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EM: Vorschau Spieltag 1 – Gruppe B

Gruppe B, in Wien (18:00): Österreich – Kroatien

Meine Herren, im Magen kribbelt es bereits merklich. Beim Anstoß, um 18 Uhr, werde ich nur ein zuckendes Nervenbündel sein. Hoffe, die Spieler haben ihre Nerven besser im Griff. Denn daran ist Österreich noch immer gescheitert. Nicht die Technik, nicht die Spielpraxis, nicht die Kraft, nicht die Ausdauer waren Faktoren, die eine Niederlage herbeiführten, sondern schlicht und einfach das flatternde Nervenkostüm (vulgo: Beistrich in der Hose).

Deutschland oder Holland hätten wir vom Feld schießen müssen, wären wir nur abgeklärter, ruhiger, besonnender, wenn die anderen ihren Sturmlauf beginnen. Statt dessen verlieren wir die Ordnung, sucht jeder sein Heil in der Flucht („rette sich wer kann“). Was als kleine Unachtsamkeit beginnt, weitet sich zu einer immensen Nervosität aus, die ansteckender ist, als die Spanische Grippe. Schließlich taumeln alle wie verblödet am Spielfeld herum, vergessen, was man ihnen noch zur Halbzeit eingeimpft hatte („jeder spielt auf seiner Position“). Was folgt ist Schülerliganiveau: wo der Ball ist, da müssen wir hin. Rudelbildung in seiner schlimmsten (und peinlichsten) Form. Lücken tun sich auf. Freiräume. Und so manche gegnerische Mannschaft traut ihren Augen nicht. Glauben anfänglich noch an einen Trick. Aber nicht lange. Ja, dann fängt deren „Trainingsspiel“ an, werden Tore geschossen, die einfach nur passieren, weil im österreichischen Spiel gar nichts mehr passiert. Ein Jammer!

Heute soll alles anders werden. Haben wir das nicht schon so oft gehört? Und so oft geglaubt? Freilich, das ist eben Hoffnung! Und die stirbt bekanntlich erst nach 90 Minuten. Davor darf man träumen. Viel träumen. Ich mach jetzt ein Mittagsschläfchen.

Ach ja, über die Deutschen brauchen wir keine Zeile verlieren. Weil sie sowieso nicht verlieren. Nicht gegen Polen. Nicht gegen diese Polen. *schnarch*

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EM: Spieltag 1 – Gruppe A

Samstag, 7. Juni 2008

Ist das also der (laue) Vorgeschmack auf die weiteren EM-Spiele?
Gott behüte. Ich will mehr EMOTIONEN!


Gruppe A, in Basel (18:00 Uhr): Schweiz – Tschechien 0:1

Den Schweizern kann und darf man keinen Vorwurf machen. Sie haben brav gekämpft, haben viel versucht, am Ende reichte es nur für einen Lattenschuss vom „Salzburger“ Vonlanthen. Auch schon was. Die Tschechen bestätigen, dass sie eigentlich gekommen sind, um Stehfußball zu spielen. Ja, das gehobene Alter verpflichtet. Merkwürdigkeit 1: ein Ex-Austrianer war der beste Mann am Spielfeld (Sionko) und der andere hat das goldene Tor gemacht (Sverkos). Wir sehen: die österreichische Bundesliga ist vielleicht doch nicht völlig abzuschreiben. Merkwürdigkeit 2: die Schweizer, so sagt man, sind ruhige, zurückhaltende Zeitgenossen. Wie wahr! Ich vermute, fünf Brasilianer hätten locker mehr Stimmung im Stadtion gemacht als die 20.000 Eidgenossen. Vielleicht sollten sich die Schweizer überlegen, südländische Fans einzubürgern. Bei den Fußballern geht das ja schon wie geschmiert: Valon Behrami, Gelson Fernandes, Johan Djourou.

Gruppe A, in Genf (20:45): Portugal – Türkei 0:2 2:0

Die Türken haben auf ganzer Linie versagt, nein, enttäuscht. Ich dachte an ein rassiges, hitziges, emotional aufgeladenes Spiel gegen die europäischen Brasilianer. Statt dessen ein nervöses Herum- geschiebe des Balles. Gut, technisch ist schwer mitzuhalten, mit den Portugiesen. Und dass sie EM-Favorit sind, heißt noch lange nicht, dass man sich nicht gegen sie wehren darf. Gegen die Schweiz wird das hoffentlich besser. Die Portugiesen haben ihr Plansoll erreicht. Ein bisserl stutzig konnte man schon werden: den Tor-Bann musste ein Innenverteidiger (Pepe) brechen, der in guter alter Puyol- bzw. Lucio-Tradition aus Fadesse nach vorne dribbelte. Beachtlich! Von einem Christiano Ronaldo sah man wenig. Was irgendwie zu erwarten war. Die Türken dürften ihn gut zugedeckt haben („Müde bist du, geh zu Ruh, nun schließ brav die Äuglein zu“).

EM: Literatur meets Fußball

Soll mal keiner sagen, Literatur und Fußball vertragen sich nicht. Meine germanische Lektorin aus Tübingen, Diana P., unterhält eine Internet-Tipp-Runde. Dabei geht es natürlich nicht um Geld, sondern nur um die Ehre des Tipp-Königs („er lebe hoch“). Ich hab mich angemeldet, natürlich mit einem Pseudonym. Sollte ich nämlich völlig danebenliegen („Immmmer wieder Österreich!“), dann weiß keiner, wer der seltsame Vogel ist, der Rumänien als EM-Sieger getippt hat. Uups.

Hier geht’s zur Tipprunde: http://www.kicktipp.de/emgalakticos/

Diana P. schreibt auch über die EM – in der schweizer (!) Internetzeitung FACTS 2.0. Ich werde, so weit es meine Zeit zulässt, ein paar Kommentare abgeben. Schließlich kenn ich mich aus. Im Fußball. Wer das Gegenteil behauptet, den fordere ich zum Elfmeterduell. Drei Schritte Anlauf. Kein Pardon!

EM: die seltsamse Idee der Frau P.

Vorgestern war’s, da fragte mich SP., ob wir nicht meinen Geburtstag nachfeiern wollten. Nächste Woche. Ich winkte ab, sagte nur „EM“, die ich sehen muss. Worauf sie meinte, man könne sich ja so ein Spiel gemeinsam anschauen. Aha! Eh ich mich versah, machte sie den Vorschlag, das Kroatenspiel* in einem kroatischen Lokal in Ottakring beizuwohnen. Und für die Österreicher zu brüllen. „Alles andere ist ja fad“, gab sie auf mein fragendes, leicht nervöses Zucken zurück.

Jetzt frag ich mich: Sind Frauen die besseren Hooligans?

* Österreich : Kroatien