richard k. breuer

Schriftsteller & Verleger

Schlagwort-Archiv: doku

Anatomie eines Anschlags: Was geschah in Nizza wirklich? (VIDEO)

nizza_screenshot

Das Bild ist mit youtube verlinkt!

Wer sich für den (vermeintlichen) Anschlag in Nizza vom 14. Juli 2016 interessiert, sollte sich den ersten Teil des oben verlinkten Videos angucken. Zwar dauert der Beitrag rund eine Stunde, dafür erhält der Zuseher Einblick in all die Ungereimtheiten und Widersprüche der offiziellen Version. Es stellt sich die Frage, was am 14. Juli 2016 in Nizza wirklich geschehen ist.

nexus67_cover

Was geschah in Nizza wirklich? Magazin Nexus No. 67 Okt/Nov

Das Video entstand in Zusammenarbeit mit dem NEXUS-Magazin, das meinen Blog-Artikel (in lektorierter Form) in zwei Teilen veröffentlichte.

Advertisements

Propaganda einst und heute

augartenturm_quote

Das Filmarchiv Austria nimmt sich im November der sogenannten Vorbehaltsfilme an. Das sind Filme, die zwischen 1933 und 1945 in Deutschland gedreht wurden. Man geht von rund 1200 Filmen aus – davon sind ein Viertel von den Alliierten nach Kriegsende verboten worden. Über 40 Filme, heißt es im Programmbüchlein des Filmarchivs, verwaltet die deutsche Murnau-Stiftung und sind nur beschränkt und unter bestimmten Voraussetzungen für die Öffentlichkeit zugänglich.

Ich frage mich, ob es in rund siebzig Jahren ebenfalls eine Stiftung geben wird, die sich mit den Hollywood-Propagandafilmen von einst auseinandersetzt. Für die vielen Generationen, die mit Hollywood im TV aufgewachsen sind – dazu zähle ich mich natürlich auch – ist die kalifornische Traumfabrik mehr Traum als Fabrik. Hollywood war und ist die perfekte Propaganda-Einrichtung des American Dream, der vor allem von Geld und Erfolg, von Liebe und reich gewordenen Tellerwäschern spricht. Das Kino der Illusionen verzaubert den Betrachter, zeigt ihm den Weg, der für einen Einzelnen vielleicht zum Erfolg führt, es lässt dabei den wichtigen Umstand aus, dass der Einzelne ein soziales Wesen ist, der von einer funktionierenden Gemeinschaft abhängig ist. Während also die US-Filme primär den Fokus auf den Einzelnen richten, rücken die deutschen Filme der 1930er Jahre die Gemeinschaft in den Vordergrund. So ist es heute politisch korrekt, eine Programmierer-zum-Social-Media-Milliardär-Fabel abzufilmen, aber höchst verdächtig, wenn ein Film die Befreiung einer homogenen Gemeinschaft aus ihrer politischen Unmündigkeit zeigt.

Wer mehr zum Thema erfahren möchte, der kann sich die Lecture von Prof. Jerry Kroth ansehen: Propaganda and Manipulation: How mass media engineers and distorts our perceptions.

Wer tiefer in die Materie eindringen und wissen will, was es mit der Manipulation der Massen auf sich hat, der sollte sich unbedingt die mehrteilige BBC-Dokumentation von Adam Curtis The Century of Self angucken. In der Doku erfahren wir, dass es nicht Joseph Goebbels war, der die Massenbeeinflussung erfand, sondern vielmehr ein in den USA lebender Neffe von Sigmund Freud, der in seinem Buch Propaganda im Jahr 1928 schrieb:

»Unsere muss eine Herrschafts-Demokratie sein, administriert von der gebildeten
Minderheit, die weiß, wie man die Massen kontrolliert und führt« [Ours must be a leadership democracy administered by the intelligent minority who know how to regiment and guide the masses]

Allerhand, finden Sie nicht?

Europa auf Crashkurs oder Ein Dokumentarfilm des Ministeriums der Wahrheit

1984_Diktatur

V. machte mich auf den Dokumentarfilm Europa auf Crashkurs (The Great European Disaster link) aufmerksam, der Sonntagnacht im ORF ausgestrahlt wurde. In der ORF-TV-Mediathek (link) habe ich mir den Film angesehen. Erschütternd. Wirklich. Weil die Beweihräucherung der Europäischen Union ohne Skrupel vorgetragen wurde. In den 193oern nannte man solch eine Medienarbeit wahrheitsgemäß Propaganda, heutzutage Public Relations. Dass solche Image-Kampagnen mit öffentlichen Geldern bestritten werden, ist eine bodenlose Unverschämtheit, meinen Sie nicht auch?

Es ist lange her, die Volksabstimmung im Juni 1994 über den Beitritt Österreichs zur EU. Ich habe mein Kreuzerl an der richtigen Stelle gemacht. Jedenfalls glaubte ich es damals. Heute – ich weiß, was ich weiß – bin ich mir nicht mehr so sicher. Meine damaligen Beweggründe, Österreich in der EU aufgenommen zu wissen, waren simpel und einleuchtend. Ich hatte nämlich die Hoffnung, dass die Europäische Union dem politischen Proporz in Österreich ein Ende bereiten würde. Zwanzig Jahre später sieht es so aus, als hätte ich (und viele andere) versucht, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Ja, jetzt haben wir nicht nur den Wiener Salat, sondern auch die Brüsseler Bredrouille.

Ehrlich gesagt, die Zukunft sieht nicht rosig aus. Egal, wie man die Sache auch dreht und wendet, der Karren steckt im Schlamm. Politisch betrachtet, zielen die hohen Herren in Brüssel darauf ab, noch mehr Macht an sich zu reißen. Das ist nun mal so. Ein Mächtiger, der Macht freiwillig abgeben würde, ist, nun ja, nicht mehr mächtig und wird – früher oder später – von einem Mächtigeren ersetzt. Kurz und gut: Die Europäische Union steuert langfristig auf eine Diktatur zu, die sich vielleicht demokratisch nennt, aber elitär handelt. Wirtschaftlich betrachtet ist Europa Teil eines globalen Wirtschaftssystems. Wenn es nach den Plänen der hohen Herren in Washington und London geht, wird es alsbald nur noch eine (westliche) Währung, eine (westliche) Über-Zentralbank geben, die alle Belange des Geld- und Finanzwesens und damit die Wirtschaft selbst „steuert“. Kurz und gut: Eine (westliche) Weltwährung steht ante portas. Militärisch betrachtet ist Europa ein Vasall Washingtons (und Deutschland noch immer besetzt). Die NATO entwickelt sich zu einer Söldnertruppe, die überall dort eingesetzt wird, wo das Machtgefüge des Establishments in Frage gestellt wird und wo Forderungen, seien sie politisch, seien sie finanziell, nicht erfüllt werden. Kurz und gut: Eine NATO-Eingreiftruppe wird auch in Ihrer Heimatstadt für „Ruhe und Ordnung“ sorgen.

Conclusio: George Orwells 1984 ist aus heutiger Sicht keine dystopische Novelle, sondern vielmehr ein Tatsachenroman. Lesen Sie das Buch, dann wissen Sie alles, was man wissen muss. Und seien Sie auf der Hut! Das Ministerium der Wahrheit hat Ihre Zeitung und Ihren TV-Sender fest im Griff. Hier eine Kurzkritik der Doku in der britischen Tageszeitung The Telegraph.

Die Feinde einer stabilen Gesellschaft oder Wie Nixon die Welt sah

»Homosexualität, Drogen, Sittenlosigkeit im Allgemeinen. Dies sind die Feinde einer stabilen Gesellschaft.«

US-Präsident Richard Nixon im Jahr 1971 [meine Übersetzung]

Vor wenigen Tagen hat der US-Bezahl-Sender HBO die Doku Nixon by Nixon: In His Owen Words gezeigt. In den rund 70 Minuten wird dem (vermutlich unbedarften) Zuseher ein zynisch-realpolitischer Blick hinter die Kulissen des Oval Offices gewährt. Der damalige Präsident Richard Nixon (1969 – 74) ließ nämlich mehrere Amtsräume im Weißen Haus heimlich abhören und auf Tonband aufnehmen. Diese Tonbänder, die – dank des Watergate Skandals – in die Öffentlichkeit gelangten, sind nun zur Gänze public domain, also für jedermann und jederfrau einseh- und abhörbar. Starker Tobak, was wir da zu hören bekommen. Nichts für zarte Gemüter. Freilich, der gewöhnliche Bürger sollte längst wissen, dass jeder, der sich für die allerhöchste Politik entscheidet, mit Sicherheit eine – pardon – Schraube locker haben muss. In meinem Buch widmete ich Nixon und seinem Watergate Skandal jeweils ein großes Kapitel, vor allem deshalb, um dem Leser zu zeigen, was Macht mit Menschen anstellt und umgekehrt. Eine Ausnahme stellt Nixon in keinem Fall dar. Er ist die Regel eines Systems, das nur ein Ziel kennt: Kontrolle! Aber Nixon zu den bösen Halunken zu zählen, also, nein, so einfach ist es nicht. Bis dato bin ich noch nicht dahintergekommen, was es mit ihm und dem Watergate Skandal auf sich hat. Vermutlich bleibt es eines der größten Rätsel der hohen Politik der Nachkriegszeit. Hier nun eine ausgewählte Kostprobe Richard Nixons im O-Ton:

 »Homosexuality, dope, immorality in general. These are the enemies of strong societies. Goddammit,  we have got to stand up to these people. I do not mind the homosexuality. I understand it. Nevertheless, the point that I want to make is that goddammit, I do not think that you glorify the homosexuality. Any more than you glorify whores. Now we all know we have weaknesses and so forth and so on. But, goddammit, what do you think that does to kids? You know what happend with the greeks. Homosexuality destroyed them. Sure, Aristotle was a homo; we all know that, so was Socrates. You know what happend to the Romans? The last six Roman emperors were fags. You know what happend to the Popes? The Po-po popes were laying the nuns. That’s been going on for years, centuries. But when the Popes — When the Catholic Church went to hell it was homosexuality. And finally had to be cleaned out.« [HBO Documentary]

Es scheint, dass die Macher der Doku die Tonband-Aufzeichnungen ein wenig geglättet haben. Im Original (das ich nicht verifizieren konnte!) heißt es laut der NGO Common Sense for Drug Policy wie folg:

Nixon: »But, nevertheless, the point that I make is that God damn it, I do not think that you glorify on public television homosexuality. The reason you don’t glorify it, John, anymore than you glorify, uh, uh, uh, whores. Now we all know people who have whores and we all know that people are just, uh, do that, we all have weaknesses and so forth and so on, but God damn it, what do you think that does to kids? What do you think that does to 11 and 12 year old boys when they see that? Why is it that the Scouts, the, why is it that the Boys Clubs, we were there, we constantly had to clean up the staffs to keep the Goddamned fags out of it. Because, not because of them, they can go out and do anything they damn please, [unintelligible] all those kids? You know, there’s a little tendency among them all. Well by God can I tell you it outraged me. Not for any moral reason. Most people are outraged for moral reasons, I, it outraged me because I don’t want to see this country go that way. You know there are countries — You ever see what happened, you know what happened to the Greeks. Homosexuality destroyed them. Sure, Aristotle was a homo, we all know that, so was Socrates.«

Ehrlichman: »He never had the influence that television had.«

Nixon: »Do you know what happened to the Romes, Romans? The last six Roman emperors were fags. The last six. Nero had a public wedding to a boy. Yeah. And they’d [unintelligible]. You know that. You know what happened to the Popes? It’s all right that, po-po-Popes were laying the nuns, that’s been going on for years, centuries, but, when the popes, when the Catholic Church went to hell, in, I don’t know, three or four centuries ago, it was homosexual. And finally it had to be cleaned out. Now, that’s what’s happened to Britain, it happened earlier to France. And let’s look at the strong societies. The Russians. God damn it, they root them out, they don’t let them around at all. You know what I mean? I don’t know what they do with them. Now, we are allowing this in this country when we show [unintelligible]. Dope? Do you think the Russians allow dope? Hell no. Not if they can allow, not if they can catch it, they send them up. You see, homosexuality, dope, immorality in general: These are the enemies of strong societies. That’s why the Communists and the left-wingers are pushing the stuff, they’re trying to destroy us.«

May 13, 1971, between 10:30am and 12:30pm — Oval Office Conversation 498-5– meeting with Nixon, Haldeman and Ehrlichman [The President and his advisors were discussing a recent episode of „All in the Family,“ a television show on CBS. President Nixon was offended by the show’s favorable treatment of homosexuals.]

 

Die längst vergangene Ära der 1970er oder Als der Kommerzteufel erwachte und unsere Seelen verschlang

*

Zugegeben, mit dem Skateboard konnte ich nichts anfangen. Vielleicht war ich zu ungeschickt oder bereits zu alt dafür. Als ein 1968er-Jahrgang habe ich – gottlob – die Videospiel- und Homecomputer-Ära der frühen 1980er eingesaugt. ATARI VCS 2600 flimmerte am TV-Bildschirm, das Gerät hatte eine Kapazität von etwa 4 KByte, wenn ich mich recht erinnere. Und trotzdem war es magisch, was sich da pixelig und piepsend auf dem Bildschirm tat. Freilich, der Kopf musste mitspielen, ansonsten war es nur eine lächerliche Anhäufung von sich bewegenden Bildpunkten, die schrecklich fiepsten. Heutzutage würde man nach wenigen Minuten genervt den Stecker ziehen. Damals konnte man nicht genug bekommen. Seltsame Welt. Aber authentisch. Mit Ecken und Kanten, die man sich rund und weich phantasierte.

Der obige Trailer zu einer Doku über längst vergangene Zeiten, die so lange nicht her sind, hat mich berührt. In den wenigen Minuten erfahren wir instinktiv, woran die Welt und Gesellschaft heute leidet: dem Einzelnen fehlt der Sinn, der Zweck, die Ausrichtung, im Englischamerikanischen klingt das weicher und schöner: meaning and purpose. Aber das ist noch nicht alles. Vielmehr bot das Skateboarden auch die Möglichkeit für den Einzelnen sich kreativ auszudrücken (possibility to create), sich selbst auszudrücken (express myself), sich eine Stimme zu geben und Teil einer wahren Gemeinschaft zu sein. Das Wort Skateboard ist an dieser Stelle nur Platzhalter. Man ersetze es mit anderen Aktivitäten, wie zum Beispiel ein Computerspiel zu programmieren (BASIC! – für Maschinensprache war ich nicht freakig genug) oder Zeichnen oder Kochen oder was weiß ich alles. Aber der wichtigste Punkt bei alle dem ist, dass diese Aktivitäten nicht ver-kommerzialisert sein dürfen, um den gewünschten Effekt in einem auszulösen.

Ich denke, da liegt der Hase im Pfeffer. Die Industrie hat in den 1970er das Potenzial kleiner Gemeinschaften erkannt und begonnen, diese nach allen Künsten auszubeuten. Man kann sagen, jede publikumswirksame Aktivität, jede größere Sportart, jede weitreichende Hobby-Gemeinschaft wurde mit der Zeit infiltriert. Und wie schon der Ökonom Lietaer sagte, dass das geeignetste Mittel, um eine Gesellschaft zu zerstören, die Einführung von Geld ist, so stimmt das auch für kleinere Gemeinschaften. Man erinnere sich, wenn man ältere Herren über längst vergangene Zeiten reden hört. Zumeist werden Sie mit dem Satz begleitet, dass man damals nichts gehabt habe, aber trotzdem glücklich war. Oder mein Onkel A., der in jungen Jahren mit Freunden auf die Berge gegangen ist – Hüttentouren. Eine Gitarre war immer dabei. In der Hütte wurde dann gesungen und gelacht. Der Zusammenhalt, sagte er, war damals größer. Warum es so war und heute anders ist, darauf wusste er keine rechte Antwort.

Ich würde sagen, dass der Kommerz, der unbedingte Wille zum Profitmachen und damit verbunden, das Gefangensein in einer unmenschlichen Tretmühle, die Seele raubt. Vielleicht müsste man in den alten Sagen den Teufel mit dem Kommerz ersetzen, damit uns ein Licht aufginge.Vielleicht reicht es aber bereits, dasPowell Memorandum aus den Jahre 1971 zu lesen, in dem klipp und klar die Gegnerschaft des »freien Unternehmertums« (lies: ersatzcapitalism) festgehalten wird und Vorschläge unterbreitet werden, wie die Wirtschaftsmacht  dagegen ankämpfen könnte – z.B.: Einfluss auf die Universitäten zu nehmen (immerhin würden sie durch Stiftungen von ehemaligen Industriemagnaten finanziert), Einfluss auf die Medien zu nehmen (immerhin gehörte das TV schon damals privatwirtschaftlichen Unternehmen), Einfluss auf das Gesetzeswesen und die Politik zu nehmen. Mag das Memorandum auch nur die Arbeit eines Karrieristen gewesen sein, die Argumente, die er vorträgt, sind bestechend und deuten darauf hin, dass zu Beginn der 1970er die Bürger die, pardon, Schnauze voll hatten, von der politischen und wirtschaftlichen Bevormundung. Nicht umsonst wird der Menschenrechtsaktivist und Anwalt William Kunstler mit dem folgenden Satz zitiert:  »You must learn to fight in the streets, to revolt, to shoot guns. We will learn to do all of the things that property owners fear.« Somit war der Feind des »freien Unternehmertums« klar ausgemacht und musste mit allen Mitteln bekämpft werden. Freilich, man hätte auch einen anderen Satz von Kunstler zitieren können: »I only defend those whose goals I share. I’m not a lawyer for hire. I only defend those I love.«

The corporations had realized that it was in their interest to encourage people to feel that they were individuals and offer them ways to express their individuality. The world in which people felt they were rebelling against conformity was not a threat to business but it’s greatest opportunity.

Adam Curtis
Century of the Self /Part 3 / The Policeman in Our Heads

Also gut, zum Abschluss sei mir die Frage gestattet: Wie, verdammt noch mal, holen wir unsere Seele vom Teufel zurück? Vorschläge? Ich blättere mal in mein altes Sagenbuch.