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EM 2016: Spieltag 6

EM-2016-Spieltag6

Spieltag 6 der Europameisterschaft in Frankreich 2016

RUSSLAND : SLOWAKEI 1:2

Vielleicht sollten die russischen Spieler ein Schusstraining bei Marek Hamšík absolieren. Während sein erster Schuss knapp neben das Tor strich, schlug sein zweiter ein wie ne Granate. Obwohl seine Schussposition an der linken Straufraumbegrenzungslinie gar nicht sonderlich ideal war, hämmerte er den Ball ins lange Kreuzeck. Muss man gesehen haben. Herrliche Schusstechnik. Etwa eine Viertelstunde früher setzte er Mitspieler Weiss mit einem langen Ball perfekt in Szene. Dass sich dabei die beiden russischen Innenverteidiger wie Schülerligabuben anstellten, zeigt einmal mehr, dass auch Fußballprofis nie gänzlich erwachsen werden. Weiss zirkelte jedenfalls den Ball ins lange Tormanneck. Führungstreffer. Gegen den Spielverlauf. Zwar übten sich die Russen im Verstolpern von Offensivaktionen und Torchancen, trotzdem hatten sie bis dahin mehr vom Spiel. Aber Ballbesitz kauft keinen Europameistertitel – die spanische Ausnahme bestätigt natürlich diese Regel.

In der zweiten Halbzeit – mit zwei Toren im Hintertreffen – versuchten die Russen noch mehr Offensivdrang zu entwickeln. Aber so oft sie auch in den Strafraum an den Ball kamen, irgendwie wirkte der Abschluss stümperhaft. Zwar wirkte die slowakische Abwehr zuweilen nicht gerade sattelfest, aber vor diesen Russen mussten sie sich nicht fürchten. Erst als Glushakov 10 Minuten vor Schluss doch noch der Anschlusstreffer gelang – nicht mit dem Fuß, versteht sich, sondern mit Köpfchen – gerieten die Slowaken ordentlich durcheinander. Mit angezogener Handbremse versuchten sie die Zeit runter zu spielen – ein Konzept, das bereits bei den Engländern ziemlich in die Hose ging. Dass es diesmal doch nicht mehr für den russischen Ausgleich reichte, dürfte am Ende dem schusstechnischen Unvermögen der Sbornaja zu verdanken sein. Ich gehen jetzt mal davon aus, dass sie einfach einen schlechten Tag hatten und im nächsten Spiel, gegen Wales, können sie beweisen, was in ihren Füßen steckt.

Die Slowaken überließen von Beginn an den Russen den Platz und warteten geduldig auf ihre Konterchance. Wie man sieht, ein durchaus praktikables Rezept, vorausgesetzt, man hat einen Hamšík in den eigenen Reihen. Im Großen und Ganzen haben die Slowaken nicht sonderlich überzeugt. Dass sie in der Lage sind, schnelle und flüssige Kombinationen zu spielen, haben sie hin und wieder aufblitzen lassen. Aber zumeist begnügten sie sich mit schnellen Vorstößen, ohne dabei ihr defensives Mittelfeld zu entblößen. Man darf gespannt sein, ob die Engländer in der Lage sein werden, dieses effiziente Konterspiel zu unterbinden. Spannung garantiert.

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RUMÄNIEN : SCHWEIZ 1:1

Den erhofften Schlagabtausch gab es dann doch nicht. Weil beide Mannschaften mit einem Unentschieden ganz gut leben konnten. Dabei hätte eigentlich der VFL Kosovo respektive die Eidgenossen in den ersten zwanzig Minuten alles klar machen können, aber Haris Seferovic vergab recht leichtfertig zwei Großchancen. Ein dummes Textilfoul im Strafraum – Übeltäter der sonst so erfahrene Stephan Lichtsteiner – führte zum Elfmeter und dem überraschenden Führungstreffer für die Rumänen. Alles in allem gefallen mir unsere westlichen Nachbarn recht gut – auch wenn noch nicht alles rund läuft, merkt man doch, dass die Mannschaft ein taktisches Konzept umsetzt. Zusätzlich haben sie auch noch versierte Techniker in ihren Reihen, die durchaus für eine spektakuläre Einzelleistung gut sind (siehe den seitlichen Scherenschlag von Xherdan Shaqiri: damit hätte er Schweizer Fußballgeschichte schreiben können, aber der Ball ging dann doch in die zweite Etage) und konditionell dürften sie keine Probleme haben.

So wie es aussieht, haben die Schweizer nun gute Chancen das Achtelfinale zu erreichen. Freilich, noch ist nichts in Stein gemeißelt, heißt der letzte Gegner doch Frankreich und bei diesem Namen werden in den Schweizer Köpfen mit Sicherheit unangenehme Erinnerungen wachgerufen. Eine erneut hohe Niederlage können sich die Schweizer jedenfalls nicht leisten, falls sie mit einem zweiten Platz liebäugeln, spielen doch die Rumänen ihr Finalspiel gegen Außenseiter Albanien. Spannend bleibt es allemal und das ist ja das Wichtigste, nicht wahr?

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FRANKREICH : ALBANIEN 2:0

Die Franzosen sind die neuen Türken der EM 2008. Auch diesmal konnten sie am letzten Drücker, also in den letzten Minuten der Spielzeit, den Sieg fixieren. Eine Stunde lang war es ein Spiel auf Augenhöhe. Wer hätte das gedacht? Ja, die Albaner kämpften beherzt gegen den recht ideenlos wirkenden Favoriten. Erst die Einwechselung von Pogba und Griezmann in der zweiten Hälfte brachte die Wende gegen immer müder werdende Albaner. Deren laufintensives Spielsystem zerrte an Lungen und Beinen. Aber man muss diese albanische Mannschaft gesehen haben, wie sie rackerte, wie sie lief, wie sie sich die eine oder andere Chance erspielte. Bewundernswert! Der italienische Trainer Gianni de Biasi wusste genau, mit welchem Konzept man spielstarke Teams Paroli bieten würde können. Gegen die Schweizer hatte es knapp nicht gereicht – weil der Ausschluss von Kapitän Lorik Cana durch ein dummes Handspiel nach 37 Minuten alle Pläne zunichte machte – und trotzdem, mit einem Spieler weniger, heizten sie den Schweizern immer wieder gehörig ein. Vielleicht, wer weiß, wäre Trainerfuchs de Biasi genau der Richtige für unser Nationalteam, das oftmals ohne Plan und System agiert. Ist es, weil sich einzelne freigeistige Spieler nicht an taktische Vorgaben halten wollen? Darüber wird an anderer Stelle noch zu schreiben sein. Albanien ist jedenfalls für mich eine ausgesprochen positive Überraschung bei dieser EM und erinnert mich bereits ein wenig an die vom bosnischen Trainer Vahid Halihodzic gecoachte algerische Mannschaft der WM 2014, die seinerzeit der Löw-Truppe die Stirn bieten konnte. Übrigens schrieb ich damals, dass der französische Verband Deschamps feuern und an seiner Stelle Halilhodzic engagieren sollte. Gehört hat mich leider – zum Glück? – niemand.

Die Franzosen haben sich mit dem Sieg nun einen Platz im Achtelfinale gesichert. Das nächste Spiel gegen die Schweiz könnte somit zu einem Trainingsspiel werden. Aber wie oft hat man bei Turnieren gesehen, dass jene Mannschaften, die zuvor ein unwichtiges Match herunterspielten und dabei Schlüsselspieler schonten, nicht mehr in den Realitätsmodus schalten konnten, weil die Spannkraft verloren gegangen ist? Bis jetzt haben die Franzosen jedenfalls zwei glückliche Arbeitssiege gegen defensiv ausgerichtete Teams auf ihrem Konto verbuchen können. Noch weiß aber niemand, ob die Equipe Tricolore auch gegen spielstarke und erfahrene Teams bestehen wird können. Erinnern wir uns an die WM 2012, als bereits so mancher Zuschauer die Franzosen als Geheimtipp auf den Lippen hatte, spielten sie doch in der Gruppenphase einen formidablen Fußball. Im Besonderen beeindruckten die fünf Tore gegen die Eidgenossen. Aber das deutsche Nationalteam zeigte den Franzosen im Viertelfinale die Grenzen auf – sang- und klanglos, ohne jemals wirklich ins Spiel zu kommen, mussten sie sich geschlagen geben. Ist die Mannschaft von Didier Deschamps nun reifer, abgeklärter, spielstärker? Ehrlich gesagt, als ein funktionierendes Team sehe ich sie noch immer nicht. Primär ist es die Qualität der einzelnen Spieler, die je nach Tagesverfassung im Alleingang Spiele entscheiden können. Ob es reicht, ein Turnier zu gewinnen, bezweifle ich. Aber noch haben Les Bleus zumindest zwei Spiele Zeit, um als Mannschaft zusammenzuwachsen. On y va.

 

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WM2014: Tag #18 – Achtelfinale

Ausblick Viertelfinale Frankreich : Deutschland Huh. Noch jetzt spüre ich die Gänsehaut, die das letzte Spiel des gestrigen Abends auslöste. Algerien war ein würdiger, äußerst fairer Gegner und verlangte Deutschland alles ab. Wie sehr die Löw-Truppe dieses kräfteraubende Spiel – inklusive Verlängerung – in den Beinen spüren wird, am Freitag gegen Frankreich, wird sich zeigen. Die Franzosen, auf der anderen Seite, spielten ihren Sieg gegen Nigeria im Schongang nach Hause. Während die Deutschen körperlich angezählt sein dürften, bereits Ausfälle zu verzeichnen haben, scheinen sie mental am Höhepunkt angelangt zu sein. Und wenn wir eines wissen, dann ist es, dass das deutsche Team immer dann die beste Leistung abruft, wenn es mit dem Rücken zur Wand steht. Landser-Tugenden, wenn mir dieser Einwurf gestattet ist. Dass mancher der deutschen Spieler auch für humoristische Einlagen gut ist, möchte ich nicht unerwähnt lassen: Müllers gestriger Stolper-Freistoßtrick, Götzes peinliches Kopf-Oberschenkel-Tor und seine Torjubelpose sowie Neuers Volley-Handauswurf gegen Ghana. Weil es ja immer heißt, die Piefkes hätten keinen Schmäh. Jetzt bleibt nur noch die Frage offen, inwiefern sich Löw und seine Mannen von klingenden französischen Namen blenden und beeinflussen lassen und inwiefern im Hinterkopf der französische Kantersieg gegen die Schweiz herumspukt. Ich denke, das Halbfinale ist für die Deutschen in greifbarer Nähe – einzig ihre Angst vor der eigenen Courage könnte ihnen im Weg stehen. Freilich, eine Ausnahme mag es geben: Wenn alles, wirklich alles, für die Franzosen läuft, dann heißt es für die Deutschen: „Sag zum Abschied leise Servus“.

 

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Frankreich : Nigeria 2:0

Die Franzosen liefen erneut mit Giroud und Benzema auf und man merkte, dass diese Paarung eigentlich nicht funktionieren kann – trotz des Kantersiegs über die Schweiz. Weil die Franzosen nicht mit zwei Mittelstürmern spielen, sondern nur mit einem. Das heißt, Giroud und Benzema wechseln sich an den Seiten ab. Ist das vernünftig? Wozu einen Stoßstürmer wie Giroud am Flügel verheizen? Außerdem schien Giroud müde und unkonzentriert – an den Seiten, wo es auch Defensiv- und Laufarbeit zu verrichten gibt, ist das natürlich ein no go! Wen wundert es da, dass die Nigerianer besser ins Spiel kamen, defensiv gut standen und den Franzosen wenig Torgelegenheiten anboten, gleichzeitig aber munter nach vorne spielten. Es wirkte in der ersten Halbzeit recht gefällig, was die Afrikaner da boten. Auf der anderen Seite waren die Franzosen nicht wiederzuerkennen, da ging wenig zusammen. Zumeist waren es Abspielfehler oder schlechte Ballannahmen, die kein flüssiges Spiel zustande kommen ließen. Erst nach rund einer Stunde, als Griezmann (endlich) den müden Giroud ersetzte, wurde es das Spiel der Franzosen. Weil Griezmann ein flinker Flügelspieler ist – er beackerte die linke Seite, während der kleine, wieselflinke und technisch starke Valbuena – einer der auffälligsten Franzosen – die rechte Seite rauf und runter lief. Ja, so macht das französische Flügelspiel Sinn – weil die zentralen Spieler wie Benzema oder Pogba oder Cabaye stärker zur Geltung kommen. Für mich steht fest, dass es nur ein entweder oder gibt, in der Frage Benzema oder Giroud. Es sei denn, Deschamps lässt einen Sechser auf der Bank und versucht sich im klassischen 4:4:2. Interessanterweise findet man diese einst so beliebte Taktik nur noch selten – weil Mittelfeldkontrolle gegenwärtig über Offensivmöglichkeiten gestellt wird. Schade, schade, aber der Erfolg gibt einem Trainer nun mal recht.

Ist Frankreich nun ein Kandidat fürs Halbfinale? Das heißt, wären sie in der Lage, das deutsche Team zu schlagen? Hm. Primär hätten sie das Potenzial dazu – und wie sie gegen die Schweiz gezeigt haben, wenn es läuft, zerlegen sie vermutlich jede Mannschaft. Aber wenn es nicht läuft – wie beispielsweise die erste Hälfte gegen Nigeria gezeigt hat – dann wirken sie wie eine – pardon – Schülerligamannschaft, die ohne Ordnung Ball und Gegner hinterherläuft. Routinier Evra, der linke Außenverteidiger, hat m. E. wenig nach vorne gebracht und hinten keine Sicherheit ausgestrahlt. Obwohl ich ihn mag, befürchte ich, dass er mit solch einer Leistung eher eine Belastung für das französische Team darstellt. Andererseits, vielleicht mag er sich im nächsten Spiel steigern. Da die deutschen Außenverteidiger ja keine gelernten Flügelspieler sind*, sollte von ihnen wenig Offensivgefahr ausgehen – das könnte Evra helfen. Andererseits, ich weiß natürlich nicht, wie sehr er für den Zusammenhalt der Mannschaft von Bedeutung ist – oder inwiefern er seine Kollegen motivieren kann. Ich hoffe, Deschamps setzt hier nicht, äh, aufs falsche Pferd.

Gegen Deutschland muss Griezmann von Beginn an spielen, das steht für mich fest. Giroud und Benzema aufzustellen, das wäre äußerst riskant und wie wir wissen, macht die Löw-Truppe keine Gefangenen und nutzt Schwächen eiskalt aus. Zack.

* nach der Verletzung von Innenverteidiger Mustafi  – nein, kein Algerier 😉 – und dem erkrankten Hummels bleibt Löw nichts anderes übrig, als Lahm wieder auf seine angestammte rechte Außenverteidigerposition zu stellen. So merkwürdig es klingt, aber diese Ausfälle könnten dem Spiel der Deutschen gut tun – so lange sie den Defensivbereich im Mittelfeld mit Khedira und Schweinsteiger besetzen können.

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Deutschland : Algerien 2:1 n.V.

Ach, du Scheiße. Das war vielleicht ein Spiel! Die algerische Mannschaft wurde von ihrem bosnischen Trainer Vahid Halilhodzic perfekt eingestellt und man muss es einfach gesehen haben, wie die Mannschaft diszipliniert ihr flexibles System gespielt hat. Während der ersten Halbzeit waren die Deutschen abgemeldet, der Raum zu eng, der Gegner zu nah am Mann stehend, die Verteidigung körperbetont (aber sehr wenige Fouls, keine Härteinlagen!), die Technik vom Allerfeinsten und ein Kämpferherz, wie man es im überbezahlten Fußball kaum noch sieht. Hach, so stellt man sich einen „Underdog“ vor. So würde man sich beispielsweise eine österreichische Mannschaft wünschen. In der zweiten Halbzeit – man merkte es – wurden die Deutschen stärker, ließen bereits die Kräfte und die Konzentration der algerische Spieler nach – nur ihr Torhüter Mbohli war bis zum Schluss sensationell. Die algerischen Konter waren – im Ansatz – brandgefährlich. Hätte Tormann Neuer nicht Libero gespielt und vier- oder fünf Mal in letzter Sekunde vor einem heranstürmenden Algerier gerettet, das Spiel wäre wohl anders ausgegangen. Ehrlich gesagt, von Neuer bin ich prinzipiell nicht sonderlich angetan, auch wenn er sicherlich zu den besten Torhütern zählt (andererseits, hat er auf Klubebene, bei den übermächtigen Bayern, wirklich so viel zu tun?). Aber seine Slapstick-Aussetzer, die selten, aber doch vorkommen, passen nicht zu einem Klassekeeper. Fehler zu machen, freilich, ist okay – schließlich sind auch Fußballer (angeblich) nur Menschen. Aber wie ein Fehler begangen wird, ist nicht unwesentlich. Hätte ihn der algerische Stürmer Slimani in der 9. Minute verladen und das Tor gemacht, Neuers Ausflug hätte viele den Kopf schütteln und das Spiel einen ganz anderen Verlauf nehmen lassen. Zwischen Genie und Wahnsinn, gerade im Fußball, liegt ein schmaler Grat.

Wie dem auch sei, die Algerier hielten das 0:0 bis zum Abpfiff der regulären Spielzeit. Ich denke, mehr war an diesem Tag für die nordafrikanische Truppe nicht möglich. Dafür kenne ich die deutschen Fußballertugenden nur zu gut. Auch waren die Algerier sichtlich am Ende mit ihren Kräften, während die Deutschen noch Luft in den Lungen hatten. So kam, wie es kommen musste: der eingewechselte Schürrle machte wenige Minuten nach Beginn der Verlängerung ein „Hacken“-Tor. Ein wenig Glück war dabei, meinte er später im Interview lakonisch. Trotzdem steckten die Algerier nicht auf, noch einmal mobilisierten sie alle Kräfte. Schlussendlich fielen in den letzten beiden Minuten noch zwei Tore. Zuvor knallte Özil im Stile einer Trainingseinheit (bis auf zwei Algerier konnte und wollte niemand mehr verteidigen) den Ball ins Netz und im Anschluss daran brachten es die Algerier zuwege, den Anschlusstreffer zu erzielen. Schlapperlot. Das war ein Spiel, Scheiße noch mal, ich sagte es schon.

Wirklich erstaunlich und beineidenswert, was Trainer Halilhodzic mit einer französischen B-Nationalelf erreichen konnte. Sollten die Franzosen im Viertelfinale gegen Deutschland sang- und klanglos untergehen, dann würde ich Deschamps feuern und Halihodzic engagieren. In kurzer Zeit würden die Franzosen mit Sicherheit alle Gegner in Grund und Boden spielen. Das Problem der Algerier war das letzte Quäntchen Abschlussqualität, besser: dieser besondere Torinstinkt und – vor allem – diese allerletzte Konsequenz, das Tor zu machen. Zum Strafraum sprinten, gegnerische Verteidiger ausspielen, technische Gustostückerln abliefern, alles gut und schön, aber am Ende zählen nur die geschossenen Tore. Die Deutschen wissen das und agieren bzw. reagieren entsprechend. Vergleicht man die Spieler Algeriens mit jenen Deutschlands, dann fällt einem dieser Unterschied recht schnell auf. So spürte man bei jeder Angriffssequenz der Löw-Truppe, dass es torgefährlich werden würde – alleine die Schüsse, die die Deutschen abfeuerten, waren nicht von schlechten Eltern. War jedoch Algerien im Angriff, so versandete dieser meist an der Seite oder wurde im Zentrum abgefangen, man hatte das Gefühl, dass der letzte Pass einfach nicht ankommen wollte (es brauchte dafür schließlich 121 Minuten). Aber Hut ab vor diesen schnell vorgetragenen Vorstößen der Algerier – hätte Neuer nicht das Spiel der WM abgeliefert, es hätte ein bitterer Abend für Löw werden können. Das sollte man als neutraler Zuschauer nicht vergessen. Und vergessen werde ich das Spiel mit Sicherheit nicht so schnell. Verbeugung vor der algerischen Mannschaft und ihrem Trainer Halilhodzic.