richard k. breuer

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Olympische Spiele 1936 im Rückblick und die historische Einseitigkeit im Kurier

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Gestern stolperte ich über den Kurier-Artikel der Printausgabe: 16 Tage heile Sportwelt: Olympische Spiele 1936 – Während die Nazis der Welt Toleranz vorspielen, bereiten sie im Hintergrund den Krieg vor.

Die Autorin versucht erst gar nicht, objektiv an historische Tatsachen heranzugehen, vielmehr übt sie sich in peinlicher Schuldzuweisungsmalerei. Natürlich ist es einem Kurier oder einem anderen deutschsprachigen Medium nicht erlaubt, die Zeit zwischen 1914 und 1945 akkurat darzustellen. Ist es die große Angst, das rechte Lager zu befeuern? Was auch immer die Gründe dafür sind, Tatsachen schafft man aber nicht aus der Welt, in dem man sie ignoriert. Sagte bereits Aldous Huxley.

Da ich mich aber nicht in gefährliche Untiefen begeben möchte – die Sittenwächter schlagen unbarmherzig zu -, greife ich einen zentralen Punkt des Artikels auf, nämlich die Behauptung, die „Nazis“ hätten bereits im August 1936 im Hintergrund den Krieg vorbereitet. Gibt es dafür Beweise? Die würde ich gerne hören.

Jemand, der sich mit der Historie objektiv auseinandersetzen möchte, könnte beispielsweise beim US-Historiker John Moser und seinem Buch The Blitzkrieg Myth (Harper Collins, 2003) nachlesen, dass beispielsweise in der Zeit zwischen 1935 und 1940 die Franzosen mehr Panzer als die Deutschen produzierten. Auf der selben Seite 51 lesen wir, dass die Produktionszahlen die Behauptung, Deutschland bereite sich auf eine revolutionäre Kriegführung vor, widerlegen: „Whatever German generals later claimed, no matter how brilliant  their theories of warfare, German production statistics give the lie to the claim that the German army was preparing for some revolutionary kind of warfare or had developed the weaponry to suit their ideas.“ Auch wenn Sie es nicht glauben möchten, aber es ist eine Tatsache, dass die deutschen Panzer in den ersten Kriegsjahren den gegnerischen in jeder Hinsicht unterlegen waren. Nur für den Fall, dass Sie noch immer von der technischen Überlegenheit der Deutschen Armee phantasieren.

Wie dem auch sei, bleiben wir bei der Olympiade 1936 in Berlin und hören uns an, was der große Jesse Owens zwei Monate später, darüber zu sagen hatte:

»While at the Olympic Games, I had the opportunity to meet the King of England. I had the opportunity to wave at Hitler, and I had the opportunity to talk with the King of Sweden, and some of the greatest men in Europe. Some people say Hitler snubbed me. But I tell you, Hitler did not snub me. I am not knocking the President. Remember. I am not a politician, but remember that the President did not send me a message of congratulations because people said, he was too busy. […] Now, I will talk about athletics. The Olympic Games were the greatest thing in my life and in the lives of other athletes that went over there. As to the races, my first one was the greatest, the 100-meter. Berlin is a wonderful city. The stands at the Olympics were crowded. There were 125.000 people. They had flags of the country of every person entered in the contests. The track was of a red texture with green around it. And the starters were there on the scene, men in white caps who stood ready with the guns in their hands.« [Artikel]

Mit anderen Worten, Jesse Owens fühlte sich nicht vom Deutschen Reichskanzler, sondern von seinem eigenen (demokratisch gewählten) Präsidenten brüskiert, der es nicht der Mühe wert fand, dem überragenden Athleten seiner Zeit ein Glückwunschtelegramm zu schicken. Es sollten 18 Jahre vergehen, bis die gesetzliche Rassentrennung in den USA per Gerichtsentscheid im Jahr 1954 aufgehoben wird.

Der Kurier-Artikel, der sich als geschichtliche Darstellung der Olympiade 1936 versteht, ist in seiner Einseitigkeit und Doppelbödigkeit ein Paradebeispiel für die Politisierung der Historie. Auf fiese Weise wird die schöne Oberfläche einer Objektivität inszeniert, während im Hintergrund die orwellsche Gedankenpolizei vorbereitet wird. Ja, die ungehemmte Neigung zum Monetären, zum Schönheits- und Gewaltkult bricht in unserer westlichen Gesellschaft durch.

Übrigens, der Boykott der olympischen Spiele von Moskau im Jahr 1980 war ebenfalls eine große Propagandatat, zwar nicht mehr von Josef Goebbles, sondern von Zbigniew Brzezinski, dem nationalen Sicherheitsberater Jimmy Carters. Darüber spricht natürlich kein linientreuer Historiker. Besser, man setzt die Scheuklappen auf und blickt starr auf 1936, weil ignorance is strength.

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Text of Jesse Owen’s Adress, Afro-American, October 10, 1936

 

 

Die Qual der Bundespräsidentenwahl, anno 2016

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Vielleicht haben Sie ja den Artikel im orf.at über das internationale Interesse an der heutigen Bundespräsidentenwahl gelesen, jedenfalls zitiert der Schreiber aus den ›gewichtigsten‹ ausländischen Magazinen und Tageszeitungen. Wahrlich, die Auslandspresse schert sich nur dann für unser beschauliches Ländchen, wenn zu befürchten ist, dass am Ballhausplatz die Hakenkreuzfahne ein weiteres Mal ausgerollt und der Hofburg-Balkon seinem (neuen) Namen alle (Un)Ehre machen wird.

Neben der New York Times und dem Spiegel wird auch aus dem ‚US-Polit-Magazin‘ Foreign Affairs zitiert. In jenem Magazin schrieb der Gründer, Harvard-Professor Samuel P. Huntington*, im Jahr 1993 den berühmt gewordenen Aufsatz ‚The Clash of Civilizations? The next pattern of conflict‚ – in einer Zeit, als es weder ISIS noch Migrationswellen gab. Könnte man hier am Ende von einer prophetischen Vision des US-Professors sprechen? Oder war es nur die erste Andeutung einer gemachten Zukunft, die längst in der Schublade des Establishments lag? Der gute Huntington, das sollte man wissen, war mit Studienkollege Zbigniew Brzezinski und Henry Kissinger gut befreundet. Ich hoffe, Sie wissen über die beiden Herren der ehrenwerten Gesellschaft Bescheid. Brzezinski ist es nämlich zu verdanken, dass Washington mit Hilfe eines Osama bin Ladens gewaltbereite muslimische Gotteskrieger (lies: Söldner) nach Afghanistan der 1970er Jahre schleusen konnte, deren Aufgabe es war, Terror im Namen ihres Gottes (Geld) zu machen und so der UdSSR ans geopolitische Bein zu pinkeln. Dass diese gut ausgebildeten muslimischen Gotteskrieger (lies: Söldner) in späterer Folge immer wieder in intakten säkularen Staaten auftauchen – sei es in Serbien, sei es in Libyen, sei es in Syrien – und diese bekämpfen, scheint die ›prophetische Gabe‹ respektive Andeutung einer gemachten Zukunft von Prof. Huntington zu bestätigen.

Zurück nach Österreich und der anstehenden Bundespräsidentenwahl. Das oben erwähnte Magazin fürchtet, dass die Neue Rechte Europa überschwemmen könne: ›Die Freedom Party ist kein Sonderfall mehr, sondern nur eine von Dutzenden islamophoben und zuwandererfeindlichen Parteien zwischen Griechenland und Finnland, die den liberalen Konsens Europas kippen lassen.‹ [Übersetzung: orf.at]

Wenn Sie mich fragen, ist es nun mal so, dass zu einem Kampf (Clash) zwei streitende Parteien gehören. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass die politischen Erben von Huntington & Co nun Phase Zwei einläuten und die christliche Welt nach rechts rücken lassen. Falls Sie jetzt noch immer meinen Norbert Hofer und die Freedom Party (oder FN und Marine Le Pen) seien das Problem und Alexander van der Bellen (oder François Hollande) die Rettung, dann kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen.

*) Die Familie Huntington gehörte in den 1930er Jahren laut Untersuchung von Ferdinand Lundberg zu den 60 (einfluss)reichsten Familien in den USA.

Ein Dschihadist mit Namen Goldberg

Es ist nicht alles Gold, was glänzt, sozusagen.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt, sozusagen.

Sehen Sie, die Welt da draußen ist nicht leicht zu verstehen. Schon gar nicht, wenn Sie auf die Mainstream-Medien angewiesen sind. Für diese ist es einfach, Erklärungen zu finden. Da die Guten, dort die Bösen – oder umgekehrt, je nach dem. Wenn es um die terroristische Bedrohung ISIS geht, dann hat das Böse, laut FBI, viele Namen:

On May 15,2014, the Secretary of State amended the designation of al-Qa’ida in lraq (AQl) as a Foreign Terrorist Organization under Section 219 of the lmmigration and Nationality Act and as a Specially Designated Global Terrorist entity under section 1(b) of Executive Order 13224 to add the alias lslamic State of lraq and the Levant (lSlL) as its primary name. The Secretary also added the following aliases to the lSlL listing:

the lslamic State of lraq and al-Sham (lSlS),
the lslamic State of lraq and Syria (lSl),
ad-Dawla al-lslamiyya fi al-‚lraq wa-sh-Sham,
Daesh,
Dawla al lslamiya, and
Al-Furqan Establishment for Media Production.
Although the group has never called itself „Al-Qaeda in lraq (AQl),“ this name had frequently been used to describe it through its history.

Wenn man also nichts von diesen Aliase weiß, dann kann man es schon mit der Angst zu tun bekommen. Da schreibt die eine Zeitung von ISIL, eine andere von ISIS und wieder eine andere von Al-Furqan oder Al-Qaida. Sehen Sie, so entstehen Konfusion und Hilflosigkeit im Leser. Und ich gehe davon aus, dass all die Jungjournalisten, die geschult wurden, Pressmeldungen (einigermaßen) fehlerfrei abzutippen, recht ahnungslos und blauäugig sind. Andererseits, es ist auch nicht ihr Job, Presseaussendungen zu hinterfragen.

Vor wenigen Tagen publizierte die australische Zeitung The Sidney Morning Herald einen interessanten Artikel: FBI says ‚Australian IS jihadist‘ is actually a Jewish American troll named Joshua Ryne Goldberg [link]. Darin heißt es, dass ein junger amerikanischer Bürger vom FBI beschuldigt wird, sich als australischer IS Dschihadist ausgegeben und Anleitungen für Sprengstoffbasteleien verschickt zu haben. Falls Sie die Details wissen möchten [beispielsweise, dass der etwa 20-jährige Joshua noch bei seinen Eltern wohnt oder dass das Internet auf seine Mutter angemeldet ist], dann lesen Sie das offizielle 34-seitige Criminal Complaint. Sie werden staunen. Warum? Weil es sich wie in ein Hollywood-Script liest. Sie können übrigens Ausschnitte der Online-Konversationen zwischen Goldberg und einem FBI-Informant, der sich als williger Terror-Vollstrecker ausgegeben hatte und begierig war, einen Anschlag auszuüben, einsehen. Hm. Scheinbar ist heutzutage im Web keiner Seele mehr zu trauen.

Jedenfalls wurde der junge Goldberg festgenommen. Er erklärte seine Trollerei damit, dass er den Anschlag in Wirklichkeit verhindern und so Ruhm und Ehre einstreichen wollte. Aha. Aber nehmen wir mal an, dass die Sache ernsthafter betrieben worden wäre. Nehmen wir an, Goldberg hätte gute Kontakte (zu Geheimdienstkreisen) und gutes Geld (von dunklen Geheimdienstkonten). Und nehmen wir an, der willige Vollstrecker wäre – gegen viel Geld – bereit gewesen, eine (ihm zugegangene) Bombe zu zünden. Halten Sie das wirklich für so absurd? Und wer würde am Ende für die blutige Tat verantwortlich gemacht werden? ISIS? IS? ISIL? Und würde die Tat nicht eine militärische Reaktion von Seiten Washingtons hervorrufen?

Wir sehen also, wie einfach es für den Einzelnen ist, sich als fanatischer Streiter für die „gerechte Sache“ auszugeben, wie einfach es wiederum für die Behörden ist, die Verantwortlichkeit in eine bestimmte Richtung zu lenken. Für mich steht außer Frage, dass die kleineren und größeren Terror-Organisationen Washington (und Tel Aviv) in die Hände spielen. Ohne 9/11 hätte es all die militärischen Interventionen im Nahen und Fernen Osten nicht gegeben. Ohne 9/11 hätte es keinen Patriot Act, kein Homeland Security Department, keine Drohnen-Angriffe gegeben. Und Pax Americana wäre weiterhin eine leere Worthülse für conspiracy nuts gelieben. Cui bono? Wer profitiert(e) von all den blutigen und unblutigen Anschlägen?

Gemäß der offiziellen US-amerikanischen Version der Geschichte begann die Unterstützung der Mudschahidin durch die CIA erst im Laufe des Jahres 1980, also nach dem Eingreifen der sowjetischen Armee in Afghanistan am 24. Dezember 1979. Laut einem Interview Brzezińskis mit der französischen Zeitschrift „Le Nouvel Observateur“ vom Januar 1998 setzte die US-amerikanische Unterstützung der fundamentalistischen Mudschahidin dagegen schon am 3. Juli 1979 ein, also fast ein halbes Jahr vor der Invasion. Präsident Carter unterschrieb an diesem Tag die erste Direktive für eine geheime Unterstützung der Mudschahidin. Brzezinski bestätigte in seinem Interview die gleichlautende Darstellung des CIA-Präsidenten Robert Gates.[50] Brzeziński war bewusst, dass diese Aktionen das Risiko für eine militärische Intervention der Sowjets erheblich erhöhen würden.[51]

„Diese verdeckte Operation war eine hervorragende Idee. Sie bewirkte, dass die Russen in die afghanische Falle tappten […]. Am Tag, an dem die Russen offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich Präsident Carter: ‚Jetzt haben wir die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu liefern.‘ Und tatsächlich sah sich Moskau während der folgenden zehn Jahre gezwungen, einen Krieg zu führen, den sich die Regierung nicht leisten konnte, was wiederum die Demoralisierung und schließlich den Zusammenbruch des sowjetischen Herrschaftsgebiets zur Folge hatte.“

Wikipedia
[normalerweise zitiere ich ja äußerst ungern aus Wikipedia; aber hin und wieder schafft es ein aufrichtiger Geist, einen entlarvenden Absatz im „Wahrheitsportal“ zu publizieren; für gewöhnlich dauert es nicht lange, bis solch ein Absatz von bösen Geistern in die „Unkenntlichkeit“ geändert oder in die „Versenkung“ diskutiert wird;]