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2 Jahre mit E-Books im Verlagsgepäck

Im Februar 2010 stürzte ich mich auf die neue Veröffentlichungsmöglichkeit und bastelte in mühseliger Handarbeit ein E-Book. Gewiss, ein PDF lag in der Lade, respektive auf der Harddisk, aber wer möchte schon ein stinknormales PDF lesen? Amazon hingegen lockte mit famosen Aussichten im virtuellen Buchbereich, dank eines brauchbaren digitalen Lesegeräts (kindle), drahtlose Shopanbindung inklusive! Die Zahlen überschlugen sich. Vorerst nur in den USA. Trotzdem wollte ich als Autor und Verleger dabei sein. Und bin dabei. Einer der ersten deutschsprachigen Autoren, die ihre Bücher bei amazon.com anboten (»German Edition«). Aber die Suchmöglichkeiten nach deutschen E-Books war bescheiden und die deutschsprachigen Kunden zierten sich, trotzdem ging die eine oder andere Kopie über den Ladentisch. Man ist ja immer wieder erstaunt, dass wildfremde Leutchen Münzen auf den virtuellen Tresen legen und sich mit einem meiner Bücher eindecken – ohne dass ich lächelnd daneben stehe oder mit einem scharf durchdringenden Blick ungeduldig auf den Kaufabschluss warte.

Wer hat noch nicht, wer will noch mal?

Weiterlesen?

Erstellen wir uns ein E-Book!

Erotik am kindle previewer - direkt zum Anbeißen, oder?

Also gut. Nach dem ich nun mein erstes E-Book für einen fremden Verlag gemacht habe, denke ich, es wird Zeit, aus dem Nähkästchen zu plaudern. In der Theorie ist es ja gar nicht sonderlich schwer, so ein E-Book zu erstellen. Äh, ja. In der Theorie. Die Fallstricke lauern im Kleinen. Und wer kein Techniker oder HTML-XML-Künstler ist, tja, der muss sich auf Tools verlassen. Voilà, hier sind sie!

Wer InDesign von Adobe verwendet, hat in den späteren Versionen die Möglichkeit, den Text in ein E-Book zu konvertieren. Ich selber verwende noch CS2.0 (für mich der VW Käfer der vielen Versionen – sie läuft und läuft und läuft stabil), habe aber einen Freund mit der CS5.0 gebeten, es für mich auszuprobieren und das Ergebnis ist okay. Immerhin erspart man sich das lästige Herumkopieren der Texte von einem Tool in das andere. Aber der Traum, mit einem Klick ein fertiges E-Book zu bekommen, äh, ja, das gibt es (leider) noch immer nicht. Aber ein Anfang, nicht?

Wer kein InDesign der neuesten Generation hat, muss dann wohl die Ärmel aufstricken und Hand anlegen. Diesbezüglich unentbehrlich ist Sigil, ein kleines Tool, das ein epub in HTML-Seiten aufdröselt und es dadurch bearbeitbar macht. Der Vorteil: man nehme ein DRM-freies epub, lade es mit Sigil und gucke sich mal an, wie es andere Profis machen. Wer sich ein wenig mit dem HTML-Zeugs auseinandersetzt, kann einfach das epub als Basis für sein neues nehmen. Damit ist man nicht gezwungen, das Rad neu zu erfinden. Freilich, sich mit CSS und HTML-Code auseinanderzusetzen kann schon ziemlich ernüchternd sein. Aber was getan werden muss bleibt einem nicht erspart. Ist nun mal so.

Sigil hat eine interne Prüfung eingebaut. Schwuppdiwupp kann man sofort erkennen, ob das gerade erstellte E-Book Fehler aufweist. Wenn ja, dann muss man ein wenig im HTML-Code schnüffeln gehen. Aber es sollte machbar sein. Zeigt Sigil keine Fehler an, kann man nun mit rasch ansteigendem Puls die Probe aufs Exempel machen und das E-Book validieren lassen. Am besten hier: http://threepress.org/document/epub-validate/- geht ganz einfach. Epub hochladen und warten. Wenn man Glück hat, zeigt einem die Prüfung ein grünes Häkchen und alle sind glücklich. Ansonsten spuckt das System hässliche Fehler- oder Warnmeldungen aus. Das heißt nicht, dass das E-Book kaputt wäre, aber manche Shops (Apples ibookstore) prüfen die angelieferten E-Books und wer den Test nicht besteht, fliegt raus. Pasta.

Das Glück des Tüchtigen 🙂

Um sich ein E-Book im epub-Format anzugucken, verwendet man selbstjafreilich Adobe Digital Editions. Ich bin zwar kein Freund von diesem Tool, aber man kommt wohl nicht umhin, da es mehr oder weniger einen Standard darstellt. Jedenfalls für DRM-geschützte E-Books (dahingehend würde ich sowieso gleich mal abraten, aber das ist vermutlich ein Thema für sich).

Um aus seinem epub ein kindle-E-Book zu machen, gibt es die Möglichkeit, das epub einfach auf der amazon-Seite hochzuladen und in das kindle-Format konvertieren zu lassen. Das funktioniert eigentlich schon sehr gut. Aber bei genauerer Betrachtung funktioniert das Inhaltsverzeichnis nicht. Keine Ahnung warum und wieso. Um Abhilfe zu schaffen, gibt es (gottlob) ne einfach Lösung: Man installiere Calibre und konvertiere das Format epub in mobi und sage in den Einstellungen, dass man ein TOC, also ein Inhaltsverzeichnis, unbedingt haben möchte. Voilà, das MOBI-E-Book ist nun bereit, auf amazon Furore zu machen. Aber weil wir keinem Tool so recht trauen, brauchen wir natürlich noch ein weiteres: den kindle Previewer link, der ein kindle-Lesegerät sehr ansprechend simuliert. Einfach das MOBI-E-Book laden und schon kann man wie lustig im Buch blättern oder lesen oder das Inhaltsverzeichnis suchen. Wenn man es richtig gemacht hat, muss das Verzeichnis nun auf Knopfdruck aufgeschaltet werden. Wenn nicht, tja, dann heißt es wohl: zurück zum Start.

Bezüglich der Formatierungen von Texten auf Lesegeräten bin ich ja den „luftigen“ Weg gegangen. Da es im elektronischen Print ja kein Limit gibt, habe ich mich entschlossen, die Dialog-Passagen gegeneinander abzugrenzen und keinen Absatz-Einschub zu machen. Überhaupt, diese anglo-amerikanischen Absatz-Einschübe – vor allem in gedruckten Büchern – machen mich ganz wirr. Hübsch sieht das nicht aus. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

Meine E-Books gibt es übrigens  hier zu bestaunen. Und gegen ein paar Münzen in den einschlägigen Web-Shops zu kaufen. Falls Sie einem Buchhändler eine Freude machen wollen, können Sie natürlich ein gedrucktes Exemplar bei ihm erstehen. Nur für den Fall, dass … ja, ja, ich weiß 😉

E-Books und das Versprechen der Revolution

update: wunderbar geschriebener Abgesang an das gedruckte Buch. Check that out!

Jede Revolution macht zu Beginn den Frustrierten und Ausgestoßenen ein unerhörtes Versprechen: nämlich die erlittenen Demütigungen zu rächen. Das wusste man schon über die Französische Revolution zu berichten. Das gilt auch für die digitale Buch-Revolution.

Johnny Häusler vom Blog Spreeblick hat sich einen kindle gekauft und erzählt in 5 Kapiteln, wie es ihm dabei geht. Der Artikel ist sehr leichtfüßig geschrieben und kommt zum Schluss: Ich mag den Kindle sehr, das Ding macht Spaß. Aber es gibt (natürlich) auch Einschränkungen: einerseits die Abhängigkeit zu amazon, wenn die elektronischen Bücher mit DRM-Schutz ausgestattet sind (das entscheidet aber der Verlag!) und andererseits die Preisgestaltung (ebenfalls eine Entscheidung des Verlages): Viele neue eBooks, aber auch Werke der Fachliteratur kosten fast den gleichen Preis wie das gedruckte Äquivalent, was nicht so recht einleuchten mag.

Wenn man sich die zahlreichen Kommentare zum Beitrag durchsieht, so fällt auf, dass die Leutchen ziemlich angepisst sind, wenn es um die Preise von E-Books geht. Während die Konsumenten bei anderen Revolutionen (nehmen wir die Musik-CD) höhere Preise akzeptierten, ist dies beim E-Book nicht der Fall.

Eine weitere Überlegung wird die Buchbranche anstellen müssen, nämlich wie man der verqueren Begründung, warum jemand ein E-Book illegal herunterlädt, begegnet. Hat sich nämlich der Konsument ein gedrucktes Buch legal gekauft, könnte er sich im Recht fühlen, die digitale Ausgabe ebenfalls besitzen zu dürfen. Wie die Buchbranche mit der Frage der Piraterie umgeht, ist vermutlich ein eigenes (DRM-freies) Buch wert. Eine interessante These stellt der Blog FutureBook auf, in dem sie im Artikel Piracy is good Ideen anführen, wie man mit Gratis-Content wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Das ist natürlich blanke Theorie. In der Praxis, wir wissen es, prügeln sich all die Indie-Autorenverleger mit den Kleinverlagen um den letzten Rest an Aufmerksamkeit der übersättigten Konsumenten. Bloody messy, sozusagen.

Wir haben also folgende Ingredienzen für die Revolution:

  • die Online-Distributoren: ohne dieser mächtigen Fraktion würde es bis heute keine digitalen Bücher geben: amazon, apple und natürlich all die anderen Online-Distributoren; google springt gerade auf den (kommerziellen) Zug auf; diese Marktteilnehmer sind finanziell potent und haben die Kontakte zum Endkunden (Kreditkarte inklusive); sie forcieren das E-Book, weil es für sie ungeahnte finanzielle Chancen eröffnet; sie haben mit dem altehrwürdigen Filter-Mechanismus der Verlage und Buchhändler nichts am Hut. Sie verkaufen (so gut wie alles).
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  • Kleinverlage und Indie-Autorenverleger: diese Fraktion hat an und für sich keinen Einfluss auf den Buchmarkt; aber ihr Einfluss – dank des Webs – Stimmung zu machen, darf nicht unterschätzt werden. Gerade im Social Media Bereich pflegen diese Einzelkämpfer viele Kontakte. Für sie ist das digitale Buch eine Offenbarung, da sie nun (wenigstens theoretisch) auf Augenhöhe mit den Publikums-Verlagen um Verkäufe rittern können.
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  • Leser/Konsumenten: je mehr Leser zum E-Book greifen, desto mehr Leser werden zum E-Book greifen. Ist einmal der Tipping Point erreicht, gibt es kein zurück. Wie lange es dauert? Schwer abzuschätzen. Die Welt der Literatur ist eher konservativ. Es geht um die Verteidigung eines Kulturgutes. Gerade im deutschsprachigen Raum, wo Literatur immer einen hohen Stellenwert hatte und hat. Ohne eine Statistik zu kennen (falls es sie überhaupt gibt), gehe ich davon aus, dass die eReader-Nutzer im Moment in der Mehrzahl männliche Geeks sind und sich durch die neue Technik angesprochen fühlen. Interessant ist, dass Belletristik in Frauenhand ist. Rund 80 % der Käufer sind weiblich. Eventuell könnte der eReader daran etwas ändern.
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  • berühmte Autoren: in Zukunft ist es gut möglich, dass Online-Distributoren bekannte Autoren unter Vertrag nehmen und diese fürstlich entlohnen; schon jetzt geht amazon in Richtung Publikumsverlag und hat dies auch bereits verlautbart; ein logischer Schritt, der den großen Publikumsverlagen sicherlich noch schlimmes Kopfzerbrechen machen wird;
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  • Publikumsverlage: sie haben sicherlich den schwersten Stand und stehen zwischen den Stühlen; einerseits klingen explosionsartige Zuwachsraten im digitalen Geschäft nach einem kommerziellen Halleluja, andererseits graben diese Stück für Stück ihr bewährtes und einträgliches Geschäftsmodell das Wasser ab. Ohne der Filterung durch den Buchhandel und das Feuilleton (Einzelhandel und Printmedien sind durch das Web stark in Bedrängnis geraten), wird es schwierig und sehr teuer, den Status Quo aufrecht zu erhalten.  Noch mehr Werbung, noch mehr Aufmerksamkeitsgenerierung, um die Marktanteile zu sichern. Ihr Bestreben, einen für sie akzeptablen Preis als gerechtfertigt in den Markt zu drücken, verärgert und enttäuscht die Konsumenten; die Zeit wird zeigen, wer am längeren Ast sitzt. Durch die Piraterie haben Konsumenten immer die Wahl – das sollten die Entscheidungsträger nicht vergessen, DRM hin oder her.
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  • Buchhandel: Buchhandelsketten (B&N, thalia) springen auf den E-Book-Zug auf, da sie die nötigen Mittel haben; wie erfolgreich, wird sich noch zeigen; der Einzelhandel spielt hingegen keine Rolle – eher ist dieser versucht, die Entwicklung zu bremsen und zu verschleppen.
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  • Du!
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Fluch und Segen von ebooks oder Der literarische Schweinehaufen

John Kennedy Toole committed suicide at the age of 31,
in part because he failed to see his works published
The Death of the Book
Susanism Blog

Seit gestern, 20. April 2011, können nun auch kindle ebooks über amazon.de gekauft und gelesen werden. Seit längerem war es ja möglich, deutschsprachige kindle.ebooks über amazon.com und amazon.co.uk zu beziehen. Ich war vor einem Jahr dabei, habe aus der Not eine Tugend gemacht und meine Bücher auch in den USA angeboten. Wer also ein kindle Lesegerät hatte, musste sich mit den wenigen deutschen Büchern begnügen, die dort vorrätig, also von den wenigen Verlagen eingestellt waren.

Inwieweit nun mehr kindle Lesegeräte verkauft werden, bleibt die große, wohl entscheidende Frage. Je mehr Lesegeräte, desto mehr ebook-Umsatz, desto lukrativer für viele große und mittlere Verlage ins Geschäft einzusteigen bzw. das Volumen an elektronischen Büchern zu erhöhen. Aber schon jetzt werden die Print-Bestseller – gegenwärtige wie vergangene (erinnert sich noch jemand an einen gewissen Dan Brown, ha?) – natürlich angeboten und in die Auslage gestellt. Kein Wunder also, dass hier zugegriffen wird. Die Regel: Was der Kunde kennt, kauft er auch, trifft im Besonderen in der Buchbranche zu. In der deutschsprachigen Buchbranche, sollte man anfügen.

Wenn man sich die Sache in den USA besieht, so stellt man fest, dass die Leutchen (scheinbar) keine Vorurteile gegenüber unbekannten Autoren und Eigenverleger haben. Auch der (günstige) Preis spielt eine wesentliche Rolle, während hierzulande man eher die Nase rümpft, falls man ein ebook um billig Geld angeboten bekommt. Die US-Boys und Girls scannen die ebooks im Bereich von rund 99 Cent durch und kaufen interessant klingende Titel. Man hat den Eindruck, dass der eine oder andere sich einen Volltreffer erhofft, über einen Autor stolpert, der in späterer Folge groß rauskommen wird. Ohne Statistiken zu kennen, würde ich sagen, in den USA zeichnet sich ein Trend ab: nämlich die Suche nach den Perlen im literarischen Schweinehaufen. Dass diese Suche auch ziemlich schmutzig werden kann, tja, das sollte man nicht verschweigen. Denn wo harsche Kritiker sind, da sind auch Autoren, die ihre Werke in Schutz nehmen. Eine Schlammschlacht, zwischen Blog-Rezensenten und Autorverlegerin, wie man es sich nur wünschen kann: link – wobei, vielleicht ist es auch nur wieder eine perfekte Demonstration von Guerilla-Marketing, who knows?

Der Autorverleger im deutschsprachigen Literaturland hat es nicht leicht. Das ebook wird an der Sache nichts ändern, im Gegenteil, es wird nur noch schwieriger, sich zu behaupten und sich einen Namen zu machen. Je mehr Autoren und solche, die es werden wollen, auf den Markt drängen, in dem sie über die verschiedenen Plattformen ihre ebooks anbieten, desto mehr Schrott (man verzeihe mir diesen brachialen Ausdruck – jedes Geschreibsel hat seinen Wert, wirklich – aber um nicht über die Wertevorstellungen diskutieren zu müssen, nehmen wir für diesen Blogbeitrag einfach an, dass es auch Bücher gibt, die einfach nur schlecht bis zum Erbrechen sind usw. und so fort), also, zurück, zum literarischen Schrott, der in den Webshops gehäuft zu finden sein wird. Viele werden ihre ebooks günstig anbieten, vielleicht sogar gratis. Auch hier wird sich wieder das Bestseller-Phänomen zeigen: eine Minderheit, eine Hand voll Autoren, wird mit ihren publizierten Büchern Aufmerksamkeit erregen – zum Beispiel, weil das ebook auf amazon in den Verkaufscharts ganz oben steht. Deshalb zieht das natürlich weitere Käufer an und so dreht sich die hübsche und lukrative Spirale nach oben – und schließlich kommt dann der Verlagsvertrag und alle zerreißen sich die Mäuler, wie einfach und leicht es nun ist, mit selbst produzierten ebooks reich und berühmt zu werden. Ja, ja.

Wie lange es dauern wird, bis die Leserschaft von ihrem hohen Ross heruntersteigt und Texte nach ihren ureigenen, sehr persönlichen Kriterien beurteilt, nun, das steht in den Sternen. Publikumsverlage werden alles daransetzen, um ihre Rolle als qualitative Filteranstalt in die Köpfe der Käufer zu hämmern. Verlage agieren, wie jedes Unternehmen, das Profit machen muss, in erster Linie nach ökonomischen Gesichtspunkten. Viele Bücher werden gemacht, weil man in den Führungsetagen davon ausgeht, dass sie sich (besser) verkaufen. Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber das muss sein. Genauso, wie die Werbung durch ständiges Wiederholen eine Wahrheit in die Ohren des Konsumenten plärrt, genauso muss ich gegen die Windmühlen des Status Quo ankämpfen. Gewiss, nicht uneigennützig. Jede Revolution macht den Unterdrückten und Gepeinigten ein unerhörtes Versprechen – ohne diesem Versprechen würde es wohl zu keiner Revolution kommen. Mit anderen Worten, es sind zumeist die Unzufriedenen, die eine Entwicklung vorantreiben, die einen gegenwärtigen Zustand in Frage stellen.

Aber wie jede Revolution ihre Kinder frisst, so ist es bei dieser nicht anders. In Anlehnung an das eingangs erwähnte Zitat, dass ein gewisser John Kennedy Toole (ich kannte den Autor nicht – laut Wiki erhielt er postum den Pulitzer Prize) sich unter anderem das Leben nahm, weil eines seiner Manuskripte nicht verlegt wurde, so könnte man in ein paar Jahren das Zitat wie folgt ändern:

John Kennedy Toole committed suicide at the age of 31,
in part because he failed to make a fortune
by selling his self published ebooks.

ebook „Schwarzkopf“ für kindle von amazon

Und der dritte Streich folgt sogleich: Schwarzkopf ist nun auf amazon.dtp erhältlich. Damit sind alle meine Bücher in der digitalen Welt angekommen und als ebook erhältlich. Wie schon das letzte Mal gesagt, können die ebooks auch auf dem PC oder dem Mobile gelesen werden. Dazu muss man natürlich eine Gratis-Software installieren: kindle for PC/MAC bzw. kindle for iPhone und Schwuppdiwupp, schon kann’s los gehen.

Der nächste Schritt wird sein, die Formate epub, mobipocket und PDF über beam-ebooks anzubieten.  Be prepared.

Das „Drehbuch“-Layout in ein ebook-Format zu bringen hat mir sicherlich wieder ein paar graue Haare gekostet. So musste praktisch jede Zeile per Hand nach Formatierungsänderungen (Sprecher = Großbuchstaben und Beschreibungen in kursiv und jeder Absatz ist durch eine Leerzeile getrennt) durchsucht und geändert werden. Hilfreich – natürlich – die automatische Such- und Änderungsfunktion, aber der größte Brocken war wohl manuelle Handarbeit. Kein Zuckerschlecken. Sollte es nicht alsbald kostengünstige Lösungen für das Konvertieren geben, sehe ich schwarz für die kleinen und mittleren Verlage, die schon jetzt am (finanziellen und zeitlichen) Limit sind. Gut möglich, dass es wieder eine Chance für angehende Lektoren (Stundenten) ist, ausgenutzt zu werden. Übrigens, Ende Februar veranstaltet der Hauptverband des Buchhandels einen Vortrag bezüglich der  Produktion von ebooks. Ich werde mir das nicht entgehen lassen. Vielleicht gibt es ja schon die one-shop-solution.

Unangenehm aufgefallen ist mir, dass auf amazon.dtp ebooks angeboten werden, die mich durchaus interessieren, die aber in der Tat teurer sind als das gleichnamige Paperback. Diese Preisgestaltung ärgert mich. Andererseits ist klar, dass die Verlage und Vertriebsstellen zuerst das kostenintensive (weil gelagert) Taschenbuch loswerden wollen (schließlich kann man es nicht mehr wegmachen, es existiert schon und wartet und wartet und wartet). Deshalb ist die Buchindustrie nicht sonderlich glücklich mit all dem digitalen Hokuspokus. Die Angst, sich selber Konkurrenz zu machen, lässt viele Verlage zu einer verqueren Preisgestaltung hinreissen, was den Unmut der eReader-Jünger auslöst. Für den Konsumenten liegt es klar auf der Hand, dass ein ebook nicht so viel kosten kann wie ein Buch aus Papier (oder Papyrus). Die gleiche Problematik hatte (und hat) auch die Musikindustrie. Wie soll man den Konsumenten verklickern, dass digital heruntergeladene Musik genauso viel kostet wie eine CD in einem Musik-Shop? Die „bösen Buben“ sind dabei gar nicht so sehr die Musik-Konzerne, sondern vielmehr der Vertrieb, die Elektronik-Konzerne, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollen. Was ist die Lösung der Kunden? Sie laden sich nur noch jene Songs herunter, die sie wollen und kaufen nicht mehr das ganze Album. Was ist die Antwort der iTunes-Sippe? Sie erhöhen einfach die Preise jener Musikstücke, für die es eine erhöhte Nachfrage gibt. Ja, nie war der Markt so transparent wie heute und trotzdem hat man das Gefühl, immer eine Deppensteuer zu entrichten.

Wie dem auch sei, die Verlage tun sich schwer mit dem flexiblen kopierbaren digitalen Content. Ein weiterer Punkt ist auch, dass die Vertriebsstellen (Buchhandlungen, Web-Shops, …)  Bestseller kaufen oder vorbestellen mussten, um welche vorrätig zu haben, wenn die Kunden danach verlangten. Damit lag das Risiko beim Vertrieb (und dieser erhielt dafür auch dementsprechend Rabatt). Beim digitalen Content wird nur das abgerechnet, was verkauft wurde. Ob es zehn oder tausend Mal heruntergeladen wurde. Der Vertrieb hat kein Risiko mehr und bezahlt auch nicht mehr im Voraus (jedenfalls habe ich noch nicht das Gegenteil gehört). Je nach Vertrag wird dann monatlich oder quartalsweise abgerechnet. Wie soll nun ein Verlag kalkulieren, wenn die Vorbestellungen der Buchhändler und damit ihre Zahlungen wegfallen?

Ein weiteres Kuriosum ist, dass für jede Vertriebsstelle ein Vertrag ausgefertigt werden muss. Amazon umgeht diese bürokratische Hürde sehr amerikanisch: man klicke sich beim Anmelden durch die Geschäftsbedingungen, akzeptiere diese mit Häkchen da und dort, bestätige, dass man Inhaber aller Rechte ist (immerhin, da schreiben Sie dir sogar eine E-Mail und bitten dich, deine Urheberschaft schriftlich zu bestätigen) und schon ist man bei der digitalen Kuchenverteilung dabei. In good ol‘ Germany ticken die Uhren anders. Da werden Verträge tatsächlich noch penibelst herumgereicht. Scheinbar ist hier ein wenig Angst im Spiel (nämlich kein Geld zu bekommen bzw. verklagt zu werden, weil unrechtmäßig Kopien der ebooks in Umlauf gebracht wurden). Vielleicht ist es auch nur die deutsche Gründlichkeit. Who knows?

Umgelegt auf Bücher würde es bedeuten, dass jeder Verlag mit jedem Buchhändler einen Vertrag abschließen müsste. Das würde wohl den Rahmen sprengen, nicht? Scheinbar bedarf es auch für ebooks eine virtuelle Drehscheibe, analog der Auslieferung bei den Büchern. Oder – analog der Musikwelt – es wird sich ein kalifornischer Apfel ins gemachte Nest setzen. Noch wird iBook bei der Einführung in Europa nicht zugänglich sein. Aber alles eine Frage der Zeit. Believe me!

Und die Zukunft der Buchhändler? Ist wohl analog der kleinen Musikläden zu sehen, die sich gegen die Elektronik-Ketten (mehr oder minder) behaupten. Ich würde empfehlen, dass Buchhändler verstärkt in den Gastro-Bereich ausweichen. Dabei meine ich nicht, nur ein paar Tische in die Buchhandlung zu stellen. Es sollte nicht „Buchhandlung mit Kaffee“, sondern „Kaffeehaus mit Büchern“ heißen. Nur dann ist ein Überleben möglich.