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Merkwürdigkeiten in Nizza oder Anatomie eines Events, 14. Juli 2016

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Sie werden es zwischenzeitlich sicherlich bereits gehört, gelesen und gesehen haben, was sich am 14. Juli in Nizza zugetragen hat, nicht wahr? Hier der aktuelle Wiki-Eintrag, der sich, wie üblich, auf Meainstream-Quellen beruft:

»Gegen 22:45 Uhr (Spiegel / Standard: ›gegen 23 Uhr‹, BBC: ›a little after 22:30‹) fuhr der Attentäter mit einem weißen Lkw mit Kühlaufbau auf die für den Verkehr gesperrte Strandpromenade. Er überfuhr dort auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern (im Bereich zwischen den Hausnummern 11 und 147) absichtlich zahlreiche Menschen. […] Einer vorläufigen Bilanz der Staatsanwaltschaft vom 15. Juli zufolge wurden 84 Menschen aus 21 Nationen getötet und mehr als 202 weitere zum Teil schwer verletzt.« [update 22.07.: im ARD Morgenmagazin vom 15.7. spricht @gutjahr sogar von „genau 23 Uhr 7 Minuten“ als der LKW in die „Szenerie“ fuhr.

Die Geschwindigkeit, laut Augenzeugenberichten, dürfte zwischen 40 und 50 km/h gelegen sein. Nach einem intensiven Schusswechsel mit der Polizei sei der LKW noch 300 Meter weitergefahren bzw. -gerollt und dann zum Stehen gekommen. Damit ist die tatsächlich Länge der Amokfahrt, beginnend beim Kinderspital, Höhe Rue Lenval, 1700 Meter. Sieht man sich die überlieferten Bilder und Clips an, bekommt man den Eindruck, dass der Laster auf der gesperrten Verkehrsstraße, neben der Strandpromenade, gefahren sein dürfte. Auf der Strandpromenade selbst finden sich nämlich in dem oben erwähnten Abschnitt drei Sperren in der Form von längeren Kollonaden aus Beton.

Sieht man sich jenen Videoclip an, der kurz nach der Amokfahrt entstanden sein muss, da im Hintergrund der LKW bereits angehalten hat, dann kommt man aus dem Staunen nicht raus. Die Faktenlage bei Unfällen zwischen Lastkraftwagen und Fußgänger ist eindeutig: Wird der Fußgänger überrollt, endet der Unfall für ihn in 63 von 100 Fällen tödlich bzw. in 37 von 100 Fällen mit einer schweren Verletzung. Wird er dagegen nicht überrollt, so kommt es nur in einem von 100 Fällen zum Tode. (Statistik) Bei den im Clip gezeigten Leichen ist keine einzige überrollt worden. Deshalb muss man nun zur alles entscheidenden Frage gelangen: Woran sind diese Menschen gestorben?

Der LKW zeigt sich auf den Fotos in einem blitzblanken Zustand. Es deutet demnach alles darauf hin, dass das Fahrzeug keine Fußgänger überrollt hat, jedenfalls sind keine Blutspuren oder Körperteile an den Reifen oder am Frontbereich zu erkennen. Ich muss Ihnen hoffentlich nicht im Detail schildern, was geschähe, würde ein 19-Tonner über einen Körper rollen, oder? Falls Sie jemanden bei der (Freiwilligen) Feuerwehr kennen, können Sie ihn ja fragen, was er so an Autounfällen mit Personenschaden bereits gesehen hat und wie sich diese Bilder auf den Betrachter auswirken. Mit Sicherheit ein schockierender Anblick, die einen so schnell nicht mehr loslassen. Wer hart im Nehmen ist, bitte sehr, auf liveleaks finden Sie jeden nur vorstellbaren blutigen Unfall. Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Für mich ist das Faktum, dass der LKW keine sichtbaren Anzeichen einer Überrollung von Fußgängern zeigt, the smoking gun.

Im oben erwähnten Clip sind nur ein paar Bystanders zu sehen, die zum Teil ratlos und recht unmotiviert herumstehen, während rechts und links Menschen liegen. Merkwürdig ist, dass bei den Schwerverletzten (Wer weiß denn schon, ob jemand bereits tot ist, ohne es überprüft zu haben?) so gut wie keine Angehörigen sind. Ist das vorstellbar? Würden Sie einen Angehörigen, der verletzt ist, einfach auf der Straße liegen lassen? Würden Sie nicht alles versuchen, um ihn zu beruhigen, um nach Hilfe Ausschau zu halten, um nach Hilfe zu rufen, um auf sich Aufmerksam zu machen? Würden Sie nicht Herumstehende um Rat fragen, um Hilfe bitten? Und wo sind all die Menschen, die zuvor auf der Promenade ausgelassen gefeiert haben sollen? Haben Sie sich plötzlich in Luft aufgelöst? Laut AFP hielten sich dort 30.000 Menschen auf.

In einem anderen publizierten Foto sieht man eine Vielzahl an Leichen eng an eng zusammenliegen. Auch hier ist keine Überrollung festzustellen. Woran sind diese Menschen am Ende gestorben? Und wenn diese nicht überrollt wurden, wie können sie dann so dicht gedrängt auf der Straße liegen?

Und dann gibt es da noch eine weitere Statistik vom Deutschen Bundesamt für 2013: Unfälle von Güterkraftfahrzeugen im Straßenverkehr. In jenem Jahr wurden in Deutschland 1672 Unfälle zwischen Lastkraftwagen und Fußgänger aufgezeichnet. In 86 Fällen war der Zusammenstoß für den Fußgänger tödlich. Hochgerechnet auf die Zahl der Toten in Nizza, müsste es demnach rund 1600 Verletzte geben. Doch davon kann freilich keine Rede sein. Vermutlich werden Sie jetzt einwerfen, die hohe Zahl der Todesopfer hätte damit zu tun, weil der LKW in eine Menschenmenge gerast sei. Dieser Umstand bedeutet lediglich, dass es dadurch öfters zu Kontakten mit Fußgängern kommt – für den Statistiker macht es keinen Unterschied, ob es an zehn Tagen zu einem Unfall oder an einem Tag zu zehn Unfällen direkt hintereinander kommt.

Merkwürdig auch das Verhalten eines deutschen Journalisten und Bloggers, der Zeuge dieses Ereignisses war. Vom Balkon seiner Unterkunft filmte er die (langsame) Fahrt des LKWs, weil der Laster »nicht ins Bild passte«. Nach einem Schusswechsel (?) beschleunigt der LKW. Mehr ist nicht zu sehen. Ein Foto, welches er auf Twitter postete, ist seltsam unscharf, obwohl der Journalist und Blogger – laut seiner Webseite – viel Erfahrung in Sachen Video- und Fotoproduktion hat. Beinahe könnte man vermuten, es sei mit Absicht unscharf gemacht worden, um die Dramatik des Augenblicks zu erhöhen. Wie viele Fotos und Videoclips der Journalist noch machte, ist nicht zu ermitteln – sein Footage schickte er ARD/ZDF und BR. Diese, so der Journalist, seien schließlich Profis. Natürlich. Interessant, dass der Journalist in den internationalen Mainstreammedien – vom Spiegel bis zur BBC – herumgereicht wurde und dort seine Eindrücke zum Besten geben durfte. Es ist schon erstaunlich, wie oft Augenzeugen, die mit Medienhäusern in Verbindung stehen, zur rechten Zeit am rechten Balkon stehen, um während eines Events einen kurzen Videoclip zu drehen, der vom internationalen Mainstream in aller Eile und mit Trompetengeschmetter der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Die Aufnahme des Journalisten dürfte aus dem Hotel Westminster gemacht worden sein. Dieses liegt aber 230 Meter vor dem endgültigen Haltepunkt des Lasters – auf der Höhe Rue du Congrés. Ergo haben wir hier einen Widerspruch, da es ja offiziell heißt, dass der LKW nach einem intensiven Schusswechsel die letzten 300 Meter ausgerollt sei – auf dem Videoclip ist aber zu sehen, dass das Fahrzeug, das sehr langsam von rechts nach links ins Bild fährt, wieder beschleunigt. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, diesen Widerspruch zu erklären: Der Fahrer brachte mit Absicht das Fahrzeug zum Stehen – darüber ist aber in den offiziellen Verlautbarungen nichts zu lesen – oder das Fahrzeug war viel langsamer unterwegs als die veranschlagten 40 km/h. Wie dem auch sei, sollte es tatsächlich einen intensiven Schusswechsel rund 70 Meter vom Hotel entfernt gegeben haben, dann hätte das der Journalist, der auf dem Balkon stand, in jedem Fall hören müssen. Das Feuerwerk sei nämlich, nach seiner Aussage, um 22:45 zu Ende gegangen und kurz danach wäre der LKW in sein Blickfeld geraten.

Die Fahrt des LKW mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 40 km/h dauerte für die 1700 Meter rund 150 Sekunden, also Zwei Minuten und 30 Sekunden. Ich wäre nun davon ausgegangen, dass sich die Sache wie folgt hätte abspielen sollen:

LKW durchbricht die Sperre. Die Polizisten, die an der Kreuzung stehen, geben sofort in der Zentrale Bescheid. Diese gibt den Einsatzkräften, die sich im Zielgebiet befinden, die Weisung, die Straße sofort zu evakuieren und den LKW zum Stehen zu bringen. Ist die Evakuierung geschehen? Darüber konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Obwohl sich zum Zeitpunkt dieses Ereignisses Frankreich noch immer im Ausnahmezustand befand, sind keine Einsatzkräfte auf den Bildern zu sehen, die sich um die Verletzten kurz nach der Amokfahrt gekümmert oder Angehörige beschwichtigt hätten. Merkwürdig auch das.

Die Zeit berichtet, dass die Beamten in der Kabine des LKWs die folgenden Waffen gefunden hätten: »eine automatische Pistole vom Kaliber 7.65, ein Magazin mit 75 Patronen und eine weitere automatische Pistole, dazu zwei Sturmgewehre und eine Handgranate.« Bei BBC heißt es »Police said Bouhlel was in possession of an automatic pistol, bullets, a fake automatic pistol and two replica (deux répliques) assault rifles (a Kalashnikov and an M16), an empty grenade«. Im Guardian heißt es »Police found two automatic weapons, ammunition, a mobile phone and documents in the truck, the prosecutor said.« Man glaubt gar nicht, wie schwer es ist, festzustellen, was nun wirklich in der Fahrerkabine des LKWs gefunden wurde. Warum sich ein Terrorist ausgerechnet mit Spielzeugpistolen und einer leeren Handgranate bewaffnet haben soll, bleibt ein Rätsel. Was wollte er damit erreichen?

Sieht man sich die Verteilung der Einschusslöcher in der Windschutzscheibe des LKWs an, bemerkt man, dass die Fahrerseite ziemlich unbehelligt blieb. Saß der Fahrer demnach auf dem Beifahrersitz oder wie ist dieser Umstand zu verstehen? Die Einsatzkräfte werden hoffentlich nicht dermaßen schlecht geschossen haben. Theoretisch könnten natürlich die Polizisten allesamt linker Hand des Fahrzeugs gestanden und seitlich auf die Fahrerkabine geschossen haben.

Wenn sich in aller Öffentlichkeit solch ein dramatisches Ereignis abspielt, würde man Bilder erwarten, die einen unangenehm berühren, die einen aufrütteln, die einen die Dramatik erspüren lassen. Sollten Sie nicht wissen, was ich meine, dann gucken Sie sich die Bilder und Clips von der Geiselnahme in der Schule von Beslan (Russland) im September 2004 an. Sehen Sie in die Gesichter der Leute. Sehen Sie in ihre Augen. Dann wissen Sie, was es heißt, wenn einem das Grauen aus dem Alltag reißt und in die Hölle stößt. Glauben Sie wirklich, da wäre einer damals zum Tanzen aufgelegt gewesen? Da fällt mir ein, dass die verschiedenen Videoaufnahmen von Beslan im Vergleich zu jenen der letzten Ereignisse in Paris, Brüssel oder Nizza weitaus schärfer und klarer rüberkommen – obwohl 12 Jahre dazwischen liegen. Ist es wirklich vorstellbar, dass die Leutchen in Europa allesamt noch keine Smartphones, keine iPhones besitzen, anno 2016, und nur pixelige Kurzclips mit ihren in die Jahre gekommenen Klapphandys machen können?

Mit diesem merkwürdigen Ereignis geht jedenfalls der War of Terror in die nächste Runde. Ende ist demnach keines in Sicht. Weil Goldstein und seine Terrororganisation The Brotherhood einfach nicht kleinzukriegen sind. Schätze, es braucht noch mehr Flächenbombardierungen im Nahen Osten, noch mehr Notstandsgesetze und noch mehr Sparmaßnahmen im Sozialbereich. Cui bono? Ja, Sicherheit hat einen teuflisch hohen Preis. Ihre Regierung verrät sie gerne.

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Wenn die NZZ Propaganda betreibt …

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Pinteresk

Eine unbedingte Lese-Empfehlung, für alle jene, die wissen wollen, wie eine Schweizer Qualitätszeitung im Ukraine- und Syrien-Konflikt eine doch recht einseitige Kriegspropaganda betreibt. Sie können davon ausgehen, dass es eine ähnlich einseitige Berichterstattung auch in deutschen und österreichischen Qualitätsmedien gibt. Die Studie beginnt mit folgender Einleitung:

»Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ist die führende Schweizer Tageszeitung für internationale Themen. Doch wie objektiv und kritisch berichtet die NZZ über geopolitische Konflikte? Um dies zu überprüfen, wurden während je eines Monats alle NZZ-Berichte zur Ukraine-Krise  und zum Syrienkrieg analysiert und anhand des Modells von Professor Anne Morelli auf Muster von Kriegspropaganda hin ausgewertet.«

»Die Resultate sind eindeutig: Die NZZ verbreitet in ihren Berichten überwiegend Propaganda der Konfliktpartei USA/NATO. Gastkommentare und Meinungsbeiträge geben nahezu durchgehend die Sicht dieser Konfliktpartei wieder, während Propaganda ausschließlich auf der Gegenseite verortet wird. Die verwendeten Drittquellen sind unausgewogen und teilweise nicht überprüfbar. Insgesamt muss von einer einseitigen, selektiv-unkritischen und wenig objektiven Berichterstattung durch die NZZ gesprochen werden. Verschiedene Erklärungsversuche für diesen Befund werden diskutiert.«

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Silvesternacht in Köln und der Blind Spot der Geschichte

Koeln2016_Medien
Nur ein kleiner Medien-Mix zum Probieren.

update: ein Kölner Augenzeuge berichtet über die Ereignisse

Sie werden es vermutlich bereits gehört und gelesen haben, dass es in der Silvesternacht zu zahlreichen Übergriffen am Hauptbahnhof von Köln kam und die Wogen in den sozialen Medien hoch gingen. Der interessanteste Aspekt bei alledem ist aber die Frage, wie es möglich ist, dass ein – verhältnismäßig harmloses* – lokales Ereignis in Deutschland für internationales Aufsehen sorgen kann. So schaffte es das Ereignis sogar auf die (Online)Titelseite der New York Times und in den Twitter-Feed von Donald Trump. Verblüffend, meinen Sie nicht auch?

*) Jakob Augstein twittert am 7.1.: „Ein paar grapschende Ausländer und schon reisst bei uns Firnis der Zivilisation“
https://twitter.com/Augstein/status/685142273324134400

Nun, die großen Medienhäuser, seien diese in Frankfurt, London oder New York spielen alle im selben Orchester und ziehen am gleichen elitär-politischen Strang (FAZ-Mitgründer Paul Sethe anno 1965: „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“). Als skeptischer Bürger muss man sich jetzt fragen, warum all diese Medien gerade jetzt diesem emotionalen Thema Platz einräumten, während sie noch vor Wochen und Monaten solche Ereignisse ignoriert, abgeschwächt oder die Opfer bzw. Kassandra-Rufer diskreditiert haben.

Der Aufschrei wütender und verängstigter Bürger in den sozialen Medien soll den Anstoß für Presse und Politiker gegeben haben. Klingt gut, ist aber nicht so, weil es in erster Linien der Mainstream-Presse und der großen Presse-Agenturen vorbehalten ist, aus einem Sturm im Wasserglas einen ordentlichen Orkan zu entfachen.

So berichtete das Boulevardblatt BILD am 3.1.2016 über den Vorfall mit der Headline: „Sex Überfälle in der Silvesternacht“. Das hat Schmackes und verkauft sich gut. Einen Tag später legt das boulevardeske Nachrichtenmagazin FOCUS nach: „Betroffene berichtet: ‚Ich habe die ganze Zeit nur geschrien'“. Gefolgt von Spiegel Online, der im Artikel die Herkunft der mutmaßlichen Täter seltsamerweise nicht verschweigt. Der Rest, wie man schön sagt, ist Geschichte.

Im Moment fliegen die Anschuldigungen kreuz und quer im öffentlich-medialen Raum umher. Haben die Politiker oder die Polizei versagt? Warum dauerte es fünf Tage, bis ARD/ZDF gewillt war, über die Ereignisse zu berichten? Die FAZ fragt sich, ob ARD und ZDF nicht wissen, was sie berichten sollen. Der CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich vermutet „Nachrichtensperren“, sobald es um Vorwürfe gegen Ausländer gehe und spricht von einem „Schweigekartell“ – freundlicherweise berichtet Die Welt über das vermeintliche Versagen der Medien. Oder liegt die Schuld am Ende bei den „opferbereiten Naivlingen beziehungsweise nützlichen Idioten der Flüchtlingsindustrie“, wie die niederländische Zeitung De Telegraaf in einer ungewohnt drastischen Deutlichkeit schreibt. Enfant Terrible Donald Trump interpretierte die Ereignisse auf seine Weise, nämlich dass die deutsche Bevölkerung „massiven Angriffen“ von Migranten ausgesetzt wäre, denen man zuvor erlaubt habe, ins Land zu kommen. Darüber solle man nachdenken, merkte er am Ende an. Und zu guter Letzt sieht die international geschätzte Qualitätszeitung The New York Times die Migranten-Diskussion in Deutschland durch die „massiven sexuellen Übergriffe“ (Mass Sexual Attack) angeheizt.

Wie ich die Sache auch drehe und wende, ich werde aus alledem nicht schlau. Zum einen scheint es, dass einzelne Medienhäuser dieses lokale Ereignis nicht unnötig „aufblasen“ wollten. Man sehe sich nur die Berichterstattung auf ORF.at an – da es keine User-Kommentarfunktion gibt, könnte man meinen, es handle sich bei alledem nur um eine ausgeuferte Silvesterparty, irgendwo in Deutschland. Im Gegensatz dazu sah sich die Redaktion des Der Standard gezwungen, im Online-Forum darauf hinzuweisen, dass trotz des „emotionalen Themas“ alle Postings gelöscht werden würden, die Hetze und rassistische Angriffe beinhalteten. Eine Woche später – viel Wasser ist dem Rhein hinuntergeflossen – liest man erste Relativierungen und mahnende Worte. Nichts anderes war zu erwarten, da die Reaktionen in den Online-Foren zeigten, dass so mancher (verängstigte und wütende) Bürger überhaupt nicht mit der gegenwärtigen Politik einverstanden ist und eine Kursänderung fordert.

Merkwürdig jedoch, dass ausgerechnet die transatlantischen Brückenbauer unisono Öl ins Feuer schütten wollten. Warum? Wozu? Und wie kann es sein, dass eine Profi-Politikerin – mit all ihren Spin-Doktoren und PR-Ratgeber – in einer Pressekonferenz einen Vorschlag zur zukünftigen Verhinderung dieser Übergriffe unterbreitet, der so absurd lächerlich ist, dass man beginnt, an das demokratische Wahlsystem zu zweifeln? #einearmlaenge

Dass die Massenfluchtbewegung nach Europa gesteuert ist, steht für mich außer Frage. Um die unangenehmen zukünftigen Auswirkungen abzufedern, waren es genau jene transatlantischen Brückenbauer in den Redaktionen der großen privaten und öffentlich-rechtlichen Medienhäuser, die eine fröhlich-humane Willkommenskultur-Euphorie auf die Titelseiten und in die Nachrichtensendungen brachten. Kritische Stimmen, wie zuvor erwähnt, wurden ignoriert oder ins rechte Lager abgeschoben. Die leere Politphrase „Wir schaffen das!“ wischte alle Bedenken fort. Natürlich. So funktioniert Propaganda. So werden die Lämmer zum Schweigen gebracht.

Ich denke jedenfalls nicht, dass hier ein Fehler in der Kommunikation geschah. Wollte man vielleicht mit Absicht die Stimmung anheizen? Wollte man die „Gegnerschaft“ herausfordern, um deren Reaktion sorgfältig beobachten zu können? Ging es vielleicht auch nur darum, die „Macht“ der sozialen Medien in den Köpfen der Bürger zu verankern? Hieß es nicht (fälschlich), dass der „Arabische Frühling“ vor allem durch Social Media ermöglicht wurde? Oder wollte man schlicht und einfach von einem anderen Brennpunkt ablenken?

Ja, das ist das Dilemma eines Wahrheitssuchers, der nur Bruchstücke an Fakten und Indizien zur Verfügung hat. Es gibt keine Antworten, nur viele Fragen.