Archiv der Kategorie: WM2010

WM 2010: Tag #2

Südkorea : Griechenland 2:0

Jetzt muss ich einmal ein Geständnis anbringen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Eben! Also, es ist so, dass mir  Underdogs, also krasse Außenseiter, sehr ans Herz wachsen, wenn sie sich aufbäumen und sich nicht wie ein Lamm zur Schlachtbank treiben lassen. Ja, ich mag es, wenn der kleine David gegen den großen Goliath aufbegehrt und ihn am Ende niederzwingt. Das geschieht freilich selten, aber wenn, dann ist es ein kleines Wunder, das man gesehen haben muss. Und wer erinnert sich nicht an Südkorea, als sie während ihrer WM 2002 den Haushohen Favoriten Italien aus dem Bewerb kickten? Meine Güte, da gingen die Emotionen hoch. Da kochte Trappatoni (italienischer Star-Trainer; „flasche leer“) und warf verärgert einen Stuhl gegen eine Absperrung, weil der italienische Star-Stürmer Vieri kläglich vor dem Tor der Südkoreaner versagte. Seit diesem Spiel kann man nur ein Fan der Südkoreaner sein (es sei denn, du bist Italiener), die den Klasseunterschied mit Laufarbeit und Einsatz wettmachten. Einfach nur herrlich. Heute knüpften sie an die glorreiche WM 2002 an und spielten Griechenland an die Wand. Gut, die Griechen wollten nicht Fußballspielen. Generell könnte man es als Arbeitsverweigerung auffassen und sie allesamt feuern. Aber ich fürchte, da käme nichts Besseres nach. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise hat Griechenland auch noch die Fußballkrise eingeholt. Während also diese inferioren Griechen einen gut bezahlten Urlaub in Südafrika machen, geben die Südkoreaner ordentlich Gas und überzeugen mit dem Versuch, schnell und direkt zu spielen. Ob es gegen Nigeria reicht, wird man sehen. Spannend dürfte es werden.

Argentinien : Nigeria 1 : 0

Die Messi-Festspiele sind ausgeblieben. Trotzdem recht ansehnliches Stückwerk, was Argentinien mit ihrem  ausgebufften Personal so zu Wege brachte. Natürlich hätte der Sieg gegen Nigeria höher ausfallen können, vielleicht sogar müssen  – gute Chancen waren reichlich vorhanden – andererseits, wenn es blöd gekommen wäre, hätte der Favorit noch straucheln können. Nigeria? Bemühte sich. Hin und wieder blitzten die technischen Spielereien auf. Gegen Südkorea wird sich weisen, wie gut die Spieler wirklich sind. Argentinien wird wohl recht locker den Gruppensieg einfahren. Und es bleibt abzuwarten, ob sie Mitleid haben werden, mit den Griechen.

England : USA 1:1

Der ARD Experte Netzer brachte es (wieder einmal) auf den Punkt: England sei Ideenlos und werde deshalb von der Favoritenliste gestrichen. Stimmt. Nur selten gelangen ihnen sinnreiche Kombinationen. Das schnörkellose Spiel der US-Boys war kein Eyecatcher, aber zuweilen effektiv. Den Ausgleich der USA „schoss“ übrigens ein Engländer, nämlich Torhüter Green, der einen haltbaren Ball („den hätte sogar ich gehalten!“) ins Tor ablenkte. Ein „Eier- respektive Steirergoal“ würde man da wohl sagen.  Aber das ist natürlich das Risiko eines Torhüters, der in der Öffentlichkeit und im WM-Kader steht. Von Jubel und Applaus bis zu Spott und Häme ist es nur ein kurzer Weg. Das wird auch Mister Green am eigenen Leib erfahren müssen. That’s the way it is.

WM 2010: Tag #1

Südafrika : Mexiko 1:1

Irgendwie, ich geb’s zu, bin ich nicht sonderlich in WM-Stimmung. War das früher nicht anders? Intensiver? Heftiger? Packender? Vielleicht. Jedenfalls konnte das Auftaktspiel überzeugen. Kein stumpfes, emotionsloses  Herumgekicke, wie es Stunden später die Franzosen und die Urus machten. Südafrika – was lastet nur für ein Druck auf dieser Mannschaft? – begann verhalten, zaghaft, ängstlich und nervös. Die Mexikaner dagegen – Aztekische Überheblichkeit in Köpfen und Beinen – spielten die erste Halbzeit souverän herunter, wenngleich es an letztem Einsatz mangelte. Für die Südafrikaner sah es düster aus, ja, man musste vermuten, dass sie unter die mexikanischen Räder kommen. Aber irgendwie schafften es die Gastgeber, ungeschoren in die Pause zu gehen und wie verwandelt herauszukommen. Da war plötzlich ein giftiger Biss zu spüren, ein Wollen, ein Zwicken, ein Drängen. Nur dann ist Fußball wirklich ein Leckerbissen. Wenn die Emotionen hochgehen, wenn jeder mitgerissen wird. Da ist das Endergebnis (fast) egal. Und hätte in der letzten Minute nicht die Stange den Sieg verhindert, ganz Südafrika würde wohl noch heute jubeln.

Frankreich : Uruquay 0:0

Meine Güte. Was für eine blamable Vorstellung der Franzosen. Wieder einmal. Diese großen Kicker der Grande Nation spielen Fußball, als würden sie nicht wissen, wie’s geht: einfallslos bis zum Erbrechen, statisch bis zum Wehtun. Man spürt förmlich diese sonderbare schwere Last auf ihren Schultern, die sie allesamt träge und vorsichtig macht, die ihnen jeden Zauber nimmt. Oui, die Franzosen sind schon seit langem eine bittere Enttäuschung. Wo sind die Zeiten hin, als die Spieler noch Klasse und Charakter hatten? Zidane? Barthez? Deschampes? Thuram? Da waren die Franzosen wirklich groß. Und heute? Nur noch ein müder Schatten, geführt von einem Oberlehrer, der ihnen jede Traumtänzerei nimmt. Und Uruguay? Ach ja, die spielten, besser: mauerten, ja auch. Mannschaften, die nicht in Schönheit zu sterben wissen, sondern nur auf Resultate spielen, gehörten öffentlich ausgepeitscht. Was waren das für Momente, als ein junger Ernst Happel seinen eigenen Tormann mit einem Schuss prüfte, weil einerseits das Spiel längst entschieden und andererseits ihm recht fad war. Gut, gut, heute geht es um sooo viel mehr – im Fußball, wie im Entertainment-Zirkus. Viel Geld. Viel Prestige. Viel Zukunft.  Und wer möchte sich schon seiner Zukunft berauben? Eben.