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EM 2012 – Halbfinale 1 – SPA : POR – Tiki-Taka Medizin

Portugal : Spanien o:o n.V.  2:4  n.E.

Hm. Haben es die Spanier also wieder einmal ins Finale geschafft. Nicht unverdient, ja, ja, aber Portugal war an diesem Abend auch nicht schlecht und hielt anständig dagegen. Nach dem 5. Spiel der Spanier muss man sich unweigerlich die Frage stellen: Wer soll diese iberische Tiki-Taka-Dampfwalze stoppen? Italien und Portugal haben gezeigt, wie man dieser spanischen Kurzpass-Orgie mit Erfolg entgegenwirken kann (Ja, ein Unentschieden zu erreichen ist schon ein Erfolg!). Italien, man muss es sagen, hat zwar in der Defensive ordentlich geschwächelt – die Portugiesen ließen kaum Chancen zu – aber in der Offensive, da gaben sie den Spaniern hübsch zunder – im Gegensatz zu den Portugiesen, die nur sporadisch vors gegnerische Tor kamen. Ronaldo hatte es wieder einmal auf den Fuß – aber statt den Ball aufs Tor zu bringen, dürfte es der 3. Rang gewesen sein.

Das gestrige Spiel war bestimmt von Krampf und Kampf. Die Portugiesen brachten vermutlich die einzige Medizin gegen spanische Über-Kicker ins Feld, die es im Moment gibt: Rackern, beißen, spucken, krätschen, laufen, springen, stampfen und so weiter und so fort. Hin und wieder versuchen sich ja Mannschaften, die gegen Spanien antreten, mit einem konsequenten Mittelfeld-Pressing die Iniestas und Xavis vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Aber keine zehn oder zwanzig Minuten später stehen die Defensiv-Reihen vor dem Strafraum und lassen die Spanier kommen. Und wenn man sie einmal einlässt, bleiben sie bis zum bitteren Ende. Unhöflich, nicht?

Die Portugiesen machten das einzig Richtige: Pressing bis der Oberschenkel schmerzt. Laufen bis die Lunge ausgespuckt wird. In der Verlängerung – es war sicherlich weit nach 100 Minuten, lief der Spanier Pedro mit dem Ball allein auf den portugiesischen Torhüter zu. Aber ehe er noch Haken und Schuss ansetzen kann, sind drei Verteidiger der Portugiesen nach hinten gesprintet und räumten den Ball ab. Und der gute Pedro, also, der ist kein langsamer nicht. Damit will ich sagen: Jede Mannschaft, die in der Innenverteidigung nur behäbige Abräumer hinstellt, hat eigentlich gegen Tiki-Taka-Spanien schon verloren. Am eigenen Strafraum zu warten und zu hoffen, dass es für diesmal gut gehen wird, also, so eine Mannschaftstaktik kann sich vielleicht der 1. FC Vatikan erlauben, aber sonst niemand. Portugal hat es allen gezeigt. Du musst die Spanier bereits im Mittelfeld – noch besser an ihrem eigenen Strafraum – festnageln. Mit allen Mitteln. Koste es, was es wolle. So einfach sich das anhört, so schwierig ist die Umsetzung. Neben der Kondition ist nämlich die taktische Raumaufteilung und die Konzentration von größter Wichtigkeit. Wie aufgeschreckte Hühner dem Ball nachzulaufen und dem spanischen Spieler nachzugackern führt de facto natürlich zu gar nichts (naja, eventuell legt man sich ein Ei). Man muss sich einfach nur die Spanier zum Beispiel nehmen. Sie machen es vorzüglich – attackieren den Ballführenden der gegnerischen Mannschaft auf Teufel komm raus und machen die Räume um ihn so eng, dass dieser – völlig entnervt – den Ball nach vorne drischt, wo er dankend von den Spaniern in Empfang genommen wird. Tja.

Auch wenn wir jetzt das Rezept kennen, das gegen diesen Tiki-Taka-Juckreiz hilft, eines dürfen wir dabei nicht vergessen: ansehnlicher Fußball sieht anders aus! Gestern habe ich mir dabei folgende Analogie ausgedacht, die vielleicht nicht ganz treffend, aber in gewisser Weise des Pudels Kern trifft: Nehmen wir an, sie sitzen im Clubraum, wo gerade das Finale zur Schachweltmeisterschaft statt findet und warten gespannt auf die Eröffnungszüge. Aber der spanische Titelverteidiger nimmt ein paar Schachfiguren seines Gegners und beginnt damit zu jonglieren. Man ist beeindruckt, wie toll der Schachweltmeister mit den Figuren umzugehen versteht. Hui. Und was macht der Gegner? Er wartet. Hin und wieder versucht er eine Figur zu erwischen, aber da ist der Spanier schneller. Und ehe man sich versieht, fragt man sich nicht mehr, ob das alles noch mit Schach zu tun hat (immerhin jongliert er mit Schachfiguren, nicht mit Äpfel), sondern ob der Gegner jemals eine der Figuren erwischen kann. Verstehen Sie? Als die Italiener den Betonfußball namens Catenaccio anrührten, da schüttelte die Fachwelt den Kopf. Aber als sie damit Sieg um Sieg einfuhren, da musste die Fachwelt einräumen, dass diese Taktik zwar unansehnlich, aber effektiv und zielführend sei. Es heißt nicht umsonst, dass am Ende nur der Sieg zählt (andererseits könnte man sich fragen, wer solch eine Phrase gedroschen hat; waren es nicht Technokraten/Bürokraten, die  nichts vom Leben, aber sehr viel von Zahlen verstanden?).

Also, wie war das Spiel gestern? Naja. Die Portugiesen hielten dagegen – physisch, kämpferisch, läuferisch. Auch spielerisch waren einige Lichtblicke dabei. Immerhin glaubte ich erkannt zu haben, dass die spanischen Grundfesten schwankten, zitterten, aber erschüttert waren sie nicht. Dazu hätte es wohl ein Tor der Portugiesen gebraucht, aber wirkliche Torchancen waren Mangelware. Und so bestaunte man das Hin und Her. Das Hin und Her im Mittelfeld. Freilich, es war eine intensive Partie und gegen Ende waren die Spanier bestrebt, den Sack zuzumachen. Schlussendlich gelang es ihnen erst im Elfmeterkrimi. Wenigstens ist es Ronaldo erspart geblieben, am Elfmeterpunkt anzutreten. Wer weiß, wie es geendet hätte? So versagten die Nerven von Bruno Alves, der den Ball an die Latte donnerte, während ein gewisser Fabregas  den Ball via Innenstange ins Tor zirkelte. Spanische Maßarbeit, sozusagen.

Auch wenn ich dieser Tiki-Taka-Überheblichkeit rein gar nichts abgewinnen kann, die Portugiesen waren in jedem Fall die unterlegenere Mannschaft. Das ist bekanntlich nicht schwer, wenn man gegen Spanien spielt, aber ich meine, dass es auch Mut und Courage braucht, um gegen die spanische Übermacht zu bestehen. Dahingehend hatte Portugal noch ein Quäntchen gefehlt. Vielleicht war es auch, dass der Ausfall von Postiga im Sturmzentrum durch Almeida nicht wettgemacht werden konnte. Überhaupt, die Portugiesen sind an jeder Position top besetzt, nur der klassische Mittelstürmer, der ist ihnen irgendwie verloren gegangen. So ähnlich ist es ja auch Spanien ergangen, als Villa verletzungsbedingt für die EM ausfiel und Fernando Torres in Chelsea nur das Bankerlsitzen lernte, aber nicht, wie man Tore macht (trotzdem hat er das Spiel gegen die Iren praktisch alleine entschieden!). Als Alternative gab es einen Negredo – wie man gestern gesehen hatte, war er zwar physisch am Platz anwesend, aber irgendwie schien es, als würden die anderen ihn nicht mitspielen lassen; jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, ihn jemals am Ball gesehen zu haben. Weiters gäb’s dann noch einen Pedro, der beim FC Barcelona der Wasserträger von Messi & Co ist. Ja, ich schätze, die Spanische Tiki-Taka-Armada versenkte erst ab diesem Zeitpunkt alle ihre Gegner, als sie mit zwei exzellenten Stürmern aufwarten konnten. Wenn man sich die Ergebnisse ihrer letzten Ko-Spiele so anguckt, dann kommt man zum Schluss, dass den Spaniern gerade einmal ein Tor reicht – und mit Ausdauer, Zähigkeit und Tiki-Taka-Schwindlig-Spielereien dürfte es ihnen immer gelungen sein, dieses eine Tor zu machen. Respekt.

Finale? Ach ja. Wird der Gegner Deutschland heißen? Italien? Natürlich würde ich gerne sehen, wie die deutsche Nationalelf in den Jahren nach 2008 gewachsen ist. Aber wären sie ein ernsthafter Gegner für mental starke Spanier? Tja. Ich befürchte, dass die Löw-Truppe nach dem Abgang von Ballack zwar an spielerischen Qualitäten hinzugewonnen hat, aber ihre mentale »wir schaffen das«-Einstellung (vom Gegner zu einem Mythos erhoben!), die ist irgendwie flöten gegangen. Heute paniken die Gegner vorrangig, wenn es gegen Spanien geht. Die deutsche Elf ist ein mächtiger Gegner, keine Frage, aber unbesiegbar ist sie nicht mehr. Sollten sie mich aber Lügen strafen und heute die Italiener biegen und am Sonntag die Spanier brechen, ja, dann würde der alte neue Mythos wieder auferstehen. Aber ehrlich: ich glaub’s nicht!

EM 2012 – Viertelfinale 4 – ITA : ENG – tutto è bene ciò che finisce bene

Italien : England o:o 4:2 n.E.

Also, wenn mich LingoStudy nicht belogen hat, dann sollte obiges italienische Geplapper „Ende gut, alles gut“ heißen. Und ja, so war es gestern auch. Mir fiel ein großer Stein, der vermutlich das Gewicht Rooneys hatte, vom Herzen. Endlich obsiegte jene Mannschaft, die gewillt war, Fußball zu spielen. Wobei, so streng darf ich mit den Engländern auch wieder nicht sein – immerhin gestalteten sie das Spiel zu Beginn offen und verblüfften mich mit gutem, schnellen Pass-Spiel. Die erste Hälfte, wenn man so will, war nichts für schwache Nerven – vermutlich gingen die Herzinfarkt-Zahlen in den gestrigen Abendstunden sowohl in Italien als auch in England sprunghaft nach oben. Ja, so stellt man sich ein Viertelfinale vor. Endlich!

Mit der Zeit verfielen die Engländer wieder in ihre defensive Zweier-Reihe und ließen die Italiener zu Tode kombinieren. Die Statistik zeigt uns ein entsprechendes Bild: die italienische Elf donnerte rund fünf Mal mehr aufs gegnerische Tor als die englische. Natürlich dürfen wir nicht die Qualität der Chancen außer Acht lassen. Was nutzt es, hundert Mal den Ball übers Tor und in den Zuschauerraum zu befördern? Kaltschnäuzige Gegner mit imposanter Chancenauswertung sind bei spielstärkeren Teams ziemlich gefürchtet – schlag nach bei Griechenland. Da braucht es nicht viele Möglichkeiten.

Dass Italien nicht in der regulären Spielzeit den Sack zumachte und ein Tor erzielte, hätte sich beinahe gerächt. Ein Elfmeterschießen ist ja ein legales Glücksspiel – aber immer noch besser, als das Los zu befragen. Wer es nicht weiß: Ja, so wurde anno dazumal der Gewinner ermittelt. Eine falsche Münzseite oder das kurze Streichholz und schon durfte man mit hängendem Kopf die Heimreise antreten. Heutzutage hingegen wird den Zuschauern eine Verlängerung und ein Elfmeterschießen geboten. Gut möglich, dass es in naher Zukunft extra kosten wird. Analog der Kinobetreiber, die einen Zuschlag bei Überlänge von Kinofilmen verlangen. Ja, der gegenwärtige Fußball ist eine teure Angelegenheit. Mancher der Super-Clubs schwimmt nicht nur in Fußballstars, sondern auch in turmhohen Schulden.

Zurück zum Spiel. Italien hat mir außerordentlich gut gefallen – auch wenn sie in der Verteidigung löchrig wie geriebener Parmesan ist. Was waren das noch für Zeiten, als die italienische Defensive die besten Stürmer zur Verzweiflung  brachte. Maldini? Nesta? Cannavaro? Und wie sie alle hießen. Heute ist ein ehemaliger Außenverteidiger der Abwehrchef – gestern fehlte er verletzungsbedingt, was auch nicht gerade für Stabilität gesorgt hatte. Ich befürchte, um gegen eine deutsche Sommer-Offensive bestehe zu können, werden sich die Herren in den azurblauen Trikots steigern müssen. Oder sie suchen das Heil in der Flucht, pardon, ich wollte sagen: ihr Heil im Angriff. Da sieht es gar nicht mal schlecht aus. Der italienische Arnautovic mit Namen Balotelli glänzt mit vergebenen Chancen. Respekt. Respekt, dass der italienische Coach noch immer große Stücke auf ihn hält. Derweil gäbe es mit Di Natale einen kompletteren Angreifer auf der Ersatzbank. Und daneben würde mir der italienische Hoffer namens Giovionco, der sich dank seiner Größe im Gras verstecken kann, gut gefallen. Mit diesen beiden Offensivgeistern sollte jede Mannschaft zu knacken sein – so sie sich nicht mit Mann und Maus hinten reinstellt und die Schotten dicht macht. Deshalb erlaube ich mir die Prognose, dass das Halbfinalspiel ITA : DEU ziemlich spannend werden wird. Seltsam, dass die Italiener – wie die Franzosen – nach der WM 2006 ihren Kredit gänzlich verprasst haben. Ich sah es schon damals, dass die Routiniers, die „alte Garde“, auf beiden Seiten in die Jahre gekommen waren. Aber in der Euphorie zuckten die Betreuer und die Fans nur mit den Schultern. Ja, Fehler, die man heute nicht korrigiert, fallen einem später umso mehr auf den Schädel oder ins Tor.

Die Engländer? Haha. Was für eine Enttäuschung. Mittelmäßig bis in die kleinste Schuhspitze. Nur ein gewisser Rooney wird immer wieder aufs Podest gehoben. Knapp dahinter Gerrard, der Flankengott und Freistoßspezialist – aber er hinkt seiner Form hinterher. Ganz anders der italienische Mittelfeldregisseur, ein gewisser Pirlo, der zwar in die Jahre gekommen ist, aber eine Präsenz am Feld zeigt, die einem nur erstaunen kann. Er spielt seine Sache schnörkellos und ruhig – das ist man ja von den hitzigen Italienern eigentlich gar nicht gewohnt, nicht? Aber im Fußball ticken die Uhren anders. Vielleicht war es gerade diese Seelen-Ruhe, diese Abgeklärtheit, die die italienische Defensive in der Vergangenheit auszeichnete und zum (unrühmlichen) Weltruhm beisteuerte. Pirlo! Als er den jungen englischen Torhüter Joe Hart vom Elfmeterpunkt verlud, den Ball im Panenka-Stil in die Mitte des Tores schupfte, da musste man ihn einfach ins Herz schließen. Es sah so einfach aus. Dieser Schupfer. Aber wer es nicht im Kopf, nicht im Fuß hat, kann sich dabei nur grässlichst blamieren. Ich warne also vor Nachahmung.

Was wäre es wohl für ein Spiel geworden, hätte Di Rossi in den ersten Minuten nicht die Stange, sondern ins Tor getroffen. Ein sehenswerte Volley. Bumm. Hätte die Kugel eingeschlagen, die Engländer wären wohl in die Offensive gegangen. Ein Schlagabtausch wäre es geworden. So wurde es nur ein halber. Aber immer noch hundert Mal ansehnlicher als alle drei Viertelfinalspiele zusammengenommen.

Sonst? Wer wird also den Pott holen? Portugal? Spanien? Deutschland? Italien? Hm. Gar nicht einfach, die Rechnung ohne Spanien machen zu wollen. Ob Ronaldo und seine Mannen wirklich in der Lage sind, den iberischen Tiki-Taka-Kleinkrieg für sich zu entscheiden, bleibt abzuwarten. Da müssten die Portugiesen bis in die Zehenspitzen motiviert sein – nicht ängstlich und zaudernd auf der Bremse stehen (schlag nach beim Gruppenspiel gegen Deutschland). Natürlich könnte ein gut gespielter Konter von Ronaldo das entscheidende Tor bringen – aber gegen Spanien 90 Minuten zu mauern und zu blocken und zu warten, bis sich eine Chance auftut, also ich weiß nicht. So kann man vielleicht gegen Malaga oder Valencia spielen, aber sicherlich nicht gegen den 1. FC Barcelona im spanischen Team-Trikot. Andererseits, waren es nicht Engländer, die den spanischen Club aus der CL befördert haben? Mit mehr Glück als Verstand, muss man dazu sagen. Ja, das wird Portugal brauchen. Oder einen Drogba.

Also, im Normalfall, wenn die Löw-Truppe nicht Angst vor ihrer eigenen Courage hat, müsste sie das Halbfinalspiel gewinnen können. Die Italiener sind Außenseiter. Aber was für ein Außenseiter! Die Deutsche Elf hätte ihre englischen Kollegen Kiel holen lassen – es wäre für England wieder bitte gelaufen. Besser, sie verlieren gegen Italien knapp und können sich jetzt ein wenig bemitleiden, als wenn sie die Krauts aus dem Stadion geschossen hätten, nicht? So viel steht für mich fest. Und die Italiener? Sie sind gegenwärtig so unscheinbar, das man vergisst, dass sie Spaniern an den Rande einer Niederlage brachten (freilich, es gilt auch umgekehrt) und ihnen ein Unentschieden abtrotzten. Diese Leistung ist nicht von schlechten Eltern. Ich würde mit Italien rechnen. Nicht, weil sie spielerisch mit den anderen mithalten können. Sondern einfach, weil sie mir ans Herz gewachsen sind. Ein sympathischer Underdog. Kroatien hätte es auch sein können, wurde aber dummerweise mit Italien und Spanien in eine Gruppe gelost. Ja, die Europameisterschaft entscheidet sich nicht in den Gruppenspielen oder im Finale, sondern in der Gruppenauslosung. Sì, sì!

Ausblicke in eine nahe Zukunft

Heute beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Wenn alles klappt, werde ich wieder versuchen, die Spiele aus einer bloggenden Perspektive nachzubetrachten, so wie ich es schon bei der EM 2008 in Wien und der WM 2010 in Südafrika in aller Breite und Länge gemacht habe. Übrigens mit A. die Europameisterschaft am PC mittels der FIFA 2012 Erweiterung von EA gespielt. Am Ende setzte sich Tschechien klar gegen Spanien durch und wurde Europameister. Na, ist freilich nur ein Spiel. Leider kein gutes. Völlig überteuert. Und dass man zu zweit kein Turnier erstellen kann, also, was haben sich da die Spiele-Entwickler nur gedacht? Vermutlich gar nichts. Ich schätze, die Führungsriege hat ordentlich Druck gemacht, um die Software rechtzeitig fertigzustellen. Am Ende ist es wieder einmal der Konsument, der ziemlich blöd durch die Finger schaut. Freilich, man hätte es nicht kaufen müssen. Aber wenn wir immer auf diese Weise argumentieren, da wird man uns früher oder später den größten Dreck vorsetzen und dazu kühl lächelnd anmerken: Take it or leave it.

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«Es ist meine Grundthese, dass der menschliche Verstand nicht dazu geeignet ist,
menschliche Sozialsystem zu verstehen.«
Jay Forrester
Behaviour of Social System (1971)

»Die Wirkungsweise unseres Wirtschaftssystems kann man überhaupt nicht
verstehen,wenn man nicht die Eigentümlichkeiten begriffen hat,
die das Geld mit sich bringt.«
Wilhelm Röpke
Die Lehre von der Wirtschaft (1937)

Die letzten Tage begonnen, am systemkritisch-konspirativen Sachbuch herumzutun. Gar nicht einfach, altes Geschreibsel mit neuem zu Verquicken. Weil alles so dicht verwoben ist, alles mit allem interagiert, verliere ich oft den Faden und die Lust, Ausführung auf Ausführung zu stapeln. Wenn ich also postuliere, dass GELD das größte Problem darstellt, dann ist es nur bedingt richtig – weil Geld per se weder gut noch schlecht ist. Wichtiger ist vielmehr, was wer mit Geld tut bzw. anderen antut. Weiters ist die Frage, woher das Geld kommt, wer es verteilt/ausgibt und wer letztendlich davon im höchsten Maße profitiert, zu beantworten. Aber will man die Zusammenhänge erklären, muss man unweigerlich in die Wirtschaftspolitik eintauchen, die wiederum äußerst politisch ist, aber vordergründig zumeist nichts mit Politikern zu tun hat. Und dann gibt es ja noch die Eigendynamik des Systems an sich – weil es sich so verhält, dass jedes System versucht, am Leben zu bleiben. Will man das System bekämpfen, hilft es nicht, irgendwelche Köpfe abzuschlagen – die wachsen doppelt so schnell nach und sind noch giftiger als wie jene zuvor. Mein vorläufiger Lösungsansatz sieht vor, dass man der System-Hydra die Lebensgrundlage entzieht – und die ist nun mal GELD. Im Gegensatz zum Menschen, dessen Lebensgrundlage keine Münzen, keine Scheine sind (auch wenn man es uns glauben machen möchte).

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Also gut, kommen wir zu Handfesterem und zu den Breuerschen Herbstnovitäten, als da wären: Madeleine, Der Fetisch des Erik van der Rohe und Rotkäppchen 2069B.