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ebook Rotkäppchen 2069 Basic Edition

Rotkäppchen 2069 Basic Edition (ohne den Cartoons von Gunther Eckert – die gibt’s, wie gehabt, in der Taschenbuch-Version) ist nun in allen gängigen ebook-Formaten zu haben, als da wären:

epub

PDF

mobipocket

amazon.kindle

Während das ebook für amazons kindle natürlich nur auf deren US-Seite zu haben ist, können die anderen Formate von verschiedenen Webshops heruntergeladen werden. Den Anfang macht ebeam, die mich persönlich kontaktierten und deren Konditionen und einfache Vertragsgestaltung durchaus zu überzeugen wussten.

Der Preis beläuft sich auf € 4,90. Das ist, denke ich, ein fairer Preis. Noch dazu ist die Datei nicht DRM geschützt. Macht die Chose bekanntlich nur komplizierter. Wer wissen möchte, was denn so ein Buch für einen großen Publikumsverlag kostet, dem ist dieser Beitrag in der Washington Post zu empfehlen. Den Kommentaren kann man entnehmen, dass die Sache – in Bezug auf eBook-Kalkulation – nicht so einfach ist, wie man meinen könnte. Ich schätze, in den europäischen Verlagen rauchen die Köpfe. Gut so.

Publishers say the physical costs of a book—paper, printing, warehousing, shipping and handling returns—account for only about 10 percent of the total. „

Buchhandel im Jahre 2008: das digitale Mittelalter

Seltsam. Ja, wahrlich seltsame Dinge geschehen. Heute fanden sich zwei Briefe in meinem Postkasterl. Der eine ist von der Schaten Universitätsbibliothek Bochum, der andere vom Informationsverbund Buchhandel (IBU) in Frankfurt.

Das Schaten Uni-Center bestellte ein Exemplar des „Dichters Tiret“. Das geschah am 29. Juli 2008. Fein. Da freut sich der Selbstverleger. Aber welch kryptischen Phrasen werden da aufs dünne Papier gesetzt? Als „Zahlungsbedingungen“ wird „BAG in jeder Höhe“ angeführt. Es kostete einige Minuten, trotz Google & Co, um herauszufinden, was es mit diesem ominösen BAG zu tun hat. Voilà, hier ist die Auflösung: Buchhändler- Abrechnungs-Gesellschaft, mit Sitz in Frankfurt. Eigentlich dachte ich, ich hätte den Buchhandel einigermaßen durchschaut. Mitnichten. Diese Gesellschaft, so entnehme ich es der WebSite, dient als „Clearingstelle/Drehscheibe“ für Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Buchhändler und Verlage. Die Idee ist freilich simpel: der Buchhändler bekommt eine Gesamtrechnung von der BAG, egal, bei welchen Verlagen er seine Bücher bestellt hat. Der Verlag bekommt eine Gesamtrechnung von der BAG, egal, an welche Buchhändler er seine Bücher geliefert hat. Wir sehen: alle sind glücklich. Komischerweise taumelt aber die BAG seit diesem Jahr finanziell angeschlagen herum. Das entnehme ich wiederum der WebSite des Deutschen Börsenvereins. Außerdem, um als Verleger am BAG (mein BAG, dein BAG, unser BAG?) teilzunehmen, muss man Mitglied des Deutschen Börsenvereins sein (= bitte Jahresbeitrag abliefern). Aha.

Wir rekapitulieren: das Buchgeschäft im Jahre 2008 ist weit davon entfernt, transparent zu werden. Man möchte nicht meinen, wie viele Leutchen am Buch mitverdienen wollen:

AUTOR: er bekommt etwa zwischen 8 -10 % von jedem VERKAUFTEN Buch (der offene Betrag wird etwas zwei Mal jährlich ausbezahlt); sind mehrere Autoren beteiligt (oder ein Zeichner), wird dieser Prozentsatz auf alle Beteiligten aufgeteilt.

VERTRETER: jeder Verlag, der etwas auf sich hält, schickt Vertreter zu den Buchhändlern, denen die neuesten Bücher des Frühjahrs- bzw. Winterkollektion vorgestellt werden. Für jedes an einem Buchhändler verkaufte Buch gibt’s natürlich eine Provision. Der Buchhändler, der schon im Voraus bestellt, erhält einen zusätzlichen Rabatt als Anreiz.

LOGISTIK: damit die Bücher vom Verlag zur Buchhandlung kommen, gibt es die „Auslieferung“. Diese haben die wichtigsten Bücher (von verschiedenen Verlagen) auf Lager und beliefern von ihrem Bestand die Buchhandlungen. Der Buchhändler bestellt und bezahlt somit bei der „Auslieferung“, nicht beim Verlag. Der Verlag bekommt eine Abrechnung über die verkauften/gelieferten Bücher. Natürlich erhält die „Auslieferung“ dafür einen Prozentsatz von jedem verkauften/gelieferten Buch. Die „Auslieferung“ fungiert nur als Drehscheibe und besitzt im Normalfall die Bücher nicht. Diese verbleiben im Eigentum des Verlages (nach einer gewissen Zeitspanne möchte natürlich die Auslieferung Platz für die neuen Bücher schaffen und karrt die liegengebliebenen Bücher dem Verlag vor die Haustür). All jene Verlage, die sich so eine Auslieferung nicht leisten können (bzw. werden nicht alle Verlage akzeptiert, da es ja vornehmlich um Umsatz, nicht um Archivierung geht), müssen also selbst Hand anlegen und ihre Bücher zur Post bringen. Das Porto ist ja auch nicht gerade gering. In Österreich gibt es den kostengünstigen „Bücherversand“, wie in Deutschland, nicht mehr. Ist dem Sparstift zum Opfer gefallen. Tja.

BUCHHANDEL: und zu guter Letzt möchte natürlich der Buchhandel, der schließlich die Bücher an den Mann, an die Frau bringt, ein gutes Stück vom literarischen Kuchen. Der Rabatt beträgt wohl zwischen 30 und bald 50 %.

ISBN: Ohne der Internationalen Standard Buch Nummer geht heutzutage gar nix mehr. Wer also ein Buch auf den Markt wirft, braucht unbedingt so eine Nummer. Diese gibt es in Österreich vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels in Paketen: 1, 10 oder 100 ISBNs. Freilich, das ist auch nicht umsonst.

ZVAB: Damit der Buchhändler überhaupt ein Buch (vom Verlag) bestellen kann, braucht es einen Eintrag im „Verzeichnis der lieferbaren Bücher“. Damit ist gewährleistet, dass das gesuchte Buch auch vom Buchhändler im System gefunden werden kann. Die Eingabe der Bücher ins ZVAB kann entweder schriftlich oder elektronisch erfolgen. Dafür ist natürlich eine jährliche Gebühr fällig.

Kommen wir wieder zum Ausgangspunkt zurück. Da ich also kein BAG-Teilnehmer bin, habe ich mir erlaubt, eine E-Mail nach Bochum zu schicken, mit der Frage, ob eine Überweisung auf mein österreichisches Konto (!) möglich ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Antwort im September wieder per Brief kommt.

Die Probe-Bestellung von der Wiener Buchhandlung am Quellenplatz habe ich erhalten. Per Post. Aus Frankfurt! Absender: Informationsverbund Buchhandel (IBU). Ich schätze, jüngere Zeitgenossen würden sich über das seltsam anmutende Papier mit den vielen Löchern am Rand wundern. Aber nicht nur, dass es sich hier um das altbekannte Endlospapier handelt, nein, auch der Nadeldrucker (?) dürfte schon seine beste Zeit hinter sich haben. Und das Softwareprogramm wohl auch, mit dem der Ausdruck erstellt wurde. Andererseits, warum ein laufendes und funktionierendes System verändern? Bei genauerer Betrachtung hat sich der Buchhandel seit seinen Anfängen kaum verändert. Viele Köche. Viel literarischer Brei. Zumeist lauwarm serviert. Mahlzeit.

Übrigens, bevor ich es vergesse zu erwähnen: HEUTE, um etwa 12h50, ging das erste Rotkäppchen über den (im wahrsten Sinne des Wortes) Ladentisch. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Darauf trinke ich einen Krug voll Met.