Napoleon & Schwarzkopf

Was hat Napoleon mit Schwarzkopf zu tun? Auf den ersten (und vermutlich auch auf den zweiten) Blick natürlich nicht viel. Eigentlich geht es nur darum, ein Taschenbuch in der zweiten Auflage zu drucken. Keine große Sache, wenn man nicht eine daraus machen würde. Da kommt Napoleon ins Spiel und aufs gedankliches Schlachtengetümmel.

Der Feldherr der Grande Nation wusste jenen Moment zu erahnen, an dem eine Schlacht an der Kippe stand. Ohne noch länger zuzuwarten, warf er seine Reserven und Elitetruppen gegen jene feindliche Stellung, die mit einmal verwundbar schien. Durch diese Genieblitze erreichte er zuweilen das Unmögliche. Freilich, es kostete hundertausenden Männer das Leben, das sollten wir weder vergessen noch verschweigen. So genial also der französische Feldherr, so lähmend die österreichischen Generäle. Sie zauderten und zögerten. Konnten sich nicht entscheiden. Warteten. Und hofften. Ehe sie begriffen, was geschah, war die Schlacht auch schon vorbei. Ich glaube, es steckt in der österreichischen Seele. Dieses Zögern. Dieses Abwarten. Diese Hoffnung, dass sich morgen das Schlachtenglück zum Positiven wenden könnte. Nur nichts übereilen. Nur nichts riskieren. Wen wundert es also, dass die Österreicher so bedächtig agieren, zumeist reagieren. Damals wie heute. Ja, ja.

Ich habe nun den Buchumschlag von Photoshop ins InDesign übertragen. Das klingt lächerlich, kostet aber viele Stunden. Aber was bleibt über, wenn man professionell erzeugte PDFs an die Druckerei schicken will, vielleicht sogar muss. Früher reichte ein PDF, das ich aus Photoshop generierte. Heute geht das nicht mehr. Viele Einstellungen müssen getroffen, der schwarze Hintergrund korrekt angelegt  werden (K=100%). Natürlich in CMYK. An und für sich ist das kein Ding. Aber alsbald werde ich zu nichts mehr kommen, werde das Spielemagazin layoutieren. In 6 Tagen muss es zum Druck. Es werden wohl einige schlaflose Nächte folgen. Ich sag’s gleich mal hier und jetzt. Später werde ich wohl keine Gelegenheit haben.

Sodala. Genug geplaudert. Back to work. Hurtig!

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Eine Kamerafahrt für Tiret und Ijon Tichy

„Sprachlich – stilistisch hat mich der Text angesprochen, inhaltlich weniger. Texte, in denen gleich auf den ersten Seiten Frauen sadistisch hingemordet werden, gefallen mir nicht. Das ist mein persönlicher Geschmack und meine persönliche Einstellung, aber in dem Punkt hört bei mir jeder Spaß auf.“
MH. zum Prélude aus „Die Liebesnacht des Dichters Tiret“ *)

Heute Nachmittag Florian N. Gintenreiter auf einen Kaffee getroffen. Er ist freiberuflicher Kameramann und Cutter/Editor, beschäftigt sich eingehend mit Color-Correction und natürlich auch mit Licht. Profunde  inernationale Erfahrungen im Bereich der filmischen Umsetzung. Wir sprechen über eine mögliches Kurzfilmprojekt. Der blutige Prélude aus Die Liebesnacht des Dichters Tiret soll filmisch umgesetzt werden (wer diese noch nicht kennt, er ist in der Leseprobe enthalten, die man sich gratis herunterladen kann;) . Dabei will ich natürlich professionell zu Werke gehen, ohne mich finanziell auszubluten. Florian ist auf meiner Wellenlänge. Wir verstehen uns. Kreative Projekte, die künstlerisch anspruchsvoll sind, brauchen vor allem Leute mit einem großen Herz. Der pralle Geldbeutel ist da nicht sonderlich von Bedeutung (wenngleich man sagen muss, dass es nichts umsonst gibt).

Der nur wenige Minuten dauernde Kurzfilm sollte alle Register (vulgo Stückeln) spielen. Schließlich und endlich wollte ich ja vor vielen, vielen Jahren Regisseur werden. Wäre beinahe nach New York gegangen, um an der Film Academy einen Sommerkurs zu machen. Auf deren Bewerbungsunterlagen standen die drei wichtigsten Kriterien, die verantwortlich sind, um einen guten Film machen zu können. Wie heißen sie? Auflösung folgt.

Ich entschied mich gegen New York und blieb in Wien. Arbeitete brav und bieder. Häufte ein wenig Geld an. Jenes Geld, das mir später einmal meine kreativ künstlerische Phase (böse Zungen würden jetzt sagen: Auszeit) erlaubte. Und, wer weiß, vielleicht auch dieses Filmprojekt finanziert. Die Rahmenbedingungen können nicht besser sein: es braucht nur eine Örtlichkeit, zwei Schauspieler und kaum Requisiten. Für das Ende habe ich schon eine subtile Idee im Kopf. Die Eröffnung muss noch gefunden werden. Überhaupt lebt ein Kurzfilm vom Beginn und vom Ende. Sag ich mal.

Die Location (schwarzer Raum?) muss noch gefunden werden; Florian denkt darüber nach, ich genauso (habe ich nicht unlängst eine StageManagerin kennengelernt?). Die beiden Schauspieler gilt es zu casten. Ich werde mal aus dem Keller die Besetzungscouch holen. Gut, das war jetzt ein Witz. Bezahlen werde ich den beiden nicht viel können. Und das ist kein Witz, bitteschön. Eine Dolly-Kamerafahrt um die beiden Protagonisten muss natürlich sein. Ei, das tät mir gefallen. Und das Spiel mit Licht und Schatten. Unbedingt.  Orson Welles zog da einst alle Register. Aber bevor ich mich da in Illusionen versteige, werde ich mit mit Florian zusammensetzen und am Storyboard arbeiten und jede Einstellung andenken, überdenken und festhalten. Muss ja alles Hand und Fuß haben. Ja, ja. Spannend!

Als ich gerade meinen Espresso im Starbucks bestellte, steht neben mir die hübsche dunkelhaarige Barista, diesmal in Straßenkleidung und bestellt ihrerseits Kaffee. Sie dreht ihren Kopf zu mir.

„Du hast bei der Kriminacht gelesen!“

Ich bin kurz sprachlos. Sie ergänzt, dass sie mich auf einem Foto erkannt habe, als sie diese  zur Kriminacht durchgesehen habe („Du warst schon vor 6 Jahren Stammgast hier, oder?“). Die hübsche Barista hatte nämlich den Event im Starbucks Mariahilferstraße mit der Krimiautorin Beate Maxian abgehalten. Sie fügt an, alsbald ein Kaffeeseminar mit Krimiautoren abzuhalten und ob ich nicht mitmachen möchte. Natürlich will ich. Vielleicht kann man das mal gut gebrauchen, beim Schreiben. Wir sehen: eines kommt zum anderen, wenn man nur nicht stehen bleibt, außer Atem kommt und die Flinte ins Korn wirft.

Der gute Florian ist mir übrigens bei TWITTER über den Weg gelaufen. Er hat spontan eine „Tiret“-Bestellung aufgegeben, was mich sehr gefreut hat. Und so kommt eines zum anderen und später vielleicht ein Kurzfilm.

Heute Abend wird gespielt. Ich muss schließlich eine Kolumne im Spielemagazin „frisch gespielt“ füllen. Also sollte ich das eine oder andere neue Brettspiel schon mal gesehen haben. Spielbare Literatur, heißt das Thema. „Donna Leon“ steht angeblich auf dem Programm. Wobei mich die anderen beiden Spiele mehr interessieren würden („Tore der Welt“ und „Welt der Bücher“). Na, schauen wir mal.

Gestern, auf der Science-Fiction-Lesezirkelei im 1. Bezirk, wurden wir mit der absurden SF-Kurz-Serie IJON TICHY: RAUMPILOT bekannt gemacht. Köstlich. Die Macher hatten Null Budget und trotzdem einiges zu Wege gebracht. Es mag ein Klischee sein, aber es bewahrheitet sich hin und wieder: Geld macht nicht kreativ. Und wie sagte Florian: wenn er mal das Geld für einen ordentlichen Film zusammen hat, dann würde er vor allem in eines investieren: in ein gutes Drehbuch! Und damit ist auch schon die Frage beantwortet, die anfänglich gestellt wurde, nämlich die drei wichtigsten Kriterien für einen guten Film:

1. Story

2. Story

3. Story

So stand das in den Unterlagen der NY Film Academy. Kein Witz. Alles klar?

*) ja, das ist das Dilemma, wenn man nicht bereit ist, zwischen den Zeilen zu lesen;  MH., Historikerin, die so freundlich war, unentgeltlich die historischen Anmerkungen im 1. Band durchzusehen (aber nicht genannt werden wollte, weil es ihr vermutlich zu peinlich war, im Buch eines Kleinverlegers aufzuscheinen), ging davon aus, dass ich die Reflexionsbereitschaft eines stupiden Pubertierenden hätte, also keine. Ja, ja.

Der Verlag als Liebhaberei?

Entschließt sich ein Verfasser dazu, bei einem Verlag einen DRUCK-KOSTEN-Zuschuss und/oder ÜBERSETZUNGS-Kosten (u.a.m. als Vorleistung; z.B. Texterfassungskosten) zu leisten, um das Erscheinen seines Werkes zu ermöglichen, ist eine GEA im steuerrechtlichen Sinn „von Anfang an nicht vorhanden“ (BFH, Urteil v. 23.05. 1985 IV R 84/82 BStBl II 1985, 515).

Verlags-Gründung & strittiger „Fall Verlag als HOBBY (Liebhaberei)?!“ vor dem FINANZGERICHT
der vollständige, sehr interessante Artikel findet sich hier (ganz weit nach unten scrollen oder nach den relevanten Worten suchen): LINK

Ob es sich auch in Österreich so verhält, kann ich natürlich nicht sagen, interessant ist es allemal.

Ein Werwolf, die Liebe und andere Grausamkeiten

Halloween-Werwolf
Halloween goes Werwolf by Sonja Ulreich

Gestern, passend zu Halloween, „ge-werwolft“. Ein „Party“-Spiel der überdrüber-Kategorie. Wer wissen will, wie das funktioniert, bitte sehr:

[entnommen: dem öster. Spielemagazin frisch gespielt Ausgabe 1/2009 von Thomas Bareder] Jeder erhält zu Beginn verdeckt eine Karte vom Spielleiter – er moderiert  das Spiel – zugeteilt, die ihm seine Identität und Rolle im Dorf verrät. Neben den „normalen“ Dorfbewohnern gibt es – eher für erfahrene Runden – auch solche mit besonderen Fähigkeiten und natürlich die als Dorfbewohner getarnten Werwölfe. Zwei Gruppen gibt es nun, beide mit dem Ziel die andere zu eliminieren, wobei auf den ersten Blick die Werwölfe stark benachteiligt scheinen, kommen doch auf einen Werwolf vier Dorfbewohner. Aber diese sind gut getarnt und kennen ihresgleichen. Jede Runde (Nacht) schläft das Dorf ein, d.h. schließen alle – überwacht vom Moderator – die Augen. Danach werden nacheinander die   unterschiedlichen Dorfbewohner, vor allem aber die Werwölfe, vom Moderator „aufgeweckt“ um ihrer Bestimmung zu folgen. Werwölfe einigen sich auf  ein Opfer, das schlicht und ergreifend gefressen wird. Am nächsten Tag fehlt (zumeist) ein Dorfbewohner – der Spieler ist ausgeschieden – und die Gemeinschaft, darunter auch die (getarnten)  Werwölfe ist nun aufgefordert, einen Schuldigen zu finden und – einigt man sich – zu lynchen. Dumm, wenn ein  Unschuldiger dran glauben muss, außer man ist Werwolf. FAZIT: Ursprünglich einem russischen Volksspiel entstammend, ist Werwölfe ein interaktives, deduktives Partyspiel, das echten Erlebnischarakter hat und jeder einmal gespielt haben sollte. Die vorliegende Version [Anm.: vom Spieleverlag Pegasus] besticht durch die Vielzahl an neuen Karten, einem System zum Chancenausgleich und Szenarien (u.a. mit Vampiren). Ein Muss für Fans, gut spielbar bereits ab Schulalter, perfekt beim Lagerfeuer und auch in Gruppendynamikseminaren o.ä. ein Hit, werden nur wenig Kommunikationsfreudige passen. [virtueller Abdruck mit freundlicher Genehmigung]

Werwolf eignet sich also hervorragend in einer größeren Gruppe (ab 10 Leutchen macht es richtig Spaß) zu spielen. Das ist aber auch schon der Knackpunkt: denn heutzutage ein Dutzend Leute an einem Ort zu versammeln, ist eine organisatorische und logistische Meisterleistung. „Spontan-Absagen“ und kurzfristige Krankheitsfälle (bitte das nächste Mal ein ärztliches Attest mitnehmen!) können schon arg am Nervenkostüm der VeranstalterInnen zerren. Großes Lob also für EL. (als Corpse Bride verkleidet; stilecht mit Schleier, bitteschön!) und Claudia Toman (die gute Fee des Abends), die diesen  Halloween-Event auf die Beine stellten. Es fehlte nicht an Getränken und Speisen (nicht selten war der brotlose Dichter am Buffet-Tisch zu finden,  was nicht am Hunger lag, sondern vielmehr an der Spielmechanik; aber davon später mehr), das Kerzenlicht (kein elektrisches Licht!) sorgte für die passende Stimmung und den dunklen Rahmen. Dekoration inklusive (die lebensechte „Phantom der Oper“-Puppe konnte einen schon erschrecken ;“Huh, wer ist denn der da?“)  Dass alles so schön in Szene gesetzt wurde, liegt vor allem daran, dass EL. Stage Managerin der großen Bühnen dieser Welt ist. Ja, ja.

So nebenbei gab es auch noch ein Mörderspiel zu absolvieren. Auf kleinen Zetteln wurde einem ein Mordauftrag erteilt (wer, wann, wo, mit  was). Ich erhielt den mörderischen Auftrag, den guten Pebo (im Kostüm des doppelgesichtigen Teufels; ich werde ihn für die „Brouillé“-Premiere sicherlich engagieren) ums Eck zu bringen. Mit einem „Panda“. Der Zeitpunkt? Wenn sich ein Gast, der früher gehen musste, aufmacht. Übrigens, Victoria Schlederer (hübsch kokett kostümiert; gleich zu Beginn setzte  sie sich devot  vor meine und Pebos Füße; das kann man(n) schon gut finden) war jener welcher Gast. Jetzt ist es natürlich so, dass auch andere ihren Mordauftrag ziehen. Was so viel heißt, dass man vermeiden sollte, irgendwohin zu gehen, wenn man aufgefordert wird, da dort schon das Todesurteil auf einen lauern könnte („Äh, würdest du mal kurz in die Garderobe kommen?“). Wer seinen Auftrag (konsequent und gut) ausführt, erhält vom „Toten“ dessen Mordauftrag und kann, so er noch nicht erfolgt ist, diesen seinerseits ausführen. Zwar konnte ich Pebo erfolgreich ins Jenseits befördern, aber als ich mir das Mordwerkzeug für die gute Dani Dina aus dem Badezimmer holte („Bürste“), war ich unaufmerksam; die Sektflasche bohrte sich aller Wahrscheinlichkeit nach in die Lunge, als ich das Badezimmer verließ; Dani Dina war demnach schneller (hätte ich die Bürste gehabt, hätte ich sie noch aufs Sofa locken müssen („setzt dich doch zu mir, Dani Dina“), um dort meine blutige Tag zu vollbringen; aber soweit ist es nicht mehr gekommen, wie gesagt, die Sektflasche machte mir den Garaus; wenigstens wurde ich nicht mit einem Keramik-Fliegenpilz erschlagen). So viel zum paranoiafördernden Mörderspiel.

Zurück zum Werwolf-Spiel. Wenn man sich in einer Runde von Leuten wiederfindet, die man nicht kennt, tut man sich anfangs schwer, festzustellen, wer etwas zu verbergen hat und wer nicht. Während einer seine Werwolf-Identität durch Quasseln zu verbergen sucht, bleiben andere eher stumm und ducken sich förmlich in den Schatten möglicher Verdächtiger. Prinzipiell ist es ja so, dass man in der ersten Runde keinen Funken einer Ahnung hat, wer wer sein könnte (es sei denn, man ist Werwolf oder eine Seherin oder eine Hexe oder Amor … ja, die Liebe kommt hier nicht zu kurz). Es ist ein „Schuss in die Menge“, den man abgibt („Du bist so verdächtig still!“; „Du redest verdächtig viel !“; „Bei dir hat es geraschelt!“; „Du hast gegrunzt, als wir aufwachten!“). Ein möglicher Dialog könnte folgendermaßen aussehen:

„Ich tippe auf X.“
„Warum?“
„Keine Ahnung. Ich sag mal was.“
„Ja, nehmen wir X.“
„Wer ist für X.?“

Drei Hände werden gehoben. Eine vierte geht zögernd nach oben. Die Köpfe wandern zu X., der sich zu verteidigen sucht. Mit den üblichen schwachen Argumenten:

„Ihr macht einen Fehler! Ich bin’s nicht!“

Diese Verteidigungsrede, ein wenig holprig ausgesprochen, macht X. noch verdächtiger. Und schon gehen weitere Hände in die Höhe. Zumeist denkt man sich: besser, es trifft X. als mich (da lernt man wieder etwas über Gruppendynamik und Psychologie und was man für ein „Arsch“ sein kann).

In späterer Folge lernt man seine „Pappenheimer“ recht gut kennen, wodurch sich dann folgender Dialog entspinnt:

„Ich tippe auf X.“
„Warum?“
„Er hat das letzte Mal schon so merkwürdig g’schaut.“
„Ja, nehmen wir X.“
„Wer ist für X.?“

Freilich, nach den ersten Runden, wenn sich die Zahl der „Todesopfer“ erhöht hat, beginnt der deduktive Teil des Spieles. Wer stimmt für wen und warum. Wäre nicht das ominöse Liebespaar, es könnte recht einfach sein; aber Gott Armor erwählt heimlich ein Liebespaar und gibt ihnen die Aufgabe, sie mögen bis zum Schluss durchhalten, egal, ob sie von unterschiedlicher Ausrichtung sind (Werwolf – Dorfbewohner). Ich darf stolz sagen, zwei Mal den Part des Geliebten gespielt zu haben. Beide Male konnte ich mit meiner Holden gen Sonnenuntergang reiten (die Blutspur, die wir im Dorf hinterlassen haben, nun, die zählt da natürlich nicht; es geht nur um die hehre Liebe, die alles überdauert!)

Das erste Spiel konnte ich bravourös als verliebter Werwolf beenden, was zur Folge hatte, dass ich in den nächsten Spielen kritisch beäugt wurde und man mir recht schnell den Garaus machen wollte. Meine Verteidigungsstrategie („Also, ich bin’s wirklich net!“) war zumeist schwach und unausgegoren. Und wer auf einer der beiden Sofas saß, machte sich prinzipiell mal verdächtig (Grund genug, alsbald die Sitzpositionen zu tauschen). Da ich also die nächsten Male recht rasch ins Jenseits befördert wurde (und Tote dürfen natürlich nicht mehr an den folgenden Dorfdiskussionen teilnehmen), machte ich mich nach Walhalla auf, sprich: zum Buffet-Tisch. Dort aß ich mehr aus Gusto, denn Hunger. Interessant ist ja, dass man dem ganzen „Dorftreiben“ von „oben“ zuschauen kann. Man weiß nun, wer welche Identität hat und kann fasziniert beobachten, wie jeder seine Strategie anlegt („Ihr zwei kommt mir sehr verdächtig vor!“)

Erst in den letzten beiden Spielerunden wurde die Diskussion laut, ob man verstärkt bluffen solle („Ich bin die Seherin und weiß etwas!“); dass es keiner gemacht hat, zeigt, wie ehrlich der Mensch auch in einem banalen, unwichtigen Spiel ist. Die Angst oder Befürchtung, beim Bluffen erwischt zu werden und von nun an nicht mehr als „ehrlich“ eingestuft zu werden, war wohl zu groß. Ich bin sicher, beim nächsten Mal, mit all den gewonnenen Erfahrungen, wird geblufft, dass sich die Bretter biegen.

„Ich tippe auf X.“
„Ich weiß, warum du mich gewählt hast! Du bist ein Werwolf!“
„Woher willst du das wissen?“
„Ich habe es G E S E H E N!“
„Du kannst es nicht G E S E H E N haben, weil ich es S E H E N hätte müssen!“
„Okay, dann nehmen wir Y!“
„Warum?“
„Er hat das letzte Mal schon so merkwürdig g’schaut.“
„Ja, nehmen wir Y!“
„Wer ist für Y?“

Mehr gibt es jetzt gar nicht mehr zu sagen. Außer, dass der gestrige Abend förmlich nach einer Wiederholung schreit („Bitte net so laut!“). Gut, über den „Kostümierungszwang“ („wer sich nicht verkleidet, bekommt auch keine Süßigkeiten!“) kann man hoffentlich reden (ich wählte die Verkleidung eines US Farmers, dem die Krise Haus und Hof gekostet hat; wir sehen: wenn der Kleiderkasten nix Brauchbares hergibt, muss man sich in gesellschaftskritische Töne gewanden). Sollte jemand Interesse haben, beim nächsten Mal mitzumachen, bitte mich zu kontaktieren oder einen netten Kommentar hinterlassen.

Übrigens:

SPIELEFEST 09: 20.11. bis 22.11. im Austria Center; auf dem Spielestand des Magains „frisch gespielt“ wird es die Möglichkeit geben,  ein moderiertes Werwolfspiel auszuprobieren. Ich werde natürlich auch anwesend sein. Man halte Ausschau nach einem aufstrebenden Autor (die Verkleidung gibt’s exklusiv bei mir zu kaufen), der sich bemüht, Interessierten das eine oder andere literarische Spiel näherzubringen. Gut möglich, dass ich hin und wieder dezent auf mein schriftstellerndes Ouevre hinweise („Habe ich dir schon von der coolen 2.Auflage von „Schwarzkopf“ erzählt? Hast du schon einen Folder?“). Virales Marketing nennt man das in der Fachsprache (also, so lange subtil lästig sein, bis der potenzielle Kunde die Geduld verliert und kauft kauft kauft).

Wer Victoria Schlederer persönlich kennenlernen will (ob sie sich wieder devot gibt, bleibt abzuwarten), hat demnächst die Möglichkeit dazu:  am 11.11. (huch, der Fasching beginnt!) stellt sie ihr neues Buch „Des Teufels Maskerade“ (Random House/Heyne) in der Buchhandlung Thalia W3, Landstraße vor. Ich werde sie noch bitten, ein paar Details diesbezüglich zu verraten.

Claudia Toman wiederum wird am 28.11., ab 15 Uhr, Märchenhaftes in der Genussbuchhandlung TIEMPO vortragen. Unterstützt von dem einen oder anderen Kollegen, der einen oder anderen Kollegin, sollte für stimmungsvolle Unterhaltung gesorgt sein. Ich gehe davon aus, dass sie die gute Fee geben wird. Wie im wahren Leben auch. Ja, ja. Ihr Buch „Hexendreimaldrei“ (Diana Verlag) wird sie sicherlich gerne in einer Pause oder im Anschluss signieren (ich hab bitteschön bereits eines!).

Im nächsten Spielemagazin „frisch gespielt“ 3/2009, das Mitte November erscheinen wird (ich darf es nächste Woche im Schweiße meines Angesichts layouten), gibt es übrigens einen Schwerpunkt, der sich mit „spielbarer Literatur“ auseinandersetzt. „Tore der Welt“ soll neben „Donna Leon“ und „Welt der Bücher“ kritisch unter die Lupe genommen werden. Ich erlaube mir, darüber in meiner Kolumne zu fabulieren. Da fällt mir ein, wie wäre es mit einem interaktiven „Ro2069“-Spiel? Natürlich nur für Erwachsene. Hmmm?! Wo ist bitteschön der nächste Spieleverlag?

Und zu guter Letzt die freudige Nachricht, dass ich – vielleicht – auf der BUCH Wien mit meinen Büchern vertreten sein werde. Wird sich erst nächste Woche klären. Einen Autorenstammtisch-Ausflug zur Messe wird es freilich geben. Mal schauen, ob wir uns der Vielzahl an kreischenden Groupies erwähren können. Eventuell schicken wir Pebo vor. Falls er Glück hat, reißen sie ihm nicht die Kleidung vom Körper. Ja, wenn ich eines vom „Werwolf“-Spiel gelernt habe, dann jenes, dass es immer gut ist, andere ins Feuer zu schicken. Soll mal einer sagen, dass man nichts fürs Leben lernt, wenn man spielt. Fragen?

Twitter, eine Visitenkarte und ein Grab

Heute ist also heidnisches Halloween. In meinem Literaturkalender steht außerdem noch „Reformationstag“ und dass Jean Améry 1912 zur Welt kam. In einer Stunde mache ich mich auf den Weg, meine Großeltern besuchen, respektive ihr Grab. Lange ist der letzte Besuch her. Obwohl ich ihnen viel zu verdanken habe. Literarisch! Waren es nicht die alten, vergilbten Fotos, die von einer intakten Gesellschaftsordnung sprachen, die mich interessierten, die meine Phantasie beflügelten. Mein Großvater war eine Zeit lang Kammerdiener bei einem Freiherrn (um später als Postbote seinen Dienst zu versehen, weil er von der „Gräfin Jeriza“ aus dem Schloss geekelt wurde). Ich denke, all diese sehnsuchtsvollen Blicke, zurück, in eine vergangene, verlorene Zeit (ohne zu wissen, wie es sich wirklich damals gelebt haben könnte), brachten mich zur Jahrhundertwende (1900), dem Fin-de-Siècle in Wien. „Azadeh„, mein (noch nicht veröffentlichter) Erstling, über 13 Tage im Leben des Leutnant Johann Gottfried von Märwald, war Zündstoff für alles Folgende. Gutes wie Schlechtes. Überhöhtes wie Banales. Und meine Großmutter? Sie schenkte mir viele alte Münzen. Eine alte, sehr alte war auch darunter. Aus dem Jahre 1668. Sie faszinierte. Aber damals wusste ich nicht, was mit ihr anzufangen sei. Beinahe hätte ich den ganzen Topf verkauft. Gottlob war das Angebot des Händlers so gering, dass ich es nicht tat. Später, viel später, sollte mich diese Münze auf die Idee bringen, meine Webpräsenz in einer Zahl zu adressieren. Wer die kurze Geschichte ein wenig poetisch verklärt lesen möchte, muss nur einen Blick auf meine Site machen und herumklicken. Wer Glück hat, findet sie. Und das verlorene Herz.

Was hat die Frankfurter Buchmesse mit dem Naschmarkt zu tun? Natürlich nichts. Wenn mir da nicht am Gemeinschaftsstand der IG Autoren eine silbern glänzende Visitenkarte in die Hände gefallen wäre. Aha. „Chefredakteurin“ der Edition Mokka. Und der Zeitung „Der Naschmarkt“. Kurzerhand steckte ich mir die Karte ein. Wer weiß, dachte ich mir. Vielleicht schreibe ich ihr. Ein guter Anknüpfungspunkt („Ich habe deine Visitenkarte aus Frankfurt mitgenommen!“) war gegeben. Ich tat es. Schrieb ihr. Zu Hause, in Wien angekommen. Sie schrieb zurück. War interessiert. Gestern haben wir uns getroffen. Im Landsknecht. Am Naschmarkt. Intensives Gespräch. Einblicke. Viele gute Tipps. Wir verstanden uns. Vermutlich, weil wir auf der selben Seite stehen: kleiner Verlag, aber mit viel Herz und Engagement bei der Sache dabei, nicht unterkriegen lassend, alles versuchend, mit wenig Budget ein Maximum an Aufmerksamkeit erreichen. Neben dem Verlag macht sie auch noch die Zeitung, die in einer Auflage von 70 000 Stück (hab ich es richtig in Erinnerung?) erscheint. Noch habe ich sie nicht gesehen. Werde ich aber. Vielleicht zur BUCH Wien, wo sie einen guten Platz für ihren Stand wählen konnte. Meine Folder möchte sie auflegen. Meine Bücher unter Umständen auch. Falls es die Messeleitung, respektive AGB erlaubt. Das tät mir natürlich gefallen. Auf der Buchmesse in Wien präsent zu sein. Das zweistündige Gespräch hat also viele Einsichten (die Konditionen eines Auslieferers sind für einen Kleinverleger nur schwer akzeptieren; WieWien Buchhandlung;  Druckerei in Wien; Gebietsbetreuung für die „3. Mann“-Tour, …) und Aussichten (evtl. Lesung am Naschmarkt, Buchbesprechung in der Zeitung) gebracht. Freilich, der Nikotinpegel war nicht ohne. Auch darüber wurde gesprochen („Ich bin Kettenraucherin!“). Ohne sich in die Haare zu bekommen. Fein!

Zu guter Letzt die erfreuliche Nachricht, dass sich ein TWITTERer von meinem Webauftritt so angetan war, dass er kurzerhand in wenigen Minuten ein Tiret-Package („Tiret“ + „Brouillé“) orderte (nicht wissend, dass „Brouillé“ erst erscheinen wird). Das war schon ein „olles Ding“. Doch, seltsamer Zufall, ist es so, dass FG. ein Filmemacher ist. Werbe- und Industriefilme, aber auch szenische Kurzfilme, setzt er um. Ich habe mir einen Vide0clip auf seiner Website angesehen. Sehr angetan. Ihn angesprochen. Bezüglich eines „literarischen Videoclips“. Ein Buchtrailer. Eine gusto-machendes Filmchen. Als Idee geistert ja schon lange der Prelude aus Tiret in meinem Kopf herum. Ein paar Szenen (Kamerafahrt am Beginn, Vogelperspektive, dunkel gehalten, Licht und Schatten, sonore Stimme aus dem Off, epischer Kurzfilm, sozusagen). Wir werden darüber befinden. Mal schauen, was mein Finanzreferent dazu sagt. Ja, das bin ich auch.

Cover fg 3 2009
Cover frisch gespielt 3 2009

Das Cover für das Spielemagazin frisch gespielt wurde gestern abgesegnet. Damit ist der Startschuss für Ausgabe 3/09 gegeben. Die nächste Woche (am 9.November wird gedruckt) werde ich also wieder rotieren. Mich im Kreis drehen. Aber Routine ist nun mal durch nichts zu ersetzen. Und alle guten Dinge sind drei. In diesem Sinne. Ich mache mich jetzt auf.

Schriftsteller & Verleger