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Morrissey, Der Spiegel und die subtile Manipulation eines Interviews

Britischer Musiker, Verschwörungstheoretiker und Enfant terrible der Medienzunft Morrissey gab dem deutschen Magazin Der Spiegel im November d. J. ein Interview, welches für die Ausgabe 47 (18.11.) unter dem Titel

Morrisseys Weltbild – ‚Die Person, die als Opfer bezeichnet wird, ist lediglich enttäuscht‘

in Druck ging. Mehrere Wochen später, am 11. Dezember, distanzierte sich der Sänger auf facebook von diesem Interview und unterstellte dem Spiegel Verleumdung (›slander‹). Das Management des Magazins wies die Vorwürfe zurück und veröffentlichte den 43 minütigen Audio-Mitschnitt des Interviews.

Ich habe mir das Interview, welches in Englischer Sprache geführt wurde, angehört und mit dem Artikel verglichen. Da ich als Autor gut zwischen den Zeilen lesen kann, sowohl in der deutschen als auch in der englischen Sprache, dachte ich mir, ich halte meine Eindrücke und Überlegungen für meine Leser fest.

Was ist mir also aufgefallen?

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Trump vs. Clinton – Die zweite Debatte

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update: transcript der Debatte von der New York Times

update: die Realitätsverweigerung der BBC

Nach der Debatte ist vor der Debatte. Im ersten Schlagabtausch war Donald Trump nicht auf seiner rhetorischen Höhe. Irgendwie schien er gesundheitlich angeschlagen, vielleicht war er auch einfach nur seiner Sache zu sicher. Hillary Clinton war wiederum perfekt vorbereitet und spulte eine einstudierte Phrase nach der anderen ab. Eine Politikerin mit Leib und Seele eben, die keine Skrupel hat, eine private und eine öffentliche Position gegenüber Wall Street einzunehmen und politisch zu vertreten. Hier sind interessante Ausschnitte aus ihren unveröffentlichten Reden, die von Wikileaks publiziert wurden.

In meinem Blog-Beitrag über die erste Debatte habe ich klar gemacht, dass es eine kleine Elite ist, die den Präsidenten der Vereinigten Staaten „wählt“, nicht das Volk. Donald Trump ist erfrischend anders, da politisch völlig unkorrekt, weshalb er immer wieder in kleinere und größere Fettnäpfchen stolpert. Er ist kein Politiker wie seine Gegnerin (die bereits als Studentin politisch aktiv war), sondern vielmehr ein Lebemann mit Geld, schlechten wie guten Visionen (und Manieren) und einer Vergangenheit, die ihn immer wieder einholt. Man könnte sagen, Trump ist menschlich, Clinton politisch. So oder so werden beide im Oval Office nach der Pfeife anderer tanzen.

Ich plädiere noch immer dafür, Donald Trump zu wählen. Er ist kritisierbar, angreifbar und absetzbar – man hat das Gefühl, immer wieder ein Auge auf seine Handlungen und Entscheidungen werfen zu müssen -, während Hillary Clinton durch den Frauen- und politischen Erfahrungsbonus nur schwerlich angreif- und kritisierbar ist. Mit ihrer Rhetorik kann sie politisch korrekten Gegnern das Heft ohne Probleme aus der Hand nehmen.

Die heutige zweite Debatte – Beginn: 3 Uhr früh – hätte eigentlich das Ende für Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf bedeuten sollen – so dachten Experten und Medien. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Hillary Clinton, wieder perfekt vorbereitet, teilte gleich zu Beginn ordentlich aus – das an die Öffentlichkeit gelangte „Sex Tape“ ließ Trump einknicken. Er, der große Donald, entschuldigte sich für seinen Sager, den er vor einigen Jahren tätigte. Während man(n) heutzutage für locker room banter (Stammtischgeschwätz) über Frauen bzw. das weibliche Geschlecht ziemlich in die Bredouille geraten kann, lösen Anordnungen für Mord und Totschlag und Bombardierungen nur ein Achselzucken aus. Es sei denn, es dreht sich um das „Assad Regime“ und die „russischen Aggressionen“, die eine humanitäre Katastrophe in Aleppo ausgelöst haben sollen. Hillary Clinton, ehemalige Außenministerin, weiß genau, wer dafür verantwortlich zu machen ist. Natürlich nicht das Pentagon bzw.die CIA und deren Versuche, Assad zu stürzen. Es ist immer die selbe dramatische Tragödie in mehreren Akten, die aufgeführt wird: Zuerst gibt das Weiße Haus heimlich grünes Licht für einen Staatsstreich, bewaffnet, finanziert, trainiert, indoktriniert „Rebellen“ und löst gleichzeitig eine internationale Medienkampagne gegen den amtierenden, aber unerwünschten Präsidenten aus. Die nahe Vergangenheit ist reich an Beispielen: von Chile bis Guatemala, von Libyen bis Ägypten. Die Ukraine sollte man freilich auch nicht vergessen.

Wahre Politiker wissen, wie man in der Öffentlichkeit aufzutreten hat, um ans Ziel zu kommen. Richard Nixon ist vermutlich eines der besten Beispiele dafür, A zu sagen und B zu tun. Er brachte es unter anderem zuwege, vier Jahre lang Kambodscha in aller Heimlichkeit durch das US-Militär bombardieren zu lassen. Das war freilich illegal, aber das bekümmerte niemand im Weißen Haus. In einem Gespräch zwischen Nixon und seinem Berater Henry Kissinger im April 1972 kann man gut erkennen, wie der Hase in der hohen Politik läuft. Um Zivilisten, um Wähler, um Bürger, um das gemeine Volk schert(e) sich kein Politiker.

Nixon: »Die Atombombe, bekümmert dich das? Ich möchte doch nur, dass du im großen Stil denkst, Henry, Herrgott noch mal! Die einzige Stelle, an der wir unterschiedlicher Meinung sind, hat mit der Bombardierung zu tun. Du bist so gottverdammt besorgt um die Zivilisten und mich scheren die einen Dreck. Die sind mir egal.« // „The nuclear bomb, does that bother you? I just want you to think big, Henry, for chrissakes. The only place where you and I disagree is with regard to the bombing. You’re so goddamned concerned about civilians, and I don’t give a damn. I don’t care.“

Da Trump nicht zum Politiker geboren ist, verwickelt er sich in Widersprüche und Blödsinnigkeiten. Er kann die Schieflage nicht mit einstudierten Phrasen unter den Teppich kehren. Das ist gut so. Auf diese Weise wird dem gewöhnlichen Weltbürger endlich mal klar, was denn da im Hintergrund tatsächlich so vor sich geht, was da so gespielt wird. Wenn Sie meinen, Trump ist nicht wählbar, dann haben Sie natürlich recht. Wenn Sie meinen, Hillary Clinton ist wählbar, dann liegen Sie leider falsch.

Wenn es nach Trump ginge, sollte seine Gegnerin längst im Gefängnis sein. Dreck am Stecken hat sie (und viele andere ehemalige Politiker) sicherlich genug. Es erinnert zuweilen an den damaligen Vizepräsident Lyndon B. Johnson, der beinahe seines Amtes enthoben und vor Gericht gestellt worden wäre, hätte es da nicht diese unsäglichen Schüsse in Dallas gegeben, damals im November 1963, die ihn zum neuen Präsidenten und damit unangreifbar machten.

Kurz und gut, eine Präsidentin Hillary Clinton würde am gegenwärtigen Status quo nichts ändern. Geopolitische Spielereien – ja, bewaffnen wir mal die Kurden – mit unabsehbaren Langzeitfolgen (Orwell, here we come)  wären an der Tagesordnung. Es wird hinter der Kamera weitere zynische „We came, we saw, he died“-Lacher geben, während vor der Kamera Demokratie und Freiheit in den blumigsten Farben gepriesen werden. Sollte Präsident Trump eine ähnliche geopolitische Strategie wählen, man würde die Scheinheiligkeit (Hypocrisy) ohne Schwierigkeiten erkennen und kritisieren und damit vielleicht verhindern können.

Das mag der große Unterschied zwischen den beiden Anwärtern sein: Der eine ist ein tölpelhaft daherkommender Wolf, der Schwierigkeiten hat, dem Polit- und Medien-Rudel zu folgen und die andere ist ein politisch erfahrener Wolf im Schafspelz, der weiß, wie man die Herde lenkt. Faites vos jeux.

***

Es ist jetzt 7 Uhr. Zeit fürs Bett. Auf Politico findet man übrigens die 7 unschönsten Attacken während der Debatte. Mein Favorit ist diese:

„Es ist wirklich gut, dass jemand mit dem Temperament von Donald Trump nicht die Gesetze in unserem Land macht“, entgegnete Clinton auf Trumps Versprechen, er würde als Präsident Anklage gegen sie erheben.

„Weil Sie sonst im Gefängnis sitzen würden“, gibt Trump zurück.

Je suis … encore

Jesuischarlie2016

Ein Jahr ist das Ereignis rund um den Anschlag auf das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo alt und noch immer sind viele Fragen unbeantwortet. Präsident Hollande nutzte jedenfalls den Jahrestag um schärfere Gesetze anzukündigen und eine Gedenktafel für die Opfer „schwerbewaffneter Islamisten“ zu enthüllen. Interessanterweise fehlt hier Kommissar Helric Fredou, der sich in seinem Büro mit seiner Dienstwaffe das Leben genommen haben soll, nach dem er die Familie eines der Opfer der Anschläge besuchte. Depression und Burn-Out waren die Ursachen des Suizids, liest man. Jetzt mal Hand aufs Herz: Glauben Sie das wirklich? Und weil es so un-glaublich ist, haben die großen und kleinen Medienhäuser das gemacht, was sie am besten können: Ein unerklärliches Ereignis unter den Teppich kehren und so tun, als gäbe es hier nichts zu sehen. Man muss schon in der Asia Times nachblättern, um etwas über dieses mainstream news blackout zu erfahren. Da passt es ganz gut, wenn ein CDU-Politiker die Mainstream-Medien in Bezug auf die Berichterstattung über die Vorfälle zur Silvesternacht in Köln als  Schweigekartell bezeichnet.

Ebenfalls unter den Teppich gekehrt wurde der kryptische Kommentar des türkischen Präsidenten Erdogan, der meinte, dass die Täter des Anschlags französische Bürger seien und man es Muslime in die Schuhe schieben wolle. Der Bürgermeister von Ankara ging einen Schritt weiter und erklärte, dass hinter den Anschlägen der israelische Geheimdienst Mossad stehen würde, um die westliche Welt gegen den Islam aufzubringen.

Auch wenn viele Aussagen und Kommentare und Überlegungen zu all den traumatischen Ereignissen der letzten Jahr im ersten Augenblick haltlos und absurd und konspirativ scheinen, so gehören sie trotzdem gehört und zur Diskussion gestellt. Unangenehme Informationen und Fakten in den Wind zu schlagen sowie behördliche Erklärungen als heilig und unantastbar hinzustellen, nur um ja keine Wellen zu schlagen, ist eine mediale Politik, die früher oder später den Verantwortlichen auf den Kopf fallen wird – siehe Köln, anno 2016.

Ich möchte mir wünschen, dass der eine oder andere Bürger in Zukunft den Medien und den Behörden mit mehr Skepsis begegnet und der Maxime von Literaturnobelpreisträger Harold Pinter folgt:

Als Bürger muss ich fragen: Was ist wahr? Was ist falsch?

Hier noch zwei meiner damaligen Blog-Beiträge, die sich mit den Anschlägen in Paris auseinandersetzen.

gebloggt Freitag, 16. Jänner 2015:
Inszenierte Terror-Anschläge – Eine Einführung

gebloggt Montag, 12. Jänner 2015:
Je suis …

 

Feminismus, Frustration und Feuer am Dach

Der Feminismus hat

  • den Wunsch von Frauen, eine Familie zu gründen, heruntergespielt,
  • den Anreiz für Karriere und Gelegenheitssex hochgespielt.

teilt uns Tammy Bruce im obigen Clip mit.

Die Revolution macht den Frustrierten eine unerhörte Versprechung: die erlittene oder eingebildete Verachtung rächen zu können.

Kritisches Wörterbuch der Französischen Revolution.
von François Furet und Mona Ozouf
Band I, S. 445, Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1996.

Falls Sie die letzte Zeit am Mond gelebt haben, dann dürfte Ihnen die erhitzte Debatte rund um Ronja von Rönnes Artikel Warum mich der Feminismus anekelt [Die Welt] entgangen sein. Hier eine Zusammenfassung: junge, attraktive und erfolgreiche Autorin/Journalistin – diesjährige Teilnehmerin des Bachmannpreiswettbewerbs – will vom Feminismus nichts mehr wissen und bekräftigt, dass ihr das Frausein keine Nachteile eingebracht hätte. „Ich bin keine Feministin, ich bin Egoistin“, eröffnet sie ihre Attacke. Allerhand, nicht?

Die Antworten blieben freilich nicht aus. Wütende Kommentare flammten am Social Media Himmel auf. Für ein paar Tage war Feuer am Dach – und niemand, der es löschen wollte oder konnte. Scheinbar hatte von Rönne einen wunden, schmerzenden Punkt in der politisch korrekten alle Tiere sind gleich, aber manche Tiere sind gleicher-Welt getroffen. Kurz und gut: Die einen fühlten sich verletzt, die anderen verstanden. Faites vos jeux – wählen Sie ein Seite.

Als Verschwörungstheoretiker und aufgeklärter Bürger gehe ich davon aus, dass erfolgreiche politische und revolutionäre Bewegungen nicht zufällig entstehen, sondern vielmehr gemacht werden. Der Feminismus ist da keine Ausnahme.

Sehen Sie, die Mächtigen sind immer in Gefahr, von der Masse entlarvt und davongejagt zu werden. Um dies zu verhindern, versucht sich jede Obrigkeit an der Maxime Teile und Herrsche. Sprich: Spiele die eine Gruppe gegen die andere aus, dann haben beide nicht die Kraft zur Rebellion. So wundert es dann auch nicht, dass die Frauenrechtsbewegung zu einem „ideologischen“ Kampf Frau gegen Mann mutiert ist. Auf lange Sicht gesehen, untergräbt der Feminismus das gesellschaftlich-familiäre Fundament. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Familie seit alters her eine zentrale Rolle spielte, wenn es darum ging, das gesellschaftliche Chaos zu ordnen und machthungrige Fürsten zu zähmen. Wurden damals die Kinder und Kindeskinder innerhalb des familiären Verbundes mit den Rechten und Pflichten des Lebens vertraut gemacht, so werden sie heute in staatlichen Institutionen zu „guten Bürgern“ erzogen, die den Status Quo nicht nur niemals in Frage stellen, sondern diesen auch – politisch korrekt – verteidigen.

Also, falls Sie zu jenen gehören, die für „Ismen“ auf die Barrikaden steigen, bedenken Sie, dass nichts ist wie es scheint und dass sich im Hintergrund the intelligent minority, eine elitäre Clique, ins Fäustchen lacht.

Schuld und Sühne des modernen Historikers: Der 1. Weltkrieg mit Niall Ferguson on BBC

Der britische Ausnahmehistoriker und Rhetoriker Niall Ferguson beschäftigt sich mit der kontroversiellen Frage, ob der Eintritt Großbritanniens im ausbrechenden Krieg im Sommer 1914 nicht ein Fehler war.Yep. Big mistake. In einer Live-BBC-Dokumentation konnte er seine These vorbringen und diese im Anschluss gegen ein Panel von Historikern verteidigen. Ehrlich gesagt, ich war entsetzt. Entsetzt über die historische Auffassung und Interpretation der damaligen Geschehnisse der im Studio eingeladenen angloamerikanischen Mainstream-Historiker. Jedem dieser Gäste gehörte an die Stirn geklopft [„Hey, McFly, ist hier jemand zu Hause?“] und die Frage gestellt, ob er/sie jemals in seinem/ihren Leben einen eigenständigen Gedanken gehegt hat. Von Universitätsprofessoren erwarte ich mir eine profunde Kenntnis der Materie und nicht das Nachplappern von indoktrinierten Schulweisheiten. Historie ist ständiger Diskurs, ist laufende Neuinterpretation des angesammelten Datenmaterials und – vor allem – ist das Erkennen politisch-militärischer Lügengespinste (aka Propaganda). Als Politiker bleibt einem natürlich nichts anderes übrig, als Fakten zu ignorieren, das Blaue vom Himmel herunterzulügen und mit der zahlenden Meute zu heulen. „I don’t care what the facts are“, sagte deshalb folgerichtig George Bush senior Ende der 1980er. Aber für Wissenschaftler, für Gelehrte gilt das noch lange nicht.

Es steht zu befürchten, dass das Jubiläumsjahr 2014 ganz im Zeichen der Mainstream-Schulweisheiten stehen wird. Tja. Die Diktatur der political correctness setzte mit den Schüssen in Sarajevo im Jahr 1914 ein. Ob es der Bürger jemals schaffen wird, sich gegen diese „es kann nur eine Wahrheit geben“-Geißel zur Wehr zu setzen? Vermutlich braucht es Helden. Tragische Helden, sozusagen.