richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Schlagwort-Archiv: bücher

Das vergangene literarische Schaffen des Herrn B.

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Nur nicht stehen bleiben!

Dreizehnundein Jahr ist es nun her. Damals küsste mich die Muse und beschenkte mich mit der Idee eines Entwicklungsromanes, der im Wiener Fin de Siècle die Höhen und Tiefen des suchenden Herzens ausloten sollte. Von da an ging es mit den Musenküssen stetig weiter. Um hierbei nicht den Überblick zu verlieren, habe ich nun relevantes Geschreibsel auf eine Zeitachse gelegt und mit Informationstext sowie Abbildungen versehen. So kann man auf einen Blick erfassen, was meine Wenigkeit über die Jahre geleistet hat. Ist es viel? Ist es wenig? Es kommt halt darauf an. Ein Jahr ist viel Zeit, gewiss, aber ein Jahr ist auch wieder schnell um. Penly beendet nun die Tiret-Saga, der Kreis innerhalb eines großen Bogens schließt sich.

Dort bin ich die nächsten Tage zu finden: Spielefest im Wiener Austria Center

Spielefest_Wien-2015Das Spielefest findet wie jedes Jahr im Wiener Austria Center statt; Termin: 13.11.- 15.11.2015, von 9h00 bis 19h00. Ich bin mit meinen Büchern am Stand des Spielemagazins frisch gespielt vertreten und freue mich über Besuch 🙂

Heute, vor 7 Jahren, anno 2008 …

Wie ein Buch gemacht wird – anno 1906

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‚Books are in the class of luxuries; most books at least‘

Durch Zufall auf ein Sachbuch gestoßen, das sich anno 1906 mit dem (amerikanischen) Verlagsgeschäft en detail befasst und der Frage nachgeht, wie ein Buch entsteht bzw. gemacht wird. Das E-Book ist auf Gutenberg zu finden: THE BUILDING OF A BOOK: A Series of Practical Articles Written by Experts in the Various Departments of Book Making and Distributing. 

Beeindruckend, wenn man sich vor Augen führt, dass sich in den hundert Jahren zwar so gut wie alles im (technischen) Herstellungsprozess geändert hat, das Verlagsgeschäft aber nahezu unverändert blieb. Noch immer werden Kataloge (Herbst/Frühling) gedruckt und versandt, noch immer reisen Vertreter im Land herum und preisen die neuen Bücher an, noch immer verkaufen sich allseits bekannte Autoren besser als neue, noch immer soll das (komplizierte) Urheberrechtsgesetz vor Piraterie schützen, noch immer verkaufen Buchhändler jene Bücherberge, die sie auf Lager und zu einer Pyramide gestapelt haben, noch immer betragen die Rabatte – je nach Menge – zwischen 30 und 50 Prozent und noch immer weiß niemand, was einen Bestseller ausmacht und wie viel Werbung dafür überhaupt notwendig ist. Hier ausgesuchte wohlfeile Quotations, die den Nagel auf den Kopf treffen:

A publisher once made the statement, in the presence of a number of men interested in the book-publishing business, that, by advertising, he could sell twenty thousand copies of any book, no matter how bad it was. The silence of the others indicated assent to the doctrine. But one inquiring mind broke in with the question,

„But can you make a profit on it?“

„Ah! That is another question,“ answered the publisher.

*

There is another reason for this extra quantity. Two hundred and fifty copies of [das angepriesene, neue Buch] „Last Year’s Nests,“ piled in a pyramid, is a gentle reminder to the bookseller’s customers that it is a mighty important book. Such an argument is often more potent than the disagreeing opinions of critics.

*

Two arguments and two only comprise the salesman’s stock in trade; if he can say that „Last Year’s Nests“ is by the well-known author whose name is a household word and whose previous book sold so many thousand copies, he has the bookseller on the mourner’s bench; if he can (and he frequently does) add the clinching argument that his firm will advertise the book heavily, he can leave the bookseller with that thrill of triumph we all feel when we bend another’s will to our own.

*

The argument of advertising carries with it a certain persuasiveness that the customer cannot resist. Not always does a liberal use of printer’s ink land a book among the six best sellers; but it does it so often that the rule is proved by the exception.

*

Listed in the publisher’s catalogue at $ 1.50 [über $ 25/2013], the ordinary discount to a dealer ordering two or three copies is thirty-three and one-third per cent, or $1.00 net, the bookseller paying transportation charges. Competition, however, has increased this discount to forty per cent, so that we shall assume that in small quantities the book can be had at $ 0.90 net. In larger quantities extra discounts are given; some publishers give forty and five per cent on fifty copies and forty and ten per cent on one hundred copies; others increase the quantities to one hundred and two hundred and fifty copies respectively for the extra discounts.

Frankfurter Buchmesse 2012 oder Big Publishing is a Schweinerei

Man beachte die Pyramide auf dem Messeturm.

Die Buchmesse in Frankfurt ist also für dieses Jahr wieder Geschichte. Für mich war bereits Freitagabend Schluss. Gottlob. In den drei Messetagen (nur für Fachbesucher) habe ich mir nämlich die Hacken abgelaufen. Mit hängender Zunge bin ich von Halle 8.0 zu Halle 3.0 und wieder zurück. Ich hätte es nicht tun müssen. Natürlich nicht.

Eigentlich hatte ich ja so gar keine rechte Motivation zur Buchmesse zu fahren. Aber die Tickets waren gebucht, die Ankündigungen gemacht, also gab es für mich kein Zurück mehr. Somit musste ich meine intensive Arbeit an Con$piracy zur Seite legen und mich auf den Weg machen. In Frankfurt, auf der Buchmesse, angekommen, wurde ich wieder mit diesem Gefühl konfrontiert, das ich um jeden Preis verhindern wollte. Es ist eine Ohnmacht gegenüber der schieren Publikationsmacht der großen und größten Verlage. Man merkt, das hier viel, sehr viel Geld im Spiel ist. Die Deals, die hinter verschlossenen Türen ausgehandelt werden, können nur erahnt werden. Vordergründig darf jeder mitmachen, ist jeder eingeladen, aber werden schließlich die Zahlen offengelegt, dann dürfen nur noch die »Erwachsenen« aufbleiben, die anderen werden nach Hause und ins Bett geschickt. Manch einer soll am Daumen nuckeln und sich eine Gute-Nacht-Geschichte erzählen lassen. Darin geht es zumeist um einen Kleinverleger, der einen veritablen Bestseller landet und dadurch zu einem großen Player aufsteigt. Dumm, dass den Kleinen nicht gesagt wird, dass es sich hier um ein Märchen handelt. Andererseits, vielleicht lernt man(n) ja auch mal tatsächlich Goldmarie kennen und steigt in Frau Holles Bett. Oder umgekehrt.

Gut möglich, dass die Wirklichkeit noch viel schlimmer ist. Man stelle sich vor, es gäbe unter den restlichen kleinen und mittleren Verlagen eine Rang- und Hackordnung. Dort, wo es staatliche Förderungen für Verlage gibt (man munkelt, es sei hier, bei uns in Österreich, das glücklich ist und heiratet), muss dieses gegen Eindringlinge und Neulinge verteidigt werden. Das ist eine ganz natürliche Reaktion. Kein hungriges Schwein, pardon, macht für ein anderes freiwillig Platz. Und da haben wir auch schon den Salat und das Dilemma. Weil Subventionen per se eine gute Sache sind, können doch unterstützte Verlage und Zeitungen dem marktwirtschaftlichen Druck besser stand halten. Auf der anderen Seite können Subventionen den Markt gravierend beeinflussen, weil die Produkte, wir nennen sie Bücher oder Zeitungen, gegeneinander konkurrieren. Zwar hört man immer gerne, dass sich Qualität durchsetzt, aber das mag vielleicht auch so ein tolles Märchen sein *nuckel*. Schlussendlich sind es Marketing, PR und Werbung, die Käufer anlocken (Edward Bernays, anyone? link) – und nicht selten spielt auch der Preis eines Produktes eine Rolle. Deshalb müsste sich eigentlich ein aufgeklärtes Bürgertum die Frage stellen, wie mit staatlichen Förderungen (das Geld der Bürger) generell umgegangen werden soll. Wie verteilt man den Kuchen? Durch eine »unabhängige Jury«, die letztendlich bei genauerer Nachforschung so unabhängig nicht sein kann? Durch das »Gießkannenprinzip«, also frei nach dem Motto: Jeder bekommt halt ein bisserl was? Aber ob das am Ende reicht? Da könnte nämlich jeder kommen.

Dass es tatsächlich immer wieder Diskussionen rund um die Kuchenverteilung gibt, dürfte einen Bürger des ehemaligen habsburgischen Kaiserreiches natürlich stolz machen, weil damit bewiesen ist, dass die Monarchie abgedankt und die aufgeklärte Demokratie Einzug gehalten hat. Äh, ja, die Sache hat freilich einen Haken. Diskutiert wird freilich nur über die Höhe der Subventionen, alles andere wird als gegeben abgehakt. Wie gesagt, kein hungriges Schwein, pardon, lässt sich … Der Grund, dass nicht über die Verteilungsgerechtigkeit disputiert wird, hängt freilich damit zusammen, dass die leer ausgehenden Schweine, pardon, kein Geld und damit auch keine Lobby haben. Hätten sie nämlich Geld, hätten sie eine Lobby und würden damit auch subventioniert werden. Das ist eigentlich eine recht verquere Logik, aber sie ist leider überall auf dieser Welt gültig. Global gesehen sieht es nämlich so aus, dass der (unter der Hand) subventionierte US-Mais, der nach Mexiko (dank GATT ohne Zoll-Auflagen) importiert werden kann, die regionalen mexikanischen Kleinbauern der Reihe nach aus dem marktwirtschaftlichen Rennen wirft. Schlussendlich machen die Bauern bankrott, müssen ihre Felder (an US-Konzerne) zwangsversteigern und in Großstädte ziehen, wo sie in den Slums wohnen und um ein paar Cents am Fließband einer Fabrik stehen (die wiederum einem US-Konzern gehört). So läuft das Spielchen. Im Kleinen wie im Großen. Ist das gerecht? Vermutlich nicht, aber das größte oder hinterhältigste Schwein, pardon, bekommt immer noch den größten Brocken ab. So ist das.

Ja, Frankfurt erinnert mich an diese Schweinerei. Unfreiwillig, natürlich. Manchmal, wenn ich mich auf dem Förderband treiben ließ, da fragte ich mich still und leise, woran es wohl liegen mag, dass ich armes Schwein hungrig zu Bett gehen muss.