Lifestyle mit Servicecharakter für den Schriftsteller

Brief an den SchriftstellerJetzt mache ich mir bald keine Sorgen mehr, in Bezug auf meine Schriftstellerei. Letztens bekomme ich ein Hoch- glanz-Magazin zugeschickt. Adressiert an „Richard K. Breuer“ und darunter „Schriftsteller“. Aha!? Da frag ich mich ja, woher die Werbe-Fritzen das jetzt wissen. Wo haben sie ihre Adressen- suchende Nase gesteckt, um mich und meine geheiligte Profession (Bestimmung?) ausfindig zu machen?

Im Übrigen, der Werbe-Brief ist typographisch unter jeder Sau. Eigentlich ein Skandal. Blocksatz ist ja schön und gut, aber man kann es übertreiben. Der fette Font haut mich vom Sessel – bittschön nicht im positiven Sinne zu verstehen. Natürlich habe ich in das Magazin geblättert. Was fällt auf? Den Machern geht es um Hochglanzästhetik von zuweilen unerschwinglichen und teuren Luxus-Gadgets. Der Sinn solcher (Frauen- wie Männer-)Magazine ist es, dem durch- schnittlichen und mit sich unzufriedenen Leser bzw. Leserin* (ja, bei Frauen funktioniert es um vieles Leichter! Scheinbar sind Frauen generell unzufriedener mit ihrer Gesamtsituation bzw. leichter zu beeinflussen) die süßen Trauben, die viel zu hoch hängen, schmackhaft zu machen.

Denn haben wir mal Gusto, so wollen wir unbedingt Trauben. Also nehmen wir die nächstgelegenen und für uns erreichbaren Trauben (ein wenig säuerlich – deshalb sind wir wieder unzufrieden!). Egal, was sie schreiben, was sie zeigen, es geht um den Konsum, um das „Haben wollen“ („meins, meins, meins“). Deshalb kann ich solchen glänzenden Magazinen nichts abgewinnen. Aber ein bisserl schmeicheln tut es mich ja, die Adressierung 🙂

*) wer im Stande ist, sich jeglichen Luxus zu leisten, liest mit Sicherheit kein Hochglanz-Magazin des Geld-Proletariats.

 

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Nummer 3458723190 vortreten zum Blog-Lesen

Ja, schön langsam wird mir einiges klarer. Ich muss mich hüten, jemanden in einer persönlichen E-Mail, so nebenbei, auf mein neues Weblog aufmerksam zu machen („Hey, dann kannst du hin und wieder etwas von mir lesen, falls ich mich mal länger nicht melde. Toll, nicht?“). Weil die Antwort darauf merkwürdigerweise ähnlich ausfällt: „zu wenig Zeit“ oder „ich verbringe lieber die Zeit mit realen Gesprächen“. Aber wer genau hinhört (ja, entweder bist du sensibel oder nicht völlig abgestumpft), der weiß, worum es in Wahrheit geht.

Wir wollen keine x-beliebige Nummer sein. Wir wollen persönlich angesprochen werden. Wir wollen mit jemanden kommunizieren, plaudern, reden, lachen. Wir wollen vom „Gesprächspartner“ am anderen Ender der Internet-Leitung wahrgenommen und akzeptiert werden. Wir wollen hören, dass wir interessant für den anderen sind. Wir wollen uns austauschen. Wollen uns sicher sein, dass wir es mit einem Herz, nicht mit der Ratio zu tun haben.

Erst heute – in einem kleinen Wiener Teeladen*, während einer Weinverkostung* – erzählte der Ägypter Zaid, ein älterer Herr, davon. Dass er Menschen um sich haben möchte (ja, wir haben viel gelacht – war’s der Wein?), und dass nur wahre Freunde jenes Kapital sind, das du wirklich brauchst im Leben. Nichts anderes!

Und ein Weblog ist das genaue Gegenteil. Es lebt nicht. Es sprudelt nicht. Keine Plaudertasche. Viele Schubladen. Es ist tote Kommunikation. Und wer reitet ein totes Pferd? [hab ich schon gesagt, dass M. auf meinem Schreibtisch Fanti entdeckt hat? Obwohl M. noch nie einen Fuß (oder zwei) über meine Türschwelle gesetzt hat. Zauberei?]

So. Das sollte es aber für heute endgültig gewesen sein.
Ich werde nun mein Pferd satteln.

* es sieht nach einer schleichenden Werbung aus – vermutlich ist es das auch – aber wenn man bedenkt, dass die Inhaberin sich ihren Wunschtraum erfüllte (Ladenlokal), dafür einen gutbezahlten Job in der Privatwirtschaft an den Nagel hing und nun versucht, über die Runden zu kommen (wer vermeint, mit einem Teegeschäft reich zu werden, der vermeint auch, als Schriftsteller versorgt zu sein), möchte man mir diese unbezahlte PR verzeihen. Und Silvia, die ebenfalls der Marketingbranche den Rücken kehrte, versucht nun ihr Ding durchzuziehen. Neid, nein, Neid ist auch hier nicht angebracht. Sie haben beide das Risiko des Scheiterns in Kauf genommen, um anderen (und natürlich sich selbst) eine Freude zu bereiten. Die wenigsten sehen es – aber ohne das Engagement einer Renate oder einer Silvia wäre die zivilisierte Gesellschaft eine ärmere. Das wollte ich jetzt unbedingt gesagt haben. Und in meinem Blog kann ich sagen, was ich will.

cartooneske Vertraglichkeiten

das kleine Teufelchen

Jetzt haben wir also den Nutzungsvertrag für Bildrechte ge- schlossen, der Günter ‚Ecki‘ Eckert und ich. Muss ja alles seine Ordnung haben, in der realen Welt des Copyrights. Wie geht es weiter? Ich denke darüber nach, eine Kleinauflage (100 Stück) mit seinen Cartoons zu produzieren. Damit könnte ich dann zu den Comic-Börsen vordringen!

„Das ist ja ein Buch, kein Comic, oder?“ „Moment, Moment … sehen Sie, hier ist ein Cartoon, da ist einer … und sieht das kleine Teufelchen nicht putzig aus?“ – „Na gut, meinetwegen … aber das nächste Mal wollen wir mehr Bilder und weniger Text … das liest ja keiner!“).

Mittelpünktlichkeit

[e-Mail] Servus der blitzende Frosch! Du hast also Bekanntschaft mit meinem neuen Weblog gemacht? Wunderbar. Ich möchte nämlich versuchen, jeden Tag einen Eintrag zu machen. Kannst auch gerne deinen Senf/Kommentar abgeben, falls dir danach ist und du Zeit hast. Meine Vorstellung wäre, dass sich eine Community bildet, in deren Mittelpunkt meine Schreibe steht (damit ist es möglich, dass du dich z.B. mit anderen Bekanntschaften von mir unterhalten kannst, weil ihr beide ja Rotkäppchen & Co gelesen, die Theaterstücke gesehen habt). Freilich, das Ganze würde nur dann funktionieren, wenn mein Bekanntheitsgrad ansteigt – wer widmet sich schon einem angehenden Künstler? Außer vielleicht literatur- wissenschaftlich geschulte Frösche 😉

Schriftsteller & Verleger