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Game of Thrones – „Es fühlt sich nicht richtig an“ #kritik

Mehr als 8 Jahre und ganze 73 Folgen haben die Fans der Serie Games of Thrones zuwarten müssen, um herauszufinden, wie alles enden wird. Ich habe dafür freilich nur eine Hand voll Wochen gebraucht. Ich gebe zu, hätte es nicht diesen sogenannten Backlash der Fans gegeben, bezüglich der letzten Staffel, ich hätte mir die Serie wohl nicht angesehen. Aber all diese Wut, all diese Enttäuschung der Leute haben mich stutzig gemacht. Ich wollte wissen, woran die Story bzw. deren Umsetzung scheiterte. Als Schriftsteller vieler Bücher ist es mir ein Anliegen, die Spreu vom Weizen zu trennen, sozusagen schlecht Geschriebenes von gut Geschriebenem zu unterscheiden. Am Ende, die letzte Folge schwingt noch im Kopf nach, ist es, wie John Schnee einmal sagte: „Es fühlt sich nicht richtig an!“

Vorweg möchte ich festhalten, dass solch eine opulente TV-Show auf die Beine zu stellen und filmisch umzusetzen eine beachtliche Leistung darstellt. Respekt. Die vielen Geschichten und Episoden waren freilich von unterschiedlicher Qualität und oftmals hatte ich den Eindruck, dass es den Produzenten und Autoren vor allem darum ging, mit Freizügigkeit nicht zu geizen und mit Brutalität zu schockieren – für die Handlung waren sie selten von Belang. Sex sells, ich weiß. Darüber habe ich lang und breit hier geseufzt: Kritik zur Staffel #1 und #2.

Kommen wir zur eingangs gestellten Frage: Warum fühlt sich die Auflösung der Geschichte nicht richtig an? Nun, der Fehler wurde m. E. nicht in der letzten Staffel begangen, sondern ist einerseits in den Büchern – die ich freilich nicht kenne, weshalb ich Mutmaßungen anstellen muss – andererseits in der Drehbuch-Überarbeitung zu finden. Die Serie beginnt nämlich mit der Gefahr im Norden, mit den Untoten. Gewiss wollten die Produzenten mit einem Big Bang ihr bombastisches TV-Serien-Vorhaben einläuten. Was eignete sich da besser als ein mysteriöses Rätsel rund um Zombies, das immer wieder für brutale Szenen sorgt und so zum Gesprächsstoff der Zuseher werden würde?

Aber damit wurde der Fokus der epischen TV-Serie auf diese große Gefahr aus dem Norden gelegt – auch wenn viele Folgen diesen Erzählstrang nur am Rande streiften, er nahm mit jeder Staffel einen wichtigeren Stellenwert ein. Die blutige Rangelei um den Königsthron rückte immer mehr in den Hintergrund. Bis es zum vermeintlichen Höhepunkt kam: Die Schlacht zwischen den Lebenden und den Toten.

Das war in der 3. Folge, sozusagen knapp vor Halbzeit der letzten Staffel. Der Tod aus dem hohen Norden setzt zum vernichtenden Schlag gegen die Lebenden an: Winter is coming! Ein Krieg, der von den Lebenden nicht gewonnen hätte werden können. Hier ist wohl der zweite Fehler von der Autorenschaft gemacht worden. In dem die Untotenarmee praktisch als unbezwingbar dargestellt wurde, brauchte es eine Achillesferse, die aber leider recht altbacken ausfiel: Man töte den obersten Anführer, den Nachtkönig, und damit zerfällt seine Armee, ist die Schlacht und der Krieg endgültig gewonnen. Aber wie kommt man überhaupt in die Nähe dieses allmächtigen Nachtkönigs, der umgeben ist von Untoten und mächtigen Dienern, ja, der sogar in der Lage ist, die Toten auferstehen und für sich kämpfen zu lassen, der einen Drachen mit einem Speer vom Himmel holte und über Magie zu verfügen scheint, die niemand auch nur im Ansatz verstehen kann. Nun, die Autoren wählten für den „Bogenschuss“, der die Erlösung bringen sollte, ein Mädchen, das in der Fremde ihre Unschuld verlor und in der Nacht zur Frau wurde. Wie aus heiterem Himmel fliegt sie herbei und rettet die Menschheit mittels eines Messerstichs in die Brust des Nachtkönigs. Das war es? Das war es! Die Schlacht ist vorbei, der Krieg gewonnen. Die Lebenden haben obsiegt.

Damit hätte die große Saga zu Ende gehen können. Die „Schlacht um Winterfell“, der Kampf zwischen Leben und Tod, zeigte die Protagonisten gemeinsam in einer ausweglosen Situation. Sie alle hatten den sicheren Tod vor Augen. Das ist die Essenz des heroischen Kampfes, der sich nicht nur am Feld, sondern vor allem im Herzen abspielt. Nichts hätte diese Untoten aufhalten können. Ein Feind, so übermächtig, dass es absurd schien, überhaupt auf einen Sieg hoffen zu dürfen. Doch die Autoren degradierten diesen Überlebenskampf zu einer winterlichen Balgerei im Schnee und wechselten so schnell es ging die Kulisse.

Der zweite Erzählstrang, die Rangelei um den Königsthron, musste in den letzten drei Folgen ebenfalls zu einem Ende gebracht und die verschiedenen Plotknäuel aufgelöst werden. Vermutlich hätte fast jede Lösung die Fans unzufrieden gemacht – so oder so mussten sie alle Abschied nehmen, von einer TV-Serie, die vielen Fans über die Jahre mehr und mehr ans Herz gewachsen ist, oftmals zitternd, ob ihr Lieblingsprotagonist noch die nächste Staffel erleben wird.

Aber seltsam, das Ende der epischen Reise wirkte recht lustlos inszeniert – als würden die Autoren und Produzenten nur noch daran interessiert sein, den Schlusspunkt so rasch wie möglich zu setzen. Das Ganze ist nicht zu vergleichen mit den ersten Staffeln – als sich die Geschichte langsam entfaltete und man als Zuseher das Gefühl hatte, dabei zu sein, bei all den wichtigen und entscheidenden Momenten. Als in der allerletzten Folge die Lords und die Ladys im Kreis saßen, um ihren König zu wählen, wirkte es auf mich wie der Mitschnitt der Abschiedsfeier am Filmset. Die Charaktere hätten hitzig diskutieren müssen, womöglich wären verletzende Worte gesprochen worden, die den Keim des nächsten Krieges in sich getragen hätten. Aber nichts dergleichen. Alles Eitel Wonne. Hätten die Charaktere diese gleichgültige Einstellung bereits in den ersten Folgen der Serie gehabt, es hätte kein Blut vergossen werden müssen. Gemeinsam einigen sich die verbliebenen Protagonisten die Wahlmonarchie einzuführen – mit einem simplen Nicken wird eine politische Neuordnung abgesegnet und es erweckt den Anschein, als würde damit der Frieden endlich für lange Zeit gewahrt werden können. Aber eine Wahlmonarchie macht weder Kriege noch Ränke obsolet – und ob immer der kompetenteste Monarch gewählt wird, wage ich zu bezweifeln. Ein Blick in unsere Vergangenheit sollte diesbezüglich genügen. Ja, die Autoren enttäuschen auf ganzer Linie, weil sie nur noch bemüht sind, mit einem Happy End abzuschließen: „Seht, jetzt ist Frieden im Lande und alle leben sie glücklich und zufrieden und wenn sie nicht gestorben sind, dann …“

Brüderlein fein, Schwesterlein fein, musst mir ja nicht böse sein …

Die stärksten Momente hatte die Serie, wenn sich die Autoren von shakespearschen Königsdramen inspirieren ließen und jegliche Hemmungen verloren. Die „rote Hochzeit“ war ein dramaturgisch beeindruckendes Schauspiel, das eine enorme Wucht entfaltete. Im Gegensatz dazu gestaltete sich die Rache als banales Hollywoodkino. So pendelt die TV-Serie oftmals zwischen gewaltiger Ernsthaftigkeit und peinlichem Klischeefest. Die Episoden in Dorne sind sicherlich der Tiefpunkt der Serie und man fragt sich, was die Verantwortlichen getrunken oder geraucht haben müssen, um nicht zu erkennen, wie lächerlich die Szenen auf einen nüchternen Betrachter wirken müssen.

Ganz anders wiederum die Schlacht der Bastarde (#6/9). Auch wenn die Einkreisung inszeniert wirkte und die Kavallerie – wie in den alten Westernfilmen – doch noch im letzten Augenblick am Horizont auftauchte und die ersehnte Rettung brachte, so wurde das Gemetzel sehenswert umgesetzt. Nichts für zarte Gemüter, versteht sich.

Hin und wieder gab es Deus Ex Machina Momente, die nicht hätten sein müssen – aber weil sich die Autoren in eine Sackgasse schrieben, konnten sie keine plausible und realistische Lösung mehr finden – und für die Story wesentliche Charaktere sterben zu lassen war freilich keine Option. So verkommt das einigermaßen realistisch anmutende Königsdrama zu einer Fantasy-Seifenoper mit meterdickem plot armor .

So! Jetzt werde ich mir endlich die zynischen Kritiken anhören können, die sich über die letzten Staffeln ergossen haben. Ja, die Fans können ganz schön wütend werden, wenn man sie mit billigen und blödsinnigen Plot-Lösungen abzuspeisen versucht – siehe Star Wars Episode 8.

Zu guter Letzt fällt mir noch ein Zitat von Novalis ein, das die Geschichte von Game of Thrones auf den Punkt zu bringen versteht:

Noch hat jeder, der Vorgab, das Paradies auf Erden zu errichten, die Hölle geschaffen.

Breaking Bad – Die Chemie des TV-Lebens

WB. tippte auf die DVD-Boxen von Breaking Bad und meinte, dass ich die Serie sehen müsse. Ich war skeptisch. Zugegeben. TV-Serien, Made in USA, können schon sehr am intelligenten Nervenkostüm des Zuschauers rütteln. Freilich, es gibt immer wieder Lichtblicke. In diesem Falle dürfte WB. einen richtigen Riecher gehabt haben. Die letzte Woche begonnen, die Serie zu gucken. Die ersten zwei Staffeln habe ich durch und das ist Grund genug, kurz inne zu halten und über das Gesehene zu reflektieren – behandelt die Serie doch eine Reihe von Themen, die von der Öffentlichkeit nur leise besprochen werden. Bereit?

Weiterlesen?

Wie Fernsehen dein Leben ruiniert hat oder Wir brauchen alle einen Charlie Brooker. Jetzt! Sofort!

TV anno 1958 / Wiki

Wieder einmal eines dieser Zufälle, ohne die man im Web nicht weit kommt. Wirklich. Folgt man immer nur den üblichen Verdächtigen, dreht man sich alsbald im Kreis. Aber es gibt Möglichkeiten. Möglichkeiten, die das TV nicht bietet. Nun ja, das stimmt auch nicht ganz. Die Möglichkeit, das TV abzudrehen gibt es immer. Aber wie schwer es ist, weiß jeder, der es schon mal probiert hat. Durch die Trillionen TV-Kanäle zu zappen ist wie am Amazonas nach Gold zu suchen. Irgendwie hofft man, ein Stückchen vom Reichtum abzubekommen.

Jedenfalls, wollen wir nicht abschweifen, kann ich hier eine dringende Empfehlung aussprechen: Die TV-Show(s) von Charlie Brooker für die BBC: How TV ruined your life sowie Charlie Brooker`s Screenwipe. Auch wenn man sich schwer tut, mit dem Englischen (das britische Englisch ist vermutlich eine eigene Fremdsprache, im Gegensatz zum US-Englisch), man sollte Charlie Brooker eine Chance geben. Und wenn es nur diese köstlichen Momente sind, wo er eine TV-Show für minderbemittelte Teens formvollendet in der Luft zerreißt und sich dabei gehörig in Szene setzt. Das ist herrlich. Wirklich. Ich schätze, dieser scharfzüngige Humor, gewürzt mit ironischem Zynismus, ist den Briten in die Wiege gelegt worden. Da könnte man beinahe neidisch werden.

Wer jetzt die obligate Frage stellt, wo man diese Shows sehen kann, nun, das weltweite Netz bietet natürlich (noch) die Gelegenheit dazu. Entweder suche man nach den Clips oder schaut sich meine youtube-Favoriten-Liste an. Dort findet man vielleicht noch das eine oder andere Juwel.

Das ist jetzt alles, was man wissen muss. Ich stelle mir natürlich die Frage, wie es sein kann, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer mehr zu einem teuren Privatsender mutiert und sich mehr Sorgen um die Quote macht, als um die gesellschaftliche Verblödung, die um sich greift. Dank Gratisblätter und Privat-TV und Werbe-Müll ist gewährleistet, dass es auch in naher Zukunft keine Gesundung geben wird. Die Medien-Unternehmen mit den intelligentesten Mitarbeitern dieses Planeten prügeln sich förmlich darum, die dümmsten gesellschaftlichen Beiträge abzuliefern. Und das beste ist, dass sich diese abgehobene Spezies auch noch selber feiert. Natürlich. Quote, Umsatz und Profit? Yeah. Das ist geil, Mann. Um in so einem zynischen Gewerbe zu bestehen, nicht seinen Verstand zu verlieren, braucht es Alkohol, Drogen und Sex. Gut, gut, vielleicht tue ich den Leuten unrecht und sie sind brave konservative Familienmenschen, die nur das Wohl der Gemeinschaft im Sinn haben und gezwungen sind, dem Publikum das vorzusetzen, was dieses von ihnen verlangt. Hey, wir machen nicht das Programm, heißt es dann lapidar. Ich frage mich gerade, ob sie ihren Kindern erlauben, mit scharfen Messern zu spielen. Oder von ihrem Pupu zu essen. Ist der Vergleich an den Haaren herbeigezogen? Und wenn schon. Shit bleibt shit. Nächster!

Curb your 30 Rock

Doris Priesching hat im DER STANDARD vom 18./19.10.2008 dem ORF Vorschläge unterbreitet, wie dieser das Loch zwischen 19h30 und 20h15 schließen könne: gute US-TV-Serien. Ich hätte da auch eine Hitliste.

* 30 Rock: ist definitiv mein Favorit! Gelungene Satire über den Alltag einer fiktionalen TV-Show; Alec Baldwin – anfänglich ein Fremdkörper für mich – kommt immer besser in Fahrt; großartig die Leistung von Tina Fey, die nicht nur die Hauptrolle spielt („Liz Lemon“ – schon alleine der Name ist köstlich), sondern die Show kreiert hat. Beeindruckend die Selbstironie, die hier an den Tag gelegt wird. Immerhin wird hier NBC und ihre Mutter General Electric öfters durch den Kakao gezogen. Und die Republikaner bekommen ihr Fett gehörtig weg. Ja, die Serie macht wahrlich Spaß (und wird auch mit Gastauftritten bekannter Leutchen geadelt). 30 Rock rocks!

* Curb your enthusiasm: Larry David, der Co-Creator der Jerry Seinfeld Show ist ein alter Hase im Showbiz und hat daraus eine Sitcom gemacht, die seinesgleichen sucht. Larry David ist eine Mischung aus  Woody Allen & Mel Brooks. Er hat auch keine Hemmungen, böse Wörter in den Mund zu nehmen und politisch völlig inkorrekt zu sein (aber immer sehr sympathisch). Manche Episoden sind definitiv grenzgenial!

Doris Priesching listet neben 30 Rock noch Mad Men, The Wire (nichts fürs Vorabendprogramm!), In Treatment, The Sarah Connor Chronicles, Twenty Good Years und How I Met Your Mother auf.

Gerade auf die Filmkritik-Site von Roger Ebert gestoßen; werde ich mir sicherlich öfters Tipps holen. http://rogerebert.suntimes.com/

Das neue Projekt des Christoph Grissemann …

ist freilich noch ein großes, dickes Fragezeichen. Aber – immerhin, immerhin – hat er verlauten lassen, dass er bei jener satirischen TV-Komödie, die ich mit SP. aus der Taufe gehoben habe, die Hauptrolle übernehmen möchte. Nun hat SP. das Konzept, das Exposé zum Pilot, sowie das Script zu einer Folge dem ORF vorgelegt. Jetzt heißt es also abwarten, was daraus wird. Die Mühlen des Fernsehens mahlen bekanntlich langsam. Aber ich musste jetzt diesen „Teaser“, diese Vorankündigung an dieser Stelle platzieren, so dass sich so manch einer nervös den Kopf kratzt und sich sagt, dass es dieser Breuer vielleicht doch noch zu etwas bringt – und demzufolge sich abwartend in meinen Windschatten festsetzt.

Die Überarbeitung zu MADELEINE (TIRET²) und BROUILLÉ (TIRET³) gehen einigermaßen gut voran. Die historisch überlieferten (Brief-)Passagen soweit ausgesucht (Gouverneur Morris; Réveillon; Robespierre; der Brief eines Bauern an seinen Indentanten; die Ankündigung zur Erfassung der Beschwerdehefte von König Ludwig XVI.) und eingearbeitet. Dem Wissenshungrigen wird also auch wieder etwas geboten.