Titelseite!

Das Kommunizieren in einem News-Blog (ein Blog, das von einer Zeitung zur Verfügung gestellt wird) ist, als würde man mit hundert JournalistInnen um die Wette schreiben. Du versuchst alle Kniffe, alle Tricks der Verführung, jeden Tag aufs Neue, aber am Ende kommt immer ein anderer auf die erste Seite und du gehst leer aus. Demnach ist die schreibende Rauferei eigentlich Zeitverschwendung, weil du ja auf die Titelseite möchtest. Willst du nur eine unter- haltsame, gute Zeit verbringen, dann ist es natürlich perfekt!

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Lesbe!

Das Kommunizieren in einem Community-Blog ist, als würde man mit einer Lesbe flirten: du versuchst alle Kniffe, alle Tricks der Ver- führung, aber am Ende geht sie mit einer Frau, nicht mit dir, nach Hause. Demnach ist die Flirterei eigentlich Zeitverschwendung, weil du ja mit ihr ins Bett gehen möchtest. Willst du nur eine gute, unterhaltsame Zeit verbringen, dann ist es natürlich perfekt!

Tonic!

Erzähle A. lang und breit und ausführlich über die Entstehung des Dichters zu Wien. Erste Inspiration. Erster Versuch. Erster Roman. Sehe ein Ginger Ale in der Getränkekarte und bestelle ein Ginger Tonic. Die Dame des Servier-Personals, meiner Sprachmagie nicht ganz gewachsen, sieht mich fragend an und fragt freundlich nach. Ich nicke und sage „Tonic“. Nachdem ich die Hälfte dieses Tonics genüsslich gesüffelt habe, bemerke ich eine leichte Verzerrung in der Wahrnehmung der Umwelt. Zuerst lache ich still in mich hinein, glaubend, dass mein Körper mir nur den Alkohol im Tonic vorgaukelt (so ähnlich geht’s mir manchmal mit dem alkoholfreien Bier). Auf dem Pissoir kommt mir das schon sehr merkwürdig vor, diese Verzerrung. Ich denke nach (ja, da plätschert die Zeit langsam dahin) und frage mich, was Ingwer auf Englisch heißt. Komm nicht drauf. Mir fällt immer nur „Gin“ ein. Gin ist aber alkoholisch, dämmert mir sanft. Hab ich tatsächlich ein Gin Tonic bestellt? Als ich die Toilette verlasse, bin ich mir so gut wie sicher. Die Rechnung bestätigt es wenig später. A. bezahlt die Zeche. Mir ist es peinlich. Irgendwie.

 

[update 11.5.07]

Der Dichter zu Wien steht (Monate ist’s her) an der Bar, will ein Tonic bestellen und bestellt ein Gin Tonic. Warum sich der „Gin“ hinzugeschmuggelt hat, zum Tonic, ist nicht eindeutig ersichtlich, man kann annehmen, dass das Unbewusste hier die Finger im Spiel hatte.

Er süffelt gerade am Gin Tonic, als neben ihm eine Frau eine „heiße Zitrone“ ordert (es war nach 22 Uhr). Er schielt zur Seite und fragt sich, wer in Teufels Namen zu dieser Uhrzeit in einer schummrigen Bar eine „heiße Zitrone“ trinkt. Jedenfalls, dem Gin (und dem Aussehen der Frau) sei Dank, reißt sich der dschun zusammen, lächelt zur Seite und spricht sie an. eventuell sollte die „heiße Zitrone“ so ähnlich wie das „fallengelassene Taschentuch“ aufgefasst werden. Damit wäre ein für alle Mal die Schwierigkeit des „wie spreche ich einen fremden Mann/eine fremde Frau an“ gebannt. Findet die Frau den neben ihr lümmelnden Mann interessant, bestellt sie eine „heiße Zitrone“. Ansonsten bleibt sie beim üblichen Drink („geben Sie mir das Stärkste, was Sie haben!“)

Die Frau erzählt kurz von sich. Sie ist eine germanische Aktionskünstlerin, die in der Bretagne lebt und in Wien eine Freudin besucht. Ich bin beeindruckt, möchte mehr wissen, aber irgendwie will der Funke nicht überspringen. Ich stell mich vor.

„Ich bin der Richard“
„Du bist Richter?“

An dieser Stelle wäre es das Beste gewesen, sofort die Flucht anzu- treten. Es gibt Momente in einem „ungezwungenen“ Gespräch, die einem klar vor Augen führen, dass die Situation gar nicht so unge- zwungen ist, wie man(n) es gerne hätte.

Schreibwetterleuchten

Gestern Nachmittag Gasthörer der Werkstätte Theaterdramaturgie der VWV Kunst & Kommunikation. Gernot Plass, einer der Leiter des Theaters an der Gumpendorferstraße (TAG) erzählte über die Geschichte des Wiener Off-Theaters (die Klein- und Mittelbühnen, die versuchen, sich neben den großen Schauspielhäusern zu platzieren), über das Leben mit zu wenig Budget (freilich, zum Sterben ist’s wieder zu viel), über den Anspruch Qualität abzuliefern, über die Frage, wie man das Theater füllt (StudentInnen kommen bis Ende Juni gratis in den Genuss!) und zu guter Letzt die (politischen) Querelen, die mit der Kunstförderung einhergehen.

Ich gestehe, noch nie im TAG gewesen zu sein. Wird sich freilich ändern (müssen). Immer dann, wenn du jemanden persönlich kennen und schätzen lernst, er dir sympathisch ist und du weißt, dass er mit Leib und Seele in dem aufgeht, was er kreativ tut, dann kannst du diesem Menschen deine Wertschätzung zeigen, in dem du Zeit, Energie oder Geld investierst. Durch Lob und schöne Worte und der bekannten Wiener Schulterklopferei ist nichts erreicht.

Im Anschluss an die Werkstätte plauderte ich angenehmst mit einer Gasthörerin namens B. Sie studiert die Rechtswissenschaften und hat bei Sommer-Musikfestivals in allen Bereichen mitgearbeitet. Sie scheint mir geerdet (Thema: Förderungen; TWW) und stellt die richtigen Fragen („Darf ich du sagen?“). Damit ist für mich klar, sollte ich einmal eine Theaterproduktion auf die Beine stellen, sie wäre im Boot (ich gehe davon aus, dass sie gut schwimmen kann).

Am Abend im schwarzen Salon des Volkstheaters (ist eine Probe- bühne im Dachbereich – man wird hinaufgeführt) die Schreibwetter– Lesung besucht. Raoul Biltgen, das Multitalent in Sachen Schreiben und Schauspielern, mit dem ich im losen Kontakt bin, hat eines seiner Stücke lesen lassen (und selber mitgelesen). Amüsant! Danach gab’s einen Umtrunk (Wein!) und die übliche Plauderei (so man sich traut, die hohen Herrschaften anzusprechen). Wieder mit der Vollblut-Schauspielerin Inge Maux beisammengestanden – wieder beeindruckten mich diese leuchtenden, begeisterten Augen, wenn sie von ihrer geliebten Rolle als Närrin (Shakespeare) sprach. Schön, dass ich auch die Gelegenheit bekam, ihr und Raoul Biltgen („steht das auf deiner WebSite?“) von meinem „Erfolg“ (TWW) zu erzählen. Trotzdem beschlich mich das unangenehme Gefühl, dass man meinen könnte, ich wolle mich anbiedern, mich anbieten, mich anpreisen. Anbiederung liegt mir fern, so wahr ich ein Blog habe, trotzdem bin ich es. Es ist unmöglich, objektiv über seine Leistungen zu befinden. Deshalb tut es gut, wenn es andere tun. Deshalb ist es so notwendig, dass es andere tun – auch wenn diese bezahlt werden, es würde keiner die Nase rümpfen.

Zu guter Letzt, wieder spielt der Zufall Regie, ist mir die WebSite von Kheira Linder (Berlin) über meinen Bildschirm gelaufen. Ihre Illustrationen, ihr ArtWork gefallen mir. Ein bisserl überleg ich bereits, mein neues Buchprojekt von ihr bepinseln zu lassen. Sie könne zwischen „Dienstleistung und Kunst“ unterscheiden, schrieb sie mir auf meine Anfrage hin. Schön, wenn diese Unterscheidung noch gemacht wird. Denn, wie sagte Gernot Plass gestern, zuerst halten die Leute die Hand auf.

Der Versuch ist ein Versuch wert

Nun ist es an der Zeit, einen kleinen Versuchsballon zu starten und zu sehen, was passiert. Wie sieht der Versuch aus? Nun, es gibt da das Fräulein Bluna, das Fräulein tinytuff und Mlle Laura, die sich sichtlich an meinem Geschreibsel erfreuen. Das wiederum freut mich. Ohne dem süßen Applaus schmeckt die schreibende Stille nicht. Aber lesen sie tatsächlich das blöggende Geschreibsel des Dichters zu Wien? Haben sie Zeit dafür? Nehmen sie sich die Zeit dafür? Ich werde den beiden also nicht sagen, dass ich über sie in meinem Blög geschrieben habe. Das heißt, lesen sie von selbst den Beitrag und kommentieren ihn (ich bitte die Versuchsanordnung einzuhalten), dann fühle ich mich geschmeichelt und gestreichelt. Falls sie es nicht tun, dann, na, dann sagen wir, dass sie dummer- weise gerade diesen einen Beitrag nicht gelesen haben 😉

Das Fräulein Bluna, dies gilt es hier festzuhalten, ist meine Lieblingsleserin. Dies kommt daher, dass sie es geschafft hat, mich sprachlos zu machen (und das mit jungen 20 Jahren). Das Fräulein tinytuff (aka Zauselbär) hat Witz und weiß sich stilistisch derart gekonnt auszudrücken, dass ich noch immer rätsle, wie das im zarten Alter von 16 Jahren möglich ist. Würde ich meine Schreibe herausrücken, die ich vor bald 23 Jahren (!) auf das reale Papier gepinselt habe, nun, dann müsste ich wohl den Dichterhut ein für allemal ablegen und einen Deutschkurs besuchen. Mlle Laura – etwa 5.000 km sind es, die uns räumlich trennen – verblüfft mich durch ihre Offenheit. Viele Sprachen, viele Orte wohnen in ihrer fragenden und schreibenden Seele. Ich fühle mich geehrt, wenn sie mich le Poète Viennois nennt und von ihrem Wien träumt (weil sie es nicht kennt, genausowenig, wie ich den afrikanischen Kontinent bzw. Kamerun kenne und meine verblendete Vorstellung habe).

Jetzt gäb es natürlich noch andere, die hier zu nennen wären. Ohne deren virtuellem Engagement ich vermutlich brav an meinem neuen Theaterstück und/oder neuen Buch (‚Tiret‘) arbeiten würde: das Fräulein LillY (gestandene Wienerin mit dem besonderen Schmäh – hätten wir uns nicht vor einem halben Jahr in den Weiten der virtuellen Welt gefunden, wer weiß ob ich heute über das Bloggen nachdenken tät); das Fräulein Visara, mit der es eine wahre Hetz war, sich virtuell auszutauschen – aber schon seit Ewigkeiten nix mehr von ihr gehört (ja, hier bemerken wir wieder, wie schnell sich solche virtuellen Bekanntschaften in Luft auflösen können).

Hab ich jemanden vergessen?

[update 9.5.07] Natürlich, die Ex-Schauspielerin Barabara aus Linz, die es nach Bodrum/Türkei verschlagen hat und (hoffentlich) mal ihr kleines Hotel aufmacht, auf dass ich dann mein Opus Magnum schreiben werde können – im Schatten, mit Blick aufs Meer. Ihre Mutter Eva Patz malt übrigens ganz tolle Sachen. Werde ihr Atelier im Sommer besuchen!

Sonst noch jemand?

[update 10.5.07] Zürich ist zwar Nebenschauplatz, darf aber natürlich nicht fehlen. Weil Maureen dort ihr poetisches Leben zubringt und ich sie im Mai zwecks Buchübergabe zum Kaffeeplausch treffen werde. Die Anreisewahrscheinlichkeit liegt im Moment bei 99 % (frei nach „Und ewig grüßt das Murmeltier“). Dem TGV sei Dank, der Paris mit Zürich hurtigst verbindet. Uih, mit 200 Sachen durch die Gegend fetzen, das hat was, oderrr?

Wen darf ich sonst noch melden?

[update 14.5.07] Spät, aber doch meldet sich L. zu Wort. Freilich, um sie geht es hier eigentlich nicht, aber ein paar Sätze sollen sich ruhig um sie drehen. Ein freundliche Erwähnung ist sowieso angebracht, weil sie sich gar so mehrzeilig hervortat, in einem Kommentar zum erleuchteten Schreibwetter. Allersüßlichst schmeckt ihr Darge- brachtes. Da kann ein Dichter wohl kaum widerstehen. Nein, das kann er nicht!

Weiters?

Schriftsteller & Verleger