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E-Books und das Versprechen der Revolution

update: wunderbar geschriebener Abgesang an das gedruckte Buch. Check that out!

Jede Revolution macht zu Beginn den Frustrierten und Ausgestoßenen ein unerhörtes Versprechen: nämlich die erlittenen Demütigungen zu rächen. Das wusste man schon über die Französische Revolution zu berichten. Das gilt auch für die digitale Buch-Revolution.

Johnny Häusler vom Blog Spreeblick hat sich einen kindle gekauft und erzählt in 5 Kapiteln, wie es ihm dabei geht. Der Artikel ist sehr leichtfüßig geschrieben und kommt zum Schluss: Ich mag den Kindle sehr, das Ding macht Spaß. Aber es gibt (natürlich) auch Einschränkungen: einerseits die Abhängigkeit zu amazon, wenn die elektronischen Bücher mit DRM-Schutz ausgestattet sind (das entscheidet aber der Verlag!) und andererseits die Preisgestaltung (ebenfalls eine Entscheidung des Verlages): Viele neue eBooks, aber auch Werke der Fachliteratur kosten fast den gleichen Preis wie das gedruckte Äquivalent, was nicht so recht einleuchten mag.

Wenn man sich die zahlreichen Kommentare zum Beitrag durchsieht, so fällt auf, dass die Leutchen ziemlich angepisst sind, wenn es um die Preise von E-Books geht. Während die Konsumenten bei anderen Revolutionen (nehmen wir die Musik-CD) höhere Preise akzeptierten, ist dies beim E-Book nicht der Fall.

Eine weitere Überlegung wird die Buchbranche anstellen müssen, nämlich wie man der verqueren Begründung, warum jemand ein E-Book illegal herunterlädt, begegnet. Hat sich nämlich der Konsument ein gedrucktes Buch legal gekauft, könnte er sich im Recht fühlen, die digitale Ausgabe ebenfalls besitzen zu dürfen. Wie die Buchbranche mit der Frage der Piraterie umgeht, ist vermutlich ein eigenes (DRM-freies) Buch wert. Eine interessante These stellt der Blog FutureBook auf, in dem sie im Artikel Piracy is good Ideen anführen, wie man mit Gratis-Content wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Das ist natürlich blanke Theorie. In der Praxis, wir wissen es, prügeln sich all die Indie-Autorenverleger mit den Kleinverlagen um den letzten Rest an Aufmerksamkeit der übersättigten Konsumenten. Bloody messy, sozusagen.

Wir haben also folgende Ingredienzen für die Revolution:

  • die Online-Distributoren: ohne dieser mächtigen Fraktion würde es bis heute keine digitalen Bücher geben: amazon, apple und natürlich all die anderen Online-Distributoren; google springt gerade auf den (kommerziellen) Zug auf; diese Marktteilnehmer sind finanziell potent und haben die Kontakte zum Endkunden (Kreditkarte inklusive); sie forcieren das E-Book, weil es für sie ungeahnte finanzielle Chancen eröffnet; sie haben mit dem altehrwürdigen Filter-Mechanismus der Verlage und Buchhändler nichts am Hut. Sie verkaufen (so gut wie alles).
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  • Kleinverlage und Indie-Autorenverleger: diese Fraktion hat an und für sich keinen Einfluss auf den Buchmarkt; aber ihr Einfluss – dank des Webs – Stimmung zu machen, darf nicht unterschätzt werden. Gerade im Social Media Bereich pflegen diese Einzelkämpfer viele Kontakte. Für sie ist das digitale Buch eine Offenbarung, da sie nun (wenigstens theoretisch) auf Augenhöhe mit den Publikums-Verlagen um Verkäufe rittern können.
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  • Leser/Konsumenten: je mehr Leser zum E-Book greifen, desto mehr Leser werden zum E-Book greifen. Ist einmal der Tipping Point erreicht, gibt es kein zurück. Wie lange es dauert? Schwer abzuschätzen. Die Welt der Literatur ist eher konservativ. Es geht um die Verteidigung eines Kulturgutes. Gerade im deutschsprachigen Raum, wo Literatur immer einen hohen Stellenwert hatte und hat. Ohne eine Statistik zu kennen (falls es sie überhaupt gibt), gehe ich davon aus, dass die eReader-Nutzer im Moment in der Mehrzahl männliche Geeks sind und sich durch die neue Technik angesprochen fühlen. Interessant ist, dass Belletristik in Frauenhand ist. Rund 80 % der Käufer sind weiblich. Eventuell könnte der eReader daran etwas ändern.
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  • berühmte Autoren: in Zukunft ist es gut möglich, dass Online-Distributoren bekannte Autoren unter Vertrag nehmen und diese fürstlich entlohnen; schon jetzt geht amazon in Richtung Publikumsverlag und hat dies auch bereits verlautbart; ein logischer Schritt, der den großen Publikumsverlagen sicherlich noch schlimmes Kopfzerbrechen machen wird;
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  • Publikumsverlage: sie haben sicherlich den schwersten Stand und stehen zwischen den Stühlen; einerseits klingen explosionsartige Zuwachsraten im digitalen Geschäft nach einem kommerziellen Halleluja, andererseits graben diese Stück für Stück ihr bewährtes und einträgliches Geschäftsmodell das Wasser ab. Ohne der Filterung durch den Buchhandel und das Feuilleton (Einzelhandel und Printmedien sind durch das Web stark in Bedrängnis geraten), wird es schwierig und sehr teuer, den Status Quo aufrecht zu erhalten.  Noch mehr Werbung, noch mehr Aufmerksamkeitsgenerierung, um die Marktanteile zu sichern. Ihr Bestreben, einen für sie akzeptablen Preis als gerechtfertigt in den Markt zu drücken, verärgert und enttäuscht die Konsumenten; die Zeit wird zeigen, wer am längeren Ast sitzt. Durch die Piraterie haben Konsumenten immer die Wahl – das sollten die Entscheidungsträger nicht vergessen, DRM hin oder her.
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  • Buchhandel: Buchhandelsketten (B&N, thalia) springen auf den E-Book-Zug auf, da sie die nötigen Mittel haben; wie erfolgreich, wird sich noch zeigen; der Einzelhandel spielt hingegen keine Rolle – eher ist dieser versucht, die Entwicklung zu bremsen und zu verschleppen.
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  • Du!
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