Reprendre à zéro (0): Stefferl

Wo anfangen? Wer eine Reise macht, hat viel zu erzählen. Stimmt. Und stimmt auch wieder nicht. Je nachdem, was man für erzählens- wert hält. Oder interessiert sich jemand für die gewöhnlichen und belanglosen Nebensächlichkeiten, die aber in Summe eine Reise ausmachen?

das StefferlHier und jetzt muss ich mich beim Stefferl für ihre Gastfreundschaft bedanken. Immerhin quartierte sie mich auf etwa 16 m² ein. Beste Bohème-Adresse inklusive: Marais – 3me Arrondissement. Natürlich gab es getrennte Schlafzimmer. Sie im ersten Stock, im Hochbett, der Dichter zu ebener Erd, auf der Matratze.

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Finalement!

… am 21. Mai 2007 hat die Reise (Paris) begonnen,

am 8. Juni 2007, nach Mitternacht, ist sie zu Ende (Wien) gegangen.

Aber wer sagt, dass eine Reise jemals zu Ende gehen muss?

On y va!

Letzter Tag in Locquirec, um douze heure geht der Zug nach Paris. Das ist dann, als würde man nach Hause kommen – so vertraut ist mir dieses überlaufene, übervolle, überlaute Paris, nach den Tagen an der stillen, leisen, manchmal menschenleeren Küste der Bretagne. Ja, gehen wir!

Auf diese Bank

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aus Stein werd ich mich setzen. Nein, aus Stein war sie nicht. Gemütlich dafür umso mehr. Man könnte meinen, eine ganz normale Bank irgendwo im Nirgendwo. Weit gefehlt. Die Aussicht von dieser Bank auf den Strand von Sables Blancs ist schier Atem beraubend. Kein Wunder also, wenn der kurzatmige Dichter wegen Sauerstoffknappheit ins bretonische Koma fällt und sich dabei sein Gesichtlein – durch der Sonne glühender Strahlen – rötlich verfärbt. Macht nix. Wer ein Naturbursch sein will, muss der Natur trotzen. Und trotzig sein, ja, das kann ich ganz gut. Im Übrigen – es ist bald 21 Uhr und noch immer taghell. In der Gegend wird’s net finster, wiewohl das Départment Finistère heißt. Ach ja – morgen Abend geht es auf ein bretonisches Volksfest nach Plestin-les-Grèves (Fest Noz). Ob ich mit meinen beiden linken Füßen mittanzen soll? Kann ja nur peinlich werden. Wenn mich eine/einer fragen sollt, woher ich komm, stottere ich einfach „l’allemande“ … wir wollen ja den Leutchen hier net das Klischee nehmen, dass die Wiener galante und charmante Tänzer sind und den lieben Tag im Kaffeehaus sitzen. Mit dem Kaffeehaus sitzen, ja, mit dem könnt ich schon dienen, aber tanzen? [„un, deux, trois, no Monsieur … quelle catastrophe … Sie tanzen aus der Reihe!“]

Das Reizklima (wurde mir gesagt) an der Küste reizt mich tatsächlich. Zum Unsinn schreiben. Eigentlich sollt ich ja arbeiten, am neuen Opus Magnum (Kinderbuchausgabe) „Tiret“, aber dazu fehlt mir irgendwie das gewohnte Umfeld. Am Montag bin ich wieder in Paris, deren Stadtkern ich beinah drei Mal umrundet hab – zu Fuß. Davon später einmal mehr. A bientôt, mes amis.

Locquirec, Bretagne

Das Wetter sieht nach Weltuntergang aus. Dichterische Übertreibung inklusive. Jedenfalls sitzt le grand poète de Vienne im Bett, mit dem Laptop und sieht hin und wieder aus dem Fenster. Ob der Regen nachlässt? Die Sonne hervor kriecht? Will nicht so aussehen.

Die letzten Tage waren da schon um vieles gemütlicher. Am Dienstag, mein erster Tag in der Bretagne, am Hafen auf der Terrasse des Chez Tilly gesessen, einen petit café getrunken und ins Tagebuch gekritzelt. Die Sonne glühte darnieder, der kühle Wind vom Meer machte die Hitze erträglich.

Unbeschbreibliche Bilder! Der Sandstrand (!) in der Bai de Locquirec, der mir allein gehört. Barfuss im Sand gewühlt, barfuss ins Meer eingetaucht. Kleine Wellen. Flut und Ebbe, man möchte es nicht glauben, wie groß der Unterschied sein kann. Da liegen die Boote auf dem Trockenen (seltsamer Anblick), kann man ohne Umwege zu ihnen hinspazieren. Stunden später, als wäre es das Normalste der Welt, liegen sie wieder im Wasser.

Gestern, wieder einmal ist es dem Zufall zu verdanken, komme ich auf einen erhöhten Aussichtspunkt – Pointe du Corbeau. Da kannst du nur da sitzen, aufs Meer und die Buchten schauen und sonst nichts. Erregend und besänftigend zugleich, wenn Sonne und Wolken, das Meer und der Wind ein einzigartiges Schauspiel nur für dich veranstalten. Das raue Meer der Bretagne sieht ungezähmt und wild aus – im Gegensatz zum Mittelmeer, das sich zu meist sanft und freundlich zeigt (Vorsicht ist allemal geboten!).

Bald geht’s wieder à Paris und von dort nach Hause. Sehen wir mal, was der Zufall sonst noch so bereithält. Über die Tage in Paris wird noch zu erzählen sein. Aber nicht jetzt. Nicht jetzt.

A bientôt, mes amis.

Schriftsteller & Verleger