richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Schlagwort-Archiv: 2001

Die Hörigkeit der klugen Leute bezüglich 9/11

Die letzten Tage ist das Gespräch auf den Anschlag vom 11. September 2001, sprich 9/11, gekommen. Kluge Leute saßen da mit mir am gemütlichen Tisch. Abitur. Studium. Technisch durchaus versiert. Liberal. Aufgeklärt. Und doch verteidigen sie mit Händen und Füßen die offizielle Version des Anschlags. Warum?

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Die gravierenden Probleme eines zukünftigen Historikers

ColinRoss2016

Kennen Sie den Wiener Reiseschriftsteller Colin Roß? Nein? Warum bloß?

Stellen Sie sich vor, ein junger Historiker macht sich in ferner Zukunft daran, einen wissenschaftlichen Blick auf die 2000er Jahre zu werfen. Diese Epoche liegt für ihn weit zurück, sagen wir, 700 Jahre. Die Welt, der Mensch, die Natur, sie alle haben sich verändert. Aber für den jungen Historiker, der in dieses – für uns – so gänzlich andere Universum hineingeboren wurde, ist es Normalität.

Wie werden nachfolgende Generationen unser Zeitalter benennen? Ist es das »Dunkle Monetärzeitalter«? Oder ist es der »Vormärz der Neuen Weltordnung«?

Der zukünftige Historiker wird vermutlich auf eine Vielzahl von Berichten und Dokumenten, von Büchern und Plänen und von sonstigen schriftlichen Aufzeichnungen aus unserer Zeit – freilich allesamt digitalisiert – zurückgreifen können. Die Frage ist, welches Datenmaterial sollte er für seine wissenschaftliche Arbeit auswählen und auswerten und welches ignorieren?

Die erste Aufgabe eines gewissenhaften Historikers ist jene, den Verfasser des Quellenmaterials zu kategorisieren, diesen einzuordnen. Berichte, egal wie alt oder jung sie auch sein mögen, sind immer aus der Sichtweise – besser: dem Blickwinkel – des Autors geschrieben. Deshalb, so der Biophysiker und Biokynetiker Prof. Heinz von Foerster, sei history immer nur fiction, niemals fact! Kurz und gut: Niemand kann aus seiner Haut – auch wenn er noch so sehr um Objektivität bemüht ist. Je mehr der Historiker über den Verfasser eines Berichtes weiß, um so eher ist er in der Lage, die darin enthaltenen Informationen in einen Kontext zu stellen. Letztendlich geht es immer nur darum: Kontext herzustellen und einen Bogen zu spannen. Simpler auf den Punkt gebracht: Es gilt, eine kohärente, d.h. sinnvolle Geschichte zu erzählen. Jedes neugierige und aufgeweckte Kind erkennt sofort Widersprüche und Auslassungen in einer Fabel, was den Schluss nahe legt, dass uns das Verlangen nach Sinn und Ordnung in die Wiege gelegt wird. Dummerweise bedeutet es aber auch, dass der gewöhnliche Mensch bereit ist, absurde und an den Haaren herbeigezogene »Fakten« als »Wahrheit« zu akzeptieren, so lange diese sein kohärentes Weltbild bestätigen.

Was wird nun ein junger Historiker im Jahre 2716 über die 2000er Jahre in Erfahrung bringen können? Aber viel wichtiger ist die Frage, was wird er am Ende seiner Recherche schreiben dürfen? Jedes Zeitalter kennt eine Form der Zensur, eine Form der Zurückhaltung, eine Form des Beugens. Deshalb wird der zukünftige Historiker nur jene vergangenen Tabus ans Licht holen, die er gegenwärtig ans Licht holen darf. Gut möglich also, dass der junge Historiker nach Auswertung seiner Quellen zur überraschenden Einsicht gelangt, dass die »Kreuzzüge der Demokratien« in Afghanistan, Irak, Libyen, Palästina und Syrien nicht, wie es gemeinhin heißt, ein Kampf der Kulturen war, sondern vielmehr ein imperialer Krieg der internationalen Bankiers um den Dreieckshandel Erdöl-Drogen-Waffen vollends an sich zu reißen. Tja. Da sitzt er nun, der zukünftige junge Historiker, und rauft sich die Haare. Unmöglich, denkt er sich, solch eine Verschwörungstheorie auch nur in einem wissenschaftlichen Werk zu erwähnen. Er könnte nicht nur seinen Forschungsauftrag verlieren, sondern er würde sich auch vor Gericht verantworten müssen.

Welch Segen, dass ein junger Historiker im Jahr 2016 von solch gravierenden Problemen verschont bleibt. Das ist doch so, oder etwa nicht?

NAPOLEON von Stanley Kubrick, 1969

Nach zwei Jahren war Kubrick ein wirklicher Gelehrter, was die
Französische Revolution und ihre Auswirkungen auf Europa anging.
Kubricks Schwager

Durch Zufall auf das rund 150seitige Script von NAPOLEON gestoßen und gelesen. Faszinierend, wie Filmzauberer Stanley Kubrick versucht hat, das Leben und die Ereignisse rund um das Leben Napoleons in 180 Minuten exemplarisch darzustellen und zu inszenieren. Gewiss, 1969 war das Script vermutlich seiner Zeit voraus. Heute, nun ja, wäre es eher ein TV-Dokudrama, als ein episches Hollywood-Stück. Am ehesten vergleichbar mit der TV-Mini-Serie Napoléon von 2002.

Eines aber lässt mich nachdenklich zurück. Wie konnte es einem Regisseur vom Format eines Stanley Kubricks passieren, dass er nicht die Unzulänglichkeiten der Stoff-Aufbereitung bemerkte? Im Besonderen und vor allem, dass der ganze Film hindurch mit historischen Erklärungen aus dem Off begleitetet werden muss. Ist es noch zu Beginn eines gewichtigen Stoffes sinnvoll und notwendig, so ermüdet nach einer Weile die narrative Aneinanderreihung den Zuschauer (der nichts von den vielen historischen Bezügen und Querverweisen versteht). Generell gilt ja, dass der Film eine visuelle Umsetzung der Geschichte sein soll, ohne dass dabei jemand aus dem Off etwaige Erklärungen hinzufügen muss. Aus meiner Sicht kann das Script nicht funktionieren. Noch mehr, wo ich mich ein wenig in die Historie eingelesen habe. Nicht so intensiv, wie es Kubrick getan hat bzw. getan haben soll, aber immerhin kann ich mir von Fouché und Talleyrand ein einigermaßen gutes Bild machen. Zwar bekräftigt Kubrick im Script, dass diese beiden historischen Persönlichkeiten eine wichtige Rolle im Film spielen, tatsächlich bleiben sie im Script unbedeutend. Hm.

Man könnte sich beinahe in die (böse) Vermutung versteigen, dass das Script keine sonderliche Aufmerksamkeit von Kubrick erhielt, obwohl es (angeblich) sein Herzblut-Projekt war. Oder übersehe ich hier etwas?

By the way, eine witzige Anekdote am Rande ist ja, dass es die konspirative Theorie gibt, dass Kubrick die Mondlandung 1969 für die NASA inszeniert hat. Seine Weltraum-Extravaganz 2001: Odyssee im Weltraum erschien im Jahr 1968 und stellte alles bisher Dagewesen an Weltraum-Spezialeffekten in den Schatten (»Es ist voller Sterne!«). Was liegt demnach näher, als Kubrick mit einer inszenierten Mondlandung in Verbindung zu bringen? Eben. Und Kubrick selbst soll im Film Shining ein paar Hinweise versteckt haben. Wer mehr wissen möchte, der kann als Einstieg den DiscoveryNews Artikel Faked Moon Landings and Kubrick’s ‚The Shining‘ lesen. Seltsamerweise wurde der Beitrag vom Server genommen, obwohl der Autor keinen Hehl daraus macht, dass er diese Theorie lächerlich findet. Im Cache von google ist der Artikel noch zu finden – und sicherlich auch im Internetarchiv.

Bevor man mich mit kommentierenden faulen Tomaten bewirft, muss ich hinzufügen, dass ich keine Ahnung habe, was im Juli 1969 geschehen ist. Ich war damals gerade mal ein Jahr alt und hatte vermutlich andere Probleme (Hunger und ne volle Windel!), als mich um solche Sachen wie die bemannte US-Raumfahrt zu kümmern. Heute, Jahrzehnte später, ist es ein seltsam unbestimmtes Gefühl, das ich mit dem Apollo-Programm verbinde. Ich sehe die Bilder und Filme von damals. Sehe die vielen, nahezu perfekten Fotos, die die Astronauten, mit einem herkömmlichen Fotofilm, aus der Hüfte schossen (im wahrsten Sinne des Wortes). Hm. Wenn ich mir überlege, wie viele Bilder ich mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera schieße, um wenigstens ein gutes Foto zu bekommen, dann ist das schon recht erstaunlich, wie die Apollo-Boys in einer völlig feindlichen Umwelt (Scheiß kalt im Schatten, Scheiß Heiß in der Sonne), ohne Hilfsmittel, ohne Ausleuchtung oder Spots, Fotos zum Niederknien machten. Respekt.

Da fällt mir ein. Ein Fotograf, der während der Tschernobyl-Katastrophe vor Ort war und Fotos schoss, zeigte Bilder, die von den atomaren Strahlen verändert wurden. Die Radioaktivität war so intensiv, dass sie auf dem Fotofilm Spuren hinterließ und manche Filmrollen sogar zerstörte. Ich habe natürlich keine Ahnung, wie hoch die natürliche Strahlung auf dem Mond ist, aber ich denke, ohne einem schützenden Magnetfeld sollte es dort oben schon recht heftig zur Sache gehen. Naja. Ich bin kein Astrophysiker. Nur ein Schriftsteller mit viel Phantasie. Und vielen Fragen.