a blogging good way

Ein eigenes Blog zu haben, das ist so ähnlich, als würdest du alleine auf den Straßen unterwegs sein können. Keine Freunde, die du bedienen musst, deren Einträge du weder zu lesen, noch zu kommentieren hast. Virtuelle Dorf-Bekanntschaften können eine Bereicherung sein, keine Frage, aber sie sind, was sie nun mal sind: unwirklich.

Eine Blog-Community ist mit einer Dorfstruktur vergleichbar. Da gibt es die Außenseiter (die absichtlich ignoriert werden), die Dorftrotteln, die respektablen Bürger (immer ordentlich, immer nett), die dubiosen Nachbarn (sind die ganze Zeit zu Hause und keiner weiß, was sie tun, wovon sie leben), die Traumfrau von nebenan (sie flirtet und lädt dich ein – mehr ist aber nicht), die spießigen Bürger (immer zu ordentlich, immer zu nett), die angehenden Schriftsteller und Lyriker, die sich wundern, noch nicht entdeckt worden zu sein (sagen jene über andere), die Alleinstehenden, die ihre Einsamkeit mit Einladungen („schau bei mir vorbei“) verbergen wollen, die frustrierten Bürger („warum besucht mich keiner?“), die egozentrischen Bürger (sie verstehen nicht, warum sie nicht besucht werden), die Spaßvögel, die nachdenklichen Bürger („warum besucht mich keiner?“) , die depressiven Bürger („warum besucht mich keiner?“) und so weiter und so fort.

Apropos. Jeder Blogger versammelt die o.a. Eigenschaften in sich! Der eine mehr, der andere weniger. Jetzt stellt sich für mich nur noch eine Frage. Warum besucht mich keiner?

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In der Menge verliert sich das Genie

sagte schon Balzac (in Pierre Grassou).

Es gibt eine unüberschaubare Anzahl an Blogs und Geschreibsel im Netz. Jeder möchte seine Schreibe bekannt machen, möchte sich aus der durchschnittlichen Masse hervorheben. Dazu bedarfs es Klicks (früher: Leser). Deshalb ist es unter Profi-Bloggern üblich, Themen aufzuwerfen, die bewusst Kontroversen auslösen, aber selber bleiben sie im Hintergrund. Wer Stellung bezieht, verliert Klicks!

die Geschichte von Balzac über die mittelmäßige Kunst ist unbedingt zu lesen: Link zur Gutenberg-Site

Kommentar zum Eintrag von Liz

Post-dadaistische Urinalität

Man stelle sich vor, du kennst einen Künstler, der Klopapierrollen in den Urin bekannter Persönlichkeiten taucht („Die ist von Robbie Williams!“). Ein Kurator erfährt zufällig davon (der Bekannte eines Freundes eines Bekannten hat ihn darauf angesprochen), findet es anders („Sehr gut! Das ist provokante post-dadaistische Urinalität!“) und bringt es als Gastauftritt im Museum der Modernen Kunst unter.

Ein Medienrummel setzt ein (weil das Museum natürlich davon profitiert und es in Gang bringt – „Das gab’s bis jetzt noch nie!“) und ab dem Zeitpunkt klatschen jene guten Bekannten, die den Künstler vorher belächelt haben, anerkennend in die Hände („Hast du ihn im TV gesehen, in der Zeitung den Bericht gelesen? Das MoMA in New York soll sich bereits für ihn interessieren!“). Mehr noch, sie schmücken sich mit seinem Namen und ihrer Freundschaft („Bevor er noch bekannt war, hab ich ihm den Kaffee gezahlt, weil er so pleite war!“). Das geht so lange gut, bis der Hype, der Medienrummel nachlässt. Dann verschwinden wieder die guten Bekannten („Ich hab’s ja gleich g’sagt, dass das keine Kunst ist!“).

Warum?

Weil die Kunst nicht ihr Inneres anspricht – es geht vielmehr um die erzielte Wirkung (Medien, Geld), nicht um den künstlerischen Inhalt.

Was für ein Theater!

Da hat der Autor dieser Zeilen also ein Theaterstückl geschrieben (Idee und Inspirationsquelle und Inszenierung Uli), förmlich aus dem dichtenden Ärmel geschüttelt. Die erste Version mit den SchauspielerInnen gelesen – und sogar gelacht ) Dann hat Uli den Text zusammengekürzt und inszeniert und gleich mal eine Rolle einstudieren müssen (weil eine Schauspielerin ausgefallen ist). Am Samstag, 28. April 07 dann die Premiere im TWW in Guntersdorf bei Hollabrunn.

Was ist die Liebe, Katarine?
eine musikalische Entdeckungsreise“

Ich habe keine Ahnung, was mich dort erwarten würde. Das Theater, mit gerade mal 5 Sitzreihen, ist schmal, aber heimelig. Glücklicherweise nicht so intim, wie es die Kleinkunstbühnen sind (wo du aufpassen musst, dem Schauspieler nicht ins Gesicht zu husten). Die Bühne ist geräumig und das Bühnenbild gefällt mir.

Dann geht es los (zuvor musste ich noch ein Achterl trinken). Nach den ersten Zeilen darf ich bemerken, dass an den Dialogen so gut wie nichts verändert wurde. Erfreulich. Dumm, dass ich nun ein wenig ins Publikum höre. Wann wird wo gelacht? Wo geschmunzelt? Überlege, ob es am Geschriebenen, Inszenierten oder Publikum liegt, wenn eine Pointe nicht wahrgenommen wird. Dafür wieder verblüffend feststellen müssen, dass man mit sehr wenig sehr viele Lacher erzielen kann. Hier ist der Uli zu gratulieren – weil sie es (mit ihrer Bühnenerfahrung) verstanden hat, das das Gesagte alleine nicht ausreicht. Es muss mit Gesten und einer Mimik begleitet werden, während die Kostüme, die Aufmachung es auf den Punkt bringen müssen. Während der Dichter seine Charaktere viele Tage und Nächte durchdenkt, muss der Zuschauer in kürzester Zeit eine Ahnung bekommen, wer sich hinter dem „Peterchen“ oder dem „Katrinchen“ verbirgt.

Die Songeinlagen („eine musikalische Entdeckungsreise“) können mich überzeugen (da war ich anfänglich skeptisch), das Kontrabass, das durch Zufall zu den restlichen Musikinstrumenten (Klavier, Gitarre) stieß, ist eine wundervolle Bereicherung. Im Besonderen (und wie zu erwarten war) singt sich Janne in die Erotik. Das gefällt natürlich.

Vor der letzten Szene gibt es eine Pause, was mich anfänglich verwirrt (warum erst jetzt?), bis ich bemerke, dass die Bühne ja umgebaut werden muss. Auch hier – die Fragestellung (ein Raum füllt sich mit Protagonisten – wo haben sie zu stehen, was zu tun?) ist keine einfache – kann ich nichts bemängeln.

Die Kürzungen und kleinen Veränderungen fallen nicht sonderlich ins Gewicht – ich kann es gut verkraften (was aber nicht heißt, dass ich sie vergessen habe – jetzt weiß ich wenigstens, wie sich ein Dramatiker fühlen muss, wenn der Dramaturg oder Regisseur den Stift nimmt und zu streichen beginnt ;)

Zu guter Letzt darf geklatscht und gejubelt werden!
Ich werde auf die Bühne gerufen [aha, so schaut es also von da oben aus] und verneige mich, als hätte ich einen Besen geschluckt, weiß nicht, wo ich meine Hände hingeben soll. Ich glaube, ich sollte Schauspielunterricht nehmen („Monsieur, Sie bewegen sich ja wie ein Stück Holz. Mehr Grazie, mehr Leichtigkeit, wenn ich bitten darf. Also, von vorne!“).

Jetzt bin ich natürlich gespannt wie ein Pfitschipfeil, auf die nächsten Vorstellungen und wie sie ausfallen werden. [sagt man nicht, dass eine Premiere generell die schlechteste Vorstellung ist, weil es seine Zeit braucht, bis es sich eingespielt hat?]. Freilich geh ich noch mal hin! Das hab ich mir verdient, oder?

TWW ProgrammzeitungSchön war’s!
*klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch klatsch * (c) Foto: Scan der Programmzeitschrift des TWWs No 1 2007

Eine Lesung und andere Graumsamkeiten

[1668cc.blog.de] Ich bin ein Feigling! Ja, ich bin davongelaufen, ohne mich zu verabschieden. Dazu haben meine Nerven nicht gereicht. Ein Seiteneingang (für mich der ersehnte Ausgang) bracht mich ins Freie und in die Freiheit. Aber das schlechte Gewissen lastet auf meinen Schultern. Die einzige Möglichkeit, es loszuwerden besteht darin, darüber zu schreiben. Jetzt. Sofort!

Eine „Krimi“-Buchlesung um 17h00 in einem modernen Einkaufszentrum? Ein Bekannter (das heißt, dass ich ihn auf einer Lesung angesprochen, wir ganz kurz geplaudert und die Visitenkarten ausgetauscht haben) ist Schriftsteller und Schauspieler, der mich „eingeladen“ hat, per Rundschreiben, zu seiner Lesung. Ich dachte mir, ja, warum nicht. Das Ganze wurde sogar von einer großen Buchhandelskette initiiert. Das sollte für Qualität bürgen. Dachte ich mir. Als letzter Anreiz stellte sich heraus, dass auch eine nette, nicht unattraktive Schriftstellerin aus ihrem Buch lesen würde. Auf ihrer WebSite musste ich feststellen, dass mich sowohl Stimme als auch der Text ihrer Kurzgeschichte positiv überraschten. Eine E-Mail von mir wurde ihrerseits höflich locker beantwortet. Nun denn!

Mir wird gesagt, dass es zwei Cafés gibt, an denen gelesen wird. Freilich muss es natürlich so sein, dass im einen der Bekannte liest, im anderen jene Schriftstellerin, die ich kennen lernen möchte. Hilft nix, da ich ihm ja schon zugesagt hatte, suche ich jenes welches Café auf. Ich erschrecke, mein Körper zuckt förmlich zusammen. Es sind ein paar Leutchen anwesend, wobei nicht zu unterscheiden ist, ob sie auf die Lesung warten oder nur zufällig hier gelandet sind. Ich begrüße den Bekannten, versuche ein kurzes Gesprächsthema zu finden. Das klingt in etwas so:

„Du liest aus welchem Buch?“
„Es nennt sich XY … es ist mein drittes Buch.“
„Dein drittes? Wow! Respekt.“
„Ach wo. Die ersten zwei waren eher kleinere Sachen … das ist jetzt ein richtiges Buch!“
„Aha!? [Pause] Schauspielerst du noch?“
„Jaa. Wenn es sich ergibt. Werde im Sommer in XY auftreten.“
[XY sagt mir nix, kenn ich nicht]
„Ich werd mir dann mal ein Platzerl suchen.“

In der ersten Reihe, glücklicherweise seitlich, setze ich mich hin und frage mich gerade, ob ich davonlaufen soll. Neben mir ein kleiner Mann, keine 30, der an einem Bier nippt und vermutlich hofft, mit den Schriftstellerinnnen in Kontakt zu kommen (ja, Kontakte dürfte er nicht viele haben). Ich hoffe meinerseits, dass er mich nicht anspricht und hole Terminplaner samt Stift aus meinem Rucksack. Ich beginne meine „Termine zu planen“ – das sieht für Außenstehende so aus, als würde ich etwas Wichtiges zu tun haben, derweil überblicke ich aus den Augenwinkeln, das gesamte, sich anbahnende peinliche Desaster.

Die Dame der Buchhandelskette eröffnet wenig später die Lesung. Als erste liest eine bekannte Autorin, die bereits mit ihrer ersten Krimi-Anthologie für „österreichische Verhältnisse einen Erfolg gelandet habe“ – das Buch erreichte drei Auflagen. In ihrem neuesten Werk versammelte sie nicht nur österreichische, sondern auch deutsche und schweizerische AutorInnen. Sie beginnt also aus ihrer Geschichte zu lesen. Darin geht es um eine Frau im besten Alter (sie hat einen 28jährigen Sohn), die Gefallen daran gefunden hat, im Chat (!) Sexpartner (!!) zu finden, die sie dann (vor oder nach oder während) zur Seite schafft. Aha! Ein wenig haftet dem Ganzen ein eigentümliches Gefühl an, wenn die Autorin von „ich zwängte mich ins schwarze Cocktailkleid“ und „ich nahm die Strapse, obwohl sie mich unangenehm am Oberschenkel zwicken“ erzählt. Diese Szenerie hätte nun meine Fantasie (ja, die funktioniert einwandfrei) durchaus erotisch zeichnen können, aber unmöglich ist mir, die Autorin wegzuretuschieren und zu ersetzen. Liegt das nur an mir? Vermutlich!

Als zweiter liest ein junger Autor, der so begeistert ist, dass er lesen darf, dass mir vor Rührung die Tränen kommen. Er liest und liest und liest. Kommentiert das Gelesene („ist doch allen schon so ergangen, in der Schulzeit, oder?“) und stellt dem spärlichen besetzten Auditorium die Frage, ob es Latein in der Schule gehabt hätte („Na? Was heißt das?“). Würde ich nicht so dringend aufs Klo müssen, es wäre durchaus unterhaltsam gewesen.

Als Letzter der Runde liest der Bekannte und ich hoffe, dass es bald vorbei ist, weil ich noch immer dringendst austreten muss und mich die Blase schon leidlich zwickt. Schließlich und endlich kommt auch er zu einem Schluss („das verrate ich nicht, das können Sie dann im Buch nachlesen.“). Ich berappe das Tonic, packe meine Sachen und verschwinde eiligst aufs Klo, wo ich erste Fluchtgedanken hege. Die AutorInnen sitzen nun am hinteren Ende, beim Ausgang zusammen, daneben ein Stapel ihrer Bücher – jungfräulich und wartend, dass es jemand kauft und signieren lässt. Würde ich nur ein Buch nehmen, würden die anderen tief enttäuscht sein (verständlich), würde ich keines nehmen, würden sie mich hassen („so ein Geizkragen“). Alle drei nehmen? Obwohl ich keines der Bücher unbedingt haben muss? Und es mir signieren lassen, mit einem Lächeln auf den Lippen: „Oh, ja, das hörte sich … gar nicht uninteressant an“.

Ich bin dann durch den Seiteneingang hinaus, habe mich nicht umgeblickt („dreh dich nicht um, oder du erstarrst auf der Stelle zu einer Salzsäule“) und bin mit schnellem Schritt davongejagt, hoffend, dass mich dieser Peinlichkeits-Felsbrocken nicht von hinten einholt und mich überrollt.

Nur ein Gedanke beschäftigte mich Minuten später.
Wie lern ich jetzt die eine Autorin kennen?
Und ich meine nicht jene welche, die sich – literarisch – in ein Cocktailkleid quetscht!

Schriftsteller & Verleger