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Aber grandios in ihrer Wahrheit! Von Tagebüchern und Innenansichten

Kurz zuvor in Bernward Vespers Autobiographie Die Reise geblättert (mein Beitrag). Es bietet ein Stück Innenansicht, die in der Literatur unerreicht ist. Er, Bernward, ein Zerrissener zwischen zwei Welten. Zum einen die Welt Ostdeutschlands, mit dem großen Gut der Mutter und dem Vater, der ein großer Dichter war, aber zu Bernwards Kummer die falschen Götter anbetete. Das niedergelegte Gespräch zwischen Vater und Sohn, das Bernward schonungslos auf eine dichtgedrängte Seite zwängt, ist grandios wahr – und würde heute wohl der Zensur zum Opfer fallen. Weil die andere Seite – und immer gibt es eine andere Seite – nicht gehört werden darf.

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Bernward Vesper: Die Reise – ein rückblick im Drogenrausch der Geschichte

Es hat viel Geduld gebraucht, um Bernward Vespers nachgelassene Autobiographie zu Ende zu lesen – immerhin musste der Umfang von rund 700 Taschenbuchseiten bewältigt werden. Falls Sie den Autor nicht kennen, nun, laut Klappentext war er der Sohn eines „prominenten NS-Schriftstellers“ und der Lebensgefährte von Gudrun Ensslin, ihres Zeichen Mitglied in der Roten Armee Fraktion (RAF). Das Buch blieb unvollendet – Bernward Vesper nahm sich 1971 in der Hamburger Psychiatrischen Universitätsklinik das Leben und hinterließ seinen 4-jährigen Sohn Felix.

Dass dieser Text überhaupt veröffentlicht werden konnte – meine gelesene Taschenbuch-Ausgabe erschien 2012 im Verlag Rowohlt – ist als kleines Wunder anzusehen. Die Themen, die Vesper ausschweifend behandelt, werden von den Sittenwächtern nicht goutiert und liebend gern unter den Teppich gekehrt. Gut möglich, dass der Text in naher Zukunft nur noch in einer kommentierten Ausgabe erscheinen darf. O tempora o mores.

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