulzeit zurückversetzt. Vorne saßen die Streber. Dann der große Block der Normalos (zu der man wohl gehörte) und in der letzten Reihe dann die coolen Hunde, die schwätzten und großen Spaß hatten. Ja, irgendwie wollte man damals zu ihnen gehören. Wollte auch cool sein. Bis man einsehen musste, dass sie einen nur benutzten, um ihren Spaß zu haben. Also suchte man bei den Normalos Anschluss. Man bemerkte bald, dass auch die Streber nette, umgängliche Leutchen waren – vielleicht ein bisserl steif und ernst, aber sonst okay. So bildeten sich Grüppchen hier, Grüppchen dort. So ist das auch heute noch, im sozialen Netz. Und ich, für meinen Teil, mache mir jetzt meine eigene Gruppe. Jawohl. Wo sind die Streber? Bitte aufzeigen.

UPDATE: Peter Jeschke hat sich die Mühe gemacht, ein „Best of“ der attraktivsten Twittermeldungen zusammen zu stellen. ENJOY!