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Krimikomödie Schwarzkopf? GRANDIOS!

Wunderbar! In der Ausgabe 04/2011 des Magazins hörBÜCHER wurde meine absurde Wiener Krimikomödie SCHWARZKOPF in allerhöchsten Tönen gelobt und für GRANDIOS befunden, die höchste Auszeichnung, die das Magazin vergibt. Das ist nicht gerade üblich und sollte gebührend herausgestrichen werden. Was ich hiermit tue.

»Wien-Reiseführer gibt es viele, sehr gute sogar. Wer aber wirklich etwas über das Innerste der Wiener Seele erfahren möchte, darüber, wie Wien funktioniert, der ist mit Richard K. Breuers absurder Krimi-Komödie ›Schwarzkopf‹ bestens bedient. Hintergrund der Handlung ist der Versuch des in Hollywood lebenden Regisseurs Harald Schwarzkopf, Investorengelder für ein Remake des „Dritten Manns“ einzuwerben. Als Schwarzkopf dafür nach Wien reist, geht es dort drunter und drüber. Breuer beherrscht das Slapstick-Genre, seine Komödie ist absurd, schwarz und immer wieder abgründig amüsant. Ein besonderers Lektüre-Erlebnis, auch für den, der glaubt, Wien schon gut zu kennen. Sucht-Gefahr!« Bewertung: ***** (5 Bücher: Grandios) PDF

Dein derzeitiges Lieblingsbuch?

„Dein derzeitiges Lieblingsbuch und warum?“, möchte Alexandra Künzler für ihren Zürcher Literaturblog Bücherwahnsinn von mir und zwei weiteren Autoren (welche?) wissen. Im Gegensatz zur letzten Frage („Wie beginnst du ein neues Buch?“) wird die Antwort kürzer und vermutlich wenig spektakulär ausfallen. Äh, ja.

Bevor ich die Frage beantwort, muss ich ausweichende Erklärungen voranschicken: ich lese (im Gegensatz zu meinen AutorenkollegInnen) bescheiden wenig Bücher zeitgenössischer Autoren, tue mir schwer, überhaupt welche zu finden, die mich packen und gar nicht mehr loslassen (ich rede von Bücher, ja?). Zumeist lese ich „Stoff“, der für mein neues Buchprojekt relevant ist, verzichte aber zu meist auf solche Texte, die mich zu sehr von der eigenen Spur bringen könnten (äh, ich bin ein wenig abgelenkt, weil ich die Tweets zum Wiener Barcamp #bcvie in Echtzeit beobachte und kommentiere – damit es nicht heißt, die Autoren lebten in ihrem Elfenbeinturm und wüssten nicht, was da draußen in der Welt so vor sich geht; und wer weiß, vielleicht werden Tweets die Bücher der Zukunft füllen. Who knows?).

Also, erst letztens habe ich Beaumarchais Die Hochzeit des Figaro gelesen. Am LCD-Schirm. Das Theaterstück gibt es gratis (legal, weil gemeinfrei) im Internet zum Lesen. Es ist köstlich. Der Witz ist so erfrischend, dass man nicht meinen möchte, dass der Autor das Stück vor über 200 Jahren geschrieben hat. Ich bin noch immer erstaunt, wie es möglich ist, dass sich der Humor über die Jahrhunderte so erhalten hat. Dass Beaumarchais ein Leben voller Höhen und Tiefen in den farbenprächtigsten Facetten erlebte, sollte dann schon nicht mehr verwundern. In jeder Komödie steckt auch die Tragik. Dass er mit seinen Texten und Pamphleten die Französische Revolution begünstigte, sie befeuerte (auch wenn er sie in diesem blutigen Ausmaß nicht gewollt hätte), zeugt auch wieder von der Naivität, die viele Autoren aufweisen (genauso, wie andere wiederum ihren „Impact“ völlig überschätzen). Und da ich mich ja intensiv mit der Französischen Revolution beschäftige, war das Theaterstück eine kurzweilige Recherche-Übung.

Zum Geburtstag bekam ich die Hörbiografie von Billy Wilder. Aber nach einer guten Stunde war die auch schon wieder vorüber. Da möchte man natürlich viel mehr hören, viel mehr über Billy Wilder, diesem alt-österreichischen Drehbuchautor und Regisseur, dessen spitzer Humor in Hollywood gefürchtet war, erfahren. Obwohl sein Film „Extrablatt“ bei Publikum und Kritiker durchgefallen ist, muss ich immer wieder daraus in meinen Büchern zitieren. Dr. Eckelhofer ist der (klischeehafte) Parade-Psychologe Wiener Schule mit seinem näselnden Schönbrunner Deutsch. Herrlich!

Ein zweites Hörbuch liegt griffbereit am Schreibtisch. Aus Balzacs Tolldreiste Geschichten wird gelesen. Werde ich mir in einer ruhigen Stunde anhören. Bei Balzac kann man nicht viel falsch machen, auch wenn sein literarisches Konvolut einen förmlich erschlägt und ermüdet. Dieser schreibwütige, immer Schulden machende Berserker, kritzelte sich mit Tinte und Feder zu Tode (weil er glaubte, sich mit dem Schreiben aus der Schuldenfalle befreien zu können). Das Leben ist schon bösartig ironisch, wenn der  gute Balzac endlich seine polnische Aristokratin heiraten darf und er sich in den siebten Himmel träumt (schuldenfrei, reich, keine Sorgen) um dann zu sterben. Deshalb lese ich so gerne Biographien. Weil das Leben immer noch die besten Geschichten schreibt. Period! (wie der Amerikaner sagen würde)

Im Übrigen, ich muss es gestehen, ich habe noch kein Buch zwei Mal gelesen. Ist das seltsam? Nicht, dass es nicht ganz, ganz tolle Bücher gäbe, aber mich packt das schlechte Gewissen, weil ich denke, ich könnte in der Zeit, in der ich dieses mir bereits bekannte Buch lese, etwas anderes tun. Wie dem auch sei. Ich, für meinen Teil, empfehle natürlich meine Lieblingsautoren: Arthur Schnitzler („Halbzwei“ muss man gelesen haben, um zu wissen, wie Mann und Frau ticken), und die Wiener Kaffeehausliteraten des Fin de Siècle,  Stefan Zweig, Alessandro Bariccos „Seide“ (ich kenne nur dieses von ihm – und ich habe diesem Buch viel zu verdanken!), Georg Stefan Troller (ich traf ihn in Leipzig – ein älterer Herr der alten Wiener Schule wie er im Buche steht), Frederic Morton (hab mir mal ein Autogramm von ihm geholt – das kommt selten vor. Period!), Puskins „Die Reise nach Arzrum“ (das nenn ich natürlich nur, um ein bisserl anzugeben, weil es die wenigsten kennen), Márais „Die vier Jahreszeiten“ (huh, die tristen Seiten des Autorenlebens) und noch ein paar mehr. Aber jetzt hör ich besser auf.

 

Wie beginnst du ein neues Buch?

„Wie beginnst du ein neues Buch? Liegt meist schon ein Thema vor?  Oder lässt du der  Intuitionen freien lauf? Oder aber, du beginnst ein  Buch auf Anfrage?“, möchte Alexandra Künzler für ihren Zürcher Literaturblog Bücherwahnsinn von mir und zwei weiteren Autoren (Lea Korte und Martin A. Walser) wissen.

UPDATE: hier der Beitrag in seiner ganzen Länge:
http://der-buecherwahnsinn.blogspot.com/2010/05/heute-frag-ich-lea-korte-richard-breuer.html

Bei der Fülle an Geschreibsel, die ich in den letzten Jahren zu Papier brachte, ist die Antwort auf die Fragen gar nicht einfach. Deshalb ein pragmatischer, kein intuitiver Ansatz: ich gehe einfach chronologisch vor.

Begonnen hat de facto die Schriftstellerei und spätere Verlegerei mit einer Inspiration. Mehr als zwanzig Jahre musste ich auf diesen Musenkuss warten. Wen wundert es also, dass in der novellenartigen Geschichte gerade diese lebenswichtige Beziehung zwischen einem Schriftsteller und seiner Muse abgehandelt wird? Ohne dieser damaligen göttlichen Begegnung würde ich heute nicht diese Zeilen schreiben.

Dann die Beschäftigung mit den verschiedensten Ausprägungen der Sexualität und den Partnerbörsen im Web. Aus einem Projekt wurden zwei. Der Tagebuchroman war eine nüchtern notwendige Entscheidung, während mich die Science-Fiction-Komödie wie ein Blitz streifte. Es war nur ein witziges Bild, das mir in den Kopf kam. Mehr war nicht. Aber es reichte, um etwas zu entfachen.

Es folgte eine Auftragsarbeit zu einem Theaterstück. Innerhalb weniger Tage musste es geschrieben werden. Es gab vage Vorgaben. Nur dadurch war ein schnelles Schreiben möglich. Die Einfälle entstanden, wie so oft, während des Schreibprozesses.

Der erste Band meiner historischen Romanreihe wurde mir förmlich von einem mir sehr geschätzten, freilich schon längst verstorbenen Wiener Autor ans Herz gelegt, als ich seine Bücher zu dieser Epoche las. Ich konnte mich dagegen nicht wehren.

Wieder eine Auftragsarbeit für ein Drehbuch zu einer TV-Serie, ohne Vorgaben, aber mit vielen Gesprächen und in Anlehnung an eine köstliche US-TV-Serie. Aus der TV-Serie wurde ein Kinofilmtreatment. Zum ersten Mal ging ich konzeptionell vor, während ich sonst auf Teufel komm raus schreibe, schreibe, schreibe und schaue, wohin mich das geschriebene Konvolut bringt (in späterer Folge gilt es dann zu kürzen, kürzen, kürzen). Beim Drehbuch hingegen entwickelte ich die grobe Szenenfolge, stimmte diese immer wieder ab, änderte, feilte und näherte mich so der endgültigen Szenenfolge an. So bald diese fertig war, ging ich daran, die Szenen mit Leben und Dialogen zu füllen. In kurzer Zeit entstand auf diese Weise ein lesenswertes Ergebnis.

Anders die Folgebände zur historischen Romanreihe, denen ich mich intuitiv näherte. Mit einer dumpfen Idee im Hinterkopf begann ich im Sommer zu schreiben. Der große Nachteil dieser für den Autor natürlich sehr spannenden Herangehensweise (wohin führen einen Charaktere, wie endet die Geschichte?)  ist jene, dass die Story im schlimmsten Falle nie funktioniert oder man den roten Faden und schlussendlich die Lust verliert. Was auch geschah. Erst im Herbst, mit einer neuen Idee,  zündete der Funke. Ohne es beabsichtigt zu haben, erschrieb ich mir in kurzer Zeit die grobe Skizze zu drei Folgebänden (obwohl nur einer geplant war). Die Buchstabenmenge, die in den drei Monaten pausenlosen Schreibens  angehäuft wurde, war schier erschlagend. Die Überarbeitungsphase zwang mich, die Geschichte des zweiten Bandes neu zu gestalten, neu aufzurollen, mit anderen Worten: Manuskript zerreißen und von vorne beginnen.

Nach dem ich also sowohl das intuitive als auch das konzeptionelle Erschreiben einer Geschichte kennengelernt habe, kann ich gar nicht sagen, welche Variante ich bevorzuge. Die konzeptionelle Herangehensweise hat Ähnlichkeiten mit einer gewöhnlichen Beziehung zu einem Menschen. Man lernt sich kennen, man lernt sich schätzen, man weiß, was man am anderen hat und mit der Zeit entwickelt sich eine freundschaftliche Beziehung, die einen durch dick und dünn begleitet. Das intuitive Herangehen hat wiederum Ähnlichkeiten mit einem blind date. Wenn man sich darauf einlässt, wird man immer wieder aufs Neue überrascht.