perfektes Blog-Styling

Es gibt Blogs, die sehen derartig gut gemacht aus, so irrsinnig glatt und gestylt, dass man nicht weiß, wer da seine schreibenden Finger drinnen hat. Ich denke, ab dem Zeitpunkt, ab dem du nicht mehr klar sagen kannst, ob hinter dem Blog ein einzelner Mensch oder eine Gruppe steht, ab dem Zeitpunkt ist es die neue Form eines virtuellen journalistischen Magazins. Das kann sehr gut gemacht sein. Ist es auch zu meist. Aber ich, für meinen Teil, möchte mit Menschen zu tun haben, die etwas über sich erzählen wollen und können. Möchte einen Namen. Ein Geschlecht. Ein Bild. Ansonsten tut es das Magazin am Kiosk, in der Trafik auch. Dafür braucht es nicht das Web 2.0.

Einnahmen vs. Ausgaben 2006

Geschafft. Mein Spesenverteiler für 2006 ist fertig. Hm?! Nein, eigentlich war er natürlich bereits Anfang 2007 fertig – falls jemand von der Finanz fragen sollte. Der sorgfältige Kaufmann stellt die Einnahmen und die Ausgaben so bald wie möglich zusammen. Ja, ja, so sorgfältig sollt er schon sein.

Wer also wissen will, ob sich so ein Privatdruck denn rechnet, dem darf ich folgende Zahlen präsentieren:

113 171
1667,20

171 Exemplare wurden mir 2006 aus der Hand gerissen. 113 Personen waren im Gegenzug bereit, mir dafür Geld zu überweisen bzw. bar auszuzahlen, was sich mit dem Sümmchen von € 1667,20 niederschlägt. Die Druckkosten für 250 Stück betrugen € 1.595,- die Kosten für Lektorat und Software sind gesondert zu sehen!

Wir sehen, es läppert sich zusammen.
Und, seien wir ehrlich, wegen des Geldes, also nein, wegen des Geldes mach ich mir nicht die Mühe! Blöd, wenn ich dann gefragt werde, wie viel ich schon verkauft habe. Zu meist lächle ich freundlich und murmle „Etwa 200 Stück“. Das beruhigt den Fragesteller zu meist, weil er endlich im Kopf zu multiplizieren und zu rechnen beginnen kann. Ja, heutzutage wird alles und jeder auf die Waagschale gelegt und abgewogen. Was und wer sich nicht rechnet, wird verächtlich auf den Müll der Illusionen geworfen. Aber man möchte nicht meinen, welch wunderbaren Blüten dort gen Himmel sprießen!

My name is Lincoln

Während ich diesen Eintrag schreibe, höre ich das Lied „My Name is Lincoln“ vom Soundtrack „Die Insel“. Es ist jenes Lied, das im Trailer für „Elisabeth: The Golden Age“ Verwendung findet und mich merkwürdigerweise sehr stark in den Bann zieht. Ab und an, wenn ein Lied mein Inneres fasziniert, dann überlege ich mir, wie ein Video, ein Trailer über mein Leben aussehen könnte, unterlegt mit genau dieser Musik.

Die Kamera schwebt über den Dichter, gleitet nach unten. Er geht am Donauufer. Der Wind fährt in seine Haare. Er wirkt nachdenklich. Er bleibt plötzlich stehen. Sieht zur Seite. Schnitt. Der Dichter im Rampenlicht stehend oder sitzend. Lächelnd. Genießend. Zufrieden. Er wird beklatscht. Schnitt. Stille, leise, einsame Momente, in denen der Zweifel sichtbar wird. Ein leeres Blatt am Schreibtisch. Man hört im Off die vielen Stimmen der leisen und lauten Absagen und Ablehnungen, des Belächelt werdens. Schnitt. Die Kamera umkreist den Dichter am Donauufer. Er wirkt in sich gekehrt. Dann blickt er nach oben. Man spürt es. Die göttliche Inspiration. Schnitt. Am Tisch sitzend, das Papier mit nervösem Antrieb füllend, die Welt um sich vergessend. Dann wird die Feder abgesetzt, lehnt er sich zurück. Er ist zutiefst gerührt. Gerührt von diesem Funken, gerührt von diesem poetischen Flüstern. Er schließt die Augen. Für einen kurzen Moment ist er angekommen. Ist er bei sich und weiß um seine unzer- brechliche Kraft. Die Kamera entfernt sich, zoomt sich aus dem Zimmer und gibt den Blick auf das Fenster, das Haus, das Donauufer und die Donau frei.

Off:
Dichter „Es ist ein schöner Tag, Azadeh.“
Azadeh „Ja, es ist ein schöner Tag, mein geliebter Dichter.“

Dornenvögelei in Peru

Heut mit M. viele Stunden im Café Prückel verbracht. Dort hält man’s aus. Da kann ich dann guten Gewissens das Fräulein Laura mit- nehmen. Rotzfreche Kellner gibt’s da nicht, höchstens überforderte Kellnerinnen.

Jedenfalls erzählte mir M. im bunten Cinemascope von ihrer mehrere Monate dauernden Reise in Peru und den Erlebnissen, die für drei Romane reichen würden. Mitten im Dschungel trifft sie ihre große Liebe – einen ehemaligen Priester, dessen Wurzeln in Öster- reich liegen. Erkrankt an Lungenentzündung. Durchlebt Nahtod- Erfahrungen (Steinschlag, Wildpferde, Murenabgänge, Unwetter am See, ‚Entführung‘ in eines der Armenviertel) und heilt den entzundenen Fuß eines Ur-Tirolers (ja, es gibt ein kleines Dorf, in dem die Alteingesessenen noch die tirolerische Mundart pflegen: „Huck di her da und nimm an Kas.“) durch eine simple Fußmassage. Mitarbeit in einem Spital. Die Belegschaft bekniete sie, länger zu bleiben. Schließlich kommt sie nach Wien zurück. Und will am liebsten wieder nach Peru.

Sie wird mir ihre in Peru verfassten intimen E-Mails zukommen lassen. Vielleicht machen wir daraus einen wildromantischen Schlüsselroman. Beruht ja alles auf einer wahren Begebenheit. Soll mir keiner kommen und sagen, das war schon hundert Mal da – oder ich hätte nicht genug Phantasie – oder zu viel. Das Leben schreibt nämlich immer noch die besten Geschichten.

Schriftsteller & Verleger