Camping

campingcamping2Ein paar Tage also in der Provinz, im Wohnwagen, am Campingplatz, nicht weit vom Badeteich. Viel Sonne. Viel Hitze. Freilich sauste einmal der Wind durch die Gegend, dass ich dachte, das Vorzelt würde mir um die Ohren fliegen. Hui, da kann der Städter Fracksausen bekommen und sich klein machen – immerhin soll es ja Schriftsteller geben, die von einem Ast erschlagen wurden. Mitten in Paris. Nicht in St. Pölten. Und Wind ging auch keiner. Als würde es da jemand von ganz oben auf den Monsieur Horvath abgesehen haben. Aber das ist jetzt nicht das Thema.

Die meiste Zeit im Liegestuhl verbracht. Lesend. Nachdenkend. Wassertretend. Lesend. Nickend. Wassertretend. Essend. Ich glaube, die Reihenfolge stimmt soweit. Wir bemerken: nix geschrieben. Ist ja eine Krux. Weil zu heiß, kann man nur faul herumliegen. Und wenn es dunkel wird, dann verkrümmelt man sich in den Wohnwagen und genießt zum Beispiel den Directors Cut zu „Königreich der Himmel“ (sehr empfehlenswert). So lässt es sich (eine Zeit lang) Leben.

Von dem einen oder anderen nachmittäglichen Verwandtschafts- besuch mal abgesehen, einigermaßen unbehelligt geblieben. Demzufolge kann man sich ruhigen Gewissens gehen lassen. Darin liegt jene geheimnisvolle Kraft versteckt, die mich so fasziniert: einfach sein! Kein Wort, weil du dein altes T-Shirt schon zwei Tage am Körper trägst, weil du dich vorher nicht in den Spiegel schaust, bevor du hinaus gehst. Wer in einem Ballungszentrum wohnt und arbeitet, kommt nicht umhin, sich anzupassen, sich zu präsentieren. Wer möchte nicht Eindruck auf andere machen? Aber was, wenn es niemanden gibt, auf den du Eindruck machen kannst?

In einer Diskussion, ausgelöst durch Liz Beitrag, wurde die „digitale Bohème“ angesprochen. Noch nie gehört. Weiß auch nicht, wer oder was sich dahinter verbirgt. Der wahre Bohème, so meine ich, lebt sein Leben – er lässt andere daran Teil haben, aber entzieht sich deren Beurteilung, deren Wertung. Er hat höhere Ziele (die vielleicht nur er kennt) und verkauft sich nicht. Da schließt sich wieder der Kreis zu Ridley Scotts Film. Heißt es nicht darin, dass ein wahrer Ritter („the perfect knight“) immer die Wahrheit spricht, auch wenn es ihm das Leben kostet? Freilich, ob es jemals einen wahren Ritter gegeben hat, in der Wirklichkeit des Lebens, das gilt es noch herauszufinden. Zuvor muss ich aber noch Tiret durch die französische Revolution lieben und leiden lassen, danach vielleicht die Wiener Türkenbelagerung episch kolorieren und dann … hab ich übrigens schon gesagt, dass ich Scarlett Johansson getroffen habe?

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E-Mail-Krisengeschüttelte Inbox

Na sowas. Da kommst du nach Hause, rufst deine Mailbox ab und … keine einzige neue E-Mail seit drei, vier Tagen im Ordner! Keine einzige verspamte und verdächtige Nachricht! Merkwürdig. Seltsam. Unglaublich. Bemerke, dass ich aber jede Menge virtueller Briefchen und Hinweise erhalten hätte müssen. Wo sind diese? Mir schwant Übles.

Danach kommt 9to5, Lisa

ticket 9to5 9to5

Da soll mal einer sagen, die virtuelle Bloggerei führt zu nix Realem. Immerhin habe ich jetzt Geld mit vollen Händen ausgegeben (besser: die Daten zur Kreditkarte ganz schmerzlos in einem Fensterl eingetippt … ja, der bargeldlose Verkehr verleitet und verführt), was die Lena durchaus befürworten und Lisa mit Sicherheit freuen wird – die 428 Cents (lt. Monsieur Tim: 4280 Cents) sind nämlich für das 9to5-Festival in Berlin, wo von Donnerstag bis Sonntag, also 4 Tage lange (eigenartigerweise heißt es aber überall 3 Tage) an der Spree gearbeitet wird, auf dass die Notebooks rauchen (uups – brauche möchte ich nicht ein neues Notebook? … aber das ist eine andere Geschichte). Was ich dort machen werde? Hm?! Zum einen Kontaktungen knüpfen und pflegen, ein paar Exemplare von „Rotkäppchen“ mitnehmen („Hei, guck ma da, du hast ja ne Gutenacht-Geschichte dabei?“), sie verschenken oder vertauschen und zum anderen einfach mal die Spree bewundern und die schreibende Seele baumeln lassen („Alter Schwede, was hängt denn da vom Baum runter?“)

Günstige Flüge gibt’s bei AirBerlin – um schlappe 570 Cents (lt. Monsieur Tim: 5700 Cents). Die Nächte werden ohne Aufpreis am Festivalgelände verbracht – Schlafsack ist mitzubringen! Vorher oder nachher gilt es, ein paar Tage Berlin zu beschnuppern – ist’s doch das erste Mal, dass der Habsburger Schreiberling den Hohenzollern seine Aufwartung macht (und Königgrätz geflissentlich unter den geschichtsträchtigen Tisch kehrt). Lisa hat mir die faszinierende Adresse einer WebSite zukommen lassen, in der private Couchplätze vermittelt werden: http://www.couchsurfing.com

Nach dem ich ja in Zürich bereits auf engstem Raume mit 3 mir fremden Bürschleins die Nacht verbrachte – Jugendherberge sei Dank – dachte ich mir, als Bohèmian sollte ich das wieder mal ausprobieren. Ein bisserl ein mulmiges Gefühl beschleicht mich ja doch, irgendwie, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt eine Schlafplatz in Berlin. Oder so ähnlich.

Übrigens bin ich bis Freitag Abend offline. Der Dichter zu Wien fährt in die Provinz und versucht dort an seinem neuen Werk zu arbeiten – weil ja gar nix weitergeht, in der schwülen und schwitzenden Hauptstadt. Warum knurrt mir jetzt plötzlich der Magen?

[ich hoffe, ich krieg keine Schwierigkeiten, weil ich mein Ticket hier (abgeschnitten) veröffentliche … net, dass jemand auf die abstruse Idee kommt, eine Raubkopie davon anzufertigen, gell! …. update … 100 Cents entsprechen tatsächlich 1 Euro? Hätte ich nicht gedacht.]

Ja, was kommt eigentlich danach?

tischlein

Meine liebe Liz,

kreative Kunstmenschen und künstlerische Kreativmenschen leben zumeist von der Hand im Mund. Ob es jemand „schafft“ (was heißt das eigentlich?), mit seinem Tun erfolgreich zu sein, also davon einigermaßen Leben zu können, ist vermutlich von etwa 3234038 Faktoren abhängig. Ziemlich komplex, ziemlich kompliziert.

Ach, wer kennt sie nicht, die gut gemeinten Ratschläge („Mach doch mal was anderes.“ oder „Du wirst sehen, bald geht’s aufwärts!“ usw.), die brachialen Schulterklopferein und sonoren Lobeshymnen, die nur die Luft wärmen, aber sonst weder das Brennholz, noch die Butter aufs Brot bringen.

Ich sehe das monetäre Problem („Wo kommt die Kohle zum Heizen her?“) nicht so sehr als ein äußeres, weltliches („Es wird kalt und ungemütlich!“), sondern vielmehr als ein inneres, seelisches. Der kreative Mensch beginnt zu zweifeln, er verkrustet, er hadert, er zögert, er verliert seinen Mut, seine Kraft, seine Träume. Das ist die größte Gefahr. Weil das die einzige Quelle ist, aus der er schöpfen kann. Verschmutzt oder versiegt diese Quelle, ist mit einmal alles verspielt. Soweit darf es nicht kommen.

Als Ausweg sehe ich nur eine „Bohème“-Gemeinschaft – der Zusammenschluss all jener Kunstmenschen, die zum Leben zuwenig, zum Sterben zuviel haben. Synergie-Effekte gilt es überall dort zu nutzen, wo es Sinn macht: Wohn-, Wäsche- und Essens- gemeinschaften, der Austausch an Arbeitsleistung, KnowHow- Transfer, Netzwerk-Verknotungen usw. Das Teilen untereinander, das Leben miteinander muss im Vordergrund stehen (leicht gesagt, bei der Vielzahl an Egos, die sich da versammeln). Die Schlichtheit (Armut ist negativ besetzt) tritt in den Vordergrund, aus wenig wird mehr gemacht (man sehe sich nur an, was man aus dem „Müll“ alles machen kann), aus nichts ein wenig. Solidarität (so altbacken es klingt) und Humanität (nocht altbackener) dürfen keine Schlagworte sein, sondern gelebt werden.

Es gilt, der Gesellschaft zu zeigen, dass wirtschaftlicher Misserfolg durchaus zu einem emotionalen, seelischen Erfolg führen kann. Und dieser Erfolg, davon bin ich überzeugt, führt auf lange Sicht zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Es gilt, lange genug den Atem anzuhalten. Und? Reicht die Luft?

p.s.: immerhin ist es dem Beitrag von Liz zu verdanken, dass ich mich ernstlich für das Festival-Camp „9to5“ interessiere. Und wer weiß, was uns dort alles einfallen wird …

huit (8): Paris, je t’aime (en fin de compte)

laterne

 

 

 

Zu guter Letzt, um das Kapitel Frankreich und Paris abzuschließen, ein rührender, romantischer und sentimentaler Trailer. Von einem Film über Paris. 18 Regisseure zeigen, was sie an Paris lieben und mögen. So soll’s sein. Weil am Ende, wir wissen es, wird vieles verklärt, wird vieles unter den realen Teppich gekehrt. Was bleibt, das sind kurze Erinnerungsfragmente. Magisch schöne Lichtblitze in einem gewöhnlichen Alltag. Pour le moment. Pour l’éternité.

TRAILER

Schriftsteller & Verleger