Schlagwort-Archive: buchhandlung

Wie ein Buch gemacht wird – anno 1906

buchwien_stand2111
‚Books are in the class of luxuries; most books at least‘

Durch Zufall auf ein Sachbuch gestoßen, das sich anno 1906 mit dem (amerikanischen) Verlagsgeschäft en detail befasst und der Frage nachgeht, wie ein Buch entsteht bzw. gemacht wird. Das E-Book ist auf Gutenberg zu finden: THE BUILDING OF A BOOK: A Series of Practical Articles Written by Experts in the Various Departments of Book Making and Distributing. 

Beeindruckend, wenn man sich vor Augen führt, dass sich in den hundert Jahren zwar so gut wie alles im (technischen) Herstellungsprozess geändert hat, das Verlagsgeschäft aber nahezu unverändert blieb. Noch immer werden Kataloge (Herbst/Frühling) gedruckt und versandt, noch immer reisen Vertreter im Land herum und preisen die neuen Bücher an, noch immer verkaufen sich allseits bekannte Autoren besser als neue, noch immer soll das (komplizierte) Urheberrechtsgesetz vor Piraterie schützen, noch immer verkaufen Buchhändler jene Bücherberge, die sie auf Lager und zu einer Pyramide gestapelt haben, noch immer betragen die Rabatte – je nach Menge – zwischen 30 und 50 Prozent und noch immer weiß niemand, was einen Bestseller ausmacht und wie viel Werbung dafür überhaupt notwendig ist. Hier ausgesuchte wohlfeile Quotations, die den Nagel auf den Kopf treffen:

A publisher once made the statement, in the presence of a number of men interested in the book-publishing business, that, by advertising, he could sell twenty thousand copies of any book, no matter how bad it was. The silence of the others indicated assent to the doctrine. But one inquiring mind broke in with the question,

„But can you make a profit on it?“

„Ah! That is another question,“ answered the publisher.

*

There is another reason for this extra quantity. Two hundred and fifty copies of [das angepriesene, neue Buch] „Last Year’s Nests,“ piled in a pyramid, is a gentle reminder to the bookseller’s customers that it is a mighty important book. Such an argument is often more potent than the disagreeing opinions of critics.

*

Two arguments and two only comprise the salesman’s stock in trade; if he can say that „Last Year’s Nests“ is by the well-known author whose name is a household word and whose previous book sold so many thousand copies, he has the bookseller on the mourner’s bench; if he can (and he frequently does) add the clinching argument that his firm will advertise the book heavily, he can leave the bookseller with that thrill of triumph we all feel when we bend another’s will to our own.

*

The argument of advertising carries with it a certain persuasiveness that the customer cannot resist. Not always does a liberal use of printer’s ink land a book among the six best sellers; but it does it so often that the rule is proved by the exception.

*

Listed in the publisher’s catalogue at $ 1.50 [über $ 25/2013], the ordinary discount to a dealer ordering two or three copies is thirty-three and one-third per cent, or $1.00 net, the bookseller paying transportation charges. Competition, however, has increased this discount to forty per cent, so that we shall assume that in small quantities the book can be had at $ 0.90 net. In larger quantities extra discounts are given; some publishers give forty and five per cent on fifty copies and forty and ten per cent on one hundred copies; others increase the quantities to one hundred and two hundred and fifty copies respectively for the extra discounts.

Napoleon, Brouillé und ein literarischer Brückenkopf in Friedrichsfelde

Mila Becker Buchhandlung

Eigentlich kann es ja nicht besser gehen. Freilich, würde mein rechtes Äuglein nicht entzunden sein und hätte ich mehr Münzen am Konto (wobei: wird man am Ende seines Lebens auf seine Kontostände zurückblicken?), ich würde mich äußerst zufrieden zurücklehnen. Kurz. Es gibt ja viel zu tun. Immer. Für heute werde ich ein Paket für Mila Becker und ihre Buchhandlung in Friedrichsfeld(e) schnüren. Dort soll auch schon Napoleon zugegen gewesen sein. Nicht in der Buchhandlung, aber in der Stadt, die am Rhein liegt. Und zu Napoleon passt es natürlich hervorragend, dass Mila sich in einen Marquis verliebt hat. Der Marquis ist meiner Feder entsprungen und entstammt der Tiret-Saga. Ja, Brouillé hat es ihr angetan. Dermaßen, dass sie nun meinen literarischen Brückenkopf in Deutschland bildet und dafür sorgt, dass die Leser der Stadt und der Umlande von der Qualität eines Breuers erfahren. Hach.

Derweil hätte es ja ganz anders kommen können. Weil Mila Becker eine Präsens-Hasserin ist. Sie kann es partout nicht leiden, wenn Romane und Geschichten in der Zeitform des Präsens abgehandelt werden. Aber – und jetzt kommt natürlich der springende Punkt! – weil sie mich in facebook kennen lernte, machte sie eine Ausnahme und las in das Buch um es dann lange nicht mehr wegzulegen. Wir sehen: Social Media hat seine Vorzüge. Ohne der virtuellen Verknüpfung würde ich weder im Literaturmagazin hörBÜCHER mit Schwarzkopf vertreten sein, noch in einer schmucken Buchhandlung in Friedrichsfeld aufliegen und von der Inhaberin wärmstens empfohlen werden.

Und wenn die belesene Inhaberin einer Buchhandlung, nebenbei noch interkulturelle Germanistin, meine Schreibe in den höchsten Tönen lobt, was will ich mehr erreichen wollen, in diesem einen Schriftsteller-Leben? Eben.

Und weil die wenigstens Leser die Muße und die Zeit haben, bis hierher zu lesen, nun die kritisch ärgerliche Anmerkung, dass die Barsortimenter mich dann doch enttäuschen. Natürlich, sie sind Unternehmen, die nach Gewinnmaximierung und Konstenminimierung streben. Da ist kein Platz für persönliche Überlegungen und Ausnahmeregelungen. Es verhält sich wohl wie der alte Greißler ums Eck (Tante Emma Laden) und einem riesigen Billig-Diskonter am Stadtrand. Während man dich beim Greißler mit Namen erkannte und man hin und wieder die Zeit für ein Schwätzchen hatte, bist du im Diskonter nur ein Konsument, ein Käufer. Punkt. Und wenn du es nicht bist, sind es tausend andere. Heute weiß ich, dass der Greißler, genauso wie das Kaffeehaus, eine wichtige soziale Komponente in der Gesellschaft inne hatte. Gewiss, das ist alles Schnee von Gestern. Und um wieder den Bogen zurück zu machen, nun, die Buchhändler mit ihren kleinen Läden sind die Greißler von heute. Oder sagen wir: sie sollten es sein. Mila Becker, wenn ich es richtig beobachte, ist noch eine Buchhändlerin, die den Kontakt zu ihren Kunden sucht, die wiederum den Kontakt zu einer versierten Buchleserin suchen. In Zeiten übervoller Bücherregale braucht es jemanden, der einen auf die Perlen aufmerksam macht. Voilà, in diesem Falle bin ich – respektive Brouillé, Tiret, Schwarzkopf (und sogar Erik, aber davon später einmal mehr) – die Perle in dem großen Schweinehaufen genannt Buchmarkt.

Buchhandel im Jahre 2008: das digitale Mittelalter

Seltsam. Ja, wahrlich seltsame Dinge geschehen. Heute fanden sich zwei Briefe in meinem Postkasterl. Der eine ist von der Schaten Universitätsbibliothek Bochum, der andere vom Informationsverbund Buchhandel (IBU) in Frankfurt.

Das Schaten Uni-Center bestellte ein Exemplar des „Dichters Tiret“. Das geschah am 29. Juli 2008. Fein. Da freut sich der Selbstverleger. Aber welch kryptischen Phrasen werden da aufs dünne Papier gesetzt? Als „Zahlungsbedingungen“ wird „BAG in jeder Höhe“ angeführt. Es kostete einige Minuten, trotz Google & Co, um herauszufinden, was es mit diesem ominösen BAG zu tun hat. Voilà, hier ist die Auflösung: Buchhändler- Abrechnungs-Gesellschaft, mit Sitz in Frankfurt. Eigentlich dachte ich, ich hätte den Buchhandel einigermaßen durchschaut. Mitnichten. Diese Gesellschaft, so entnehme ich es der WebSite, dient als „Clearingstelle/Drehscheibe“ für Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Buchhändler und Verlage. Die Idee ist freilich simpel: der Buchhändler bekommt eine Gesamtrechnung von der BAG, egal, bei welchen Verlagen er seine Bücher bestellt hat. Der Verlag bekommt eine Gesamtrechnung von der BAG, egal, an welche Buchhändler er seine Bücher geliefert hat. Wir sehen: alle sind glücklich. Komischerweise taumelt aber die BAG seit diesem Jahr finanziell angeschlagen herum. Das entnehme ich wiederum der WebSite des Deutschen Börsenvereins. Außerdem, um als Verleger am BAG (mein BAG, dein BAG, unser BAG?) teilzunehmen, muss man Mitglied des Deutschen Börsenvereins sein (= bitte Jahresbeitrag abliefern). Aha.

Wir rekapitulieren: das Buchgeschäft im Jahre 2008 ist weit davon entfernt, transparent zu werden. Man möchte nicht meinen, wie viele Leutchen am Buch mitverdienen wollen:

AUTOR: er bekommt etwa zwischen 8 -10 % von jedem VERKAUFTEN Buch (der offene Betrag wird etwas zwei Mal jährlich ausbezahlt); sind mehrere Autoren beteiligt (oder ein Zeichner), wird dieser Prozentsatz auf alle Beteiligten aufgeteilt.

VERTRETER: jeder Verlag, der etwas auf sich hält, schickt Vertreter zu den Buchhändlern, denen die neuesten Bücher des Frühjahrs- bzw. Winterkollektion vorgestellt werden. Für jedes an einem Buchhändler verkaufte Buch gibt’s natürlich eine Provision. Der Buchhändler, der schon im Voraus bestellt, erhält einen zusätzlichen Rabatt als Anreiz.

LOGISTIK: damit die Bücher vom Verlag zur Buchhandlung kommen, gibt es die „Auslieferung“. Diese haben die wichtigsten Bücher (von verschiedenen Verlagen) auf Lager und beliefern von ihrem Bestand die Buchhandlungen. Der Buchhändler bestellt und bezahlt somit bei der „Auslieferung“, nicht beim Verlag. Der Verlag bekommt eine Abrechnung über die verkauften/gelieferten Bücher. Natürlich erhält die „Auslieferung“ dafür einen Prozentsatz von jedem verkauften/gelieferten Buch. Die „Auslieferung“ fungiert nur als Drehscheibe und besitzt im Normalfall die Bücher nicht. Diese verbleiben im Eigentum des Verlages (nach einer gewissen Zeitspanne möchte natürlich die Auslieferung Platz für die neuen Bücher schaffen und karrt die liegengebliebenen Bücher dem Verlag vor die Haustür). All jene Verlage, die sich so eine Auslieferung nicht leisten können (bzw. werden nicht alle Verlage akzeptiert, da es ja vornehmlich um Umsatz, nicht um Archivierung geht), müssen also selbst Hand anlegen und ihre Bücher zur Post bringen. Das Porto ist ja auch nicht gerade gering. In Österreich gibt es den kostengünstigen „Bücherversand“, wie in Deutschland, nicht mehr. Ist dem Sparstift zum Opfer gefallen. Tja.

BUCHHANDEL: und zu guter Letzt möchte natürlich der Buchhandel, der schließlich die Bücher an den Mann, an die Frau bringt, ein gutes Stück vom literarischen Kuchen. Der Rabatt beträgt wohl zwischen 30 und bald 50 %.

ISBN: Ohne der Internationalen Standard Buch Nummer geht heutzutage gar nix mehr. Wer also ein Buch auf den Markt wirft, braucht unbedingt so eine Nummer. Diese gibt es in Österreich vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels in Paketen: 1, 10 oder 100 ISBNs. Freilich, das ist auch nicht umsonst.

ZVAB: Damit der Buchhändler überhaupt ein Buch (vom Verlag) bestellen kann, braucht es einen Eintrag im „Verzeichnis der lieferbaren Bücher“. Damit ist gewährleistet, dass das gesuchte Buch auch vom Buchhändler im System gefunden werden kann. Die Eingabe der Bücher ins ZVAB kann entweder schriftlich oder elektronisch erfolgen. Dafür ist natürlich eine jährliche Gebühr fällig.

Kommen wir wieder zum Ausgangspunkt zurück. Da ich also kein BAG-Teilnehmer bin, habe ich mir erlaubt, eine E-Mail nach Bochum zu schicken, mit der Frage, ob eine Überweisung auf mein österreichisches Konto (!) möglich ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Antwort im September wieder per Brief kommt.

Die Probe-Bestellung von der Wiener Buchhandlung am Quellenplatz habe ich erhalten. Per Post. Aus Frankfurt! Absender: Informationsverbund Buchhandel (IBU). Ich schätze, jüngere Zeitgenossen würden sich über das seltsam anmutende Papier mit den vielen Löchern am Rand wundern. Aber nicht nur, dass es sich hier um das altbekannte Endlospapier handelt, nein, auch der Nadeldrucker (?) dürfte schon seine beste Zeit hinter sich haben. Und das Softwareprogramm wohl auch, mit dem der Ausdruck erstellt wurde. Andererseits, warum ein laufendes und funktionierendes System verändern? Bei genauerer Betrachtung hat sich der Buchhandel seit seinen Anfängen kaum verändert. Viele Köche. Viel literarischer Brei. Zumeist lauwarm serviert. Mahlzeit.

Übrigens, bevor ich es vergesse zu erwähnen: HEUTE, um etwa 12h50, ging das erste Rotkäppchen über den (im wahrsten Sinne des Wortes) Ladentisch. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Darauf trinke ich einen Krug voll Met.

Die Buchhandlung am Quellenplatz

Buchhandlung am Quellenplatz Impressionen 2

Gestern Nachmittag also einen ersten „Vertreterbesuch“ in der Buchhandlung am Quellenplatz von Walter Grossmann absolviert. Freilich, mein Entree wurde durch meinen Kontakt mit Daniela Vallaster, die das neue „Corporate Design“ des Geschäftslokales machte, sehr begünstigt. Damit fällt es einem natürlich leichter, über Gott, die Welt und die eigenen Werke zu befinden. Das Design, wie man sich auf der Visitenkarte im Web überzeugen kann, ist schlicht und dezent, drängt sich nicht auf und passt wunderbar zu einer Buchhandlung.

Ja, ich verbrachte viele Stunden in dieser neu übernommenen Buchhandlung. Wir tranken Kaffee, begutachteten Bücher über Bücher (der Tiroler Verlag Haymon bringt nun auch hübsch gestaltete Taschenbücher heraus), blätterten als Literaturinteressierte in einem dicken Schmöker (The Complete Centerfolds: Alle Playmates von 1953 bis 2007) und forschten nach Tiret und Ro2069 im Buchhändlersystem (VLB). Nicht nur, dass ich (respektive die beiden Bücher) dort korrekt aufscheine, nein, auch im elektronischen Auslieferungsverzeichnis bin ich auffindbar. Das nenn ich mal eine positive Überraschung. Meine Strichcodes auf der Rückseite der beiden Bücher funktionierten (da war ich mir nie sicher, weil ich sie mit einer Trial-Software zusammengestöpselt habe) und wurden vom Lasergerät einwandfrei erkannt *piep*.

Werde Walter Grossmann und meinen Büchern nächste Woche wieder einen Besuch abstatten. Weil es gar so gemütlich war, in seiner Buchhandlung. Und Erfahrung aus erster Hand gibt’s obendrein. Wir überlegen, vielleicht im September einen kleinen Event/Umtrunk in seinem Geschäft zu machen. Der „Geburtstag von Ro2069“ (frei nach Maureen) gehört ordentlich begossen *hicks*.