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Die Reise zum Mond

Kupferstich (1657) zu L’histoire comique contenant les états et empires de la lune von Cyrano de Bergerac

Wer hätte gedacht, dass Savinien Cyrano de Bergerac in der Mitte des 17. Jahrhunderts Geschichten fabulierte, die mit der Reise zum Mond zu tun haben. Respect, Monsieur. Mais non, gelesen habe ich sie noch nicht, werde ich aber bestimmt noch. Weil, Phantasie ist eine besondere Gabe, die nicht jedem gegeben ist. Ein Verschwörungs- theoretiker, wenn man so will, ist ein gehöriger Phantast, der sich von den Sternen am Firmament inspirieren lässt. Oui, oui.

Vor vielen Jahren war es, als ich mit Freunden auf einem hübschen Segelboot die griechischen Inseln in der Adria, rund um Zakynthos, kennenlernen durfte. In einem der klaren lauen Nächten lagerten wir auf einer unbewohnten, sehr kleinen Insel. Kein zivilisatorisches Streulicht betrübte den Nachthimmel. Es war, im wahrsten aller Sinne, eine sternenklare Nacht. Was für eine Nacht! Was für eine Sternenpracht! Jeder Mensch auf dieser Welt sollte, wenigstens für eine Stunde, dieses Wunder erfahren. Unbedingt. Erst dann wird einem so manches klar. Stellen Sie sich doch nur vor, dass Ihre Vorfahren unter diesem einen Sternenhimmel genächtigt, gelebt und gelitten hatten. Hätte ich dieses Wunder nicht mit eigenen Augen gesehen, ich würde nur ein müdes Lächeln für all jene übrig haben, die davon schwärmten. Und jetzt stellen Sie sich einmal vor, Sie würden am Mond gelandet sein und die ersten Schritte machen. Ihr Blick müsste zum Sternenhimmel gehen. Kein Streulicht. Keine Atmosphäre. Non! Der Ausblick auf, der Einblick in das Universum muss einen Menschen verändern. Oui. Davon bin ich überzeugt. Et vous?

Large clouds of gas glowing deep in space
Large clouds of gas glowing deep in space

Neil Armstrong und Buzz Aldrin, die ersten beiden Menschen, die einen Fuß auf Mondgestein gesetzt haben sollen, sie hätten mit leuchtenden Augen von ihrer Expedition zurückkehren müssen. Aber in der ersten Pressekonferenz nach ihrer Rückkehr ist von einem Funkeln, einem Leuchten nichts zu sehen. Non. Der dritte im Bunde, Michael Collins, konnte sich gar nicht erinnern, überhaupt Sterne gesehen zu haben. Fotos? Non. Warum hat keiner der Astronauten, auf all den Mondflügen, kein einziges Foto von dieser so überwältigenden Sternenpracht gemacht? Hätte man nicht wenigstens einen Foto-Apparat dafür entwickeln können? Immerhin hat man sich die Mühe gemacht, nen zusammenklappbaren Buggy zu entwerfen und am Dachgepäckträger mitzunehmen. Falls Sie zu der Achselzucker-Generation gehören, werden Sie jetzt mit den Achseln zucken, non? Sehen Sie, hätte es auch nur ein einziges Foto vom Sternenhimmel gegeben, hätten Astrophysiker und Astronomen die Authentizität der Fotografie überprüfen können. Keine Fotos, keine Überprüfung, c’est ςa! Faîtes vos jeux, Mesdames et Messieurs … Pardon, rien ne va plus.

Nolans Interstellar – NASA-Märchen oder Kubrick-Symbolismus?

Ja, die Menschheit will hoch hinaus.
Ja, die Menschheit will hoch hinaus.

Gestern, yep, Christopher Nolans Science-Fiction-Melodram Interstellar (imdb) auf der großen Leinwand gesehen. Schlappe 169 Minuten dauert diese emotional-ko(s)mische Achterbahnfahrt und am Ende ist man – wenigstens als Skeptiker – nicht schlauer als zuvor. Ich habe mir den Kopf zermartert, aber es will mir nicht und nicht klar werden, ob der gute Nolan nur einen grenz-genialen Plunder abgeliefert hat, der primär auf die Tränendrüse abzielt und gleichzeitig als perfekte NASA-Propaganda funktioniert. Oder ist es genau andersrum und der ko(s)misch-verstaubte Endzeitfilm, versehen mit dem Hollywood-Gütesiegel, angereichert mit geheimnisvollen Symboliken und versteckten Hinweisen, die eines Kubricks würdig sind, soll dem gewöhnlichen Bürger auf die Sprünge helfen.

Something unknown is doing we don’t know what.

Definition der Quanten-Theorie von Physiker, Mathematiker und Astronom Arthur Eddington (1882-1944)

Meine ersten Gedanken, ich will sie dem Leser nicht vorenthalten – gingen dahin, dass es sich bei Interstellar – wie bereits bei Gravity – um eine gelungene NASA-Propaganda-Arbeit handelt. Bestes Beispiel dafür ist jene Szene, zu Beginn des Nolan-Films, in der eine Lehrerin festhält, dass die Schulbücher in Bezug auf die Apollo-Mondlandungen überarbeitet wurden, da diese nicht stattgefunden hätten (sondern inszeniert, um die UdSSR im Kalten Krieg auszustechen). Gut möglich also, dass Gravity und Interstellar vor allem deshalb gemacht wurden, um den Boden für dieses zukünftige Mea Culpa zu bereiten. Klingt das jetzt in Ihren Ohren absurd und an den Haaren herbeigezogen? Dann haben Sie noch nicht Interstellar gesehen oder Kommentare gelesen, die den Film raketenhaft in den Himmel loben bzw. Kritiker in den Erdboden stampfen (siehe The Spectator oder Vanity Fair) und dabei punktgenau unter die Gürtellinie zielen*.

* Sagen Sie jetzt bloß, Sie hätten gewusst, was Reviewer on the rag bedeutet?!

Wenn einer eine Zeitung liest, aber dann …

xx
Fotos? Sie wissen schon, wie das ist, mit den rechtlichen Belangen. Man will ja nicht gleich in den Knast, nur weil man vielleicht vor Jahren ein Foto hier …

Seit langer Zeit ist mir wieder einmal eine Mainstream-Publikation vor die Füße gefallen. Die Wiener Zeitung ist übrigens eine der ältesten Tageszeitungen der Welt. Laut ihrem Twitter-Profil gibt es sie schon seit 1703. Respekt. Jedenfalls machte ich mir den einen oder anderen Gedanken in Bezug auf den einen oder anderen Artikel über das eine oder andere Thema.

Auf Seite 3 hat man den ‚Globalhistoriker‘ (gibt es dafür ein Uni-Fach?) und Professor für neuere Geschichte an der Universität Konstanz J. O. zum Gespräch gebeten. Interessant, für mich jedenfalls, ist der Aspekt, dass jener welcher die Laudatio zu Angela Merkels 60. Geburtstag halten durfte. Über den Inhalt des Interviews muss man deshalb nicht viel mehr wissen, als dass Putin die Krim ‚annektiert‘ hätte (ich dachte, da gab’s ne demokratische Abstimmung der Bevölkerung?), die ‚extreme Rechte‘ in Frankreich unter Le Pen mit Putin eine Achse bildet, die „evident“ ist und der Einfluss Russlands in Ungarn ’spürbar‘ ist. Aha. Über den Einfluss Washingtons liest man bei Prof. O. hingegen nichts. Tja. Ich werte deshalb diesen „Artikel“ als Propaganda. Punktum.

Im Feuilleton hat man dem neuen Sachbuch Mozart und Salieri von Franz Forster eine viertel Seite gewidmet. Der Wiener Germanist stellt in seinem Buch die These auf, dass Wolfgang Amadeus Mozart tatsächlich ermordet worden und nicht eines natürlichen Todes gestorben sei. Folgerichtig schließt der Artikel – der Rezensent möchte nicht missverstanden werden: „Gedankengänge dieser Art nennt man ‚Verschwörungstheorien‚. Sie haben den Nachteil, nicht beweisbar zu sein, und den Vorteil, die Fantasie nachhaltiger zu beschäftigen als jede trockene wissenschaftliche Erklärung“. Aha. Also, wenn Sie mich fragen, seit ich mir seine Wohnung angesehen habe – also damit meine ich nicht jene des Rezensenten -, ist mir der – Schottengeselle? – Wolferl  äußerst suspekt und es tät mich nicht die Note wundern, würde er nur die Rolle des Genies gespielt haben. Gewiss, ich habe mich nicht im Detail mit dem Leben Mozarts auseinandergesetzt, aber die wenigen Fakten, die ich kenne, deuten mir an, dass hier der Hund im Detail steckt, sozusagen. More to come.

Auf Seite 35 erfahren wir etwas über die Gefährlichkeit der kosmischen Strahlung. „Für Flugbedienstete gehört [die kosmische Strahlung] hingegen zum Alltag. Nicht umsonst vergleicht die NASA deren Strahlenbelastung mit jener von AKW-Mitarbeitern.“ Aha. Entscheidend für die Strahlenbelastung ist nicht nur die Flugdauer, sondern auch die Flughöhe. Hm. Wie war das noch, damals, bei den Mond-Flügen? Erinnern Sie sich noch? Oder haben Sie davon gehört? Da flogen tollkühne Männer in raketenbetriebenen Metalldosen ins Weltall, spazierten am Mond herum, machten Fotos, die sicherlich einen Helmut Newton vor Neid erblassen ließen und reisten – mir nix, dir nix – zurück auf die Erde. Wohlbehalten allesamt. Man könnte beinahe meinen, es wäre eine Erfrischungskur gewesen, so rund und g’sund, wie die Astronauten nach ihrer Reise wirkten. Hautkrebs tritt bei Piloten und Flugbegleiter rund doppelt so oft auf als in der Bevölkerung. Wie mag es dann da ganz weit oben sein? Müssten die armen Astronauten nicht vom Krebs zerfressen sein? Nope. Nada. Also, wie man es auch dreht und wendet, irgendeine der „wissenschaftlichen Erklärungen“ dürfte nicht ganz zutreffen – entweder ist die Strahlung in den lichten Höhen des Weltalls marginal oder die Flüge zum Mond, nun ja, … Wissen Sie was ich denke? Ich denke, der im Jahr 1965 von der NASA zum ‚Stammesältesten‘ [‚their elder‘] erkorene österreichische Filmregisseur Fritz Lang könnte uns diesbezüglich ein wenig auf die Sprünge helfen. Aber bis es so weit ist, sehen Sie sich doch seinen Stummfilm Die Frau im Mond aus dem Jahr 1927 an. Beeindruckend, was der gute Lang damals schon vorausgeahnt hatte. Ja, ja.

So! Ich hoffe, Sie haben wieder etwas gelernt.

Ein Schriftsteller muss sich lächerlich machen! Na dann.

Ein Schriftsteller muss sich lächerlich machen, schrieb ich mal in einer älteren Version von Erik. Ich habe keine Ahnung, ob ich den Satz gestrichen oder im Manuskript belassen habe. Aber ich würde ihn sofort unterschreiben. Ja, ein Künstler ist nur dann Künstler, wenn er bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen. Das heißt nicht, dass er es tun muss. Nein, nein. Aber wenn es sonst niemand tut, in der Gesellschaft, weder die politische Opposition noch die objektiven Medien, tja, wer soll es sonst tun? Dumm, dass sich das Bild des Künstlers über die Jahre sehr gewandelt hat.

Künstler ist zu einem Job geworden. Prekär und hoffnungslos auf der einen, bestens bezahlt und hoffnungsfroh auf der anderen Seite. Wir dürfen froh sein, dass Künstler heutzutage nicht mehr Angst haben müssen, zu erfrieren oder zu verhungern. Jedenfalls nicht physisch. Aber diese Wandlung, vom unangenehmen Außenseiter, der einer sich selbst belügenden Gesellschaft den Spiegel vorhält zu einem belächelten Mitläufer, der in der Hierarchie der Gesellschaft aufsteigen möchte, hat allen Beteiligten nicht sonderlich gut getan.

Ich bin zwar ein Kind der mechanischen Schreibmaschine, aber noch zu Beginn meiner Schulzeit tippte ich bereits auf elektrischen Typenradschreibmaschinen und vor dem Abitur trat die Textverarbeitung ihren Siegeszug an. Mit meinem ersten Einkommen schaffte ich mir einen PC an. Und sollte fortan nur mehr in Monitore und Bildschirme starren (trockene Augen!), wenn es darum ging, Texte zu Papier zu bringen. Welch eine Erleichterung. Ich erinnere mich noch an die viele freie Zeit in den Sommerferien, als ich auf der mechanischen Adler-Schreibmaschine tippte und mich schon ein wenig als Schriftsteller fühlte. Es war Knochenarbeit. Und das ratternde Anschlagen war in der ganzen elterlichen Wohnung zu hören. Ja, ich konnte es nicht verheimlichen, dass ich an einem witzigen Krimi schrieb (Tom Thomsen, you know!), für den ich mich dann aber doch irgendwie genierte.

Auf einer mechanischen Schreibmaschine zu tippen ist wahrlich schwerstarbeit. Und wenn du dir hundert Seiten abgerungen hast und feststellst, dass die mittleren 20 Seiten nichts taugen und neu geschrieben werden müssen, inklusive Veränderung im vorderen und hinteren Teil, wie wäre das wohl abgelaufen? Heute, in einem Office-Text-Programm springe ich in sekundenschnelle zu der relevanten Stelle, korrigiere, füge ein, lösche und stelle innerhalb von einem Augenaufschlag ganze Kapitel um. Ja, it’s that easy, folks! Aber je leichter man es dem Menschen macht, desto leichter macht er es sich. Würden wir noch Kraftfahrzeuge haben, wo man mehr schmutziger Mechaniker als cooler Rennfahrer sein müsste, es gäbe keine Staus auf diesen Straßen. Wirklich.

Äh. Was wollte ich eigentlich sagen? Scheinbar bin ich mal wieder vom Thema abgekommen. Also, der Schriftsteller (oder Künstler) muss sich lächerlich machen können. Das ist leicht geschrieben. Wirklich. Aber es dann zu tun, also, das verlangt schon einiges ab. Und da bemerke ich dann wieder, wie wenig Künstler ich in Wahrheit bin. Ich bin angepasst. Will in der Gesellschaft meine Rolle spielen. Will in den Hierarchien aufsteigen. Will finanziell unabhängig sein. Will gehört werden. Will gemocht werden. Will mir Unsterblichkeit erschreiben. Na, die übliche Palette künstlerischer Egomanie. Ich schätze, das ist nichts Neues. Neu ist vielleicht, dass es so viele sind, die sich gegenwärtig dieser Egomanie hingeben. Künstler sind im Normalfall keine gefälligen, umgänglichen Menschen, wenn sie es ernst mit ihrem kreativen Tun meinen. Sie sind zweiflerisch, nachdenklich, fordernd, hässlich, grausam, eingebildet, überheblich, gierig und so weiter und so fort. Freilich, das Bild, das sie nach außen zeigen ist musisch, kreativ, schaffend, schöpfend, liebend, lachend, lächelnd, leidend und so weiter. Diese Diskrepanz, zwischen der inneren Befindlichkeit und dem äußeren Schein, kann einen Künstler ordentlich in die Mangel nehmen (und ist doch wieder nur weiterer Stoff für seine Künstelei).

Warum schreibe ich das eigentlich? Also, primär geht es mir darum, auf wunde Punkte in der Historie hinzuweisen und die gegenwärtige Gesellschaft in die Verantwortung zu nehmen. Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder von uns Teil einer Geschichte ist. Auch wenn dieser Blog-Artikel nichts verändert, so musste er geschrieben werden. Weil er für mich und für dich ein weiterer Stein in unserem Mosaik ist. Es verhält sich wie mit  diesen hunderten von Werbe-Einschaltungen für eine zuckerhältige Limonade. Zwei oder drei Einschaltungen hätten wir gar nicht wahrgenommen. Aber hunderte, die uns tagtäglich begegnen, setzen sich in unserem Unbewussten fest. Die Werbe-Psychologie weiß, was sie tut.

Um zu einem Abschluss zu kommen (und falls Sie bis hierher gelesen haben), so belohne ich Sie mit der Feststellung, dass im Apollo-Programm der NASA nichts ist wie es scheint. Wenn Sie jetzt den Kopf schütteln und felsenfest behaupten, dass ich ein Spinner wäre, nun, dann lenke ich gerne Ihren Blick auf diesen Artikel, der sich mit dem Backfire Effekt auseinandersetzt, der nichts anderes besagt, als dieses: Wenn du von etwas tief überzeugt bist, machen dich meine Versuche, dich vom Gegenteil zu überzeugen, nur noch überzeugter. Tja. Da stehen wir nun.

Und jetzt?