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Der Tag, an dem ich zwei Unterhosen trug – Die Story eines glatten Durchfalls

Ehrlich gesagt, es ist schon eine ganze Weile her, seit ich das letzte Mal die – man verzeihe mir das derbe Wort, aber so nennen wir das Ungemach in meiner Familie – „Scheißerei“ hatte. Um Mitternacht, kurz vor dem zu Bett gehen, gurgelte der Magen auf eine Weise, wie ich es sonst nicht kenne und zwang mich auf die porzellanene Leibschüssel (merkwürdig, dass der Duden das Wort nicht auflistet). Eine explosionsartige Darmentleerung war die Folge. Schlapperlot, das ist nicht gut, dachte ich mir, während mir der Gestank den Atem raubte. Dabei hatte ich die letzten Wochen einen ziemlich guten Stuhlgang-Rhythmus entwickelt, der mir anzeigte, dass ich am besten Wege bin, meine Darmträgheit, die ich seit jeher mit mir herumgeschleppt habe, zu verlieren.

Seit meiner Ernährungsumstellung – auch schon fünf Monate her – hat sich meine Darmentleerung in allen Punkten verbessert. Keine industriell hergestellten Nahrungsmittel (processed food), wenig Kohlehydrate (da vor allem weiße Mehlprodukte und Zuckerhältiges), ausreichend tierische Produkte von guter Qualität, so gut wie keine Ballaststoffe und viel (tierisches) Fett hatten dahingehend einen vollen Erfolg erzielt. In „Fachkreisen“ nennt man diese Form der Ernährung low carb, high fat bzw., wenn man es sehr genau nimmt, ketogenic diet (ketogene Ernährung). Ich habe darüber bereits ausführlich geplaudert (siehe hier) und möchte mich an dieser Stelle nicht wiederholen, kommen wir also zurück zum Punkt.

Die morgendliche Vorstellung am nächsten Tag war ebenfalls ein glatter Durchfall, was mich ziemlich nervös machte. Weil ich mich nicht krank fühlte. Mein Kopf war sonderbar klar und auch sonst war kein Unwohlsein zu bemerken. Generell spüre ich eine Krankheit bzw. ein Unwohlsein zuallererst im Kopf, der sich dumpf und schwer anfühlt und für gewöhnlich schmerzt. Doch diesmal musste ich bei vollem Bewusstsein diese Magen-Darm-Tragödie (vier Akte) miterleben.

Tja. Da saß ich nun und dachte nach. Es galt, das Leck zu stopfen und meine sonst so freundlichen Gastarbeiterbakterien im Darm zu besänftigen. Ein wenig hatte ich ja das Gefühl, dass diese die Arbeit vollständig eingestellt hätten – vielleicht hat es diese auch dahingerafft. Zack. Prack. Vorbei.

Und so besorgte ich mir Zwieback, kochte mir eine kümmelige Einbrennsuppe (eine Einbrenn nennt sich in Germania Mehlschwitze – was ziemlich ekelhaft klingt), trank Kamillen- und später Fencheltee und aß dazu Beinschinkenbrote. Machte mir Ei im Glas (gar nicht einfach, so ein weiches Ei in ein Glas zu bugsieren) und versuchte, den Organismus zu entspannen.

Gottlob hat sich nach drei Tagen Besserung eingestellt. Aber in dieser Zeitspanne musste ich am eigenen Leib feststellen, wie sich ein nicht funktionierender Darm anfühlt. Die Befürchtung, Nahrung zu sich zu nehmen und diese recht schnell wieder zu verlieren, nagte bedenklich am Selbstbewusstsein. Die Angst, nur noch „stopfende“ Nahrung zu sich nehmen zu können, ließ mich verwelken. Als ich am Samstag Morgen den Bauernmarkt am Naschmarkt aufsuchte, wie jede Woche, und vor der Fleischvitrine stand, streiften meine wehmütigen Augen all die sonst so von mir so hoch geschätzten Stücke, wie Kalbsleber, Lungenbraten, Rinds- und Lammfaschiertes usw. Statt dessen nahm ich einen mageren Kochschinken, Eier (Huhn und Ente!) und – man höre und staune – eine halben Striezel, gebacken von der Oma der Landwirtsfamilie. Und, ich wage es gar nicht laut zu schreiben, aber dieser (süße) Striezel hat zusammen mit einem schwarzen Tee meine Laune in ungeahnte Höhen gezuckert. Der Zwieback ging mir bereits gehörig auf die Nerven und – wie man hier bei uns in Wien sagt – „staubte mir aus den Ohren“.

Und über den Umweg des Striezels fand ich bei meiner türkischen Bäckerei die ungesüßte Variante mit Namen Acma. Blöd. Jetzt hab ich gegoogelt, woraus dieses türkische Gebäck hergestellt wird. Sollte da tatsächlich Pflanzenöl und Margarine verwendet werden, wäre das nicht gut, gar nicht gut, überhaupt nicht gut.

Wie dem auch sei. Während ich mich also ernährungstechnisch einschränken musste, dachte ich über das eine, das andere nach. Vielleicht haben Kohlehydrate aus Weißmehl, seien sie süß, seien sie salzig, ihre (kurzfristige) Notwendigkeit. Sehen Sie, Kohlehydrate (Zucker) liefern für den Organismus am schnellsten Energie. Im Gegensatz zu Fett und Proteinen ist aber die Energie schnell verbraucht – weshalb schon nach kurzer Zeit wieder der Hunger einsetzt und man gezwungen ist, zu essen (oder zu hungern). In einem geschwächten Zustand kann es also von Vorteil sein, dass auf schnellstem und einfachstem Wege dem Organismus Energie zugeführt wird. Vorausgesetzt, man verabreicht in späterer Folge das notwendige „Reparaturmaterial“ in Form von Proteinen (z. B. Kochschinken, Eier). Fett ist bei alledem so eine Sache. In Omas Kochbuch aus den 1930er Jahren wird beispielsweise bei Durchfall davon abgeraten fette Speisen zu sich zu nehmen und Rohmilch zu verzehren – dafür können Einbrennsuppe, Zwieback (gebähtes Brot) und Teigwaren gereicht werden.

Übrigens, wenn Sie Dr. google fragen, was man bei Durchfall essen soll, so erfährt man das Folgende:

Zwieback, geriebene Äpfel, pürierte Bananen, Reis, Kartoffeln, Karottensuppe

Finden Sie das jetzt nicht merkwürdig? Die obigen Lebensmittel sind demnach stopfend. Falls Sie also an einem trägen Darm leiden und sich mit getoastetem Brot, Reis, Kartoffeln und Obst/Gemüse „gesund“ ernähren, sozusagen viele Ballaststoffe zu sich nehmen, dann mag einer der Gründe dafür schon gefunden sein.

Die letzten Tage haben mir jedenfalls vor Augen geführt, dass wir ohne unsere Gäste nur eine leere Hülle sind. Mikrobiom oder Darmflora, wie immer man auch das Ganze nennen mag, es sind all die Bakterien, Pilze, Parasiten und Viren, die bei der Verdauung den Ton angeben und entscheiden, wohin die Reise geht. Das Mitochondrium, das Kraftwerk in jeder Zelle, das Kohlehydrate bzw. Fett in Energie umwandelt, ist eine Mischung aus Bakterium und Virus und eines der (nur im Ansatz erforschten) Wunder unseres Körpers. Nebenbei bemerkt sind unsere Zellen mit einer Art von „Glasfaser“ verbunden und kommunizieren fröhlich vor sich hin. Wenn mir jemand sagt, Medizin und Wissenschaft hätten unseren Körper vollständig erforscht, kann ich nur leise seufzen. Geht es um offizielle Ernährungsempfehlungen, scheint mir hier eine Agenda am Werk, die nichts Gutes für die Menschheit im Sinne hat. Dazu muss man sich nur die gerade veröffentlichten Ernährungsrichtlinien der EAT-Lancet Commission anschauen, die momentan in den Medien die Runde macht und (wieder einmal) tierische Fette in die Ecke stellt – während sie kein Problem mit „pflanzlichen“ hat. Und rotes Fleisch ist scheinbar ein rotes Tuch für diese Leute. Es wird nicht lange dauern, so ist zu befürchten, dass die Regierungen diesen Report als Basis für neue „Gesundheitsempfehlungen“ und Gesetze heranziehen werden. Schlag nach bei Kanada.

Ich denke, ich habe fürs Erste genug gesagt. Jetzt werde ich mir mal etwas in die Pfanne hauen. Huh. Ich hoffe, es mundet meinen Gästen und die Vorstellung endet mit tosendem Applaus.


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