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Das Einläuten der letzten Runde der Tiret-Saga: Penly

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Im Wonnemonat Mai wird nun der vierte und letzte Band der Tiret-Saga PENLY: Fragment eines Blutbades am Vorabend der Revolution erscheinen. Wie im Untertitel bereits angedeutet, geht es auf den etwa 350 Seiten recht blutig zur Sache, was aber nicht heißen soll, dass der feine Humor, neben dem Rätselhaften, zu kurz kommt. Der Leser darf sich in jedem Fall auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle und einen würdigen Abschluss der Saga freuen, die 2008 ihren Anfang nahm.

Vorbestellungen für die Kleinauflage im Taschenbuchformat werden natürlich gerne entgegen genommen, schließlich muss ja die Butter irgendwie auf das vertrocknete Brot kommen, nicht wahr? Für meine treue Leserschaft werde ich sicherlich das eine oder andere verlockende Angebot mit anderen Titeln schnüren, beispielsweise hat sich die autobiographische Fiktion Der Fetisch des Erik van der Rohe (link) leider noch nicht so herumgesprochen, wie ich es mir gerne erwartet hätte. Das wird sich hoffentlich bald ändern, weil es kaum Vergleichbares im literarischen Kommerzbetrieb gibt.

In diesem Sinne.

 

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Als der Himmel voller Bücher hing

Gestern, vor 8 Jahren, ist die Buchpräsentation zu Die Liebesnacht des Dichters Tiret im Wiener MQ über die Bühne gegangen. Der kleine Filmclip lässt das Geschehen Revue passieren. Damals war ich noch recht naiv in den verlegerischen Schlagabtausch gegangen; ja, ich dachte, es gäbe  Chancengleichheit, weil, heißt es nicht, der freie Markt ist für alle da? Aber je mehr ich in das kapitalistische Drumherum drang, desto klarer wurde mir die Aussichtslosigkeit all der ambitionierten Davids, die sich gegen die marktmächtigen Goliaths zu stemmen versuchen. Talente, Gaben und Tugenden sind keine umsatzsteigernden Eigenschaften. Auch der junge Goethe musste das zu Beginn seiner Karriere feststellen, als er auf einen Berg selbst publizierter Götz-Bücher saß und seinen Freunden Brandbriefe schrieb: „Hört, wenn ihr mir wollet Exemplare von Götz verkaufen, ihr tätet mir einen Gefallen.“ [Siehe Seite 176]

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Goldstein und seine Irrlehren anno 2015

Eine Welt, wie sie sein könnte …

Ehrlich gesagt, ich habe keine Idee, wie man den gewöhnlichen Bürger dazu bringen kann, über den Tellerrand zu schauen. Mit einem dicken aufklärerischen Wälzer – so richtig und wahr der Inhalt auch sein mag – ist es nicht getan. Die Emotion wird die Vernunft immer ausstechen. Social-Media – so viel ist mir jetzt klar geworden – verstärkt und schürt die (gemeinsam gefühlten) Gefühlswallungen in eine gezielte Richtung. Es braucht nicht viel, höchstens ein kleiner Hinweis, und schon verlangt die aufgebrachte Menge die Köpfe der (vermeintlich) Schuldigen. Langsam dämmert mir, wie die Agitatoren und Agent Provocateure der Französischen Revolution von 1789 vorgegangen sein dürften, um ‚das Volk‘ auf ihre Seite zu ziehen. Wahrlich, es braucht nicht viel, um das Herz eines gewöhnlichen Bürgers auf eine Weise zu erweichen, um ihn für die ‚gute Sache‘ zu gewinnen. Die Manipulation bei alledem ist nicht die Erweichung des Herzens, vielmehr die Darstellung einer Sache als ‚gut und richtig‘.

Man lese hierzu ein weiteres Mal George Orwells 1984 um zu begreifen, wie eine Obrigkeit die Massen manipuliert. Das Proletariat, die breite Masse, wird mit Nonsens abgelenkt:

»Es gab eine ganze Reihe von Abteilungen [im Ministerium für Wahrheit], die wertlose Zeitungen produzierten, die nur Sport, Verbrechen und Horoskope enthielten.«

Und jene Minderheit, die das manipulative System aufrecht erhält, wird mit Hassparolen und Patriotismus bei der Stange gehalten. Sie erfahren, wer Feind, wer Befehlshaber ist:

»Nie verging ein Tag, an dem nicht nach seinen Weisungen tätige Spione und Saboteure von der Gedankenpolizei entlarvt wurden. [Goldstein] war der Befehlshaber einer großen Schatten-Armee, eines Untergrund-Verschwörernetzes, das sich den Sturz der Regierung zum Ziel setzte. Der Name der Organisation sei Die Bruderschaft, so hieß es.«

Erst am Ende der Geschichte erfährt der Protagonist, dass Goldstein und die Organisation Die Bruderschaft nur eine Erfindung der Partei war. Diese kontrollierte Opposition konnte von der Partei nach Belieben ausgeschlachtet werden:

»Je mächtiger die Partei ist, desto weniger duldsam wird sie sein: je schwächer die Opposition, desto unerbittlicher die Gewaltherrschaft. Goldstein und seine Irrlehren [lies: Terrorismus] werden ewig in der Welt sein. Jeden Tag, jeden Augenblick werden sie zunichte gemacht, beschimpft, verlacht, bespuckt werden – und doch werden sie immer bleiben.«

Auf den Punkt brachte es 2003 der damalige britische Umweltminister Michael Meacher in seinem Kommentar im Guardian:

This war on terrorism is bogus

 

Eine Blutoper namens Penly

Penly_Box_openSodala. Das Spielemagazin ist mal in trockenen Tüchern und in der Druckerei. Die Conspiracy-Mühlen mahlen derweil langsam und bedächtig – was vorauszusehen war, führt man sich Inhalt und Umfang des Werkes vor Augen. Somit wird es mit Band IV der Tiret-Saga: Penly so richtig ernst. Das blutige Insel-Massaker ist nichts für zarte Gemüter, schließt aber den Kreis vorbildlich. Und was gibt es Schöneres, für einen Schriftsteller, wenn er einen Bogen über vier Bände spannen kann? Reizend, nicht? Ob die tarantinoeske Blutoper noch in diesem Jahr erscheinen wird, steht in den Sternen. Vielleicht im Frühjahr 2015? Oder doch noch vor Weihnachten? Sie wissen schon, der Buchhandel und das Weihnachtsgeschäft, die gehen eine lukrative Symbiose ein. Na, es wird wohl auf die Vorbestellungen/Reservierungen ankommen. Zumindest könnte ich Band IV zunächst mal als E-Book publizieren. Tja. Immer diese Entscheidungen. Ja, leicht hat man es als Autorverleger nicht. *lehnt sich zurück, schlürft Kaffee und starrt Löcher in den Spätsommerhimmel*

 

update: Französische Bauern steckten aus Protest das Büro der Steuerbehörde in Brand. Oui, oui. 1788/89? Non! 2014. link

Oui, der Kreis schließt sich in Penly.

Quote_Peckinpah_Schicksal

Die letzte Woche habe ich mich mit aller Ernsthaftigkeit an die Überarbeitung von Band IV der revolutionären Tiret-Saga PENLY: Fragment eines Blutbades gemacht. Etwa zur Hälfte  vorgedrungen, musste ich überrascht feststellen, dass sich darin amüsante Bonmots finden, an die ich mich gar nicht mehr erinnern konnte. Freilich, der eine oder andere unglückliche Fauxpas ist aus dem Nebel der Wörter aufgetaucht. Aber dafür sind Überarbeitungen schließlich gemacht. Wie dem auch sei, es geht ganz gut voran. Die nächsten Kapiteln werden mich dann doch mehr in Anspruch nehmen, versuche ich doch tatsächlich einen blutigen Konflikt mittels eines literarischen „Split-Screens“ umzusetzen. Ich hoffe, es funktioniert. Der Leser, so die Idee, sollte in die Lage versetzt werden, die verschiedenen Blickwinkel eines Gefechtes einzunehmen um so besser zu verstehen, was da „verdammt noch mal“ vor sich geht bzw. gegangen ist. Das klingt jetzt alles vielleicht ein wenig holprig, aber wenn man es liest, versteht man sofort, worum es mir geht. Nicht von ungefähr zitiere ich hier Eingangs einen gewissen Sam Peckinpah, Enfant terrible Hollywoods, der mit dem Spätwestern The Wild Bunch imdb das „Todesballett“ in aller Ausführlichkeit zelebrierte. Im Jahr 1969 war das freilich äußerst kontrovers. Heutzutage lockt es freilich kaum noch einen Pazifisten hinter seinem Webforum hervor. Auf mich haben die Peckinpah-Filme jedenfalls einen starken Eindruck hinterlassen. So experimentierte ich bereits in meiner Jugend und ersten literarischen Blütezeit mit – unzulänglichen – Mitteln, das Gesehene in Wort und Schrift zu fassen. Ich bemerkte bereits damals, dass es nicht gerade einfach ist, eine bildhafte Action auf eine oder mehrere Papierseiten zu pressen. Viele, viele Jahre später, als ich an Tiret arbeitete, sagte ich mir dann, dass es gar nicht möglich sei, eine gute Action zu schreiben. Mit Penly hingegen hoffe ich, mich Lügen zu strafen. Sie sehen, ich bin der Wahrheit verpflichtet. Sort of.