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WM 2018: Tag #1 – Der russische Bär der brüllte

Russland : Saudi Arabien 5:0 [FIFA TV]

Gedanken zum Spiel

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Wien, Wien, nur du allein …

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Der dritte Mann trifft auf Kottan. Mehr Wien in einer Krimicomedy geht nicht. Wirklich! Info sowie Leseprobe gibt’s auf der Webseite. Einfach das Bild anklicken.

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Nope. Die Dame kenne ich nicht. Aber das Buch ist klasse.

 

Die österreichische Bundespräsidentenwahl 2016: Kafka vs. Rosegger

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Das war sie also, die (zweite) Stichwahl zwischen Alexander van der Bellen und Norbert Hofer. Ich schätze, die einen Wähler haben das Kreuzerl an der richtigen, die anderen an der falschen Stelle gemacht. Gewonnen haben die einen. Verloren die anderen. Nichts Neues unter der demokratischen Sonne, wenn man so will.

Möchte man die politischen Anschauungen der beiden Kandidaten in extremis überhöhen, dann steht der eine für USE (United States of Europe) und der andere für Öxit (Austritt Österreichs aus der EU). Möchte man die beiden Politiker in eine literarische Gussform pressen, würde ich meinen, der eine erinnert an Kafka, der andere an Rosegger. Gerade kommt mir der Gedanke, dass George Orwell von Kafka inspiriert sein muss. Beide zeichneten in ihren Büchern eine bürokratisch-pyramidale Hierarchie, die so mächtig ist, dass sie der Einzelne gar nicht mehr fassen, gar nicht mehr begreifen kann und ihr ohnmächtig ausgeliefert ist. Wenn Sie sich fragen, worauf ich hinaus will, dann versuchen Sie doch mal EU-Verordnungen durchzusehen oder die verschiedenen EU-Einrichtungen in Brüssel aufzuzählen. Wir haben es mit einem Moloch zu tun. Einem gefräßigen Monster, das keine Ruhe gibt, so lange es nicht mit Einfluss und Macht gefüttert wird. Am Ende ist Brüssel ein kafkaeskes Schloss der Bürokratie, irgendwo im Hinterland.

Im Gegensatz dazu steht Roseggers Waldheimat. Bergbauernidylle? Man kann sich wohl keine Vorstellung machen, wie „idyllisch“ das Leben der kleinen Bauern damals war. Kein Zuckerschlecken. Wahrlich nicht. Doch die Leut, die einfachen Leut, sie waren zäh, gottesfürchtig, ja, sie lebten im Einklang mit der Natur und traten in die Fußstapfen ihrer Vorväter. Die Moderne erreichte sie nur langsam und auf seltsam verschlungenen Pfaden. Werfen Sie einen Blick in das Volkskundemuseum in Wien, um zu erspüren, welch Geisteshaltung über die letzten Jahrhunderte beinahe vollständig ausradiert wurde und wie das Weltgift die letzten Hirnwinkel der Bevölkerung zersetzte. Die einen finden das freilich gut. Die anderen haben keine rechte Vorstellung. Sehen zumeist nur das Dunkle, das Schreckliche oder das Banale, Lächerliche. Vergessen Sie nicht, dass unser Leben nicht gut, nicht bös ist. Es ist einfach wie es ist. Punktum.

EM 2016: Spieltag 1

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Spieltag 1 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

FRANKREICH : RUMÄNIEN 2:1

Das war sie also, die Eröffnung der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Man fragt sich ja klammheimlich, was wohl ein Georges Clemenceau (1841-1929) über die denkwürdige Zeremonie gesagt hätte. Einst schrieb der französische Politiker, dass Amerika, »die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne Umweg über die Kultur« mache. Anno 2016 können wir festhalten, dass Frankreich die Kultur links liegen lässt und geradeaus in die dekadente Barbarei, vielleicht auch barbarischen Dekadenz läuft. Ich schätze, das Enfant terrible der schreibenden Zunft Louis-Ferdinand Céline (1894-1961) hätte die passenden Worte für die Entwicklung Frankreichs (und damit der westlichen Kulturnationen) gefunden. Dank der benutzerfreundlichen Hetzparagraphen, die in all den aufgeklärten Staaten wie giftige Pilze aus dem Boden schießen, würde er heutzutage natürlich längst mit unzähligen Strafverfahren zum Schweigen gebracht worden sein. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen, dass es die französische demokratische Republik ist, nicht das Ancien Régime eines Ludwig XV. oder die präsidiale Diktatur eines Charles de Gaulle, die einen Voltaire in die Bastille werfen und dort verfaulen lassen würde. Gewiss, Voltaire kochte sein freimaurerischen Süppchen, das nicht er, sondern andere in späterer Folge auslöffeln mussten. Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass in der Historie nichts ist, wie Sie es gelernt, gelesen oder gehört haben.

Kehren wir nun zum runden Leder zurück. Frankreich eröffnete also die Ballzauberei mit dem Spiel gegen Rumänien. Bereits nach wenigen Minuten war es auch für jeden Hobbytrainer augenscheinlich, dass es nur eine Mannschaft war, die mit Routine und Sicherheit am Rasen agierte: die Rumänen konnten die Qualifikation ohne Niederlage und nur mit zwei Gegentreffern abschließen. Während also die rumänische Elf unbeeindruckt ihr spielerisch-taktisches Konzept mustergültig umsetzte, haderte die französische mit sich und der Ausgangssituation und fand deshalb nie wirklich zu ihrem Spiel. Man stelle sich nur mal vor, was in den Köpfen gedacht, in den Bäuchen gefühlt worden wäre, hätte nach vier Minuten Bogdan Stancu den Ball aus wenigen Metern an Torhüter Lloris vorbeigeschoben. Es ist natürlich müßig darüber zu spekulieren – Lloris wehrte ab (besser: er stand goldrichtig) und die französischen Fans – nahe einem Herzinfarkt – konnten erleichtert ausatmen.

Und so wogte das Spiel hin und her. Chancen hüben wie drüben. Vielleicht zollten die Rumänen dem Hausherrn zu viel Respekt, hätten noch mehr Druck, noch konsequenter die Offensive suchen müssen. Andererseits, die Qualität der französischen Spieler, die fanatische Kulisse im Hintergrund und ein Schiedsrichter, der nichts falsch machen wollte, ließen dann doch die rumänischen Nerven flattern. Ein Unentschieden wäre alles in allem gerecht gewesen, ja, ich hätte es den Rumänen vergönnt, weil sie beherzt mitspielten und sich nicht ängstlich versteckten. Aber das Schicksal hatte andere Pläne und  wenige Minuten vor Schluss zog Dimitri Payet an der Strafraumgrenze ab und haute den Ball unhaltbar ins Kreuzeck. Für einen Fußballgourmet hätte ich mir natürlich den Führungstreffer fünfzehn oder zwanzig Minuten vor dem Ende gewünscht – weil die Rumänen dann mehr Zeit gehabt hätten, mit Mann und Maus zu stürmen und das Unentschieden zu erzwingen. Schlagabtausch in Reinkultur, das ist es, was ich sehen will. Gibt es leider viel zu selten. Sicherheit – im Leben wie am Rasen – steht hoch im Kurs.

Im nächsten Spiel bekommen es die Franzosen mit Albanien zu tun. In den beiden freundschaftlichen Qualifikationsspielen hat Albanien mit einem Sieg und einem Unentschieden gegen die Grande Nation aufgezeigt, dass sie keine Geschenke verteilt. Ein unangenehmer Gegner, natürlich.

Die Männer von Trainer Didier Deschamps, um eine abgedroschene Phrase zu verwenden, werden sich wohl steigern müssen. Was mir an Frankreich fehlt, ist die Geschlossenheit, die Kompaktheit. Ich sehe nicht eine Mannschaft, ich sehe zehn Akteure auf dem Rasen.

Für die Rumänen geht es im nächsten Spiel gegen die Schweiz. Auf dem Papier klingt diese Begegnung nach dem lauen Sommerkick zweier abgebrühter Routiniers – man erinnere sich an die Eidgenossen bei der WM 2014, deren Ziel es war, das Spiel des Gegners zu zerstören. Unansehnlich, aber effektiv. Auch im Fußball heiligt der Zweck längst die Mittel. Vorbei die Zeit, als jeder Fußballfreund auf die italienische Betonmischmaschine verächtlich herabblickte. Und doch, irgendwie, ich weiß nicht recht, spüre ich instinktiv, dass wir ein großes Spiel zu erwarten haben. Vermutlich ist der Wunsch der Alimente zahlende Papa dieses Gedankens. Aber träumen wird man ja noch dürfen, non?

Für den Fall, dass Sie wissen möchten, was denn die Franzosen im Stadion so inbrünstig schmettern, bitte sehr, hier die 3. Strophe der Marseillaise:

Was! Ausländisches Gesindel
würde über unsere Heime gebieten!
Was! Diese Söldnerscharen würden
Unsere stolzen Krieger niedermachen! (zweimal)
Großer Gott! Mit Ketten an den Händen
würden sich unsere Häupter dem Joch beugen.
Niederträchtige Despoten würden
Über unser Schicksal bestimmen!

Zu den Waffen, Bürger!
Schließt die Reihen,
Vorwärts, marschieren wir!
Das unreine Blut
tränke unserer Äcker Furchen!

Die journalistische Naivität auf orf.at: Strache in Israel

ORFat

Gestern im Vorübergehen über zwei* Artikel gestolpert, die auf dem Nachrichten-Portal orf.at ziemlich unbedenklich abgehandelt wurden. Sehen Sie, wenn es darum geht, die Leser- bzw. Zuhörerschaft an der Nase herumzuführen, ist sich die Mainstream-Presse nicht zu schade, das Offensichtliche unter den Teppich zu kehren und Widersprüche unwidersprochen stehen zu lassen. Frei nach dem Motto: Dem Leser wird es schon nicht auffallen – und falls doch, kann er sich trotzdem keinen Reim auf all das machen und wird nur mit der Schulter zucken. Gottlob gibt es aber dann doch noch eine auserlesene Schar an Skeptiker, die skeptisch sind und es hoffentlich auch bleiben.

Strache und hochrangige FPÖ-Politiker in Israel

Der kurze Artikel im orf.at deckt sich mit jenem im Der Standard. Wer hat da wohl von wem abgeschrieben, fragt man sich, um nur wenig später zu bemerken, dass beide Redaktionen einfach nur die Meldung der österreichischen Presseagentur (APA) übernommen haben. Das ist freilich ihr gutes Recht, bezahlen sie doch eine hübsche Stange Geld dafür. Aber ein wenig enttäuscht bin ich dann doch, dass es der ORF nicht der Mühe wert findet, auf die Quelle des Artikels hinzuweisen.

Also, wenn Sie hören, dass sich die FPÖ mit Heinz Strache »wie andere Rechtsparteien in Europa um Annäherung [an Israel] bemühen«, werden Sie da nicht stutzig? Handelt es sich hier nicht um einen Widerspruch? Wenn wir uns die klischeehafte Definition einer Rechtspartei vor Augen führen, dann sehen wir eine Zusammenrottung von Neo-Nazis, Skinheads und Alt-Nazis. Apropos. Im Jahr 2009 organisierte die FPÖ einen Wandertag auf den Ulrichsberg, wo »gefallenen Soldaten der Wehrmacht und auch der Waffen-SS gedacht wurde«. Und wenn ältere und jüngere Herren einen gewissen Adolf Hitler verehren, heißt es, sie seien in der rechten Szene verwurzelt. Deshalb geht man davon aus, dass eine Partei am rechten Rand dem jüdischen Mitmenschen – und damit dem jüdischen Staat Israel – nicht wohl gesonnen ist und mit Sicherheit keinen jüdischen Wiener Stadtrat stellt. Wie ist es nun zu verstehen, wenn es im Artikel heißt, dass die »FPÖ immer wieder ihre Unterstützung für das Vorgehen der israelischen Regierung in den Palästinensergebieten« bekundet? Jene »rechte Regierungspartei Likud von Premier Benjamin Netanyahu«! Mit anderen Worten, die israelische Regierung entstammt einer rechtspopulistischen Partei. Hm. Finden Sie das nicht ein wenig merkwürdig? Hat am Ende Bibi Netanyahu neben Zeichenpapier und Tusche auch eine Hitler-Büste im Keller stehen?

Oder gibt es demnach zwei Seiten des rechten Parteispektrums? Sozusagen ein israelisches Rechts im Gegensatz zu einem nationalsozialistischen Rechts? Ist demnach die FPÖ, die sich ja bekanntermaßen gegen die Zuwanderung bzw. für die Ausweisung von muslimischen Gästen ausspricht und damit das österreichische Spiegelbild der Likud-Partei darstellt, vielleicht gar nicht so nationalsozialistisch rechts, wie es in den Medien dargestellt wird? Mit anderen Worten, verteufeln Sie Strache und seine FPÖ, so verteufeln Sie auch Netanyahu und seine Likud und damit waten Sie in gefährlichen antisemitischen Gewässern. Und Sie möchten doch nicht als Antisemit abgestempelt werden, oder?

Sie sehen, so eine kleine unbedeutende Meldung kann einen skeptischen Bürger ganz schön verwirren. Tragischerweise gibt es scheinbar keinen Redakteur, der imstande wäre, dieses rechte Knäuel für den Leser aufzulösen. Noch verwirrender wird es, wenn man auf jenen Artikel stößt, der wiederum von der linken Partei der Grünen handelt, die – teils teils – Sanktionen gegen Israel fordern und den »Massenmord an Palästinensern« scharf verurteilen.

Vielleicht ist ja am Ende das ganze rechts-links-Parteien-Spektrum nur eine Chimäre, ein absichtlich in unsere Köpfe verpflanztes Hirngespinst. Die in den 1930er Jahren in Deutschland an die Macht kommende Partei war eine sozialistische Arbeiterpartei mit nationaler Ausprägung – im Gegensatz zur kommunistischen Arbeiterpartei, die eine internationale Ausprägung hatte. Mit anderen Worten, rechts von links unterschied sich nur in einem: nationaler vs. internationaler Allmachtsphantasie.

Und um Sie vollends zu verwirren, könnte man auf den Ursprung dieser politischen Einteilung in rechts und links verweisen. Während der Französischen Revolution wurden jene Konventmitglieder, die sich für König und Gott (d.h. katholische Kirche) einsetzten dem rechten Lager und jene Konventmitglieder, die sich gegen König und Gott stellten, dem linken Lager zugeordnet. Die Mitglieder, die eine starke katholische Kirche befürworteten, saßen nämlich, wenn man so will, zur rechten Hand Gottes und waren mehrheitlich Aristokraten. Ja, nichts ist, wie es scheint. Am Ende bewahrheitet sich freilich die alte biblische Weisheit – immer und immer wieder:

Nehmet euch in Acht vor den Lügenpropheten, die da kommen zu euch in Schafskleidern, inwendig aber sind sie räuberische Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Sammelt man etwa Trauben von Dornbüschen oder Feigen von Disteln? So bringt immer der gute Baum gute Früchte, der faule Baum aber bringt böse Früchte. Ein guter Baum kann nicht böse Früchte bringen, noch kann ein fauler Baum gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. So sollt ihr sie denn an ihren Früchten erkennen.

Matthaeus 7

*) Der zweite Artikel wird in einem eigenen Beitrag abgehandelt.