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EUROVision Song Contest 2015: FINALE #ESC

Ja, die Sache mit dem Copyright
Ja, ja, die Sache mit dem Copyright.

update: So haben Juroren und Publikum abgestimmt! LINK

Yep. Die Pop-Überflieger ABBA wussten es bereits in den 1980ern: The Winner takes it all. Ihr Landsmann Måns Zelmerlöw gewann für Schweden das große Finale des europäischen Gesangswettbewerbs. Ziemlich klar auch noch dazu. Nur der russische und der italienische Beitrag konnten anfänglich dagegen halten. Aber am Ende setzt sich nun mal Qualität durch. Wirklich? Nope. Natürlich nicht. Das war ein Witz. Wenn Sie ernsthaft an dieses Märchen glauben, gehen Sie womöglich mit Lipizzaner-Scheuklappen durch die Welt da draußen. Jede Massenveranstaltung – Betonung liegt dabei auf Masse – wird von den Veranstaltern auf den Millimeter geplant. Überraschungen gibt es nur dann, wenn die Macher im Hintergrund eine solche zulassen wollen. Falls Sie mir nicht glauben, schlagen Sie nach bei Sigmund Freuds Neffe Edward Bernays und lesen Sie in seinem in den USA im Jahre 1928 erschienenem Werk Propaganda, wie wichtig es für die Elite ist, die Masse zu lenken und zu führen.

»Unsere muss eine Herrschafts-Demokratie sein, administriert von der gebildeten Minderheit, die weiß, wie man die Massen kontrolliert und führt«.

Mit anderen Worten, die europäische Song-Contest-Veranstaltung ist nichts anderes als gut gemachte Massen-Manipulation. Denn egal, ob Sie sich für den Event interessierten oder nicht – Sie hatten keine Chance, nicht nicht an dieses Ereignis erinnert zu werden. Längst ist der Mainstream-Medien-Apparat übermächtig und gibt vor, worüber wir zu reden und nachzudenken haben.

Zurück zum Singsang-Biz. Der österreichische und der deutsche Beitrag gingen ohne Punkte nach Hause. Hm. Derweil fackelten wir Ösis sogar das Klavier auf der Bühne ab. Der brennende Dornenbusch rund um einen Jünger Jesu lockte keinen Zuschauer hinterm Smartphone hervor. Ja, nicht einmal die erzkatholischen Italiener oder Polen oder Iren (okay, seit gestern müssen Sie diese von der Liste streichen) beschenkten uns für diese Darbietung mit einem Pünktchen. Enttäuschend. Einziger Trost, wie so oft, ist das geteilte Leid mit Deutschland. Das war bekanntlich vor vielen Jahrzehnten nicht anders, wenn ich mich recht erinnere. Kann mich aber auch täuschen.

Musikalisch fand ich den Beitrag von Zypern äußerst gelungen. Sehr sympathische Old-School-Trällerei. Der Mann hat – in meinen Ohren – eine formidable Stimme. Im Gegensatz dazu haben mich die zwei drei kleinen Italiener nicht gerade von der Couch geworfen. Macht nix, die Tenöre haben ihre Fangemeinde und das ist ja bekanntlich alles, was zählt, im Musik-Biz, nicht? Der Beitrag von Slowenien hat mir übrigens auch gefallen, Kopfhörer hin oder her. Und die ungarische Gesangstruppe erinnerte seltsamerweise mehr an Irland als an Ungarn.

Zu guter Letzt stellt sich mir die Frage, woher die Buchmacher wussten, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schweden und Russland geben würde. Ist mir schleierhaft. Zugegeben, die beiden Gesangsstücke sind nicht schlecht, aber sind sie um so vieles besser als all die anderen? Ja, wie verflixt noch mal können Journalisten und Buchmacher überhaupt den musikalischen Geschmack Europas auf die letzte Note kennen? Ist mir ein großes Rätsel. Gestern wusste ich noch nicht mal, wo Aserbaidschan liegt oder dass Georgien guten Wein produziert oder dass die geographische Grenze Europas nicht klar definiert ist und ziemlich weit nach Osten reicht. Früher einmal, lange ist es wohl her, lernte ich, dass die eine Hälfte von Istanbul in Europa, die andere in Asien liegt. Am Bosporus schieden sich nicht nur die Geister, sondern auch die Kontinente. Erst mit der Zerbröckelung der UdSSR in den 1990ern wurden die Grenzen neu gezogen – man reiche mir ein Lineal!

Also. Haben Sie eine Erklärung, wie die Wettquoten und Favoriten für diesen Wettbewerb zustande kamen? Und ist es nicht ein wenig schockierend, zu erfahren, dass Italien, Belgien, Polen und Australien dem späteren Siegerlied die maximalen Punkte gab? [Hier die Liste] Ich meine, ist es vorstellbar, dass Polen und Australier, Belgier und Italiener den gleichen Musikgeschmack haben?

Dass die Punktevergabe irgendwie mit den nachbarschaftlichen Beziehungen zu tun haben soll, hört man ja immer wieder. Die Indizien sprechen eine klare Sprache, dass dem tatsächlich so ist (okay, sehen wir mal von der Ösi-Piefke-Hassliebe ab). Mit anderen Worten, die Leutchen, die zum Telefon gegriffen haben – vermutlich aber auch die Jury-Mitglieder – stimmten aus persönlich-geographischen Gründen, nicht unbedingt aus musikalischen. Somit bleibt am Ende des Tages nur der Gedanke, dass die Qualität des Gesangsmaterials so gut wie wurst ist. Anders gefragt: Hätte Zypern das schwedische Lied im Programm gehabt, hätte man sie gewinnen lassen?

P.S.: Wie mir gerade aufgefallen ist, haben einige Länder aus finanziellen Gründen am Song-Contest 2015 nicht teilgenommen, beispielsweise Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Andorra oder Luxemburg (Bankenkrise?). Wir sehen: Am Ende regiert immer noch das Geld, nicht die Musik. Kurz: Wer zahlt, schafft an, darf singen.

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EUROVision Song Contest 2015: Semifinale 1 #ESC

Wo geht's hier zum ESC-Fan-Café?
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Schlapperlot. Da war ja einiges los, auf der Bühne – die LEDs tanzten Tango. Respekt. Kudos für die Bühnen-Designer und all jene, die dieses Technikkunstwerk zum Funktionieren brachten. Lobend auch zu erwähnen sind die kurzen Postkarten-Clips, die wie ein Weihnachtskalender daherkommen. Jeder Clip birgt ne (positive) Überraschung. Hach. Wär die Welt nur allerweil so happy. Dass die Gestalter aber auch mal daneben greifen können, zeigte der Clip, der das Austragungsland vorstellen und in einem hübschen Licht präsentieren sollte. Äh. Also wirklich. Ich dachte, mich tritt ein Lipizzaner. Dieser Teil ist gänzlich misslungen und völlig für die Katz.

An der Show an sich gibt es nichts zu bemängeln – abgesehen vielleicht von den aufgesetzten Witzchen der Moderatorinnen. Ja, alles in allem eine ordentliche Vorstellung.

Im ersten Semifinale wurden 6 Nationen nach Hause geschickt. Leid tut es mir vor allem um den Mazedonischen Beitrag, der mir gut gefallen hat. Ja, wirklich Schad um den in Wien lebenden Daniel Kajmakoski, der den Heimvorteil nicht nutzen konnte. Vielleicht hatten die Jury-Leutchen auch ein wenig Schiss vor den drei schwergewichtigen Rappern aus den Vereinigten Staaten – man hört ja allerhand von Ausschreitungen und Plünderungen und so.

Der ungarische Beitrag ist zurückhaltend und hebt sich wohltuend vom sonst recht lauten Singsang ab. Und das Duo aus Estland kann sich sehen und hören lassen. Gefällig auch der griechische Celine-Dion-Gassenhauer. Von den bisherigen 16 Beiträgen scheint mir der rumänische am authentischsten. Teilweise in der Landessprache gesungen, macht der Interpret auf die Probleme der Auswanderung in seinem Heimatland aufmerksam (oftmals sehen die guten Leutchen, die alle Grenzen niederreißen wollen, ja nur eine Seite der Medaille; auf den springenden Punkt gebracht: Gehen die tatkräftigsten Bürger ins Ausland, geht das Inland langsam aber sicher vor die Hunde). Eine Erwähnung ist auch der russische Beitrag wert. Nicht nur ist Polina Gagarina ein Hingucker, sie kann auch vom Stimmumfang überzeugen und steckt m. E. die serbische Wuchtbrumme allemal in die Tasche.

Politisch gesehen musste der ORF natürlich – unterschwellig – die Anti-Putin-Schiene fahren. Diese Propaganda ist ärgerlich. So versucht man dem Zuschauer zu vermitteln, dass die gleichgeschlechtliche Beziehung in Russland ein Verbrechen und damit verboten sei. Dies ist freilich nicht der Fall. Man höre hierzu Putin, der in einem Interview mit der BBC deutlich machte, dass das Gesetz vorrangig dazu gemacht ist, die Propaganda von nicht-traditioneller Sexualität einzuschränken.

Nun gut. Dann warten wir jetzt mal auf das zweite Semifinale.