Dornenvögelei in Peru

Heut mit M. viele Stunden im Café Prückel verbracht. Dort hält man’s aus. Da kann ich dann guten Gewissens das Fräulein Laura mit- nehmen. Rotzfreche Kellner gibt’s da nicht, höchstens überforderte Kellnerinnen.

Jedenfalls erzählte mir M. im bunten Cinemascope von ihrer mehrere Monate dauernden Reise in Peru und den Erlebnissen, die für drei Romane reichen würden. Mitten im Dschungel trifft sie ihre große Liebe – einen ehemaligen Priester, dessen Wurzeln in Öster- reich liegen. Erkrankt an Lungenentzündung. Durchlebt Nahtod- Erfahrungen (Steinschlag, Wildpferde, Murenabgänge, Unwetter am See, ‚Entführung‘ in eines der Armenviertel) und heilt den entzundenen Fuß eines Ur-Tirolers (ja, es gibt ein kleines Dorf, in dem die Alteingesessenen noch die tirolerische Mundart pflegen: „Huck di her da und nimm an Kas.“) durch eine simple Fußmassage. Mitarbeit in einem Spital. Die Belegschaft bekniete sie, länger zu bleiben. Schließlich kommt sie nach Wien zurück. Und will am liebsten wieder nach Peru.

Sie wird mir ihre in Peru verfassten intimen E-Mails zukommen lassen. Vielleicht machen wir daraus einen wildromantischen Schlüsselroman. Beruht ja alles auf einer wahren Begebenheit. Soll mir keiner kommen und sagen, das war schon hundert Mal da – oder ich hätte nicht genug Phantasie – oder zu viel. Das Leben schreibt nämlich immer noch die besten Geschichten.

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3 Minuten Glückseligkeit

Ein gutgemachter Film-TRAILER ist pure Illusion, pures Adrenalin. Mein Körper kann gar nicht anders, als eintauchen, abtauchen und erst wieder am Ende auftauchen. Erregendes Gefühl. Weil für eine kurze Zeit das Bild mit der Musik und der Geschichte in einer (hoffentlich) perfekten Harmonie verschmilzt. Ja, so ein Trailer kann schon süchtig machen. Immer und immer wieder muss er abgespielt werden. So lange, bis Augen und Ohren gesättigt, die Nerven beruhigt sind. Manchmal, seltene glückselige Momente, lösen die stakkatoartig zusammengesetzte Bilderflut einen eigenen Film im Kopf aus. Antrieb für Zukünftiges! Wunderbar!

Ein Trailer hat mit dem Film per se nichts zu tun. Er muss als eine eigenständige Kunstform betrachtet werden. So gibt es genügend Beispiele von perfekt inszenierten Trailers, wohingegen der Film mäßig, druchschnittlich, langweilig, unspannend, sentimental, un- erotisch, kitschig, lächerlich, lachhaft, einfach schlecht gemacht sein kann. Man vergleiche also bitteschön nicht Äpfel mit Birnen.

Als Aperitif empfehle ich die folgenden Leckerbissen:

der brandneue Trailer zum Sequel zu Elizabeth: The Golden Age – schon alleine der letzten Szene wegen. Da merkt man dem Regisseur Shekhar Kapur an, dass er Inder, respektive Pakistani ist. Wer sonst würde einem wallenden Stoff so einen breiten Raum geben?

ein anderes Historiendrama spielt ebenso in England, aber etwa 200 Jahre später: Amazing Grace. Wunderbare Schauspielkunst. Man sehe sich nur den alten Albert Finney und den jungen Ioan Gruffudd an, dazu höre man die Musik, die einen schon mal zu Tränen rühren kann (so man sich umrühren lässt, wohlgemerkt).

Auflage: 300 Stück

Zu guter Letzt für heute, ein kleines Ratespiel für Sammler und Jäger des gedruckten Wortes. Im Jahre 1923 veröffentlicht der Verleger Robert McAlmon das Buch seines amerikanischen Freundes Three Stories & Ten Poems in einer Auflage von gerade mal 300 Stück. Nun stellt sich die Frage, wer könnte der bekannte Autor und spätere Literaturnobelpreisträger sein und, weit spannender, wie viel Geld könnte man für eines dieser Exemplare mit Widmung wohl verlangen, fände man es am Dachboden, in einer Truhe?

Der Autor heißt

a) F. Scott Fitzgerald

b) Ernest Hemingway

c) Ezra Pound

Der Sammlerwert beträgt (lt. Monsieur Troller):

a) $ 1.250,-

b) $ 12.500,-

c) $ 125.000,-

Das erinnert mich wiederum daran, meine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung für 2006 endlich zu machen. Momenterl, ich geb mir schnell einen Tritt in den Hintern … ZACK! Die Lösung ist übrigens – trara – berta und cäsar.

Bonmot-Kisterl gesucht

Während der Kaffee brodelt, noch schnell einen Eintrag (aha, heut fließt es richtig aus der Feder. Ja, manchmal gibt es diese besonderen Stunden, da könntest du ewiglich schreiben und dir käme es eigentümlich vor, wenn man dir sagte, dass es auch viele leere Stunden gibt, die keinen einzigen Satz aufs Papier zwingen).

Gester Abend die Abschlusspräsentation der AbsolventInnen des Verlegerseminars 2006/2007 unter der Leitung von Prof. Mazakarini besucht. Als ein Ehemaliger des Jahrganges 2004/2005 durfte ich natürlich nicht fehlen (warum dachte ich mir das?).

Dort kam es zu folgendem Dialog mit E.

„Hallo Richard. Entschuldige, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe … aber ich muss gestehen, ich hab dein Buch noch gar nicht gelesen … deshalb hab ich auch nicht den Feedback-Fragebogen ausgefüllt. Es ist nicht so meines … ich hab’s dir ja nur deshalb abgekauft … als Künstlerförderung, weißt? Ich hoffe, du denkst dann auch an mich, wenn es mal so weit ist.“

Nein, darauf hab ich nichts gesagt. Ich denke noch darüber nach. Was hätte wohl ein Oscar Wild oder George Bernard Shaw oder Alfred Polgar oder Karl Kraus in dieser Situation gesagt? Ärgerlich, dass mein Bonmot-Kisterl so wenig hergibt. Dass muss sich ändern. Gibt’s einen Workshop dafür?

Dann läuft mir S. über den Weg, die sich vor einem Jahr aus dem E-Mail-Verteiler herausgenommen hat („weil der Austausch der gegenseitigen Denkanstöße versiegt“ – da hat sie natürlich Recht gehabt; auf etwaige Anfragen zu einem Treffen per E-Mail- Aussendung fand es der eine, die andere nicht der Mühe wert, kurz zu antworten – das ist übrigens die neue Mentalität der schnellen Kommunikation: in Deckung gehen und sich tot stellen, bis der andere hoffentlich abhaut). Nur war ich aber jener welcher, der brav geantwortet und auch einiges mit ihr unternommen hat. Diese pauschale Absage hat mich dann doch gegiftet. Und nach einem Jahr steht sie wieder vor dir. Was tust du? Wie reagierst du?

Deshalb, ein guter Ratschlag, der nichts kostet: wenn du Bekanntschaften loswerden möchtest, dann solltest du dir vorher überlegen, ob es noch etwaige berufliche oder bekanntschaftliche Schnittpunkte gibt. Jemanden ans Bein zu pissen (drastischer: „fick dich“ – ja, wir sind hier nicht im Kindergarten-Blog) ist nur dann gerechtfertigt, wenn du mit der Bekanntschaft wahrlich brechen möchtest. Aber wenn es dir egal ist, wenn er oder sie dir in Zukunft über den Weg läuft, dann lässt man die lose Beziehung einfach ausrollen – anstoßen kann man sie später immer noch, wenn es sich ergibt und Sinn macht- aber nicht stoppen.

Kopf vs. Bauch | 1.Runde

Gestern war’s, als ich von Laura wissen wollte, ob sie mehr Kopf- oder Bauchmensch sei. Jedenfalls gab sie dem Kopfmensch die folgenden Eigenschaften:

ernst
kalt
nachtragend
gefühllos

Generell hätte ich es unterschrieben, bis mir bewusst wurde, dass ich/wir vielleicht einem Trugschluss aufsitzen. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass der Bauch egozentrisch ist. Alles will sich um ihn, um den Menschen, der fühlt, drehen. Die Natur, die nur das Beste für die Spezies will, kann gar nicht anders handeln. Sehr vereinfacht gesagt: wenn du hungrig oder durstig bist, also wirklich großen Hunger, großen Durst verspürst, dann wirst du dem anderen wohl kaum das Brot, das Wasser abgeben. Bist du sexuell motiviert (gilt für den Mann in erster Linie) bzw. verliebt, also an einer längerfristigen Beziehung interessiert (gilt für die Frau in erster Linie), so werden alle Register der Lieblichkeit, der Bösartigkeit gezogen, um an das Ziel der kurz- bzw. längerfristigen Begierde zu gelangen.

Kurz: wer seinen Gefühlen folgt, ist vermutlich mit sich im Reinen und zufrieden, aber für die Gesellschaft würde es ein Schlag ins Gesicht sein. Nur das Formen, Reglementieren und stetige Hinter- fragen der Gefühle macht ein Zusammenleben unter (zivilisierten) Menschen erst möglich. Wenn wir von Gefühlen und Bauch- entscheidungen sprechen, so verfallen wir dem Trugschluss zu glauben, sie sind gut und rein und warm und herzlich usw. Sie können es sein, durchaus, aber sie sind auch das Gegenteil. Hass! Neid! Wut! Aggression! Wer also vermeint, er solle mehr Gefühle zulassen (im Besonderen ist es ja zu meist die Frau, die ihren Mann überzeugen will, mehr Gefühle zuzulassen und sich wundert, dass sie am Ende nicht nur hübsche, wohlriechende Blumen, sondern auch hässliche, zuweilen schmerzhafte Kakteen bekommt), steht mit einem Bein außerhalb der Gesellschaft.

Denn, das sagt uns die chinesische Philosophie über den Dualismus, ist das eine ohne dem anderen nicht denkbar. Wer also unendlich zu lieben versteht, wird auch unendlich hassen können. Nur die positiven Gefühle zuzulassen, das ist gut gemeint, aber eben nicht möglich. Es gibt nur das gesamte Gefühls-Package im Angebot.

Die Ratio, die gestrenge Vernunft ist es also, die unsere Gefühle bändigt, sie verwahrt und (bei guter Führung) gerne mal für kurze Zeit in die Freiheit entlässt (wehe, sie kommen nicht mehr zurück!).

Gong!
Die 1. Runde ist damit zu Ende.

Schriftsteller & Verleger