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EM: Viertelfinale 2

Freitag, 20. Juni 2008

Viertelfinale 2: das Glück ist ein türkisches Vogerl

VF 2, in Wien (20:45): Kroatien : Türkei 1:1 n.V. 1:3 i.E.

Hat man das schon einmal gesehen? Es gibt Dinge, die dürfte es gar nicht geben. Hätte ich vor drei Wochen ein Buch geschrieben, in dem es um eine Fußballmannschaft geht, die in drei Spielen am letzten Abdruck, doch noch das Match drehen und gewinnen würde, man hätte ich mich in die „Schule der Dichtung“ strafversetzt. Unrealistisch. Unplausibel. Lächerlich. Abgeschmackt. Hollywood.

Derweil hat das gestrige Spiel alles andere als nach Hollywood ausgesehen. Zaghafter, nervöser Beginn beider Mannschaften. Anfänglich dachte ich ja, die ausgeruhten Kroaten würden am Dampfrad drehen und das türkische Lazarett unter Beschuss nehmen. Denkste. Weit gefehlt. In der ersten Viertelstunde machten die Türken das Spiel. Seltsam. Jene Türken, die ich nach dem ersten Spiel gegen die Portugiesen als „völlig harmlos“ abgehakt hatte, die nach dem „Wunder von Genf“ eigentlich über keine fitten Spieler mehr verfügen dürften, waren und sind nicht aufzuhalten („we break for nothing“). Sie sind ein Paradebeispiel für das fußballerische Stehaufmännchen. Und vielleicht werden sie das geflügelte Zitat am Donnerstag abändern:

„Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Türken!“

Zurück zum Spiel. Nach einer Viertelstunde kamen aber dann doch die Kroaten. Und was wäre gewesen, hätte Olic (in Gomes-Manier) den Ball aus gerade mal 4 Metern ins Tor und nicht an die Latte geknallt? Freilich, den Abpraller köpfelte dann ein Kranjcar auch nicht ins, sondern übers leere Tor. Als wollten sie kein Tor machen, die Kroaten, gestern.

Der Schock musste tief sitzen. Bei den Kroaten. Herzinfarktgefährdet die Fans und Trainer Bilic. Deshalb gab es dann nicht mehr viel zu sehen. Die Kroaten tapfer, aber man hätte meinen können, sie würden mit der angezogenen Handbremse spielen. Irgendwie dachten sie vermutlich an die letzte Viertelstunde und daran, dass die Türken schon zwei Mal ein Spiel gedreht hatten.

Nach 90 Minuten noch immer 0:0. Flaue Partie. Kaum Höhepunkte. Die Verlängerung nur merklich besser. Die Türken, wundersam, mobilisieren mehr Kräfte als die Kroaten. Trotzdem geschieht das erste Wunder: die Kroaten schießen den Führungstreffer (nein, zu diesem Zeitpunkt war jeder im Stadtion sicher, es war der entscheidende Siegestreffer), als keiner mehr daran glaubte. Grenzenloser Jubel. Grenzenlose Enttäuschung. Sekunden später. Nach der Auflage. Nach einem weiten Abschlag von Rüstü, dem türkischen Tormann, kommt der Ball an den kroatischen Strafraum. Nur noch wenige Sekunden Spielzeit. Drei Kroaten wollen den Ball weghauen. Ein Türke springt irgendwie dazwischen. Irritiert damit die gegnerische Verteidigung. Der Ball springt vor Sentürk auf, der hält einfach darauf und knallt zwischen zwei Kroaten ins Kreuzeck. Grenzenlose Enttäuschung. Grenzenloser Jubel. Hmm?!

Dass im Elfmeterschießen die bereits an den sicheren Sieg geglaubten Kroaten die Nerven weghauen, war irgendwie spürbar. Die Türken hatten das Unmögliche möglich gemacht. Da ist ein Elfmeterkrimi noch das Geringste. Und so kommt, wie es kommt: zwei Kroaten verschießen kläglich, einer wird von Rüstü gehalten, während die Türken alle ihre Elfmeter sicher verwandeln (nur einmal, da war es knapp, da rutschte der Ball unter Pletikosa durch). Und jetzt muss man (nein, nur die Österreicher bitteschön) sich fragen, was wäre gewesen, hätte Modric im ersten Spiel den Elfmeter genauso wie gestern neben die (äußere) Stange gesetzt? Ich wette, die Österreicher hätten heute gegen die Türken gespielt. Aber ich glaube, der liebe Fußballgott musste sich vor der EM für eine Mannschaft entscheiden. Und hat sich entschieden. Eindeutig. Für die Türken. Natürlich für die Türken.

Am Donnerstag geht es also im Halbfinale gegen die Deutschen. Ojemine. Die Türken spielen dann am besten, wenn sie nichts mehr zu verlieren haben. Aber wenn ihnen die Ehrfurcht in Mark und Bein fährt, dann sind sie so gefährlich wie FC Unterstinkenbrunn nach ihrem Vereinsbesäufnis. Deshalb hoffe ich, dass sie gegen Deutschland wieder von Beginn an kämpfen, laufen, kämpfen, laufen, kämpfen, laufen und so weiter und so fort.

Und vielleicht, ja, vielleicht getraue ich mich ins Brunnenviertel. Eine kollektive Jubel-Hysterie in Klein-Izmir mitzuerleben, das hätte schon was. Deutschland, wir kommen (wenn nicht die Österreicher, dann eben die Türken).

EM: Viertelfinale 1

Donnerstag, 19. Juni 2008

Viertelfinale 1: Münchhausens Zopf

VF 1, in Basel (20:45): Portugal : Deutschland 2:3
Sieger Gruppe A – Zweiter Gruppe B

Was soll man dazu noch sagen? Die Deutschen, die zuvor nicht überzeugen konnten (Polen war eindeutig zu schwach, um sich mit einem klaren Sieg zu brüsten), die von den Österreichern sogar nach Hause geschickt hätten werden können, sich „nur“ durch einen Freistoß ins Viertelfinale retteten (freilich, ein Unentschieden hätte ihnen auch gereicht), schlagen die als EM-Favorit geltenden Portugiesen souverän. Souverän? Zähneknirschend muss ich es schreiben. Weil es stimmt. Die Portugiesen konnten die Deutschen nie unter Druck setzen. Ja, man hatte nie wirklich das Gefühl, dass die Portugiesen gewinnen wollten. Zu zaghaft in ihren Bemühungen. Obwohl sie ausgeruhter hätten sein müssen, liefen ihnen die Deutschen davon – weil sie wussten, wohin sie zu laufen hatten.

Wie schon letztens gesagt: wenn die Deutschen (oder Italiener) in Führung gehen, dann wird es für jede Mannschaft schwierig, dagegen zu halten. Und wenn wir die Spiele der Portugiesen rückblickend betrachten, dann muss man sagen, dass ihr erster Sieg gegen völlig apathische Türken, die sich dachten, wenn sie nicht aufs Tor schießen, würden es die Portugiesen auch nicht machen, keine Herausforderung darstellte. Gegen Tschechien war es schwieriger. Schwieriger? Gegen eine schwächelnde Altherrentruppe, die gegen die Türken dankend 3 Tore in 15 Minuten (!) hingenommen haben? Eben. Also: Die Gegner der Portugiesen waren eindeutig keine ernstzunehmenden. Tja. Mit Deutschland kam nun ein angeschlagener Münchhausen, der schon bis zum Hals in der „Medien-Scheiße“ steckte. Natürlich unterschätzten die Portugiesen die deutsche Elf. Geblendet vom Hype um sie und Ronaldo, konnten sie nur ein müdes Lächeln übrig haben, für die öde Ballack-Truppe.

Jetzt ärgere ich mich nicht über die Deutschen, nein, ich ärgere mich über die Portugiesen. Weil sie nicht bissig genug waren. Haben sie sich nicht das Kroatienspiel angesehen? Die Kroaten kämpften, als würde es um ihr Leben gehen. Nur so kann man gegen die Deutschen einigermaßen erfolgreich sein. Alles andere ist sinnlos und lächerlich.

Der Alptraum: Deutschland kommt ins Finale und trifft dort auf Italien. Ich denke, das hätte sich der europäische Fußball nicht verdient.

Sodala.
Ich werd mir jetzt einen Tango kochen. Wie lange es wohl dauert, bis der weich wird?

EM: Resumee der Gruppenspiele

Heute beginnt also das erste Viertelfinalspiel. Zeit, die Gruppenspiele durchzudenken.

Die WM 2006 in Deutschland hat kaum attraktiven Offensiv-Fußball geboten (am besten zeigt es sich daran, dass mir die Deutsche Mannschaft gut gefallen hat – aber seit wann spielt eine deutsche Mannschaft attraktiv?), aber man konnte schon erahnen, wie das Spielsystem der Zukunft aussehen wird: der wichtigste Spieler am Feld ist nicht mehr der Stürmer, der Spielmacher, sondern der Außenverteidiger. Vor Jahren wäre es wohl nicht denkbar gewesen, dass ein Philipp Lahm als Verteidiger ein Dribbling an den gegnerischen Strafraum macht, sich ein Herz nimmt und den Ball ins Kreuzeck schlenzt. Und war es nicht Grosso, der italienische Flügelverteidiger, der die Deutschen in der Verlängerung aus allen Träumen schoss?

Holland hat mit van Bronckhorst einen Flügelverteidiger der Extraklasse. Gegen Italien wehrt er noch den Ball auf der Torlinie ab, schaltet sich in den Konter ein, sprintet etwa 80 Meter, bekommt den Ball, flankt ihn quer übers Feld zu Kuyt, der legt auf für Snejder und dieser wiederum knallt den Ball volley ins Netz. Die Russen machen es nicht anders. Die Außenverteidiger Zhirkov und Anyukov spielen die behäbige schwedische Abwehr schwindlig oder überlaufen sie. Sind die Schweden im Ballbesitz, stehen die beiden wie von Zauberhand wieder auf ihrem angestammten Platz und machen den Raum eng bzw. attackieren den gegnerischen Flügelspieler vor dem eigenen Strafraum. Beinah könnte man meinen, die Russen oder Holländer hätten immer zwei oder drei Spieler mehr am Feld („bitte durchzählen“), derweil ist es „nur“ Laufbereitschaft und Spielverständnis, gepaart mit einer sehr guten Kondition.

Aber nicht nur die Außenverteidiger können und sollen sich in den Angriff einschalten. Auch von so manchem Innenverteidiger kann eine Torgefahr ausgehen. Der Portugiese Pepe hat gegen die Türkei sein Tor gemacht. Puyol dribbelt bei der WM durchs halbe Feld und legt mustergültig für Torres auf. Vermutlich ist die Zeit der Abwehr-Dinosaurier bald Geschichte. Deutschland spielt ja mit zwei Basketballern in der Defensive, die normalerweise gegen jedes schnelle Dribbling auf verlorenen Posten stehen müssten. Die Kroaten haben es vorgezeigt. Die Portugiesen werden es wohl nachmachen. So lange sich die Abwehr um den eigenen Strafraum zusammenzieht, mit den (defensiveren) Mittelfeldspielern den Raum für den Gegner eng macht, braucht es „nur“ ein gutes Stellungsspiel, Robustheit und ein gutes Auge. Damit hat Deutschland, Italien, Frankreich bis jetzt gut leben können. Aber wehe, man gerät in Rückstand, muss plötzlich das Spiel machen. Dann merkt man die Anfälligkeit dieser Dinosaurier. Ähnlich erging es ja Griechenland. Bei der EM 2004 haben sie nie das Spiel machen müssen, weil sie (bis auf einmal) immer in Führung gingen und hinten dicht machten. Vier Jahre später kommen sie in Rückstand und plötzlich ist ihr Defensiv-Bollwerk für ihr Offensiv-Spiel nur noch ein Klotz am Bein.

Früher musste ein Verteidiger kein Techniker sein. Ein Raubein war gerade gut genug. Kondition brauchte er auch nicht. Wofür auch? Er blieb immer am Strafraum, knallte konsequent die Bälle oder die Gegenspieler weg. Pasta. Italien war berüchtigt für ihre Beton-Abwehr. Heute haben sie Probleme, gute Abwehrspieler zu rekrutieren, was wiederum zeigt, wie hoch die Anforderungen geworden sind (und wie sie diese Veränderung verschlafen haben – genauso wie Frankreich).

Im Vereinsfußball spielt Arsenal London ein holländisches System (4-2-3-1) und das gar nicht mal schlecht, wenn man bedenkt, wie jung (und unerfahren) diese Mannschaft im internationalen Geschäft ist. Was ihnen zur europäischen Spitze fehlt ist ein Spitzenstürmer, der die Dinge reinmacht. Wahrlich ein Jammer, dass Henry nach Spanien gegangen ist. Im Übrigen würde ich sagen, dass ManU und Chelsea ein ähnliches Spielsystem haben (deshalb muss ein Shevchenko zu meist auf der Bank sitzen, weil es nur Platz für einen Strafraumstürmer gibt und den Job macht Drogba wohl besser).

Es sieht also danach aus, dass immer weniger Strafraumstürmer gebraucht werden (aber wenn sie zum Einsatz kommen, hängt sehr viel an ihnen), dafür geht die Anforderung an die Verteidiger, sich in die Offensive einzuschalten und an die Mittelfeldspieler, auch den Torabschluss zu suchen, wie man bei Robben, van der Vaart, Snejder, Arshavin, Ballack, Podolski, Srna, Ronaldo usw. gut gesehen hat.

Sieht so aus, als würden viele Stürmer umlernen müssen (das Arbeitsamt bietet noch keine Umschulungen an, soweit ich weiß). Ja, wenn Luca Toni im Nationalteam weiterhin alle Torchancen vernebelt, dann wird er sich bald neben Materazzi einfinden. Ein paar Tätowierungen bräuchte er aber noch.

EM: Spieltag 3 – Gruppe D

Mittwoch, 18. Juni 2008

Spieltag 3 – Gruppe D: russische Festspiele

Gruppe D, in Innsbruck (20:45): Schweden – Russland 0:2

So habe ich sie mir erwartet, die Russen. Spielerisch, läuferisch, technisch eine Augenweide. Die älteste Mannschaft des Turniers, Schweden, gegen die jüngste, Russland. Die Spanier konnten von der Unerfahrenheit der Russen noch profitieren, nutzten eiskalt ihre Chancen und ließen dem Gegner wenig Spielraum. Aber die Schweden, die noch an ihrem veralteten Spielprinzip festhielten (weil sie es gar nicht anders können: den Ball zu Ibrahimovic und hoffen, dass er einen guten Tag hat), waren den Russen hoffnungslos unterlegen. Keine Sekunde sah man ihnen an, dass sie das Spiel drehen wollten (schlag nach bei den Rumänen). So kam man in den Genuss eines russischen Offensiv-Spektakels. Herrlich. So  stellt man sich Fußball vor: schnell, exakt und der nötige Zug zum Tor. Die Holländer werden nun zum ersten Mal auf eine Mannschaft treffen, die ihnen in allen Bereichen ebenbürtig ist. Das wird ein Fußballfest. Nur eines müssen die Russen noch „lernen“: Effizienter zu werden. Denn da sind die Holländer im Moment eine Klasse für sich – man sehe sich nur das Tor von Robben an, der aus spitzem Winkel, von zwei Verteidigern bedrängt, über den Tormann ins kurze Eck knallt: so ein Tor dürfte es eigentlich gar nicht geben.

Gruppe D, in Salzburg (20:45): Griechenland – Spanien 1:2

Tja. Jetzt ist es passiert. Die Griechen sind neben den Franzosen die einzige Mannschaft, die mir Leid getan haben. Das soll etwas heißen. Mitleid ist so ziemlich die schlimmste Emotion, die eine Fußballmannschaft auslösen kann. Und Spanien? Die B-Mannschaft kann mit einer holländischen B-Mannschaft zwar nicht mithalten, aber für Griechenland reicht es allemal. Ich denke, das sagt wohl alles, oder?

EM: Spieltag 3 – Gruppe C

Dienstag, 17. Juni 2008

Spieltag 3 – Gruppe C: erstens kommt es anders und …

Gruppe C, in Zürich (20:45): Italien – Frankreich 2:0

Also doch die Italiener. Nicht weil sie besser (natürlich waren sie besser), sondern weil Frankreich um so vieles schlechter gespielt hat. Die „Grande Nation“ kickt wie Österreich vor einem Jahr (und das heißt was): grottenschlecht. Das Unglück nahm seinen Lauf, als sich der beste, der motivierteste der Franzosen verletzte: Ribery! Nach bereits 8 Minuten. Wie aufgezogen läuft er Zambrotta hinterher, grätscht seitlich nach dem Ball, trifft aber nur die Beine des Italieners. Unglücklich für ihn. Weil er sich dabei selbst verletzt. „Verdacht auf Unterschenkelbruch“ ist überall zu hören und zu lesen. Auch jetzt ist nicht zu eruieren, wie schwer die Verletzung tatsächlich ausgefallen ist. Ein Drama. Für die Franzosen. Für die Bayern. Für den Fußball. [aktuell dürfte es sich „nur“ um eine schwere Verstauchung im linken Knöchel handeln]

Aber die Fußballshow muss weitergehen. Und so ist es nur bezeichnend, dass die ehemalige Beton-Abwehr der Franzosen auseinanderbröckelt. Überaltert. Thuram nach zwei Spielen kein Thema mehr. Abidal, der gegen Luca Toni im Strafraum sehr ungeschickt von hinten attackiert, wird gleich mal mit Rot vom Feld geschickt. Den Elfmeter verwandelt Pirlo nach Vastic-Manier: unhaltbar.

Damit war das Spiel entschieden. Müde Franzosen fanden nie ins Spiel. Benzema, der gehypte Stürmer (franz. Torschützenkönig und Spieler des Jahres), war noch am auffälligsten. Henry? Einst die Lichtgestalt Frankreichs nur noch ein Abklatsch vergangener Tage. Wäre er doch nur bei Arsenal geblieben, er würde heute am Zenith stehen, statt dessen sitzt er zu meist bei Barcelona auf der Ersatzbank – oder muss Etoo die Bälle servieren (schlag nach bei Klose). Enttäuschend.

Wir Österreicher dürfen uns also berechtigte Hoffnungen machen, dass am 6. September, wenn wir Frankreich im Happel-Stadion zum Auftakt der WM-Qualifikation begrüßen dürfen („Bonjour“), eine verunsicherte, im Umbruch begriffene französische Nationalmannschaft auflaufen wird. Freilich mit einem neuen Trainer. Mit neuen Gesichtern. Also, wenn wir jetzt nicht die Gunst der Stunde ausnutzen, wann dann?

Und die Italiener? Das böse Erwachen kommt noch. Ein wenig später. Aber es kommt. Weil sie in den drei Spielen nie überzeugt haben. Ein Weltmeister, der gegen Rumänien eigentlich schon so gut wie weg war, muss besser, muss überzeugender spielen. Wenn ihre einzige Antwort ein Luca Toni ist, dann ist das aber mehr als dürftig. Ersetzt kann er nicht werden. Was ist eigentlich mit dem Cassano los? Der war mal ein heißer Tipp für einen Spitzenfußballer. Gestern war nichts von ihm zu sehen. Überhaupt nichts. Jetzt geht es im Viertelfinale gegen Spanien. Hmm?! Sollte also Luca Toni das erste Tor machen, dann sehen wir mit größter Wahrscheinlichkeit die italienischen „Bauarbeiter“ den Beton anrühren. Davor hab ich ein bisserl Angst: dass die Italiener das Griechische Spiel bei der EM2004 studiert haben: unattraktivst spielen und knapp gewinnen. Denn mit spielerischen Qualitäten können sie keinen Gegner bezwingen. Schon gar nicht die Spanier. Schon gar nicht ohne Pirlo (gelbgesperrt). Aber wer weiß, wer weiß, denn erstens kommt es anders …*

Gruppe C, in Bern (20:45): Niederlande – Rumänien 2:0

Die „B-Mannschaft“ der Holländer macht ein gutes Spiel. Die Rumänen? Enttäuschend. Weil sie in Ehrfurcht vergehen. Verständlich, wenn ein Robben (Real Madrid), ein van Persie (Arsenal London) und ein Jan Huntelaar (Ajax Amsterdam – Torschützenkönig) auflaufen und die Lust am Spielen eindrücklichst demonstrieren. Aber die Rumänen, sie haben auch ihre Chancen. Wenigstens in der ersten Hälfte. Mit ein wenig Glück (die Holländer haben einfach einen Lauf – fragt sich nur, wie lange?) hätte Holland zum ersten Mal in Rückstand geraten können. Dann, wie so oft, wäre es vielleicht ein anderes Spiel geworden. Naja. Die Rumänen hätten vermutlich gleich im ersten Spiel gegen Frankreich so druckvoll spielen müssen wie gegen die Italiener. Aber im Nachhinein ist es natürlich müßig, über das „damals“ zu befinden. Wir sehen ja die Rumänen dann in Wien. Zur WM-Qualifikation. Das wird hart.

*) noch verteufle ich die Italiener nicht, Maureen. Noch nicht 😉