Schlagwort-Archive: 2010

#fbm10: ein Rückblick – lang und breit, rauf und runter, querbeet

Kurz und bündig ein paar Stichworte und ein paar Zeilen zu meinem Buchmessebesuch 2010. Ich werde mich bemühen die leeren Stellen mit virtueller Druckerschwärze zu füllen, sollte ich Zeit und Muße finden. Aber für einen ersten Eindruck sollte es dann doch reichen, oder? Vorweg ein kleiner Twitter-Dialog, der sich am 4. Oktober ereignete. Wenn Sie den Witz verstehen, dann gehören Sie mit Sicherheit zur elitären Büchermenschenclique. Ready?

eichbornverlag: Übermorgen geht die Buchmesse los … kaum zu glauben, wenn man sich dieses Video anschaut: http://youtu.be/LZtAPh6B1KM #fbm10 #eichblog

dschun: messe-clip vom @eichbornverlag erinnert an blair witch project *harhar* 

eichbornverlag: Willst du im nächsten Clip die Messehexe spielen? 😉

dschun: Besser, ich wäre der Herr der Fliegen, oder? 😉

eichbornverlag: Be careful what you wish for …

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Einführung und Verführung in die #fbm10: Der Autor der Zeilen reist zum zweiten Mal als Fachbesucher nach Frankfurt. Was hat sich zum letzten Jahr für ihn verändert und hat sich die Reise bezahlt gemacht?

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Beigbeder und ich: darüber schrieb ich bereits einen laaangen Beitrag; Sensationelles darf sich der Leser hier nicht erwarten; einfach eine zufällige Begegnung mit dem Autor von „Ein französischer Roman“. Wer Details wissen möchte, bitte sehr: blogbeitrag

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eine zweimalige Erwähnung: beim Vortrag von @leanderwattig (Gründer von der Initiative Ich mach was mit Büchern) im Forum Zukunft des Deutschen Börsenvereins wurde ich zwei Mal mit Porträtfoto und Zitat erwähnt. Neben Frédéric Beigbeder und dem „Knaur“-Kuchen stellte dies wohl einen der Höhepunkte der Buchmesse dar. Nebenbei machte Ines von neobooks ein Foto, wie ich von der Leinwand strahle.  Dorothee Werner vom Börsenverein, mit der ich facebooktechnisch verbunden bin, nickte mir anerkennend zu (und reichte mir später ein Glas Wasser). Hier die Folien der Präsentation zum Thema „Flattr, Kachingle – Freiwilliges Bezahlen als Chance für den Buchmarkt“.

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Knaur-Jause und emons Kölsch: Patricia Keßler vom Droemer Knaur Verlag lud eine auserlesene Schar Twitteristi (@hedoniker, @mietgeist, @CarstenTergast, @leanderwattig) zu Kaffee und Kuchen und kleinen Snacks; zu verdanken habe ich die Einladung wohl nur dem guten Reinhard Fendrich, wenn man so will, der auch in Deutschland eine breite Fanbasis hat, wie ich erfahren durfte. Mit Ines und Sarah und Andreas von neobooks, dem neuen Imprint von Knaur,  konnte ich mich nett unterhalten. Als Ines am Freitag vor ihrem Vortrag mit ihrer Stimme kämpfte,  reichte ich ihr zwei Halspastillen, die ich noch in der Sakkotasche hatte. So macht man sich jedenfalls mal nicht unbeliebt. Dass ich am Ende kein Kölsch bekam, hat nichts mit dem emons-Verlag und der reizenden Britta zu tun, sondern mit Monsieur B. am Piper-Stand. Die neue Buchumschlag-Gestaltung des emons-Verlag kann sich jedenfalls sehen lassen.

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ein Krimi in Ehren: Autorenkollege Guido M. Breuer (weder verwandt, noch verschwägert) stellte mir seinen Verlag vor: KBV in Hillersheim in der Eifel; der kleine, aber feine Krimiverlag machte einen sympathischen Eindruck; wir pitchten unser „Wien-meets-Eifel“-Krimiprojekt. Wohlwollendes Nicken vom Geschäftsführer Ralf Kamp. Wir vereinbarten, Exposé und Probekapitel abzuliefern. Ich tauschte später mit Ralf Bücher. Ich bekam von ihm sein neues Buch „Voll ins Schwarze“, er von mir „Schwarzkopf“. Hätte ich nur wenige Stunden vorher meine Aufwartung gemacht, ich hätte vielleicht vom Verleger-Paar eine Eintrittskarte zur angesagten Knaur-Verlagsparty bekommen können.

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Hot Spotting Clique: für wenige Stunden durfte ich mich zugehörig und akzeptiert fühlen, als ich mit einer illustre Gruppe nach dem Hot Spotting Treffen, gut gelaunt, essen ging (Nr. 85 kann ich empfehlen – leider weiß ich den Namen des Lokals nicht mehr); so saßen wir – christina, wibke, leander und andreas – zusammen, aßen, plauderten und lachten und verfolgten so nebenbei, wie Klose das erste Tor gegen die Türkei machte; später marschierten wir zur Party der jungen Verlage (aber irgendwie war da keine Party, sondern nur eine studentische Zusammenrottung). Ich schätze, ich habe den Altersschnitt erheblich erhöht.

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Prinzessin Wibke: die liebe Social Media- und Kommunikations-Expertin Wibke Ladwig wurde zur Miss Bookfair gekürt und erhielt auch ein güldenes Krönchen, das gut zu ihren dunklen Haaren passte; zuvor saßen wir mit Bier und Apfelschorle auf den Stufen, vor der Halle 4, und sprachen über dies und das; ich signierte ein Exemplar Brouillé für sie und freute mich, dass sie sich freute; wer kann schon sagen, eine frisch gekürte Prinzessin unter seinen Lesern zu haben? [am Foto habe ich die gute Wibke mit „ie“ geschrieben … äh, ja, ist mir natürlich peinlich]

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Ex-Suhrkamp I: zu meiner Verteidigung darf ich sagen, dass mich Christina zu erst angesprochen hatte; sie drehte ihren Kopf zu mir und meinte, dass wir uns kennen; es brauchte wohl seine Zeit, bis mir klar wurde, wer hier vor mir stand; ehrlich, ich hätte mir nicht gedacht, dass sie sich mir gegenüber zu erkennen geben würde; meine lakonische Rückmeldung „Ich hatte eine andere Vorstellung von dir“ quittierte sie mit einem fragenden Blick, auf den ich keine Antwort wusste. Weil es gar nicht so sehr ihr (kesses) Äußeres betraf (das Porträt auf fb stimmte mit der Realität überein), sondern eben die Tatsache, dass sie sich mit mir abgab. Ein wenig erinnerte die Situation an eine schlechte High School Komödie, wo ich den dumpfbackigen Loser mimte und die gute Christina das coole Mädel. Und hätte ich nicht die letzte U-Bahn nehmen müssen, vielleicht hätte sie mich dann noch auf die DuMont-Party mitgenommen. Aber, okay, da gehen jetzt meine Wiener Pferde mit mir durch. Wieher.

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Ex-Suhrkamp II: Stefan läuft mich förmlich auf der Rolltreppe über den Haufen; freundliche Begrüßung. Als ich ihm sagte, dass ich auf dem Weg zur Knaur-Jause sei, dürfte es meiner (verlegerischen) Reputation sicherlich nicht abträglich gewesen sein; am nächsten Tag konnte ich ihn überzeugen, sich fotografieren zu lassen („book faces“); sein Lieblingswort hat er mir aber nicht verraten; mal schauen, ob er für seine Literatur-Agentur einen neuen Schätzing oder alten Thilo findet; ich würd’s ihm vergönnen. Immerhin schenkte er mir ja letztes Jahr ein paar Suhrkamp-Krimis (die mein geordnetes Verlags-Weltbild ziemlich auf den Kopf stellten).

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Erfreuliches I: @hedoniker schrieb mir kurz vor der Buchmesse, dass er Brouillé gelesen habe; wie er das Buch fand, verschwieg er und ich fragte auch nicht nach; bei der Knaur-Jause vermied ich es, ihn auf Brouillé anzusprechen, weil es ja ein Waterloo gewesen wäre, zu hören, dass es ihm vielleicht nicht gefallen hätte usw.; erst am nächsten Tag, beim Twittagessenflashmob, da rückte er mit der Wahrheit heraus, will heißen, er nickte und meinte, dass ihm das Buch gefallen habe! Ei, das hört man gern, ist er doch Gründer der XING-Gruppe „Bücher, Bücher, Bücher“. Jetzt warte ich auf die Buchbesprechung und die Telefonanrufe von Lizenz-Agenturen („Oui, isch bin interessiert an Ihre Büch über die Französische Revolution, non?“).

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Erfreuliches II: als ich mit christina, wibke, leander und andreas bei Tisch saß und meine Nr. 85 genüsslich mit Stäbchen verspeiste, kamen zwei jungen Mädels an den Tisch und sprachen mich an. Fragend sah ich zu ihnen, fragend sahen sie zu mir. Eine Verwechslung! Sie entschuldigten sich peinlich berührt. Interessanterweise kannte die gute Wibke die beiden, die keine Schülerinnen oder Studentinnen waren, sondern bereits einen Job in Verlagen inne hatten. Das war schon eine lustige Sache. Autogramm von mir wollten die zwei aber keines (vermutlich zu schüchtern), trotzdem gab ich ihnen einen Flyer mit auf den Weg. Wer weiß, in ein paar Jahren könnten sie zu meinem Zielpublikum werden. Noch dazu pries Wibke Brouillé lautstark an. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen: ich habe es geschafft. Wenigstens an diesem lauen Freitag Abend in Frankfurt.

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Erfreuliches III: Autorenkollegin @heikekoschyk (Club der 99) ist hübsch und charmant wie eh und je; beim Twittagessen am Donnerstag ließ ich es mir nicht nehmen, sie zur „Essensausgabe“ zu begleiten (Selbstbedienung) und ein wenig zu plaudern; leider war kein Fotograf zugegen. // Immer wieder eine große Freude, meinen Autorenkollegen @carstentergast (Club der 99) zu treffen und mit ihm zu scherzen – wer sagt, dass die Norddeutschen keinen Humor hätten? Wir haben uns eine kurze Messe-Auszeit gegönnt, Kaffee getrunken und über Gott und die Bücherwelt geplaudert; schön war das! //

@krimimimi33 (Club der 99) wiederum fiel mir um den Hals – wer sagt, dass die Hessen ein biederes Völkchen seien? Dass ich kurz vergessen hatte, dass sie einen kindle besaß, stieß ihr kurz säuerlich auf – weil ich ja einen Blog-Beitrag über ihre Erfahrungen machte; naja, man ist halt auch nicht mehr der Jüngste und im Kopf schwirren einem tausend Dinge herum. Übrigens lässt sie ihren (weißen) kindle auf der Rückseite von (berühmten) Autoren signieren! // @peterhellinger – Verleger mit schmalem Budget und trotzdem im Club der 99 – erkannte mich auf Anhieb und beweist, dass meine Fotos auf der Webseite noch nicht photogeshopt sind; wenn alles klappt, besucht er mich auf der Wiener Buchmesse im November. //@Marcel_Koch von lovelybooks sprach mich beim Hotspotting an und fragte, wie es denn um die „Madeleine“-Sache stünde und meinte später, dass er vielleicht einmal darüber berichten wird. //@aviess, der unter anderem das Buchcamp 2010 mitorganisierte und jenes für 2011 mitplant, war sichtlich verblüfft, als ich sagte, dass wir eine gemeinsame gute Bekannte hätten, nämlich M.D. aus A.; sollte es mir möglich sein, würde ich natürlich das Buchcamp besuchen. // Und @donbrandy (sein Name ist Programm) kam tatsächlich als Harley-Rocker im schweren Lederoutfit zur Buchmesse. Beim Twittagessenflashmob erzählte er mir, dass er aus einer Antiquariats-Familie stamme, die wisse, worauf es im Geschäft ankomme: nämlich seriös zu sein und kein falsches Spiel mit (unwissenden) Kunden treiben; dass er „Mister Bookfair“ wurde, lag irgendwie auf der Hand, gegen sein Rocker-Image konnte kein anderer punkten; und sollte ich mal Lizenz-Verhandlungen führen, dann werde ich mir erlauben, ihn als meinen Agenten vorzustellen; ich schätze, beim Feilschen kann er ein paar Prozentpunkte herausschlagen. Ja, ja. Zum Glück konnte ich ihn dazu bewegen, sich für book faces fotografieren zu lassen. Das Foto muss wirklich klasse sein. // @doncish, die gute Seele im Erik-Projekt, die mir mit detaillierten Rückmeldungen das Überarbeiten erleichtert, sie überraschte mich mit wahrer Größe. Ihr Freund und Fotograf @hel9000 war noch ein Stück größer als sie! Seine Fotos sind schon extraklasse. Vielleicht zieren sie ja mal ein Buchcover. Oder ich sage ihm, was ich will und der macht dann das Shooting. Who knows? Hier seine Seite.

twittagessen #fbm10
twittagessen #fbm10 – foto von demipress

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Idee I: flattr oder kachingle, das muss ich jetzt mal für mich ausprobieren. Nach dem Vortrag von Leander Wattig will ich wissen, was in der „Spender-Szene“ so abgeht und wie ich meine Credits verteile und ob ich überhaupt wahrgenommen werde. Das Wichtigste in der Web2.0-SocialMedia-Melange: mitmachen, ausprobieren, tun!
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Idee II: ich werde mich bemühen, für ein zukünftiges Buchprojekt zu einem Wiener Beigbeder-Stil zu finden; das kann dauern, ist aber im Hinterkopf; eventuell ein zeitgemäßes Buch über die (in sich abgeschlossene) Verlagsszene und wie es einem ergeht, wenn man kein Visum hat und draußen bleiben muss („Wilmaaaa!“).

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wenn schon DKZ, dann richtig: die sympathisch junge Sandra Vogel und ihr @piepmatz_verlag sind ein wunderbares Gespann; sie bietet unter anderem gegen Bezahlung die Veröffentlichung eines Buches an; Druck-Kosten-Zuschuss-Verlag hört sich für viele nach Abzocke an, aber nachdem ich mit ihr eingehend geplaudert habe, kann ich nur sagen: wenn jemand es tun möchte, dann mit ihr. Warum? Weil in ihrem Preismodell neben dem Druck auch Marketingmaßnahmen (Flyer, Plakate, Lesungen usw. …), Lektorat, aber auch professionelles Layout und Covergestaltung inkludiert sind (sie verdient ihr Brot mit Grafik-Arbeiten). Niemand sollte sich aber deshalb erwarten, tausende Bücher verkaufen zu können (das schaffen nicht mal kleinere oder mittlere Verlage), aber am Ende des Tages sollte der Autor ein hübsch professionell gemachtes Buch in der Hand halten, das noch seine Kinder und Kindeskinder erfreuen wird (oder wenigstens werden sie sich nicht genieren müssen, jedenfalls nicht für die Aufmachung: „Cool. Opa postet im PBook, wie er Sex mit Oma hatte. Abgefahren!“). Hier die Webseite.

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Fettnäpfchen: dass ich @heikeschmidt vom UTB-Verlag beim Twittagessen nicht zuordnen konnte, war mir sehr peinlich – da sie mich mit Namen ansprach (oder hatte sie einen Souffleur?) Carsten und DonBrandy @hedoniker  (wie er mir gerade versicherte) lachten sich jedenfalls einen Wolf, wie ich peinlich berührt um Worte rang. Tja. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich die gute Heike erst wenige Tage vor der Buchmesse virtuell kennen lernte. Am Freitag Abend, kurz vor Messe-Schluss, bin ich ihr dann noch schnell hinterher gelaufen und habe mich artig von ihr verabschiedet.  Wirkt das jetzt mildernd?

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Enttäuschungen: es wäre schon eine feine Sache gewesen, so eine „Ausflugsfahrt“ zur #fbm10 mit jungen Verlagsmenschen aus Österreich. Leider gab es für die günstige Busreise keine Interessenten, weshalb ich dann doch kurzfristig die Österreichischen Bundesbahnen um ein Ticket bemühen musste. Und hätte ich mich nicht beim Datum geirrt und somit doppelt buchen müssen, die Reise wäre mir gar nicht mal so teuer gekommen. Dass ich mich bei den jungen Verlagsmenschen auch als Reporter andienen wollte, sei kurz erwähnt. Aber mein „Stellengesuch“ wurde  ignoriert. Na, vielleicht hab ich dann doch schon zu viele graue Haare, um noch als jung zu gelten. Das nächste Mal werde ich mich wohl einer Verjüngungskur unterziehen müssen („Wie alt simma denn, Bürscherl?“).

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Teresa aus Shanghai: schon einmal von einer chinesischen Literatur-Community gehört? Ja, die gibt es. Und sie weist eine beachtliche Mitgliederzahl auf. Nebenbei wurde ein interessantes Geschäftsmodell umgesetzt, das Gewinn abwirft. Ich habe mit Teresa ausgiebig geplaudert. Ein wenig beschämt, dass ihr Englisch fließender war als meines. Trotzdem verstanden wir uns auf Anhieb. Dass sie ihre Hausaufgaben machte, merkte man. Immerhin wusste sie von Bookrix. Dafür konnte ich sie mit neobooks überraschen. Interessiert lauschte sie meinen Erklärungen. Dass die chinesische Community noch in diesem Monat einen eReader auf den Markt bringt, sei noch rasch erwähnt. Ich werde darüber ausführlicher berichten. Teresa ist ganz erpicht darauf, zu erfahren, was ich über ihre Community denn so schreibe. Als ich ihr sagte, dass ich nur in deutsch blogge, meinte sie, das sei kein Problem, sie werde schon jemanden finden, der es ihr übersetzt. Ja, das glaube ich ihr gleich. Warum? Weil diese Literatur-Community einem chinesischen Konzern gehört, der unter anderem im Wettgeschäft tätig ist. Ich schätze, da spielt Geld keine all zu große Rolle. Und wer weiß, vielleicht steigen auch mal die europäischen Wettanbieter ins Literaturgeschäft ein. Ich würde mich freuen. Why? Frischer Wind, you know!

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Leipziger Buchmesse 2010 oder Golfen mit Tarantino

Das sind die aufgezeichneten Erlebnisse des Autors und Verlegers Richard K. Breuer, der sich aufmachte, in Leipzig neue Buchwelten zu erkunden und diese zu bemessen. In Halle 2, Tand* G209, teilt er sich nicht nur das Brot, sondern auch die Koje mit zwei Verlegern: Miriam Spies und ihrem gONZo-Verlag aus Mainz und Daniel Habenicht mit seinem vive!-Verlag aus Lüneburg. Vom 17.3. bis 22.3. lief der Schreiber dieser Zeilen nicht nur durch das nächtliche Leipzig und bahnte sich einen Weg durch die überfüllten Trams der Stadt und Gänge der Messe, sondern kostete vom Nektar des süßen Lebens. Was die Zukunft bringt, nun, das steht bekanntlich in den Sternen. Aber eines ist gewiss:  Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse!

*) eigentlich müsste es ja Stand heißen, aber vielleicht hat mir mein Unbewusstes einen Streich gespielt. Freudsche Fehlleistung, sozusagen. Wenn nicht bei einem Wiener, bei wem dann?

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Leipziger Buchmesse 2010. Halle 2. Stand G209.

A., der das Gehabe und das Aussehen eines in die Jahre gekommenen langhaarigen Rockstars hat, sieht sich meine ausgestellten Bücher an. Mit einem Nicken liest er sich die Klappentexte durch. Er blickt auf.

„Wenn du möchtest, geb ich das Tarantino. Ich kann nichts versprechen, aber ich sage ihm, dass das was für ihn sein könnte.“

Ich kneife ein Auge zusammen. A. kommt näher.

„Du glaubst, ich verarsch dich, was? Ich habe mit Tarantino Golf gespielt … und David Lynch kenn ich auch, vielleicht wär das ja was für ihn …“

A. steckt sich die drei Bücher ein. What the fuck, denke ich. Andererseits, einen ganzen Lottoschein ausfüllen kommt mir auch nicht billiger.

and the Oscar goes to wtf***

20:58 Eigentlich dachte ich ja nicht, dass ich über die OSCAR-Nacht schreiben werde. Aber dann, durch Zufall bemerkt, dass ich bereits vor einem Jahr durch den Gala-Abend „führte“, sprich: ich machte mir meine Gedanken und notierte diese in das virtuelle Blogbuch. Hier geht’s zum Beitrag 2009: and the Oscar goes to schnarch.

21:02 Eine Einladung, den Event livehaftig mit CT. & Co im Gartenbaukino mitzuverfolgen, musste ich schweren Herzens ausschlagen, da ich befürchte, dass mich die Müdigkeit niederstreckt. *gähn*  Und sollte ich nicht morgen den (neuen) Umschlag für „Brouillé“ an die Druckerei schicken? Da sollte bitteschön nix schief gehen, ja? Gut, gut. Noch vier Stunden, bis der rote Teppich ausgerollt wird. Die Zeit gilt es gewinnbringend zu vertrödeln. *starrt-in-die-luft*

01:29 Michael Haneke. Sehr sympathisch, der Gute. Hat den Verstand am rechten Fleck, wenn er über die Befindlichkeit fabuliert und sich getraut, diese auf die Leinwand zu bringen. Freilich, wenn einer Erfolg hat – und das hat er natürlich – huldigen einem die Massenmedien, als hätten sie’s schon immer gewusst. Hätte er hingegen weder kommerziellen, noch „künstlerischen“ Erfolg (sind die OSCARs jetzt ein künstlerischer Erfolg?), keiner der ihn jetzt Lobpreisenden würde seinen Namen korrekt aussprechen („Hancke, oder?“). Jeder sollte sich die Frage stellen, wann ein Kunstwerk, sei es Film, Literatur, Malerei, Musik und dergleichen mehr,  „wertvoll“ ist. Es scheint, als würde es nur noch über die Medien gehen. Was im TV, in den Zeitungen lang und breit als „wertvoll“ oder „wichtig“ oder „richtig“ propagiert wird, erfährt auch die notwendige Aufmerksamkeit. Darüber gilt es noch ins Detail zu gehen. Später.

01:39 Christoph Waltz. Ich sollte es nicht schreiben. Wirklich nicht. Aber als ich Inglourious Basterds sah und im Hinterkopf die Lobeshymnen über Waltz abrief, musste ich feststellen, dass er „nur“ die Rolle des sadistischen Gentleman-Psychopathen abspulte. Es gibt Rollen, die sind einfach dankbar. Da kann ein Schauspieler im Normalfall nichts falsch machen. Erinnern wir uns an Penelope Cruz, die im Vorjahr den Oscar abräumte. Wofür? Für eine ausflippende, um sich schießende, durchgeknallte, eifersüchtige und weird spanische Liebhaberin. Wie hätte sie diese Rolle versenken können? Eben! Ich müsste jetzt nachdenken, aber diese sadistischen Gentleman-Psychos tauchen in Film, Funk und Fernsehen immer wieder auf. Teufel. Die Müdigkeit macht das Denken schwer. „Bingooo.“

01:53 Woody Harrelson. Ja, das nenn ich einfühlsame Schauspielerei. Tolstoi, respektive Christopher Plummer.  Ja, das nenn ich reduzierte Schauspielerei. Stanley Tucci. Aha. Verbrecher von Nebenan.

01:58 Aha. Tarantino & Waltz das neue Traumpaar? Meine Güte. Den Leutchen fällt auch immer wieder was Absurdes ein.

02:00 Oha. Der rote Teppich! Vermutlich ist heute der einzige Tage im Jahr, wo das Wort „red“ in den USA ,ohne dass der „Homeland Security Act“ eine sofortige Verhaftung vorsieht, in den Mund genommen werden darf („Hey, this guy is a f** communist, you know! He talks the whole night about a red carpet … let’s take him to cuba and  beat the s**t out of him to see, who is behind the red conspiracy!“) Okay. Die Moderatoren sind … meiner Seel‘, da fehlen mir die Worte. Alles fühlt sich so künstlich an, dass es mich nicht wundern würde, wenn man in zehn Jahren erfährt, dass es SubRoutinen waren, die in den Medien den gehirnlosen Einheitsbrei tagtäglich lauwarm servierten. Mirren & Plummer werden interviewt! Schätze, da müssen alle durch. Was denken sich die beiden jetzt? Meine Güte. Die Dumpfbacke mit dem Mikrofon (okay, da laufen im Moment ziemlich viele Leutchen damit herum – wurden die eigentlich durchgecheckt?) nimmt den Namen „Nelson Mandela“ in den Mund. Um im selben Atemzug geht sie auf den Schmuck der Begleitung von Morgan Freeman ein. Wenn ich mir das so anschaue, dann komme ich zum Schluss, dass im Kodak Theatre (stimmt das?) Weapons of Massive Brain Destructions (WoMBD) herumlaufen und Leute interviewen.

02:30 Schlapperlot. Es geht los. Hochglanz, wohin man schaut. Jeff Bridges? (da fällt mir gleich mal Arlington Road ein! Sollte man wenigstens einmal gesehen haben. Und natürlich Big Lebowksi – im Übrigen forciert die amerikanische Regierung „Pot Is More Mainstream Than Ever, So Why Is Legalization Still Taboo?“ Link )

2:42 Baldwin & Martin machen sich einen Spaß daraus, die Leutchen auf den Arm zu nehmen. Der Gag mit Christoph, huh, politisch sehr inkorrekt. Bös. Clooney denkt sich vermutlich gerade „wtf***“. Jedenfalls macht er keinen Hehl daraus, seinem Gesichtsausdruck zu urteilen.

2:44 Supporting Role Male. Matt Damon? (Apartheid, Football) Würde mich wundern. –  Harrelson? (Irak, Tragik) No way! – Plummer. (Tolstoi. Russe!) Unwahrscheinlich. – Tucci. (Kindermörder!). No way! Oha. – Christoph Waltz. (Nazi, der bekommt, was er verdient). Sehr wahrscheinlich. Na bitte. Wir sind Oscar! „Bingooo!“

2:51 Na klar. Im ORF sind sie natürlich happy. Und schon werden wieder die Rufe laut, die Filmförderung zu erhöhen (wem kommen die Gelder schlussendlich zu Gute? Würde mich interessieren, ob ein Christoph Waltz jemals Geld aus dem Topf gesehen hat).

2:56 Animated Feature. Fantastic Mr. Fox. Ein Fuchs? Coraline. Knöpfe? Secret Kells? Häh? Princess Frog. Disney, oder? Up! Oha. Witzig. Immerhin hat „Lou Grant“ dem alten Herren die Stimme geliehen (Ed Asner – der sich übrigens dafür ausspricht, die Vorfälle von 9/11 neu aufzurollen). Na bitte. Up.

3:01 Best Original Song. Princess Frog. Randy Newman. Aha. Klassisch. Rythmisch. Gleich zwei Mal. Ambitioniert. Paris 36. Klassisch. Französisch. Chanson, eben. Naja. Nine. Huh. Kräftig. Crazy Heart. Interessant. Folk. Klingt gut. Bravo. Crazy Heart. T Bone Brunett.

3:09 Hola. Müde.

3:11 Original Screenplay. Tarantinos Inglourious Basterds gibt’s übrigens als Buch zu kaufen. Soll keiner sagen, dass es nicht Drehbücher in Buchform gibt, ja? Tina Fey! 30 Rock! The Hurt Locker. Inglorious Basterds. The Messenger. A Serious Man. Up. Oha. The Hurt Locker. Was hat das wohl zu bedeuten? Aha. Immer vorsichtig, Junge, wenn es um den Irak-Krieg geht. Immer positiv, immer patriotisch. Zur Not werden politisch inkorrekte Statements einfach rausgeschnitten. Ist ja kein Problem. Wird ja zeitverzögert gesendet. Seit Michael Moor die richtigen Worte fand, ist Redefreiheit zwar noch möglich, aber nicht auf einem US-TV-Sender.

3:20 The Breakfast Club. Wir haben uns den Film damals in einer Religionsstunde angesehen (zu meiner Zeit, gab es noch keinen Ethik-Unterricht). Ja, unser holländischer Religionslehrer wusste, wie der Konsum-Hase läuft. Don’t you, forget about me! John Hughes!

3:24 Bigelow! Blue SteelStrange Days … ja, gute Filme.

3:28 Best Animated Short. Logorama. Da schau her. Ein Animationsfilm, der sich mit Logos und Trademarks auseinandersetzt. Sechs Jahre hat er dafür gebraucht, für die 16 Minuten. McD wird sich freuen. Deren Clown …

3:33 Best Documentary Short: Music by Prudence. Schade. The Last Truck: Closing of GM Plant hätte mir besser gefallen. Man sollte nicht vergessen, dass da draußen noch immer ein Wirtschaftskrise herumdümpelt. Freilich, die Damen und Herren im Kodak Theatre müssen sich diesbezüglich keine großen Gedanken machen. Rund 23,8 Millionen Beschäftigungslose sind ja kein „Lercherlschas“, net? [Echtzeit-US-Debt-Clock]

3:35 Live Action Short Film. The New Tennants.

3:41 Make up. Ben Stiller als AVATAR-Lookalike. Naja. Star Trek.

3:47 Best adapted Screenplay. Precious. „Don’t know to say“. Yep. Ganz seiner Meinung.

3:54 Hypocrite!

3:56 Best Supporting Role Female. Precious. Mo’nique. „Don’t know to say“. „God bless us all …“ War ihre Dankesrede  jetzt politisch überkorrekt? Vermutlich. Ein Kommentar der IMDB bringt es auf folgenden Punkt: „I feel about this movie the exact same way I felt about Schindler’s List. I understand that it needed to be made. It was powerful and important. I’m glad I saw it. AND I NEVER WANT TO SEE IT AGAIN.“

4:05 Art Direction. Avatar. Na bitte. Blockbuster goes Oscar.

4:09 Best Costume Design. The Young Victoria. History goes Oscar.

4:16 HORRORRRR … Jaws! Freddy! Psycho! Halloween! Poltergeist! Shining (remember Schwarzkopf ;-)! Misery! Frankenstein! The Birds! Marathon Man (Horror?). Aliens! Der Exorzist! The Blob!

4:24 Best Sound Editing. The Hurt Locker. Schau mal einer an. Der Film hat ja ein Low Budget Feeling, sieht mehr nach einer (realitätsnahen) Doku aus. Seltsam. Deutet darauf hin, dass die Leutchen ein Statement setzen wollten. („Ätsch, Cameron!“)

4:26 Best Sound Mixing. The Hurt Locker. Okay. Jetzt wird’s peinlich. Sagen sogar die beiden Gewinner, die zum zweiten Mal auf die Bühne geholt wurden. Das war für Cameron der Schlag unter die Gürtellinie. Definitiv! Es sei denn, es geht noch gut für ihn aus. Ich glaub’s ja eigentlich nicht. But who knows?

4:29 „Killing Nazis!“ … Inglourious Basterds

4:31 Jubel im Gartenbaukino. Waltz goes Oscar. Interview hier und da. Hola. Hypocrite takes on! Stop it!

4:34 Cinematographer. Harry Potter? Hat sich der verirrt? And the winner is … not Austria but Avatar. 3D zahlt sich aus. Italienischer Kameramann, also. Schätze, Jim ist wieder halbwegs versöhnt.

4:37 DAS BESTE EINER JEDEN OSCAR-VERLEIHUNG! Der Rückblick auf jene, die nicht mehr sind. Ist immer wieder ergreifend, weil einem so manche/r noch sehr gut in Erinnerung ist. Kindheit, you know? (Michael Jackson, Patrick Swayze, Karl Malden, …)

4:44 Best Original Score. Aha. Es wird getanzt. *gähn* Ganz nett. Auf IMDB hat „District 9“ gute Kommentare. Ist vielleicht ein Blick wert. James Horner? Hans Zimmer? Die üblichen Verdächtigen, sozusagen. Na sowas. Wieder ein Italiener. Sein Name klingt jedenfalls wie einer. Up! „Be creative! It’s not a waste of time!“ Sehr hübsch gesagt.

4:54 Visual Effects. Kann ja nur Avatar werden, oder? Na bitte. Avatar. Huh. Der letzte Satz der Dankesrede war mir zu sophisticated. Muss ich mir noch mal anhören.

5:01 Best Documentary Feature. Food Inc! Huh. Ein wichtiger Film. The Most Dangerous Man. Auch ein sehr wichtiger Film. Pah. The Cove. Was soll man dazu sagen. Okay, es ist sehr ugly, dass Menschen Delphine abschlachten. Aber es ist ein sehr spezifisches Detail (analog den Robbenbabys, den Walfängern), das sich gut vermarkten lässt (während andere Untaten medial untergehen – wer interessiert sich für Thunfische?). Die anderen beiden Dokus zielen auf Themen, vielleicht die wichtigsten überhaupt in unserer Zeit: die Profitgier eines Industriekomplexes und die politische Lüge). Darüber gilt später zu befinden.

5:08 Film Editing. The Hurt Locker. Was soll man dazu sagen?

5:14 Oha. Tarantino und Almodovar präsentieren Best Foreign Film. Israel. Peru. Frankreich. Argentinien. Deutschland (Österreich). Klingt nach der Auslosung zu einer Fußball-WM-Vorrunden-Gruppe. Und wie im Fußball, gewinnt natürlich Argentinien. Was soll da Österreich ausrichten, ha? Wir brauchen neue Kicker. Soviel steht fest.

5:24 Best Actor. Hallelulja. Jetzt wird’s aber langatmig, wenn zu jedem nominierten Schauspieler eine Lobhudelei heruntergeplaudert wird. Naja. Es sei ihnen vergönnt. Aha. Kate Winslet. Sehr sympathisch, sehr natürlich, die Gute. And the winner is … Jeff Bridges. Auch ein sehr sympathischer, sehr natürlicher Mensch. Jedenfalls wirkt er so. Wer weiß denn schon, wie es in einem (anderen) ausschaut. Na, der gute Jeff hat aber ganz schön vielen Leuten zu danken. And it goes on and on and on …

5:40 Best Actress. Es geht dem Ende zu. Sandra Bullock leuchtet wie ein Weihnachtsstern. Kein Wunder, wenn Forrest Whittaker eine Laudatio hält. Michael Sheen („Is that Tony Blair?“) säuselt Helen Mirren ins Ohr. „American Cinderella“? wtf*** Vielleicht sollte man aufhören, den Leuten da draußen zu erzählen, dass Märchen wahr werden können. Sean Penn? Superb! And the winner is … Sandra Bullock. Na, sie hat sich wahrlich herausgeputzt. Fesch, die Gute. Uups. „We are all deserving love.“

5:52 Best Directing. Barbara Streisand? Schlapperlot. Könnte man ja beinahe sentimental werden. Hat sich schon seit Jahrzehnten nicht verändert. Na sowas. Ein Afroamerikaner oder eine Frau könnten zum ersten Mal den Oscar für  die beste Regie bekommen. Erinnert das nicht an die US-Vorauswahl der Demokraten zwischen Obama und Hilary Clinton? Let’s see … Kathrin Bigelow! The Hurt Locker. Ich schätze, Jim Cameron beißt sich gerade auf die Lippe. Sehr mutig, von der Academy, so ein kontroverses Thema in die breite Öffentlichkeit zu bugsieren (in Österreich ist der Film erst gar nicht in die Kinos gekommen, weil er in Deutschland durchgefallen war). Oha. Irak. Afghanistan. Die Dankesreden werden immer politischer. Gut so.

5:58 Nanu. Das ging jetzt aber schnell. The Hurt Locker ist Best Picture. Ich schätze, Jim Cameron has left the building. Eigentlich kann man es gar nicht glauben, dass solch ein Film die Oscars abräumt. Hat sich Hollywood so gewandelt in den letzten Jahren? Man mag es nicht glauben. Jetzt wird sich zeigen, wie der Oscar prämierte Film und das Thema in der amerikanischen Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

6:02 Das war sie, die 82. OSCAR-Nacht.

6:04 Es dämmert.

6:05 offline!