Der Versuch ist ein Versuch wert

Nun ist es an der Zeit, einen kleinen Versuchsballon zu starten und zu sehen, was passiert. Wie sieht der Versuch aus? Nun, es gibt da das Fräulein Bluna, das Fräulein tinytuff und Mlle Laura, die sich sichtlich an meinem Geschreibsel erfreuen. Das wiederum freut mich. Ohne dem süßen Applaus schmeckt die schreibende Stille nicht. Aber lesen sie tatsächlich das blöggende Geschreibsel des Dichters zu Wien? Haben sie Zeit dafür? Nehmen sie sich die Zeit dafür? Ich werde den beiden also nicht sagen, dass ich über sie in meinem Blög geschrieben habe. Das heißt, lesen sie von selbst den Beitrag und kommentieren ihn (ich bitte die Versuchsanordnung einzuhalten), dann fühle ich mich geschmeichelt und gestreichelt. Falls sie es nicht tun, dann, na, dann sagen wir, dass sie dummer- weise gerade diesen einen Beitrag nicht gelesen haben 😉

Das Fräulein Bluna, dies gilt es hier festzuhalten, ist meine Lieblingsleserin. Dies kommt daher, dass sie es geschafft hat, mich sprachlos zu machen (und das mit jungen 20 Jahren). Das Fräulein tinytuff (aka Zauselbär) hat Witz und weiß sich stilistisch derart gekonnt auszudrücken, dass ich noch immer rätsle, wie das im zarten Alter von 16 Jahren möglich ist. Würde ich meine Schreibe herausrücken, die ich vor bald 23 Jahren (!) auf das reale Papier gepinselt habe, nun, dann müsste ich wohl den Dichterhut ein für allemal ablegen und einen Deutschkurs besuchen. Mlle Laura – etwa 5.000 km sind es, die uns räumlich trennen – verblüfft mich durch ihre Offenheit. Viele Sprachen, viele Orte wohnen in ihrer fragenden und schreibenden Seele. Ich fühle mich geehrt, wenn sie mich le Poète Viennois nennt und von ihrem Wien träumt (weil sie es nicht kennt, genausowenig, wie ich den afrikanischen Kontinent bzw. Kamerun kenne und meine verblendete Vorstellung habe).

Jetzt gäb es natürlich noch andere, die hier zu nennen wären. Ohne deren virtuellem Engagement ich vermutlich brav an meinem neuen Theaterstück und/oder neuen Buch (‚Tiret‘) arbeiten würde: das Fräulein LillY (gestandene Wienerin mit dem besonderen Schmäh – hätten wir uns nicht vor einem halben Jahr in den Weiten der virtuellen Welt gefunden, wer weiß ob ich heute über das Bloggen nachdenken tät); das Fräulein Visara, mit der es eine wahre Hetz war, sich virtuell auszutauschen – aber schon seit Ewigkeiten nix mehr von ihr gehört (ja, hier bemerken wir wieder, wie schnell sich solche virtuellen Bekanntschaften in Luft auflösen können).

Hab ich jemanden vergessen?

[update 9.5.07] Natürlich, die Ex-Schauspielerin Barabara aus Linz, die es nach Bodrum/Türkei verschlagen hat und (hoffentlich) mal ihr kleines Hotel aufmacht, auf dass ich dann mein Opus Magnum schreiben werde können – im Schatten, mit Blick aufs Meer. Ihre Mutter Eva Patz malt übrigens ganz tolle Sachen. Werde ihr Atelier im Sommer besuchen!

Sonst noch jemand?

[update 10.5.07] Zürich ist zwar Nebenschauplatz, darf aber natürlich nicht fehlen. Weil Maureen dort ihr poetisches Leben zubringt und ich sie im Mai zwecks Buchübergabe zum Kaffeeplausch treffen werde. Die Anreisewahrscheinlichkeit liegt im Moment bei 99 % (frei nach „Und ewig grüßt das Murmeltier“). Dem TGV sei Dank, der Paris mit Zürich hurtigst verbindet. Uih, mit 200 Sachen durch die Gegend fetzen, das hat was, oderrr?

Wen darf ich sonst noch melden?

[update 14.5.07] Spät, aber doch meldet sich L. zu Wort. Freilich, um sie geht es hier eigentlich nicht, aber ein paar Sätze sollen sich ruhig um sie drehen. Ein freundliche Erwähnung ist sowieso angebracht, weil sie sich gar so mehrzeilig hervortat, in einem Kommentar zum erleuchteten Schreibwetter. Allersüßlichst schmeckt ihr Darge- brachtes. Da kann ein Dichter wohl kaum widerstehen. Nein, das kann er nicht!

Weiters?

das Stehaufmanderl-Gen

Um heutzutage die Leute zu motivieren (Vorsicht, wir sind alle eine Leut!), bedarf es der ausgefallensten Tricks und Kniffe. Da die Zeit begrenzt ist, die jedermann und jederfrau zur Verfügung hat, muss das Input/Output-Verhältnis („was wiegt’s, das hat’s!“) eines Veranstaltungsbesuches abgeklärt werden. Wer schon einmal eine Festivität geplant und durchgezogen hat, weiß wovon hier die Rede ist. Undank ist der Welten Lohn, heißt es nicht umsonst und bewahrheitet sich immer wieder. Ein Glück, dass all jene nicht den Mut und die Überzeugung verlieren, weiterzumachen, wieder etwas auf die Beine zu stellen. Diese besonderen Menschen haben das Stehaufmanderl-Gen in sich (man könnte auch sagen, sie sind so blöd, sich den Allerwertesten aufzureißen für nix und wieder nix).

Was ich aber immer wieder bemerke, ist, dass gerade die jungen Menschen offener und risikofreudiger sind, als all die gesetzten und gereiften mittleren Alters.

Vielleicht hängt es auch von der Familiensituation ab. Wird in der Kommuniktion das ich durch das wir ersetzt, ist es das untrügliche Zeichen, dass damit die große Unplanbarkeit einhergeht: „Du, da muss ich mein Schatzerl fragen, ob wir am Freitag kommen können. Ich glaube, wir fahren da zur Großtante ins Altersheim, aber ich geb dir noch Bescheid.“ Ist die Familiensituation noch mit kleinen Kindern angereichert, strebt die Planbarkeit gegen Null: „Am Freitag? Oje. Das ist schlecht. Die Schwiegereltern spielen am Freitag immer Bridge … das geht dann wohl nicht.“ Der Klassiker der Motivationsforschung ist jener Sologeiger, der das nötige Orchester um sich benötigt: „Am Freitag. Ja, könnte schon gehen, müsste ich mir noch genauer anschauen. Wer kommt denn sonst noch? Ach, du hast nur A. und B. angeschrieben? Was ist denn mit C. und D.? Haben noch nicht geantwortet? Aha. Und E.? Ja, die ist in Rom. Sonst? Aha. Ja, also, schau ma mal.“ Der zweite Geiger ist immer unschlüssig und abwartend, ein angeborener „Vielleicht“-Sager.

Deshalb ist es so wichtig, wenn du etwas auf die dünnen Beine stellst, dass du eingefleischte JüngerInnen um dich scharst, die für dich durchs Feuer (leicht angeröstet) gehen. Denn nichts motiviert die gesetzten Leute mehr, als zu hören, dass es da begeisterte und lebensbejahende und offene und gesellige und schöne und begehrenswerte und interessante und bekannte Menschen (= JüngerInnen) gibt, die sie treffen und bequatschen und näher kennen lernen können.

Jetzt gibt es nur noch eine Frage!
Wo bekommt man solche JüngerInnen her?

Seelenfressendes

Heute M. getroffen – und wieder musste ich feststellen, dass es eine Vielzahl dieser Seelen fressenden Menschen um uns herum gibt. Sie sind Blender. Sie blenden sich und uns mit Andeutungen. Sie erzählen viel, sagen wenig. Sie erniedrigen uns, um sich höher zu fühlen. Ihr Tun wird in einem hellen Licht beschrieben, das unsrige im Dunkel belassen. Jede Frau, die sie uns beschreiben, werden in eine der zwei Kategorien eingeteilt: attraktiv oder hässlich – nichts dazwischen. Sie machen Witze auf Kosten anderer, auf Kosten von uns. Ihre Einsamkeit überdecken sie mit einer Unzahl an oberflächlichen Bekanntschaften, die sie als Freunde preisen.

All diese Blender möchten von einem ablenken: dass ihr Herz von keiner sanften Hand berührt wird. Während die einen still und leise sich zurückziehen, von der Welt, sind sie es, die laut und lärmend nach vor stürmen.

Das einzige probate Mittel, um sich vor diesen Menschen zu schützen, ist, ihnen aus dem Weg zu gehen. Schnell!

Theatralisches Fieber

Einigermaßen aufgedreht und aufgewühlt aus dem Zug gestiegen. Wieder im Theater gewesen, das zweite Mal, wieder das Stück und die Schauspieler und die Inszenierung bewundert und beklatscht. Je mehr ich drüber nachdenke, umso mehr muss ich meinen Hut ziehen. Von einer Provinzbühne sind wir da meilenweit entfernt – man sollte sich mal das „Fever“ von Janne Kliegl auf dem Ohr zergehen lassen! Wahrlich, ein Augenschmaus!

Vorm Beginn bringt mir Uli den Ausschnitt der Nieder- österreichischen Nachrichten (NöN), die über die Premiere geschrieben hat. Die Zeitung lobt es über den Klee. Ich bin ein bisserl skeptisch (liegt in meiner Natur), vermeine eine Spende des Imkerverbandes habe hier nachgeholfen, um den süßen Honig in die Rezension zu schmieren, aber meine hübsche Begleitung nickt anerkennend, klopft mir förmlich auf die Schulter. Ja, das sind die Momente, in denen mir kurzzeitig bewusst wird, dass es der stille Applaus ist, der mich stärkt.

Freilich, nach zwei Achterln Wein, einem sehr gut besuchten Haus (ich dachte schon, es kommen vielleicht keine, an einem ver- regneten kalten Sonntag) und der überaus charmanten Plauderei mit meiner Begleitung (ja, wir erreichen den letzten Zug ohne Probleme), komme ich zum Schluss, dass ich von allem mehr will. Momenterl … was hab ich da gerade geschrieben? Ach so … ich bin ja Dichter*! Die Übertreibung ist es, die den Kern der Wahrheit umhüllt. Jetzt werd ich noch ein bisserl die Welt umarmen. Das hab ich mir redlich verdient. Ja, jeder bekommt am Ende das, was er verdient. Ich geh jedenfalls davon aus.

* und beschwipst *hicks*

Lifestyle mit Servicecharakter für den Schriftsteller

Brief an den SchriftstellerJetzt mache ich mir bald keine Sorgen mehr, in Bezug auf meine Schriftstellerei. Letztens bekomme ich ein Hoch- glanz-Magazin zugeschickt. Adressiert an „Richard K. Breuer“ und darunter „Schriftsteller“. Aha!? Da frag ich mich ja, woher die Werbe-Fritzen das jetzt wissen. Wo haben sie ihre Adressen- suchende Nase gesteckt, um mich und meine geheiligte Profession (Bestimmung?) ausfindig zu machen?

Im Übrigen, der Werbe-Brief ist typographisch unter jeder Sau. Eigentlich ein Skandal. Blocksatz ist ja schön und gut, aber man kann es übertreiben. Der fette Font haut mich vom Sessel – bittschön nicht im positiven Sinne zu verstehen. Natürlich habe ich in das Magazin geblättert. Was fällt auf? Den Machern geht es um Hochglanzästhetik von zuweilen unerschwinglichen und teuren Luxus-Gadgets. Der Sinn solcher (Frauen- wie Männer-)Magazine ist es, dem durch- schnittlichen und mit sich unzufriedenen Leser bzw. Leserin* (ja, bei Frauen funktioniert es um vieles Leichter! Scheinbar sind Frauen generell unzufriedener mit ihrer Gesamtsituation bzw. leichter zu beeinflussen) die süßen Trauben, die viel zu hoch hängen, schmackhaft zu machen.

Denn haben wir mal Gusto, so wollen wir unbedingt Trauben. Also nehmen wir die nächstgelegenen und für uns erreichbaren Trauben (ein wenig säuerlich – deshalb sind wir wieder unzufrieden!). Egal, was sie schreiben, was sie zeigen, es geht um den Konsum, um das „Haben wollen“ („meins, meins, meins“). Deshalb kann ich solchen glänzenden Magazinen nichts abgewinnen. Aber ein bisserl schmeicheln tut es mich ja, die Adressierung 🙂

*) wer im Stande ist, sich jeglichen Luxus zu leisten, liest mit Sicherheit kein Hochglanz-Magazin des Geld-Proletariats.

 

Schriftsteller & Verleger