China Shipping im TAG!

Gestern im Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG). Nachdem ich mir dachte, man kann ja nicht nur heiße Blog-Luft schreiben, besuchte ich das TAG und die (letzte) Aufführung zu „China Shipping“, Ulrike Syha modernes Remake von Anton Tschechovs „Drei Schwestern“ (das ich aber nicht kenne).

Nachdem die Internetbuchung für zwei Ticktes an der Abendkasse nachdenkliches Haareraufen auslöste, bekam ich einfach zwei Plätze in der ersten Reihe zugewiesen. Das nenn ich lösungsorientierte Flexibilität, die ich mir von einem OFF-Theater erwarte! Gibt ein großes Plus, Herr Plass.

Das Theater erfüllt alle Kriterien für einen entspannten Besuch. Aufsteigende Sitzreihen, gemütliche Polsterstühle und eine kleine Bar im Foyer. Das Bühnenbild ist zweistöckig und beeindruckt! Überhaupt orientiert sich das Stück mehr an die Filmsprache als an die Theaterdramaturgie. So beginnt es damit, dass die Charaktere über sich erzählen dürfen und erst danach werden die vielen Szenen familiärer Pseudo-Idylle bloßgelegt (das klassische Weihnachstfest darf nicht fehlen). Zwar ist das Stück als Komödie tituliert, zuweilen bleibt einem aber das Lachen im Halse stecken, wenn sich Nervenzusammenbrüche und Schreikrämpfe vor seinen Füßen abspielen. Bis auf zwei Schauspieler wurden die Rollen mit StudentInnen der Schauspielabteilung der Konservatorium Wien Privatuniversität besetzt. Fabelhaft gespielt haben sie alle.

Alles in allem ein empfehlenswerter Abend – dumm, dass es die letzte Vorstellung war. Frage mich gerade, wie die Autorin auf den Titel „China Shipping“ gekommen ist (ja, China findet als „Fluchtort“ Erwähnung). Als ich den Titel zum ersten Mal hörte, dachte ich zu aller erst an ein „Anti-Globalisierungs-Theaterstück“. Man sollte nicht meinen, wie wichtig ein Titel sein kann, will man ein Theaterstück verkaufen. Wollt ich nur gesagt haben.

Werbeanzeigen

Dreimal ist keinmal

Gestern also zum dritten Mal im Theater, im TWW. Ich kann scheinbar noch immer nicht genug bekommen. Woran es wohl liegen mag? Natürlich, ich habe Anteil daran und freue mich, wenn gelacht und geschmunzelt wird, wenn das Publikum aufmerksam ist und die Pointen und Bonmots nicht nur gierig hinunterhört, sondern es sich diese genüsslich auf dem Ohr zergehen lassen. Aber der wahre Grund ist wohl die alles überstrahlende Sympathie, die jede Aufführung angenehm einhüllt und in ein berauschendes, ja erregendes Seelen- spiel färbt! Beinah könnte man danach süchtig werden. Ob ich morgen wieder hingeh?

Gestern. X. sagte mir ab („Babysitten für eine sehr gute Freundin“) Y. sagte mir ab („Ich hab es dir nicht versprochen!“). Ich war verärgert. Sehr verärgert. Also „nur“ mit T. ins Theater. Nach dem Umtrunk wieder zurück nach Wien, diesmal aber mit Jean Paul und Princess am Rücksitz. Unterhaltsam war’s, die automobile Kleinkunstbühne. Und aus dem Ärger ist Trotz geworden.

Irgendwo in Irland

Den Trailer zu „Once“ sollte man gesehen haben. Es gibt sie also, diese Schauspieler und Schauspielerinnen, denen man nicht anmerkt, dass sie einem etwas Vorspielen. Sie verhalten sich nicht gekünstelt ungekünstelt. Sie scheinen aus dem Leben gegriffen. Man könnte meinen, dass man sie erst gestern gesehen hätte. Oder kommen einen bekannt vor. Diese Filme sind selten, die das wahre Leben einfangen und es nicht simulieren. ABER, am Ende bleibt der Film was er ist: eine Illusion. Gut gemacht. Wunderbar gespielt. Ja, für ein paar Minuten ist man der Wirklichkeit enthoben und erfreut sich an der gespielten Schönheit eines Lachens. Irgendwo in Irland.

Und als Zugabe, weil’s gar so schön ist das Liederl, hier das Video zu Falling Slowly.

A + B + C + D – XYZ = 0

Du verschickst Einladungen an A, B, C und D für einen gemütlichen Abend mit Wein und Plauderei. Nun ist es so, dass A Interesse an B, B Interesse an C, C Interesse an D und D Interesse an XYZ hat. Der Zusage-Reigen setzt mit einem „Ja, warum nicht?“ oder „Ich hab’s mir mal notiert.“ ein.

Dann erfährt D, dass am selben Tag XYZ (von der/dem du ja nix weißt) Zeit für ihn/sie hätte. Aha. D schickt also ein „Sorry!“. Was wiederum C veranlasst, sich ebenfalls zurückzuziehen („Warum kommt der/die D nicht?“). B ist es peinlich, mit einmal doch keine Zeit zu haben. Und A? („Nur wir zwei?“)

Die Moral von dieser Geschichte?
Wir sind mal der Gastgeber, mal A, mal B, mal C, mal D – selten XYZ.

Im Übrigen, das Wort „sorry“ kommt bei mir gar nicht gut. Es riecht nach Schulterzucken. Es schmeckt nach Wurschtigkeit. Es verkürzt die Erklärung, die nicht gegeben werden muss, die aber für den höflichen und respektvollen Umgang notwendig ist. Wir wollen uns die Rosinen aus dem Kuchen (na gut, Rosinen kann ich net leiden, aber …) picken, vermeinen ein Recht darauf zu haben. Legen uns nicht fest. Entscheiden kurzfristig. Es wird abgewogen. Es wird gerechnet. Kalkuliert. Justiert. Deshalb braucht es Bezugspersonen. Deshalb sehnen sich so viele nach einer Partnerschaft, im Glauben, dass dadurch alles Problem gelöst wird. Wird es?

[update des Beitrages „Tonic„]

l’appel de l’orient

Eigentlich wollte ich ja hier und jetzt lang und breit über die (familiäre) Podiumsdiskussion vom Team Teichenberg zur Programm-Reform des ORF erzählen. Diese fand im Quartier der Digitalen Kunst (QDK) im MuseumsQuartier statt. Die Diskussion an sich war jetzt nicht so aufregend, aber das Drumherum, das Persönliche, das Networking, das Aufgenommene, ja, das wäre und ist ein Eintrag wert – vielleicht morgen.

Während ich also gerade den Hunger stillte, zappte ich blöd herum und landete auf Wiens erstem offenen Fernsehkanal (OKTO), wo ein Gespräch mit Angelika Herta und Anna Walch, zwei Literatur- wissenschaftlerinnen, gesendet wurde, die marokkanische Schrift- steller vor Ort interviewt und daraus den Dokumentarfilm l’appel de l’orient gemacht haben. Das klingt jetzt nicht gerade spannend. Ist es aber! Denn was diese älteren Herren (und eine Dame) aus Marokko zu sagen haben, das ist tief beeindruckend. Jetzt habe ich die beiden natürlich gleich angeschrieben – in der Hoffnung, dass sie mir eine DVD (gegen Bezahlung) schicken werden.

Ach, es ist halt eine große Freud, wenn man engagierte Menschen kennen lernen darf, die die festgefahrenen Pfade (wenigstens für kurze Zeit) verlassen bzw. verlassen haben. Wenn dich andere durch ihr Tun oder ihre Präsenz beeindrucken, beeinflussen sie dich. Jeder Einfluss, ob gut, ob schlecht, tropft in deine Seele. Bis diese überläuft. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, diesen Überfluss in eine Form zu bringen, diesem eine Form zu geben. So entsteht Inspiration. So entsteht schlussendlich wahre Kunst.

Schriftsteller & Verleger